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5.Etappe

Mittwoch den 06.06.2007 ab Puente la Reina

Puente la Reina 07,00Uhr

 Es ist gleich 05.oo Uhr und langsam kommt Unruhe in den Schlafraum. Es ist Zeit aufzustehen, ab in den Waschraum bevor es dort zu eng wird.

Noch muss ich mir ja auch die Haare fönen, was Zeit braucht. Danach mit der Taschenlampe den Rucksack ordentlich packen. Udo und Detlef sind auch schon am wuseln. Es scheint so, dass sie auch früh weg wollen. Dann Abmarsch. Das Wetter sieht gut aus, teilweise bewölkt, doch die Wolken verziehen sich, wenn die Sonne aufgeht. Hier geht die Sonne erst zwischen 06.oo und 07.oo Uhr auf. Es ist nicht ratsam vor 06.oo Uhr aufzubrechen, da es dann noch so dunkel ist, dass man schnell einen gelben Wege-Pfeil übersieht und sich verläuft.

Ich gehe frühestens gegen 05.45 Uhr ab, dann dämmert es etwas und man kann so eben die Wegweiser ausmachen. Ab 07.oo Uhr gibt es erst Frühstück in der Stadt, in der Calle Major. Überall sieht man die Störche und hört sie klappern. Die Bar ist schon voll besetzt als wir dort ankommen. Auf der Straße liegen jede Menge Rucksäcke. Sie passen nicht mehr in die kleine Bar und müssen draußen bleiben. Ich vermisse meine Sonnenbrille, muss also noch mal zurück zur Albergue. Dort ist sie aber nicht. Abends stelle ich fest, dass ich sie im Rucksack verstaut hatte. Als ich zur Bar zurückkomme, sind schon fast alle weg und mein Rucksack liegt noch alleine auf der Straße.

Ich trinke noch schnell zwei Tassen Kaffee und esse ein Brötchen. Dann geht es den Kameraden hinterher. Der Weg führt durch die Stadt, über eine alte Römerbrücke über den Rio Arga, die Straße überqueren, 100 m links und dann nach rechts in eine Seitenstraße, die dann nach 2,5 km wieder steil ansteigt und auf einem guten Weg nach "Maneru" führt. In "Maneru", schon am Ortseingang, hat Detlef es sich auf einer Bank gemütlich gemacht. "Peregrino" Udo ist noch weiter gezogen. Irgendwo werde ich ihn auch auf dem Weg treffen. In "Maneru" ist eine schöne Bar geöffnet und viele Pilger machen hier Frühstückspause. Mir ist es noch etwas zu früh und so gehe ich weiter bis "Cirauqui", einem richtigen Bergdorf.

Es geht sehr steil hoch bis zum Dorfplatz. Hier stehen Bänke und es gibt einen kleinen Laden. Es gibt dort zwar keinen Kaffee con Leche, aber einen Cola-Automaten. Also alles was man braucht, um eine Rast einzulegen. Denn 7,5 km der Tagesetappe sind schon geschafft. Hier auf diesem Platz sah ich zum ersten Mal einen Pilger aus Düsseldorf mit seinem Hund, einem Redriver.

Da in den Refugien, sprich Albergues, Hunde nicht erlaubt sind, hatte er immer ein großes Problem, eine Möglichkeit zu finden, mit seinem Hund zu übernachten. Er begleitete uns ein gutes Stück des Weges.Über mehrere Etappen läuft der Hund zwischen uns und bringt etwas Abwechslung in den Trott und die Hitze der Etappen. Bis er dann um des Hundes willen aufgeben musste. Nach dem ich hier gefrühstückt und etwas ausgeruht habe, gehe ich weiter. Vom Dorfplatz geht esdurch einen Torbogen und dann wieder steil bergauf. Hinter "Cirauqui" geht es dann steil bergab, bis zu einer halb verfallenen alten Römerbrücke.

Danach durch eine Unterführung unter der Nationalstraße auf die andere Seite. Nach mehrmaligem kreuzen dieser Piste, kommt man auf einem guten Weg wieder zu einer weitern alten Römerbrücke auf der man den Rio Salado erneut überquert. Hinter der Brücke ist der Weg sehr holprig, vom Geröll.

