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11.Etapper:
Dienstag den 12.06.2007 ab Belorado.

Es war ein Irrtum, zu glauben mit den Pyrenäen lägen die steilen Rampen hinter uns.

Aber der Reihe nach. Auch heute, wie jeden Tag, kurz nach 05.oo Uhr aufstehen. Obwohl in dieser Albergue alles stimmt, genügend Waschbecken und Duschen vorhanden sind, stehe ich früh auf und bin dann auch gegen 05.45 Uhr dort, wo es das Frühstück gibt.

Die Hospitalera, welche mich gestern Abend empfangen hat, mit viel fröhlichem "Hallo" und mir mit fröhlichem "Getöse" auf der Plaza fast um den Hals fiel, war schon da, begrüßt mich wieder mit großem "Hallo" und zelebriert mir mein Frühstück. Der Preis für die Übernachtung von 8,00 € beinhaltete auch dieses Frühstück. Um 06.15 Uhr bin ich wieder auf dem Camino unterwegs in Richtung "San Juan de Ortega". Meine Füße schmerzen zwar, doch mein rechtes Knie ist besser. Aber ich muss aufpassen, dass mir das rechte Bein nicht wegknickt und ich mich dann erneut im Dreck wieder finde. Von der Albergue "Qutro Cantones", in der ich übernachtet habe, geht es zuerst abwärts

An der Kirche "Santa Maria" vorbei, an der rechts im alten Theater auch eine Albergue ist. Hier in "Belorado" ist die letzte Einkaufsmöglichkeit bis Burgos. Darum muss die eiserne Ration aufgefüllt werden, denn es liegt noch ein Etappenort zwischen "Belorado" und "Burgos", nämlich "San Juan de Ortega", wo ich heute übernachten möchte.

Also für das Frühstück und vielleicht auch das Abendessen einkaufen, falls es dort keine Bar gibt, in der es Pilgermenue oder sonst etwas zu essen gibt. Wenn man aus der Stadt raus ist, überquert man den "Rio Tiron" auf einer Fußgängerbrücke und geht dann an diesem Fluss entlang. Auf der anderen Seite erstrecken sich große Kornfelder. Der nächste Ort ist "Tosantos", danach erreicht man das verfallene Dorf "Vilambistia", dahinter überquert man zum X-mal die N-120 und erreicht dann "Espinosa del Camino".

Hier ist eine schöne Bar und hier mache ich Frühstückspause. Die Hälfte der heutigen Etappe ist geschafft. Nach "Villafranca Montes de Oca" ist es nicht mehr weit, nach dem ich das Tal des "Rio Oca" durchlaufen habe. Jetzt geht es wieder zwischen Kornfeldern auf einem sandigen Weg aufwärts, bis man zum Kloster "San Felices" hinabsteigen muss und schließlich "Villafranc Montes de Oca" erreicht hat.

Hier ist Vorsicht angesagt für uns Fußpilger, denn hier müssen wir auf der Straße laufen, die dann überquert werden muss. Nun beginnt bei der heutigen Etappe, der schwerste Teil mit dem Aufstieg auf die Berge von "Oca". Man wandert durch dichte Eichenwälder, über steile Anstiege bis zum "Brunnen Mojapan". Hier hat man einen schönen Ausblick und es ist der richtige Platz, um eine Pause einzulegen. Danach geht es weiter, durch Eichenwald und auf holprigem Weg.

Man geht abwärts und überquert die Schlucht des "Rio Cerrata de la Pedraja" um dann wieder aufzusteigen durch Nadelbaumanpflanzungen zum Denkmal der Gefallenen, das "Monumento a los Caidos". Der Weg dorthin ist uneben und mit Steinen und Geröll belegt. Dann, um 11.5o Uhr passiert es schon wieder!

Wahrscheinlich durch den anstrengenden Aufstieg geschwächt, knickt mir das rechte Bein ein. Ich strauchele, dann kommt mein Rucksack wieder von hinten angeflogen und ich finde mich im Dreck wieder. Das war jetzt der 2. Sturz. Es geht aber alles gut, ich trage keine weiteren Verletzungen davon und kann meinen Weg fortsetzen. Nur weiß ich jetzt, dass ich sehr aufpassen muss, sonst endet die ganze Sache auf diese Weise und das darf nicht geschehen. Ich lege eine kurze Pause ein, um mich etwas zu erholen und dann geht es weiter. Nach kurzer Zeit ist der Gipfel mit seinem Monument erreicht und es geht auf einem langen, ebenen Weg durch Wälder und große Kornfelder weiter, in sengender Hitze. Es ist jetzt Mittag und die Sonne scheint senkrecht hinab.

Dann weiter den Berg hinab ca. 7,5 km in Richtung "San Juan de Ortega" . Unterwegs treffe ich zwei Frauen, die ich zum ersten Mal in "Estella" in der Sporthalle gesehen hatte.Eine davon hatte da auch schon erhebliche Fußprobleme. Sie konnte sich aber damit helfen, dass sie genau wie ich, einfach von den Wanderschuhen auf Sandalen umgestiegen ist.

