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03.Etappe

Montag den 04.06.2007 Zubiri.

Zubiri ist ein sehr schönes, gepflegtes Dorf. Man muss über die alte Brücke gehen,

wenn man vom Camino kommt, um ins Dorf zugelangen. So muss man, wenn man weiter auf dem Camino wandert, auch über die Brücke zurück gehen. Der Weg geht dann gleich rechts hoch. Man kommt an einer Fabrik vorbei und dann muss man durch ein Stück Landschaft, welches von
dieser Firma verunstaltet wurde. Dahinter geht es auf einer steilen Treppe hinunter. Dann geht es auf einem schönen Wanderweg bis zum Abzweig "Larrasoana".
Wie einige andere Pilger, wollte ich dort Frühstück machen. Doch am Abzweig traf ich jemanden, denn ich schon mal in Bayonne gesehen hatte. Er trug wie in Bayonne ein Stativ in der Hand.

Ich fragte Ihn, was er denn mit dem Stativ mache und warum er dieses mitschleppte? Er klärte mich auf und sagte, er sei auf dem Camino unterwegs und mache Bilder und Fotoaufnahmen zu einem Bildband und einer Vortragsreihe, die ihn auch in die Nähe von Düren führe. Als ich weiter gehen wollte sah er, dass ich eine Gitarre auf dem Rucksack befestigt hatte. Er fragte mich und sagte: "Das sieht aber gut aus, kann ich Dich damit fotografieren"? "Natürlich! Dafür packe ich sie aber zuerst aus". War meine Antwort. Ich hatte sie in eine Plastikhülle gepackt, um sie vor Regen zu schützen.

Gesagt getan, dann wurden mehrere Aufnahmen von mir und meiner Gitarre gemacht, um sie vielleicht in diesem Bildband zu verwenden. In der Zwischenzeit waren die Kanadier auf die Hartmut, so heißt der Fotograph, hier gewartet hatte auch eingetroffen. Sie wollten auch noch alle ein Bild von mir und meiner Gitarre. So dauerte es noch etwas, eh ich weiterziehen konnte. Hartmut gab mir seine Internetadresse und versprach mir, die Aufnahmen zuzusenden. Ich habe in angemailt. Er hat auch geantwortet und wird sich, wenn er soweit ist, wieder bei mir melden und mir die Bilder zukommen lassen. Bericht von Udo Wetzel über Larrasoana:
Guten Morgen Willi,

ich schaue fast jeden Tag im Internet nach, wie weit Du mit Deiner Berichterstattung gekommen bist. Heute habe ich Deinen 3. Tagesbericht schon gelesen. Bei jedem Abschnitt wird mir der Weg wieder gegenwärtig. Auch der Fotograf taucht wieder aus meiner Erinnerung auf. In dem Hotel in Akkarreta hatten Detlef und ich übernachtet. Und dieses Hotel war ca. 300 Jahre alt, ein ehemaliges Bauernhaus und innen noch die große Küche mit dem Backofen zu erkennen. Vom ersten Stock bis unter das Dach war noch der große Abzug im Durchmesser von anfangs 3 Meter bis oben ca. 1 m erhalten. Alles war liebevoll restauriert. Der/die Besitzer wohnten gar nicht im Hotel. Morgens kam um 6 h der Hotelier mit einer Bedienkraft und richtete das Frühstück her.

Das Hotel war mit € 71 nicht gerade billig aber der Preis war in Bezug auf die Ausstattung o. k. Detlef und ich waren um 17 h die einzigen Gäste. Wir sind dann nach Larrasoana gegangen und da uns verschiede Pilger nach einem Hotelzimmer fragten, gaben wir unsere Empfehlung ab. Und siehe da, gegen 20 h waren die 12 Zimmer komplett belegt, unter anderem mit den 6 älteren Franzosen (Ehepaare), die wir auch schon in Roncesvalles getroffen hatten.

Außerdem dabei, ein junger Mann mit Zimmermannshut und einer, der wie Du mit Lederwanderschuhen unterwegs war und sein Motiv war – was Hape kann, kann ich auch. Der war vielleicht auf seinen Ausrüster am fluchen. Aber er (Anfang/Mitte Dreißig – Videothekebesitzer) hatte auf dem Weg fürchterlich mit sich und seinen Füssen zu kämpfen.
Ein deutsches Ehepaar war auch noch vorhanden und natürlich unser Mexikaner (Francesco glaube ich hieß er), den Du und ich des öfteren dann noch gesehen haben.
Es war eine lustige Runde und nach 3 Flaschen Wein an unserem Tisch - wir bezahlten nur unser Menü (€ 18), den Wein gab es dazu – wurde es doch spät und wir kamen erst an nächsten Morgen gegen 8 h in die Gänge.
Ich hoffe, du kannst Dich noch den Japaner mit dem Reishut (Spitzhut) erinnern? So, nun warte ich wieder auf Deinen nächsten Bericht.
Bis zum nächsten Mal
Udo
Soweit der Bericht von Udo. Danke
 Er sagte mir aber, ich brauchte nicht nach Larrasoana hineinzugehen, denn es gebe keine Möglichkeit zum frühstücken, da noch alles geschlossen war. So zogen alle weiter, auf dem Weg am Fluss entlang, bis es wieder aufwärts geht nach Akerreta. Hier sollte ein Hotel sein. Also neue Hoffnung auf einen Kaffee con Leche und ein Frühstück. Leider war hier für die Pilger kein Zutritt, etwas, was es auf dem weiteren Weg nicht noch einmal gegeben hat.