Man geht dann teilweise über Asphalt oder Feldwege. Ein gutes Stück vor dem Ort "Lorca" unterquert man einen Aquädukt, der quer über die Nationalstraße geht. Dahinter geht man links auf einen Feldweg auf dem nach kurzer Strecke eine neue Brücke, die aber im mittelalterlichen Stil erbaut ist, den Rio Salado wieder überquert. 

Hier habe ich den 74 jährigen Hamburger noch einmal gesehen, als er im Fluss seine Füße kühlte. Er wollte in "Lorca" übernachten. Das war das Letzte, was ich von ihm hörte und sah. In "Lorca" in der Bar, am Weg, traf ich natürlich Udo, der seinen Kaffee schlürfte. Seine erste Frage: "Hast Du meinen Kumpel gesehen"? Ich konnte ihm sagen, dass ich ihn das letztemal in "Maneru" gesehen hatte, was schon 8 km hinter mir lag. Als wir so auf der Straße sitzen, kommt ein Auto mit
DN- Kennzeichen die schmale Straße herauf gefahren. Er war voller Türken, die aus Frankfurt kamen, um in "Lorca" irgendwelche Maschinen zu putzen.

Das "Dürener Auto" war nur ein Leihwagen. Schade, ich hatte mich schon gefreut etwas aus der Heimat zu hören. Sie fragten mich : " Wo ist hier der Parkplatz"? Darauf ich : " Unten im Tal "! Das fanden sie auch nicht lustig. Ich trank mit Udo noch einen Kaffee con Leche ( Milchkaffee) und zog dann weiter. Udo wartete auf Detlef. Es geht weiter über Feldwege, bergauf und bergab, dann wieder durch einen Tunnelunter der Nationalstraße her bis "Villatuerte". Ich beschließe hier an der Kirche noch einmal eine Pause einzulegen. Von meinen 2 Mitpilgern ist nichts zu sehen und ich gehe weiter. "Estelle" kommt in Sicht und dicke, schwarze Wolken ziehen über "Estella" auf. Die Sonne sticht und steht senkrecht am Himmel .Es ist sehr heiß. Tief unter mir auf der rechten Seite plätschert der Rio Ega in seinem Bachbett und links stinkt ein riesiger Mistberg die ganze Gegend voll. So geht es nach "Estelle" hinein. "Estella" wird "Die Schöne" genannt.

Die erste Albergue kommt und dort steht das Schild "Completto!" Was nun? Ich bin kaputt, doch ich muß weiterziehen. Man sagt mir ca. 1 1/2 km weiter ist noch eine Herberge, in der Sporthalle. Zuerst aber einmal Pause, den Rucksack runter und eine Rast eingelegt. Diese Etappe hatte es in sich, durch die Sonne, die unerbittlich auf uns Peregrinos herunter scheint. Nach einer 1/2 Stunde geht es weiter. Rucksack wieder rauf und weiter.Quer durch die Stadt, an der Kirche San Pedro de la Rua vorbei. Hier ruft mich jemand. Ich suche den Rufer und finde ihn oberhalb der Kirche. Es ist die Frau, die in "Puente la Reina" in der Albergue, gleich das Radio im Aufenthaltsraum abstellte, als ich mit meiner Gitarre anfing zu klimpern. Sie hatte sich da oben irgendwie fest gelaufen und kam nicht mehr runter.

Da konnte ich ihr leider auch nicht helfen, ich musste weiter, denn eine kalte Dusche war das einzige was wichtig war. Ich pilgerte aus der Stadt hinaus in den Vorort "Ayegui" zur Turnhalle. Hier ist in den Sommermonaten eine Herberge untergebracht. Endlich, ich habe ein Bett. Duschen, Wäsche waschen usw. wie gehabt. Vor mir sind 2 Japanerinnen angekommen. Es ist schlecht zu schätzen wie sie zueinander stehen.

