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10.Etappe:
Montag den 11.06.2007 ab Santo Domingo de la Calzada

Heute geht alles etwas langsamer bei mir, erst gegen 05.5o Uhr aufstehen.

Langsam die Treppe runter zum Waschraum, im Erdgeschoss. Da mein rechtes Bein schmerzt und das Knie beim Treppen steigen nicht so recht will, ist heute Morgen zuerst die Fußpflege und die Versorgung des rechten Beins angesagt.

Da die Toilettenanlage im Erdgeschoss war, musste ich in der Nacht unter Ächzen und Stöhnen die Treppe runter und wieder rauf steigen, das war nicht so toll. Ich musste halt auf die Zähne beißen, dann ging es. Nach dem Waschen Frühstück und dann Abmarsch um 07.15 Uhr. In "Santo Domingo" geht der Jakobsweg auf die Calle Mayor zur N-120. Man verlässt die Stadt über eine Brücke über den "Rio Oja" und geht dann auf einem Weg bergauf, an Kornfeldern vorbei. Beim überqueren der Brücke sieht man, am Fluss entlang, viele Storchennester. Sie sind auf hohen Stangen gebaut.

Es ist für mich jeden Morgen ein schönes Erlebnis wenn ich die Störche überall sehe und wenn sie über mir hinweg fliegen. Ich gehe den Weg bis zu einer Wegegabelung, an der ich entscheiden kann, den direkten Weg nach "Granon"

zu nehmen, oder über einen Umweg nach "Granon" zu kommen. Ich gehe den direkten Weg, da ich heute sowieso etwas behindert bin. Ich muss wohl sagen, mit jedem Kilometer, den ich gehe, werden die Schmerzen weniger. Doch das Bein knickt immer wieder ein. Ca. 2 km hinter "Granon" erreiche ich auf Feldwegen, nachdem ich den "Rio Zamaca" überquert habe, die Provinzgrenze und gehe nun nach Kastilien hinein. Hier
lerne ich einen jungen Mann aus Düsseldorf kennen, der von Beruf Briefmarkenauktionator ist. Er wird bis "Santiago de Compostela" immer wieder meinen Weg kreuzen.

Er ist auch am Bein verletzt und kommt noch schlechter vorwärts als ich. In der Ferne sieht man die Berge von "Oca" und ich frage mich: "Wann müssen wir da hinüber"? Nach weiteren 2 km erreiche ich "Redecilla del Camino".

Hier wird Rast gemacht, denn ich habe trotz Behinderung schon ca. 12 km der Tagesetappe geschafft. Also bei der nächsten Bank mit Tisch oder bei der nächsten Bar ist Pause. Ich finde einen schönen Platz im Dorf und entledige mich erstmal meines Rucksackes. Das Wetter ist gut und die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel. Ich nehme mein Handy und rufe zu Hause an. Da meldet sich Mandy Hepp. Ich freue mich natürlich, dass mein Enkelkind am Telefon ist, bin aber etwas irritiert und frage sie: "Hallo Mandy, habe ich die falsche Nummer gewählt?" "nein" sagt sie, "ich bin bei der Oma, ich habe heute Schulfrei". Dann sagt sie weiter: "Opa, ich war vergangene Woche auch auf einer Wallfahrt, wir sind mit der Schule von Aachen nach Kornelimünster gepilgert. Ich habe da in einer Kapelle für Dich eine Kerze angezündet". Da wurde es mir aber einen Moment richtig warm im Rücken.

Das war eines der schönsten Erlebnisse, wenn nicht das schönste Erlebnis auf dem Camino. Nach dem ich dann meine Pause gemacht habe, gehe ich weiter, mit dem frohen Gefühl im Herzen, dass meine Menschen mich hier in Gedanken, auf diesem schweren Weg liebevoll begleiten.