So zogen wir gegen 14.oo Uhr gemeinsam in "San Juan de Ortega", in dieses verlassene und verfallene Dorf ein. "San Juan de Ortega" gründete dieses Dorf und widmete sein Leben den Pilgern. Der jetzige Pfarrer Don Jose Maria Alonso, der schon sehr alt ist, eifert dem Gründer nach und lebt dort nur noch für die Pilger. Er betreibt mit einer älteren Frau auch die Pilgerherberge und kocht jeden Tag für die Pilger eine Suppe, welche er nach der Pilgermesse, die er jeden Tag um 19.oo Uhr mit den Pilgern feiert, gemeinsam in einem dafür extra eingerichteten Raum verspeist.Dazu etwas später.

Wir kommen gegen 14.oo Uhr auf den großen Vorplatz der Kirche, an der sich die Albergue anschließt. Am Ende des Gesamtkomplexes ist eine Tapasbar. Die Hospitalera nimmt die Pilger in Empfang und hält uns das Anmeldebuch unter die Nase. Man muss sich selbst eintragen.

Erst wenn sie sieht, dass man seine "freiwillige" Spende, ca. 5,-- € in die Spendenbox gesteckt hat, bekommt man den Stempel ins Credencial und kann sich in der Albergue ein Bett aussuchen. Wenn man die Spende vergisst, dann stößt sie einen sehr unsanft an und zeigt auf ihren Opferstock. Nach dem ich meinen Stempel habe, gehe ich durch die nächste Tür die Treppe hoch, was mir sehr viel Mühe macht und schmerzhaft ist. Dann komme ich in einen sehr großen Raum, in dem ca. 40 Betten stehen. Doch diese Betten sind schon alle belegt. Im nächsten Raum, mit der gleichen Größe, bekomme ich dann mein Bett. Abends, wenn alle da sind,werden die freien Stellen auf den Böden noch mit Matten ausgelegt, auf denen Pilger sich niedergelassen haben. Es sind viele unterwegs.

Nun beginnt das bekannte Ritual. Die Waschräume sind nicht schlecht und es sind auch gute Duschen vorhanden. Das Dorf gibt aber nichts her, überhaupt nichts. Auf der anderen Seite des Dorfplatzes sind Bänke und Tische aufgestellt und Wäscheleinen angebracht.

Diese sind voll belegt, so dass ich meine Sachen zum trocknen ins Gras legen muss. Gegen 18.oo Uhr gehe ich in die Bar und bestelle mir etwas zu essen. Um 19.oo Uhr ist Pilgermesse. Da in diesem Dorf kaum noch Menschen leben, wird die Pilgermesse ausschließlich nur für uns Pilger gehalten. So halte ich mich gegen18.45 Uhr auf dem Dorfplatz auf um zur Messe zu gehen. Da geht ein kleiner alter Mann, über den Dorfplatz, es könnte ein Bergbauer sein, in die Kirche. Die Pilger gehen auch so langsam zur Kirche.

Der alte Mann ist dabei, den Altar für die Messe herzurichten. Dann zieht er sich hinter dem Altar sein Messgewand an, steigt hoch zum Altar und fragt als erstes, ob jemand Feuer hat, um die Kerzen anzuzünden. Als die Kerzen brennen, setzt er seine Brille auf, dabei fällt ihm immer wieder das linke Glas heraus.Jetzt kann er sich selbst nicht mehr beherrschen und fängt an zu lachen. Dann bittet er uns Pilger um eine Brille. Er setzt die Brille auf und bestätigt, dass es geht und beginnt dann die Pilgermesse zu zelebrieren. Das klappt jetzt aber auch ohne weitere Zwischenfälle bis zum Schluss-Segen. Nach der Messe stehen wir draußen herum. Der Pfarrer kommt aus seiner Kirche und scheucht uns dann vor sich her in einen Extraraum.

Zwei Pilger werden delegiert die "Suppa" zu holen. Der Pfarrer selbst kommt mit einem großen Korb, in dem jede Menge Blechnäpfe sind. Er geht mit den Fingern in die Näpfe und nimmt immer 4 Stück heraus und stellt sie so, dass er sie mit "Suppa" befüllen kann. Er bietet seine "Suppa" laut an, bis alles aufgegessen ist. Diese Suppe kocht er jeden Tag für seine Pilger.

Nachdem alles gegessen ist stimmt er das Lied "Die Ode an die Freude" an. Alle Pilger singen mit großer Begeisterung mit. Das sind so die besonderen Erlebnisse, die man auf dem Camino hat und die in Erinnerung bleiben. Sie zeigen aber auch, wie sehr die Menschen des Jakobsweges, so wie dieser Priester, mit den Pilgern verbunden sind und ihnen, wenn auch nur für einen kurzen Moment, das Gefühl der Geborgenheit und Heimat geben. Es war ein schönes Erlebnis, ein Erlebnis der besonderen Art. So hat alles auch seine guten Seiten.Ich meine damit, wenn meine Beine in Ordnung gewesen wären und nicht so geschmerzt hätten, wäre ich wie verabredet nach Ages weiter gegangen. Dann hätte ich diesen schönen Tagesabschluss nicht erlebt. Nach dem ich zu Hause angerufen habe und Helga Bericht erstattet hatte, das Tagebuch geschrieben und noch etwas auf meiner Gitarre gespielt hatte, war auch dieser Tag um 21.30 Uhr zu Ende. 22.oo Uhr das Licht geht aus.