Hier zeigte sich wie wichtig es ist, immer eine eiserne Ration dabei zu haben. So wurden dann das Baguette von Gestern und der Hartkäse ausgepackt und mit frischem Brunnenwasser lecker gefrühstückt. Der Weg geht mehrmals über den Fluss Arga und unterquert mehrmals die Nationalstraße. Hinter Zabaldika geht es wieder stark aufwärts, so dass man einen schönen Überblick über das Tal des Flusses Arga hat. Hier waren Teile des Jakobsweges verlegt, da in bestimmten Abschnitten der Weg abgebrochen war.

Wenn man die Brücke des Flusses Ulzama überquert hat, kommt man am Kloster Trinidat de Arre vorbei. Man ist schon im Vorort von Pamplona. Nach ca. 2 km geht es links über eine mittelalterliche Brücke (Madalenabrücke) über den Fluss Arga. Hinter der Brücke geht man links und erreicht dann die "Albergue Paderborn".
Hier saß draußen auf der Bank, vor dem Haus, mein Fotograph Hartmut. Diese Albergue wird von Dieter und seiner Frau für 10,00 € für jeden am Tag, geleitet. Es gibt viele Hospitaleros und Hospitaleras, die auf dieser Basis die Herbergen für die Pilger leiten. Es sind wirkliche Idealisten, die mit viel Liebe und Begeisterung diese schwere Arbeit leisten.

Hier bekam ich ein Bett zugewiesen. Das Wchtigste, was es auf dem Camino gibt, ist wenn man nach einer schweren Etappe am Etappenziel ankommt, dass man direkt ein Bett bekommt und dass man weiss, wo man schlafen kann. Dann beginnt die tägliche Prozedur, duschen, Fußpflege, Wäsche waschen und 0,5 bis 1 Std. schlafen und Füße hoch legen. Danach ist man wieder fit. Nachdem ich mein Bett bezogen hatte, waren die anderen Betten auch belegt. Ein älterer Herr kam noch spät an und musste auf dem Boden schlafen. Er war 74 Jahre alt und ging zum 4. Mal den Weg. Er hatte sich bis hierher noch nicht bei seiner Tochter in Hamburg gemeldet.

Da er den schweren Weg über die Pyrenäen genommen hatte, fürchtete er die Vorwürfe seiner Tochter. Ein Spanier, der bei jeder Bewegung die er machte fürchterlich stöhnte. Man glaubte, dass er total fertig ist. Es sollte sich auf dem weiteren Weg, bis er nicht mehr dabei war, heraus stellen, dass er das immer machte. Also nichts Schlimmes. Wenn er mich sah, machte er immer ein großes Trara. Ich war sein "Hombre" mit "La Guitarra". Dann zogen Udo und sein Kumpel Detlef ein.
Zuerst Udo und etwas später Detlef. So sollte es bis Burgos immer sein. Doch wir waren alle noch am Beginn unserer Pilgerreise und entsprechend geschafft, so das zuerst alles flach lag. Zum kennen lernen reichte die Kondition noch nicht aus. Pamplona ist eine große und schöne Stadt, die sich in Altstadt und die tiefer gelegene Neustadt teilt. Leider ist man nur kurz an jedem Ort, denn am anderen Tag muss man die Herberge um 8.oo Uhr geräumt haben.

Man kann nicht mehrere Tage dort verbringen. Es geht in den Herbergen zu, wie man das aus der Jugendzeit her kennt, wenn man in der Jugendherberge war. Es wird in Gemeinschaftsschlafräumen, mit Männlein und Weiblein geschlafen. Es gibt auf dem Weg Albergues in denen man mit 70 - 80 Pilgern beiderlei Geschlechts in einem Raum schläft. Es bleiben also nach der Verrichtung der täglichen Arbeit, wie Wäsche waschen, Fußpflege, regenerieren und Verpflegung einkaufen, nicht viel Zeit um alles anzusehen, was sehenswert ist.

Man will ja auch nach Möglichkeit haben, in die Pilgermesse am Ort gehen, die meistens gegen 19.oo Uhr ist. Die Altstadt in Pamplona ist mit ihren großen Gebäuden bombastisch. Von der "Albergue Paderborn" geht es links und dann nach ca. 150 m rechts den Berg hoch. Dann ist man schon an der Arena die durch den Roman von Hemingway "Fiesta" weltberühmt wurde. Um diese Arena herum ist natürlich alles vom Feinsten.

Man sieht hier im Boden auf den Straßen die Vorrichtungen, um die Stellwände bei der Stierhatz zu befestigen, bei der jedes Jahr viele Menschen oft schwer verletzt werden. Trotzdem finden sich immer wieder Menschen, welche die Stiere durch die Straßen treiben.
Um 22.oo Uhr ist Nachtruhe und das Licht wird gelöscht. Da verstehen die Hospitaleros keinen Spaß. Wer nicht pünktlich ist, kommt nicht mehr rein.

Leider scheiterte zum wiederholten Mal mein Versuch, etwas auf der Gitarre zu spielen, da meine Hände sich verkrampften und ich sie dann wieder auseinander biegen musste. Offenbar klemmte ich mir mit dem Rucksack, den ich nicht gewohnt war, in der Schulter etwas ab, wodurch ich den Krampf in den Händen bekam und sie nicht richtig bewegen konnte. Nach dem ich alles erledigt hatte, den Rucksack für den nächsten Tag gepackt, meine eiserne Ration wieder ergänzt und das Tagebuch geschrieben hatte, war auch dieser Tag zu Ende. Es war zwar wieder ein schwerer Weg, den wir zurück gelegt hatten, aber das Wetter war sehr schön und warm. Es war ein guter Tag auf dem Camino.