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4.Etappe
Dienstag 05.06.2007 ab Pamplona.

Der neue Morgen auf dem Camino, in der Albergue Paderborn, beginnt mit Musik. Da ich immer früh wach bin, meistens ab 05.oo Uhr und noch früher, war ich zu dem Zeitpunkt schon fertig mit meiner Morgentoilette, als der Hospitalero Dieter mit seiner Mundharmonika durch die

Gänge lief und die Pilger mit schönen deutschen Volks- und Wanderliedern weckte. Bevor das Licht an ging. Dies war seine Art, den Pilgern auf dem Camino und in seinem Haus einen guten Morgen zu wünschen. Dass ich immer früh auf den Beinen war, hat auch damit zu tun, dass in den Albergues die Dusch- und Waschmöglichkeiten für so viele Pilger sehr begrenzt sind. Meistens nur 1 oder 2 Waschbecken und ebenfalls so viele Duschen. Es kommt sogar vor, dass für Männlein und Weiblein die gleichen Anlagen zur Verfügung stehen. Da ich immer der Erste war, der aufstand, hatte ich Platz und Zeit genug um mich zu waschen und zu pflegen wenn ich alleine im Waschraum war. Während
Dieter mit Musik durch das Haus zog, gab er auch einen Wetterbericht durch.
Es sah so aus, dass es ein schöner Tag werden sollte. Um 06.15 Uhr gab es in der Albergue ein Pilgerfrühstück, mit Kaffee, Brot und Marmelade. Beim Frühstück lernte ich den 74 jährigen Pilger aus Hamburg näher kennen, der zum 4.x den

Camino durchwanderte. Er hatte bis dahin noch immer nicht Kontakt mit seiner Tochter aufgenommen, um ihr mitzuteilen, wo er war und wie es ihm ging. Er hatte Angst davor, seiner Tochter mitzuteilen, dass er von "Saint Jean Pied de Port" über die Pyrenäen den schweren Weg gegangen war. Er wollte in "Pamplona" einen Ruhetag einlegen. Da er nicht, wie ein Jahr zuvor, wieder in 32 Tagen, sondern länger auf dem Jakobsweg unterwegs sein wollte. Er hatte diesmal 6 Wochen eingeplant. Der Hospitalero teilte ihm aber mit, das auch er bis 08.oo Uhr die Albergue verlassen haben mußte. Udo und Detlef, die ich auf der 3. Etappe irgendwo in den Bergen in einer Kaffeebar kennen gelernt hatte, logierten auch in
meinem Zimmer, in der Alberge Paderborn.
Ich konnte feststellen, dass sie wohl kleine Morgenmuffel waren und gerne etwas länger liegen bliebenund später aufstanden. So machte ich mich gegen 06.45 Uhr auf den Weg. Es begann ein

langer Weg durch "Pamplona", an der Magdalenenbrücke vorbei, hinauf in die Altstadt, zum Park mit der Zitadelle und immer den gelben Pfeilen an den Bäumen folgend. Dann durch einen neueren Stadtteil an der Uni vorbei durch den Park. Hier sah ich zum ersten Mal eine Pilgergruppe, die in einem Kreis stand und ihre Morgenandacht hielt. Sie würde mir noch des Öfteren begegnen. Dann an einer Albergue vorbei zur Stadt hinaus. Jetzt laufe ich auf einer Straße und überquere eine andere. Dann gelange so nach "Cizur Menor", das auf dem Berg liegt. So schön es auch war, dass es Frühstück gab in der Albergue. Es hat den Nachteil, dass man zu spät weg kommt. Die besten Stunden zum wandern, wenn es warm ist und die Sonne scheint,
sind die Morgenstunden von 06.oo Uhr bis ca. 10.oo Uhr. Dann ist es noch angenehm kühl und man kommt
gut weiter. Heute war ich zu spät dran. Hinter "Cizur Menor" sieht man ganz oben auf dem Berg einen Windpark mit ca. 40 Stck. Windkrafträdern. In diese Richtung führt der Weg. Es geht dabei sehr steil hoch zum Pass Puerto del Perdon. "Pamplona" liegt jetzt in weiter Ferne und man blickt

in das nächste Tal hinein. Auf dem Paß treffen "Der Weg der Sterne" und "Der Weg der Winde" zusammen. Man überquert eine Straße und dann geht es steil bergab. Hier oben auf dem Pass treffe ich Udo und Detlef wieder, sie müssen mich wohl in "Guendulain" überholt haben, als ich meine erste Rast machte. Der Weg abwärts ist steinig und steil, er besteht nur aus Geröll. Auf halber Strecke vertrete ich mir das linke Bein.
Der Oberschenkel und die linke Hüfte schmerzen sehr. Gleich ist die Angst da, dass so etwas zur Aufgabe des Weges führen
könnte. Hier bewährt sich zum erstenmal so richtig mein Wanderstab. Diesen habe ich in Holland aus einem sogenannten Korkenzieherbaum geschnitten und für diese Pilgerreise bestimmt. Ich kann mich sehr gut darauf abstützen und mein linkes Bein entlasten. So geht es weiter, nach einer 1/2 Stunde ist mein Bein wieder in Ordnung und ich kann wieder richtig gehen. Dann kommt "Uterga". Die Sonne brennt so richtig auf die Pilger herab. Man tritt auf seinen eigenen Schatten und die Sonne

