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8.Etappe:
Samstag den 09.06.2007 ab Logronno.

 

Heute heißt es früh aufstehen, denn es gibt nur ein Waschbecken für ca. 40 Männer. Meine Füße fühlen sich wieder gut an, die Nachtruhe und das Fußbad haben gut getan. Gegen 06.oo Uhr bin ich schon mit dem Frühstück fertig und kann abmarschieren.

Der Weg führt quer durch die Stadt. Im ersten Park stelle ich meine Wanderschuhe auf einen Tisch, für den Nächsten der kommt und sie brauchen kann. Ich gehe durch das Jakobswegtor, durch Grünanlagen und verlasse durch das Industriegebiet Logronnos.

Danach geht der Weg weiter und unterquert die Umgehungs-straße. Nun geht es eine Allee entlang, zum Stausee "La Grajera". Hier, ca. 5 km entfernt von der Stradt, ist um den See herum eine große Freizeitanlage, mit Spielgeräten, Grillplätzen und Angelstegen sowie einem Kiosk als Naherholungsgebiet für die Bürger von "Logronno" angelegt. Ich gehe über die Staumauer, so wie um den See herum und folge dem Bachlauf auf einer ausgebauten Piste. Dann geht es hinauf auf den Hügel "Alto de la Grajera". Dannach geht es bergab nach "Navarrete". Etwa einen Km vor "Navarrete" kommt man zur Ruine des Pilger-Hospitals "San Juan de Acre". Ich erreiche kurz danach "Navarrete" und steure die Bar an, die auch mit Pilgern überfüllt ist.

Ich kann noch einen Stuhl ergattern und mache ein ausgedehntes Frühstück. Dann gesellt sich Wolfgang, (der "fast" stolze Spanier) zu mir. Bei dem folgenden Gespräch erzählt er mir, dass er immer vom Jakobsweg geredet hat und niemand so recht glauben wollte, dass er den Weg wirklich gehen werde. Mit der Zeit wäre er seinen Leuten aber dann so auf den Zeiger gegangen, dass sie einfach gesagt hätten: "Nun geh endlich, damit wir unsere Ruhe haben"!

So sei er auf den "Jakobsweg" gekommen. Seine Mutter hätte ihm dann, als er nun wirklich unterwegs war, noch einen Zuschuss zur Reisekasse überwiesen. Dieses Geld benutze
er jetzt, um in Hotelzimmern oder Pensionen zu übernachten, um sich ein wenig Luxus zu gönnen. Deshalb taucht er nie in den Refugien auf. Nach dem wir noch ein paar Tassen Kaffee con Leche getrunken haben, ziehen wir weiter. Wolfgang ist mit seinen langen Beinen glatt im Vorteil. So wünsche ich ihm: "Buen Camino Peregrino" und er entfernt sich schnell und geht wie ich seinen Weg. Nun liegt eine lange Strecke auf Feldwegen zwischen Weinfeldern, Olivenhainen und Getreidefeldern vor mir. Bis "Najera" sind es ca. 13 km. Die Sonne brennt und es gibt kaum Schatten. Es zeigen sich immer wieder Gewitterwolken, aber es geht ein leichter Wind, der etwas Abkühlung bringt. Nach der Hälfte der Strecke gibt es die Möglichkeit einen kleinen Umweg nach "Ventosa" zu machen. Wolfgang geht als Einziger diesen Umweg, um wie er sagte, als er wieder auf den Hauptweg zurück kommt:
" Es war mir hier zu langweilig" und zieht wieder mit seinen langen Beinen vorbei und weiter.

Ich brauche nicht nach "Ventosa" und gehe geradeaus weiter. Hier geht es wieder einmal steil bergauf. Es ist nun so heiß, dass man jeden Schatten ausnutzt der sich bietet. Dann muss man wieder einen Abstieg bewältigen und die N-120 überqueren.

Hier geht es dann weiter, durch Weingärten, Gebüsch und Steineichen bis zum Rolandsitz (Poyo de Roldan). Es geht dann über den "Rio Yalde" und auf Feldwegen, nach dem man erneut die N-120 überquert hat, nach "Najera" in die Vororte hinein. Man muss noch ca.1 km laufen, dann geht man über die Brücke des "Rio Najerilla" und man ist im Zentrum. Von hier sind es nur noch ein paar Meter, immer den gelben Pfeilen folgend und man ist an der Albergue im alten Klostergebäude "Santa Maria la Real". Es ist aber innen total neu hergerichtet und sehr schön. Vor der Albergue stehen die Pilger und müssen warten, der Andrang ist sehr groß. Ich reihe mich in die Warteschlange ein, erfrische mich etwas am Brunnen. Da kommt Udo auch um die Ecke. Er sieht auch nicht sehr gut aus. Als ich heute morgen los zog, lag er noch lang ausgestreckt auf seiner Matte. Wie er mir erzählte hat er dann, da er abends nichts mehr von seinem Kumpel gehört hatte, morgens erst einmal versucht Detlef ausfindig zu machen.