Danke Mandy, Danke Olle, Danke meine Familie! Es geht den Berg hinab, an der N-120 entlang, bis "Castildelgado". Man trifft immer wieder auf diese Straße N-120. Dies liegt daran, dass diese Straße teilweise auf dem ursprünglichen Jakobsweg gebaut wurde und der Jakobsweg dann einfach daneben verlegt wurde. Aber mit dem einen Unterschied, dass die Straße teilweise um die Berge herum geführt wird und der Camino hoch über die Berge verläuft. Armer "Peregrino", muss immer schwitzen. Wenn man den "Rio Julian" überquert hat, geht der Weg nach links ab in das Dorf

"Viloria de Rioja in" in dem der Begründer der Stadt "Santo Domingo de la Calzada" geboren wurd, der Heilige "Domingo de la Calzada". Dann sind es noch ca. 5 km bis "Belorado". Hier nehme ich den Pfad neben der Straße und komme noch vor Ortsbeginn zu der ganz neuen und sehr schönen Albergue "Quattro Cantones".

Die junge Hospitalera ist direkt von meiner Gitarre begeistert und begrüßt mich mit großem "Hallo"! Nach dem ich mein Bett habe, werden zuerst mal meine Füße behandelt, dann mein Knie. Dann folgt die wichtige tägliche Regenerationsfahse, die aber schon auf eine 1/2 Std. reduziert ist. Während ich draußen meine Wäsche wasche, läuft ein Franzose ein. Seltsam, laufen den hier nur Franzosen herum? Er sieht irgendwie etwas verwirrt aus und reißt sehr unnatürlich seine Augen auf.

Nach dem ich nun meine täglichen Arbeiten verrichtet habe, stehe ich am Waschbecken und säubere noch meine Sandalen vom Staub des Weges. In dem Moment kommt dieser Franzose aus der Dusche und fängt an, mich zu beschimpfen. Warum, weiß ich nicht, nehme aber an, dass es wegen der Sandalen ist, die ich im Waschbecken mit viel Wasser reinige.

Eine 1/2 Std. später gehe ich in die Stadt. Beim Verlassen der Albergue komme ich am Frauenwaschraum vorbei, die Türe steht auf und da steht der Franzose und wäscht im Waschbecken seine Unterhose. Er versteht kein Deutsch und ich kein Französisch, aber da hat er mich verstanden, als ich ihn fragte ob Franzosen-Sch....... sauberer ist, als der Staub der Straße Spaniens. Er zog den Kopf ein und verschwand. Es ist ein wirklich heißer Tag. Am Haus hängt ein Thermometer und das zeigt im Schatten 39° an.

Da die Etappe aber vom Weg her nicht allzu schwierig war und mein Bein bis auf das lästige einknicken gut durchgehalten hat, war es heute auch wieder ein schöner Tag, der durch Mandy einmalig wurde. So, nun gehe ich in die Stadt und werde mal sehen, wo Udo untergekommen ist. Auf der Plaza ist der Teufel los, die Mütter sind hier mit ihren Kindern versammelt. Man erklärt uns, dass es so üblich ist hier in der Gegend, dass die Mütter sich am Abend auf der Plaza mit ihren Kinder versammeln um gemeinsam zu spielen. Gegen 19.oo Uhr ist Ruhe und wir können nun auch mit Ruhe unser Pilgermenue einnehmen. Udo, der schon auf der Plaza war als ich kam, ist im Hotel eingekehrt ,in dem auch unser Wolfgang Station bezogen hat.

Meine Hospitalera, die mich am frühen Nachmittag in der Albergue aufgenommen hat, ist auch auf der Plaza und begrüßt mich, als ob wir uns schon ewig kennen. Bei Udo fallen fast die Augen aus dem Kopf, als er das sieht. Und ich wusste nicht, wie mir geschieht. Tja, so ist das mit der Musi! Christine gesellt sich noch zu uns und es ist ein schöner Sommerabend, den wir auf der Plaza mit Kaffee con Leche beschließen. Wir verabreden noch, dass wir am anderen Tag bis Ages gehen wollen, soweit es mein Bein zulässt. Dann wird es Zeit die Albergue aufzusuchen.Tagebuch schreiben, Rucksack vorpacken, zu Hause anrufen, waschen und dann geht das Licht aus. Nachtruhe 22.oo Uhr