steht senkrecht über uns. In "Uterga" wird die Kaffeebar schon von den Pilgern belagert. Es sah aus, wie ein Biwak am Himalaja. Überall lagen Rucksäcke herum und die Pilger suchten Schatten, um sich etwas erholen zu können. Natürlich! Wen treffe ich hier schon wieder? Udo und Detlef.
Hier ist eine längere Rast angesagt mit einigen Tassen Kaffee con Leche. Die beiden geben ein seltsames Paar ab. Udo
ist schnell unterwegs. Er zieht die Berge hoch, wie eineBergziege.
Detlef ist dagegen gemächlicher und nimmt öfter mal eine Auszeit, in dem er, wenn eine Bank in der Nähe ist, sich darauf etwas zur Ruhe legt. Udo zeichnet sich dadurch aus, dass er immer, wenn ich ihn unterwegs treffe, in einer Bar ( wie bei uns Kneipe ) steht und Kaffee schlürft und auf Detlef wartet. Die von ihm am meisten gestellte Frage auf dem Camino ist nicht etwa: "Wo ist hier die Albergue, oder wo ist

der nächste Pfeil?" sondern: "Hast Du meinen Kumpel gesehen"? Detlef hatte mit dem gleichen Problem zu kämpfen wie auch ich. Von Beginn an hatte ich immer ein leichtes Übelkeitsgefühl, was sich nach einer Woche dann legte.
Bei ihm war es so stark, dass es ihn in "Logronno" zur Aufgabe zwang. Darum sein schlechtes weiterkommen. Mein lieber Udo hatte aber ein ums andere Mal das
Problem,d ies seiner Sylvia zu erklären.
Jeder hat einen anderen Rhythmus, andere Schrittlänge und Schrittfrequenz und muss seinen Schritt gehen. Nach dieser Rast geht es weiter, es ist nicht mehr weit bis "Puente la Rheina", vielleicht noch 6-7 km. Zuerst geht es auf einem guten Weg nach "Muruzabal" und dann weiter nach "Obanos" zu dem man wieder einen steilen Aufstieg bewältigen muß. Danach geht es wieder abwärts durch Wein- Obst- und Gemüsegärten nach "Puente la Reina". Mit auf dem Weg waren unter anderen auch Japaner. Sie trugen dabei ihre tellerartigen Strohhüte und lange rote Gamaschen. Ein Koreaner, mit dem ich in "Roncesvalles", beim Pilgermenue

am Tisch gesessen habe, schleppte sich mühsam den Berg hoch. Die Füße machten nicht mehr mit. Mein spanischer Freund, der mich immer laut mit "Hombre" und "Ole" begrüßte, schleppte sich ebenfalls schon schwer
angeschlagen die Berge hoch. Das letzte Stück dieser Etappe bin ich dann mit Udo gegangen, so dass wir gemeinsam in "Puente la Reina" angekommen sind. Direkt am Eingang
des Ortes gibt es das Hotel Jakue, welches im Keller die Pilgerherberge betreibt. Hier konnten wir einkehren und Quartier nehmen. Diese Albergue ist sehr zu empfehlen. Sie ist neu und hat ausreichende und saubere Sanitäranlagen. Auch hier liegen Männlein und Weiblein in einem großen Raum, der durch Bastvorhänge abgeteilt ist. Gegen 16.oo Uhr haben wir unser Tagesziel erreicht. Nun geht es darum, erst einmal zu duschen, Fußpflege, Wäsche waschen, eine Stunde ruhen, Füße hochlegen

und entspannen. Gegen17.3o Uhr in die Stadt gehen und die berühmte mittelalterliche Brücke über den Rio Rabo anschauen. Es fällt sofort ins Auge und man hört sie überall, wo ein Turm steht.
Auch auf Kirchtürmen und extra dafür aufgestellten Plattformen usw. sind Storchennester. Und alle sind besetzt. Dies wird uns bis Galizien begleiten. So viele Störche, das glaubt man nicht. Die klappern und es ist wunderschön. Es erfreut einen jeden Tag aufs neue. Im Hotel gab es leider kein
Pilgermenue, so dass wir im Ort zu Abend gegessen haben. "Puente la Reina" ist eine schöne, alte und gepflegte Stadt, deren Ursprung auch im Mittelalter liegt. Daraus sind noch viele alte Gebäude erhalten. Es gibt dort die

Santiago Kirche und die alte Pilgerherberge. Hier stoßen offiziell die zwei wichtigsten Pilgerwege Nordspaniens zusammen. Dies geschieht zwar schon 3 km vorher in "Orbanos", aber "Puenta la Reina" hat den

Namen und wird als die Stelle bezeichnet, an der die Wege sich zu einem Weg vereinen. Auf der Sirga Peregrinal, der Calle Major hat mein Mitpilger eine Kaffeebar entdeckt, die morgens schon ab 07.oo Uhr Frühstück ausgibt. Damit ist der nächste Tag schon halb gesichert. Zurück in der Albergue nehme ich meine Gitarre zur Hand und versuche etwasdarauf herum zu klimpern. Im Aufendhaltsraum läuft ein Radio. Eine Pilgerin geht gleich hin und schaltet das Radio aus, als ich mit meiner Gitarre anfange zu klimpern. Es geht leider noch nicht so
richtig, meine Hände verkrampfen dabei. So stimme ich sie erstmal und stelle sie dann in die Ecke. Das Tagebuch muß geschrieben werden. Dann Vorbereitung fürdie nächste Etappe und der Tag ist zu Ende. Wieder ein guter Tag mit schönem Wetter und gutem Nachtquartier. Wie jeden Tag, so rufe ich auch heute wieder zu Hause an, um Bericht zu erstatten und meiner Frau eine gute Nacht zu wünschen. Sie erzählt mir dann, was sie gemacht hat und ob es ihr gut geht. Wenn das dann so ist, bin ich beruhigt und kann mich entspannt auf den kommenden Tag und die Etappe vorbereiten.

Nachtruhe wie immer 22.oo Uhr