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9.Etappe.
Sonntag den 10.06.2007 ab Najera

Der Tag fängt schon nicht gut an. Seit 05.oo Uhr kommt ein Gewitter herunter, das auch noch weiter geht,

nach dem wir unsere Morgentoilette beendet und den Rucksack gepackt haben. So frühstücken wir noch und trinken Kaffee con Leche. Christine macht sich auf den Weg, sobald der Regen etwas nachlässt. Udo und ich aber, lassen uns Zeit und trinken noch einen Kaffee. Gegen 07.3o Uhr hört dann der Regen auf und wir brechen auf. Da der Jakobsweg hier parallel zur N-120 verläuft, gehen wir auf der N-120 in Richtung "Santo Domingo de la Calzada". Wir kommen gut voran, es regnet zwar zwischendurch schon mal etwas, aber es geht. Dann sehen wir in der Ferne eine Tankstelle, da können wir Pause machen und Kaffee trinken.

Leider Pech gehabt, es ist Sonntag und dann ist die Tanke zu. Hier können wir aber im Trockenen stehend nach Hause anrufen und dann geht es wieder weiter. Es ist auch nicht gerade angenehm in dem kalten Wind zu stehen. Also weiter. Immer der Nationalstraße entlang. Regen wechselt mit Sonnenschein ab. Nach ca. 2 Std. intensivem Wandern taucht wieder eine Tankstelle auf.Wir hatten einen langen, aber nicht zu steilen Anstieg hinter uns und mein rechter Oberschenkel schmerzte höllisch.

Diese Tankstelle war ebenfalls geschlossen. Aber mein Oberschenkel zwang mich, hier eine längere Pause einzulegen. Es ging einfach nicht mehr. Ich wünschte meinem Mitpilger Udo ein halb so fröhliches "Buen Camino Peregrino" und sagte ihm, ich komme nach, wenn ich wieder auftreten kann. "Santo Domingo de la Calzada" konnte nicht mehr allzu weit sein. Vielleicht 5 oder 7 km. So zog Udo weiter und ich machte es mir an der Tankstelle bequem, so gut es ging. Nach ca. 3/4 Std. machte ich mich wieder auf den Weg. Der Oberschenkel schmerzte zwar noch und dadurch knickte mir das rechte Bein immer wieder weg. Trotzdem zog ich weiter und stützte mich auf meinem Wanderstab ab. Und dann geschah es! Ich hatte so ca. 2 km zurückgelegt, das Wetter war inzwischen gut und die Sonne schien, da knickte mir das rechte Bein ein.

Es gibt dort keine Leitplanken und der Asphalt ist dort ca.10 cm neu aufgefüllt und bildet so eine Kannte. An dieser Kante rutsche ich mit dem linken Fuß ab, dann kommt von hinten noch der Rucksack geflogen und es ging ab in den Graben, der dort so 1 1/2 m tief ist. Ich flog dort hinein, schlug mit dem rechten Knie auf den Asphalt auf und verletzte mich dabei erheblich am rechten Knie, weil sich dort frischer Asphalt in die Wunde gepresst hatte. Dass sah ich aber erst später. Beim Sturz in den Graben, noch während ich fiel, dachte ich: "Sch..... jetzt ist alles zu Ende und ich muss nach Hause". Nach dem ich unten angekommen war und merkte, dass ich noch alles bewegen konnte, besserte sich schlagartig meine Laune und ich kletterte wieder aus dem Graben heraus.

Ich hob meinen Wanderführer von der Straße auf. Er war das einzige was, als ich im Graben lag, daran erinnert hatte, dass dort jemand gegangen war. Meine Gitarre, die ja hinten auf meinem Rucksack befestigt war, hatte zwar geklimpert, aber keinen Schaden genommen. So humpelte ich jetzt, auf meinem Wanderstab gestützt, auf der Landstraße weiter nach "Santo Domingo de la Calzada". Das Wetter ist mittlerweile sehr gut und schon wieder zu heiß. Mit Ächzen und Stöhnen und ich gestehe es ein, auch mit Fluchen erreiche um 12.45 Uhr die Albergue im Kloster der Zisterzienserinnen in "Santa Domingo de la Calzada". Um 12.oo Uhr ist Einlass und um 12,15 Uhr habe ich mein Bett.

Jetzt duschen und alles andere wie jeden Tag und dann ab zur nächsten Apotheke. Meine Wunde am Knie muss versorgt werden. Viel ist da nicht zu machen, aber der Asphalt müsste ausgewaschen werden.

Ich lasse es darauf ankommen und denke, dass mein Körper das selber regelt. Salbe drauf, Pflaster darauf, so muss es gehen. Meine größte Sorge ist, dass ich gezwungen würde aufzugeben. Mein Pilgerkamerad Udo ist eine Albergue weiter eingekehrt, er hat die erste Albergue einfach übersehen. Ich treffe ihn und Christine in der Stadt an der Kathedrale wieder.

Wir schauen uns die Stadt an und wen treffen wir hier auch wieder? Wolfgang, der in einem Hotel abgestiegen ist. Ich weiß nicht, der Camino ohne Albergue und ohne mit Pilgern zusammen sein, ist nicht der Camino. Mir tut es jetzt schon leid, dass ich in "Roncesvalles" in einem Appartement und nicht in der Albergue gewohnt habe.

Na ja, dass muss jeder selbst wissen. Dann treffen wir die Pilgergruppe. Sie sitzen an der Albergue, vor der Bar, auf der Straße, auf dem Boden und singen Lieder. Sie warten hier, um mit dem Bus abzureisen, nach Leon. Ihre Pilgerreise geht hier zu Ende. Sie fahren mit dem Bus weiter nach Santiago de Compostela. Wir gehen natürlich zur Pilgermesse und sehen es mit eigenen Augen. In der Kathedrale ist ein Hühnerkäfig mit Hühnern angebracht.

Dies beruht auf einer Sage aus dem Mittelalter. Seit dieser Zeit werden in dieser Kirche 2 lebende Hühner gehalten. Zu der Pilgermesse ist noch zu sagen, dass die zwei Priester, welche die Messe zelebrierten, sehr gute Bassstimmen haben. Sie sangen fast die ganze Messe. Es war eine tolle Sache. Danach gehen wir zum Essen.

Es gibt das bekannte Pilgermenue. Die Tapaskneipen sind alle voller Menschen. Die Spanier haben eine Unart, sie werfen alles auf den Boden. Daran kann man aber erkennen, ob und in welcher Tapasbar was los ist oder war. Wo am meisten Abfälle vor der Theke liegen, da ist was los. Nach dem wir unser Pilgermenue zu uns genommen haben, schlendern wir noch etwas durch die Stadt und dann ist es auch schon wieder Zeit, denn im 22.oo Uhr wird zugeschlossen.

Wer dann nicht da ist, kommt nicht mehr rein.Tagebuch noch schreiben, zu Hause anrufen und dann:Gute Nacht Johnboy". Das Licht geht aus. Nachtruhe.