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2.Etappe

Sonntag 03.06.2007 Roncesvalles/Spanien

 Der 3. Tag beginnt gegen 05.oo Uhr, aufstehen und erster Blick aus dem Fenster. Wie ist das Wetter? Es regnet nicht, das ist schon mal gut so. Dann das Übliche was man Morgen tut.

Dann alle Klamotten, die über den Heizkörpern zum trocknen hängen, (sind alle getrocknet) einsammeln und im Rucksack verstauen. Rucksack fertig packen. Das Appartement war in einem 600 Jahre alten Gebäude des Klosters gelegen und sehr schön gestaltet. Das Restaurant dazu war in der nächsten Querstraße. Im Restaurant gibt es aber erst um 08.oo Uhr Frühstück. Das ist mir viel zu spät. Um 06.oo Uhr geht der Marsch weiter. Hinter "Roncesvalles" geht es auf einem Waldweg weiter. Hier sieht man nach kurzer Zeit, zwischen den Bäumen, ein Pilgerkreuz aus dem Mittelalter. Leider ist es noch zu dunkel um ein Bild davon zu machen. Der nächste Ort "Burguete" ist ca. 2 km entfernt.

Hier ist noch alles geschlossen. So müssen wir noch 4 km weiter, bis zum nächsten Ort ziehen, um dort etwas zum Frühstück einzukaufen. In "Roncesvalles" gabt es dazu keine Möglichkeit. In "Espinal" gibt es einen kleinen Supermarkt, der am Ende des Dorfes ist. Hier ist eine kleine Kaffeebar eingerichtet, in der man gemütlich frühstücken kann. Hier treffe ich ein junges Paar. Sie sind auf dem Fahrrad von Portugal nach München unterwegs und haben auf dem ganzen Weg fast nur Regen gehabt. Nach dem Frühstück und dem Einkauf der eisernen Ration geht es weiter. 1 Bagouette,1 Dauerwurst, oder 1 Stück Käse sollte man immer bei sich haben. Das gleiche gilt für die Wasserflasche, diese sollte immer gefüllt sein, denn in den Bergen verbraucht man viele Kalorien und sehr viel Wasser, denn man schwitzt sehr stark.

Den Wasserverlust muss man immer wieder durch trinken auffüllen. Nach dem alles verstaut war, ging es weiter. Erst ein Stück zurück und dann rechts die Straße hoch, die dann in einen Feldweg übergeht, welcher dann rechts sehr steil hoch geht. Oben kommt man dann auf einen Weg von dem man eine schöne Aussicht hat. Leider war der Weg vom Regen noch aufgeweicht und rutschig, so dass man aufpassen musste um nicht auszurutschen. Teilweise hatten die Pilger den Weg ins Feld verlegt, da es anders nicht möglichwar, weiter zu kommen. Nach einem guten halben Kilometer geht es dann wieder steil runter, um kurz danach wieder steil hoch zugehen. Hier auf diesem Teilstück bin ich einem vor mir gehenden Ehepaar nachgegangen. Die beiden liefen auf einem Trampelpfad vom Weg ab und glaubten eine Abkürzung gefunden zu haben. Ich natürlich hinterher. Es ging auch ein Stück gut und dann standen wir im dichten Gestrüpp vor einem Stacheldrahtzaun. So lernte ich Hartmud und Elke aus Wittlich kennen, was sich ein paar Stunden später als Glücksfall heraus stellte. Wir standen nun vor dem Stacheldrahtzaun und mussten da nun rüber. Erstens der Rucksack war sehr hinderlich. Dann war das Buschwerk dornig und dicht und auf der anderen Seite des Zaunes ging es abwärts. Alles Dinge, die das Überqueren erschwerten. Da ich mir morgens meine lange Hose angezogen hatte, lies ich Hartmud und Elke erstmal das Hindernis überwinden und weiterziehen. Dann machte die Hosenbeine von meiner Hose ab. Danach ging ich weiter und konnte, nachdem ich den Rucksack zuerst unter dem Zaun durch geschoben hatte, selbst unter dem Zaun durchkrichen. Dann konnte ich weiter problemlos auf der Schneise, die die Zwei vor mir durch die Büsche geschlagen hatten, zum regulären Weg zurückfinden. Dieser sah aber auch nicht viel besser aus. Nachdem ich dann auf einem schön gepflasterten Weg bis zur N-135 gegangen war und diese überquert hatte, kam ich nach "Viscarret". Mittlerweile war es schon richtig warm und der Rucksack saugte einem den letzten Tropfen Wasser aus dem Rücken. Hinter dem nächsten Dorf "Linzoain" geht man über einen sehr steinigen Weg hoch, der dann in einen Waldweg übergeht und bis zur Passhöhe Erro 801 m führt.