Die kleinere von beiden, liegt mitten im Raum und macht alle möglichen Verrenkungen. Es stört sie überhaupt nicht, dass sich so langsam der Raum mit Pilgern füllt. Sie reist mit einer rosa Tagesdecke mit rosa Volants auf dem Camino. Um 19.oo Uhr gibt es Pilgermenue im Restaurant der Sporthalle. Ich nehme an einem Tisch für 4 Personen Platz und bestelle mein Menue. Vorspeise: Pasta, Gericht: Kartoffeln und Fisch, Nachtisch: Eis und dazu wahlweise Wasser oder Wein. Ich entscheide mich für Wasser. Dann setzte sich ein Pilger, der mit dem Rad unterwegs war zu mir an den Tisch. Er sitzt mir schräg gegenüber. Er war noch sehr frisch auf dem Camino, da er noch sehr weiße Haut mit sich herumtrug. Ich schätze ihn auf knappe 20 Jahre. Da er sehr abgekämpft aussieht, biete ich ihm von meinem Wasser ein Glas an, was er dankbar annimmt. Nun bestellt er sein Menue und entscheidet sich für eine Flasche Wein. Das Gedeck wird gebracht und angelegt und die Flasche Wein auf den Tisch gestellt. Das Menue dauert noch etwas. Er muss wohl sehr starken Durst gehabt und dabei die Wirkung des Weines unterschätzt haben. Er hatte die Flasche so schnell, bis auf einen Rest in der Flasche von ca. 2 cm, leer getrunken. Das ging so schnell, dass ich es gar nicht mitbekommen habe. Es dauerte nicht lange und er fing an, mit dem Kopf ganz leicht zu wackeln. Er flickerte mit den Augen und hatte Probleme sich gerade zu halten. Nun bekam seine weiße Haut, zumindest an den Ohren, eine rötliche Farbe. Möchte behaupten, dass die Ohren gerade einen Temperaturanstieg von einigen Wärmegraden erlebten. Das Menü kam und mein Mitesser versucht das Fleisch mit der Gabel zu schneiden. Er lag dann später wie ein Toter in seiner Koje und rührte sich nicht mehr. Er wird wohl auf der Weiterfahrt am nächsten Tag auch Magenprobleme gehabt haben.

Gegen18.oo Uhr kam der Pilger mit seinem Hund an. Er mußte zuerst noch warten und bekam einen Platz am Fenster, unter dem sein Hund, von Außen in der Anlage, einen Platz bekam. So konnten sie sich beide gegenseitig hören und sehen. Eine Notlösung. Peto, der Hospitalero der Albergue in der Sporthalle, ist wie einige Hospitalras und Hospitaleros auf dem Camino, hier hängen geblieben. Er hatte den Ergeiz, zu allen
vier Jahreszeiten rückwärts, das heißt von "Santiago de Compostela" nach "Saint Jean Pied de Port" zu gehen. Wie er sagte wollte er damit in die Geschichte des Camino eingehen. Beim letzten Mal sprach der Betreiber der Albergue in der Sporthalle ihn an, ob er nicht Lust habe, hier als Hospitalero zu arbeiten. Peto machte erst seine letzte Tour fertig, kam zurück und fragte od der Job noch frei sei und blieb da. So haben viele Hospitaleros ihre eigene Geschichte. Peto übergab mir die erste Urkunde auf dem Camino, für die ersten 100 km.

Heute war ein anstrengender Tag und ich hatte zum ersten Mal Spuren abbekommen. Die ersten Blasen hatten sich gebildet und mussten behandelt werden. Ich hatte mir zu Haus in der Apotheke ein Notpaket zusammen stellen lassen, welches mir jetzt zu Gute kam. Bevor ich den Abend ausklingen lassen konnte, musste ich noch zum Geldautomaten, Geld holen. Udo und Detlef sind nicht mehr angekommen. Ich hatte aber 2 Plätze für sie reservieren lassen. Um 21.oo Uhr war die Albergue sowieso noch nicht ganz belegt. Wer weiß, wo sie untergekommen sind. Morgen auf dem Camino treffe ich sie bestimmt wieder. Noch schnell Tagebuch schreiben, Rucksack für Morgen schon soweit vorpacken, Helga anrufen und dann schlafen. Ein schwerer Tag, aber gut.
Ende 21.5o Uhr