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6.Etappe
Donnerstag den 07.06.2007 ab "Estella/Ayegui"

Heute Morgen kann ich etwas langsamer anfangen. So stehe ich erst gegen 05.3o Uhr auf. Wir sind hier in einer Sporthalle, es gibt genug Waschbecken und Duschen.

Die Albergue ist bis auf den letzten Platz gefüllt, doch es gibt keine Hektik, gegen 06.3o Uhr gibt es Frühstück. Um 07.oo Uhr ist dann Aufbruch. Noch ein letzter Blick zurück auf Estella und ab geht`s auf die 6. Etappe nach "Los Arcos". Das Wetter ist gut, die dicken, schwarzen Wolken haben sich ohne Regen abzuladen verzogen.
Am Ortsausgang von "Ayegui" muss man sich entscheiden, ob man direkt den nächsten Ort "Azqueta" ansteuert, oder einen Umweg nimmt, der nach "Irache" führt. Ich entscheide mich, den Umweg zu nehmen und komme so am Ortsanfang von "Irache" zur Weinkellerei "Bodegas Irache". Hier wurde für die Pilger ein besonderer Brunnen angelegt.

Aus dem linken Zapfhahn spendet er den Pilgern Wein und aus dem rechten Zapfhahn Wasser. Leider war, als ich dort war das Fass mit dem Wein leer. So musste eben das Wasser herhalten.

Für mich als Kölschtrinker war das nicht so schlimm, ich habe es zu mindest mal so gesehen. Denn ein paar Tropfen Rotwein konnte ich doch ergattern. Wenn man bedenkt, dass ca. 300.000 Pilger im Jahr über den Jokobsweg wandern, wird wohl der Weinausstoß auf diese Weise im erträglichen Maß gehalten. Denn am anderen Tag, gab es auch keinen Wein, wie mir ein Pilger auf dem Weg sagte. Sehenswert war die Anlage aber allemal. Man geht dann durch den Ort und kommt am Kloster Irache vorbei und dann weiter zum Hotel Irache. Dann geht es weiter über Waldwege und den gelben Pfeilen folgend, kommt man dann nach "Azqueta". Hinter "Azqueta" geht es dann wieder bergauf.

Auf Feldwegen gelangt man zum Maurenbrunnen aus dem Mittelalter und dann erreicht man "Villamayor de Monjardin". Das Wetter ist gut und so langsam beginnt die Sonne zu brennen. In "Villamajor de Monjardin" wird eine Rast eingelegt, denn anschließend geht es 12 km nur durch Felder, Weinberge und Olivenhaine.

Bei dieser Rast muss man unbedingt die Wasserflasche auffüllen, denn es gibt auf dem weiteren Weg keine Wasserstelle mehr. Eine Tasse Kaffee con Leche tut jetzt gut. Udo und sein Kumpel sind bis hier auch noch nicht aufgetaucht. Nun geht es auf die 12 km bis "Los Arcos". Es geht über Wege, Pfade und einige Steilhänge hinweg. Wenn man dann die Höhe des Portillo de las Cabras erstiegen hat, sieht man beim Abstieg weit vor sich das Etappenziel "Los Arcos". Ich glaube, heute haben wir einen kleinen Vorgeschmack davon bekommen, wie es uns in der Meseta ergeht, wenn die Sonne so heiß hernieder brennt, wie es heute war.

Doch zur Meseta ist noch ein gutes Stück entfernt. Ich kehre gegen 13.3o Uhr in der Albergue Austria ein. Es ist eine schöne Herberge mit großem Innenhof. Sie wird von einer österreichischen Bruderschaft betrieben

Der Hospitalero ist ein Schulrektor i.R. und macht diesen Job ehrenamtlich wie viele andere am Weg auch. Nachdem ich wie jeden Tag zuerst einmal geduscht und meine Füße behandelt habe, die das seit der Etappe nach Estella bitter nötig haben, denn es haben sich einige Blasen gebildet, lege ich mich dann für eine Stunde hin. Diese Etappe hatte es echt in sich. Gegen 15.3o Uhr werde ich wach und höre eine mir bekannte Stimme im Vorhof der Albergue. Udo ist gerade dabei seiner Sylvia zu erklären, wieso er schon in "Los Arcos" ist und Detlef noch nicht. Eine halbe Stunde später ist Detlef auch eingetrudelt.

In der Zwischenzeit hat Udo jeden Ankömmling gefragt: "Hast Du meinen Kumpel gesehen?" Einige konnten Ihm dann sagen, dass er kurz vor "Los Arcos" gesichtet wurde. Nachdem wir unseren obligatorischen "Kaffee con Leche" getrunken hatten, führte uns der Weg in die Stadt.

Als erstes geht es in die Apotheke, um den Vorrat an Blasenpflaster aufzufüllen, dann die Calle Major weiter in Richtung Kirche Santa Maria de los Arcos. Dabei kommen wir an einem Friseurladen vorbei. Ich sage spontan zu Udo: "Geh mal weiter, ich komme dann zur Kirche nach, ich habe hier etwas zu erledigen." Dann verliere ich dort meine bisher so sorgsam behüteten Haare. Nach dem Motto: "Alles ab, bis auf 1cm". Ich habe natürlich vermieden, in den Spiegel zu sehen. Nachdem wir uns dann die Kirche und die Brücke über den Rio Odron angesehen hatten, haben wir unsere eiserne Ration noch aufgefüllt und uns für das Abendessen und das Frühstück eingedeckt.

Danach sind wir dann zurück in die Albergue. Siehe da, alle waren wieder da. Die Pilgergruppe, die ich in Pamplona zum ersten Mal im Park sah, beim Morgengebet. Der Düsseldorfer, mit seinem Hund.

Das schöne dabei war, dass er hier den Hund im Innenhof unterbringen konnte. Hier wurde er so richtig,von allen Pilgern verwöhnt. Die Japanerin, die wenn die Berge zu steil waren und derWeg es zulies und breit genug war, immer kreuz und quer, wie auf einer Serpentine, hochging. Dann waren die 2 Japanerinnen, die in "Estella" in der Sporthalle waren auch eingetroffen und die kleinere von beiden, hatte ihre rosa Tagesdecke wieder über die einfache Liege gezogen. Da es sehr heiß gewesen war, roch es, obwohl die Wanderschuhe im Vorraum abgestellt waren, etwas streng in den Zimmern. Es ist wohl der Geruch, der die Pilger auf dem ganzen Weg mehr oder weniger immer begleitet. Zumal wenn es heiß ist.

Dann war eine kleine Französin angekommen, die mir seit Roncesvalles schon immer auffiel. Sie war genau wie ich, immer sehr früh auf den Beinen und auf dem Weg. Sie ist eine der Wenigen, die mit mir in "Santiago de Compostela" ankommen wird.

Bei Jedem der eintrudelt, gibt es ein großes "Hallo",dann wird erzählt wie es unterwegs war. Nur einen vermisse ich. Es ist Wolfgang. Er fällt dadurch auf, dass er wie ein stolzer Spanier auf dem Camino wandert. Er ist groß und sehr schmal, trägt einen breitrandigen grünen Hut, grüne Kleidung und marschiert zügig voran. Wenn er mich überholt, unterhalten wir uns etwas und dann zieht er mit seinen langen Beinen von dannen.

Nur in den Albergues taucht er nie auf. Na ja, wieso eingentlich?
Gegen 22.oo Uhr ist Nachtruhe. Das Licht geht aus.