Von der Passhöhe geht man auf einem Waldweg weiter und kommt an einer alten Pilgerherberge vorbei, die aber nicht mehr genutzt wird. Danach geht es wieder ca. 3 km steil bergab, auf steinigem Weg bis zur Brücke über den Rio Arga, die noch aus dem Mittelalter stammt, nach "Zubiri". Beim überschreiten der Brücke sah ich schon die ersten Pilger, die mit ihren Rucksäcken
dort standen und keine Unterkunft hatten. Die Albergues waren alle besetzt. Ich ging dann die Straße weiter bis zum Dorfplatz. Vor der Kirche, wo auch ein Trinkwasserbrunnen ist, wollte ich frisches Waser trinken, um mich etwas zu erfrischen.

Auch hier waren die Ruhebänke alle besetzt von Pilgern, die erst einmal ausruhen wollten. Einige hatten sich ein Taxi bestellt und fuhren ins nächste Dorf ,um dort zu übernachten. Vor dem Refugium saßen und lagen ca. 50 - 60 Pilger und warteten darauf, dass der Hospitalero, so nennen sich die Leiter der Refugien, kam und die Betten verteilte. Ich dachte: "Schon wieder kein Bett!" Egal, es war ja warm. "Schläfst Du halt wieder draußen". Da höre ich wie mich jemand mit Namen ruft. Ich schaue mich um, konnte aber nicht direkt ausmachen, von wem und von wo ich gerufen wurde. Dann hatte ich den Rufer entdeckt, es war Hartmud, den ich ein paar Stunden vorher im Gebüsch, mit seiner Frau, kennen gelernt hatte. Er stand in einem Mietshaus auf dem Balkon und rief: "Komm rauf, Du kannst hier bei uns auf dem Boden schlafen". Er hatte ein Zimmer in einer Wohnung bekommen. Hier wurden einzelne Zimmer von ganzen Wohnungen untervermietet. Somit hatte ich Glück, dass ich hinter Elke und Hartmud hergelaufen und im Dickicht gelandet war. Ich hatte eine Bleibe für die Nacht. So sind die Pilger, man hilft sich gegenseitig, auch wenn man sich nicht kennt. Ich bin den Beiden dankbar für ihr Entgegenkommen. Das Wichtigste, am Ende einer Etappe ist, 1. dass man sofort ein Bett hat, 2. dass man sich duschen und frisch machen kann und 3. dass man sich eine Stunde hinlegen und die Füße schonen kann. Danach fühlt man sich wieder fit und könnte weiter laufen. Wenn ich am Ziel angekommen war und hatte mein Bett, rief ich zu Hause an und sagte Bescheid. Dann wusste meine Frau, dass alles gut war.

Sie hörte mir dabei die Anstrengung der Etappe an. Wenn ich mich dann 2-3 Stunden später wieder meldete, klang ich nach Aussage meiner Frau,wieder
frisch und gut. Es war wieder ein sehr anstrengender Tag und die Sonne forderte uns einiges ab. So ließen wir den Abend beim Pilgermenue ausklingen. Gegen 21.oo Uhr ließen wir uns unseren Stempel im Refugium in unser Credencial setzen. Hier konnten wir sehen, dass alle Pilger ein Bett, oder zumindest eine Matte zum schlafen bekommen hatten. Um 22.oo Uhr lag ich dann im Zimmer von Hartmud und Elke aus "Wittlich", die im Ehebett lagen, auf meiner Isomatte und im Schlafsack auf dem Boden und verbrachte dort eine erholsame Nacht.

 

 

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