Detlef hat ihm dann gesagt, dass er wegen seiner Magenprobleme aufgeben werde und mit dem Bus nach Burgos fahren werde um dort auf Udo zu warten. Ich glaube, das war auch das Beste für ihn, denn wenn man bei dieser körperlichen Anstrengung, die dieser Jakobsweg einem abverlangt, nicht essen und trinken kann, wird es gefährlich. Nun, Udo reiht sich ebenfalls in die Warteschlange ein und unsere Blicke gehen immer wieder zum Himmel empor.

Dort ziehen nämlich die dicken Wolken wieder auf, die uns seit Estella immer wieder einholen. Wir hoffen, dass wir trocken in die Herberge kommen. Es ist 13.3o Uhr und die Sonne brennt, wenn sie zwischen den Wolken durchscheint. Bei der Anmeldung geht gerade ein Franzose wie das HB-Männchen in die Luft. Er hat jetzt schon eine Std. in der Schlange gestanden und bekommt kein Bett. Bis hier ist er überall mit seinem Reisepass zurecht gekommen. Die Hospitalera besteht aber hier auf das vorgeschriebene "Credencial". (Das hatte ich mir vor Reisebeginn in Aachen ausstellen lassen. )

Er war ca. 1,65 m groß und wuchs jedoch in seiner Aufregung um das Doppelte. Dazu muss man sagen, es gibt nichts wichtigeres, wenn man am Etappenziel ankommt, als dass man ein Bett für die Nacht bekommt. Denn man freut sich schon auf sein Bett, wenn man in weiter Ferne den Zielort ausmachen kann. (Es ist, wie wenn man ein Bedürfnis hat und dem stillen Örtchen immer näher kommt, je stärker wird das Bedürfnis. Jeder kennt das.) Es half ihm nichts, er mußte erst zur örtlichen Kirchegemeinde gehen und sich von der Gemeinde "Najera" ein "Credencial" ausstellen lassen.

Die Albergue hatte nur einen großen Schlafsaal mit 100 Schlafplätzen, die aus Etagen-Betten bestehen. Wir bekamen unsere Betten unten nebeneinander. Neben Udo bezog Christine aus Bonn das nächste Etagenbett. Dort lernten wir uns kennen und so nahm Christine abends beim Pilgermenue, oder wenn wir Besichtigungen machten, Detlefs Platz ein. Nachdem wir unsere Betten bezogen hatten, das heißt den Schlafsack ausgerollt hatten, geduscht, Wäsche gewaschen und uns umgezogen hatten, zogen wir los in die Stadt. Auf halbem Weg kam uns unser Franzose entgegen und zeigte uns stolz sein neues Credencial, mit dem er dann auch sein Bett bekam.

Es war Samstag und wir mussten unsere eiserne Ration auffüllen. Dies gestalltete sich sehr schwierig, da die Läden geschlossen waren. Zum Glück hatte ich noch mein Baguette vom Vortag und noch genug Dauerwurst für das Frühstück. Nachdem wir fertig waren mit dem Essen, entluden sich über "Najera" die dicken Wolken und es goß in Strömen. So mussten noch ein paar Kaffee con Leche herhalten bis es aufhörte und wir zurück zur Albergue gehen konnten. Und wen trafen wir in der Stadt? Natürlich Wolfgang (der stolze Spanierverschnitt), er wohnte im Hotel.

Die Albergue war bei unserer Rückkehr voll belegt und es standen immer noch Pilger an der Anmeldung. Einige Fahrradpilger waren dort. Die Regel besagt aber, dass als erste die Fußpilger ein Bett bekommen. 2. Die Fahrradpilger, jedoch erst ab 19.oo - 21.oo Uhr wenn noch Betten frei sind. Reiter und Fahrer der Begleitfahrzeuge haben kaum eine Chance ein Bett zu bekommen. Als dann alle Betten und Matten verteilt waren, lagen im Vorraum Pilger auf ihren Matten auf dem Boden. Es brauchte aber keiner weiter zuziehen. Nun noch das Tagebuch schreiben, zu Hause anrufen, den Rucksack soweit es geht schon packen, und wie immer geht um 22.oo Uhr das Licht aus. Es war wieder ein schwerer und heißer Tag, aber auch ein Guter, denn meine Füße haben dank der Treckingsandalen einen angenehmen Tag verbracht und schmerzen nicht.