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12. Etappe
Mittwoch den 13.06.2007 ab San Juan Ortega.

Da ich immer früh wach bin, erlebe ich jeden Morgen, wie ab 05.oo Uhr die Pilger langsam in ihren Betten unruhig werden und dann aufstehen.

Mit ihren Taschenlampen packen sie dann ihre Rucksäcke fertig und verlassen so nach und nach die Albergue. Wie an einem unsichtbaren Band gezogen, stehen sie auf und machen sich auf den Weg. So bin auch ich heute wieder sehr früh unterwegs.

Noch vor 06.oo Uhr. Es ist ein schöner Weg zwischen Pinienbäumen, auf den man kommt, wenn man "San Juan de Ortega", entlang des alten Klostergebäudes verlassen hat. So langsam geht auch die Sonne im Osten auf und färbt den Himmel rot. Die Störche auf ihren Nestern klappern den Takt dazu und auch in der weiteren Natur erwacht nun das Leben. Es ist ein schöner Morgen und ich komme gut aus den Füßen. Obwohl mein rechtes Bein immer noch nicht so richtig will.

Das Dorf Ages, in dem ich gestern mit Udo verabredet war, habe nach 45 Min. schon erreicht und gehe jetzt daran vorbei. Das nächste Dorf "Atapuerca" habe ich bereits nach einer weiteren 3/4 Std. erreicht.Hier mache ich Frühstück, dann hat Udo mich eingeholt und gesellt sich dazu. Er hatte schon damit gerechnet, dass ich nicht bis Ages durchlaufen würde.

Nach dem Frühstück geht es weiter und der erste Anstieg kommt. Hier geht es wieder sehr steil nach oben, so dass ich Udo einen guten Weg wünsche und er geht mit seinem langen Schritt langsam davon. Dieser Anstieg zieht sich lang und steil nach oben auf einem sehr schlechtem Pfad. Doch jeder Weg geht einmal zu Ende und ich erreiche das große Holzkreuz.

Hier sieht man das ganze Tal vor sich und weit in der Ferne ist bereits "Burgos" zu sehen. Es dauert aber noch Stunden bis ins Zentrum von "Burgos". Gegen 12.oo Uhr habe ich die Außenbezirke von "Burgos" erreicht. Ich komme zum "Rio Arlanzon", an dessen Ufer entlang, ich der Stadt zu strebe.

Die 4,5 km bis ins Zentrum habe ich dann gegen 13.oo Uhr auch geschafft.Nach dem ich mir im Zentrum, im Fremdenverkehrsbüro, den Weg zur Albergue "Emaus" habe erklären lassen, bin ich um 13.15 Uhr an der Albergue "Emaus", welche aber erst im 14.3o Uhr öffnet. Ich suche mir auf der anderen Seite der Straße ein schattiges Plätzchen auf einer Bank. Die Sonne brennt wieder erbarmungslos auf uns hernieder.

Es ist ein Gewitter im Anmarsch, dem entsprechend brennt die Sonne. Zum Glück macht der Hospitalero Jacques schon um 14.oo Uhr auf und lässt uns rein. Die Albergue wird von Hospitalero Jacques und seiner Frau privat geführt. Er spricht nur französisch und hat einige gewöhnungsbedürftige Regeln in seinem Haus.Es wird nach christlichen Regeln geführt. Dazu zählen auch das gemeinsame Abendessen, welches ich versäumt habe und das gemeinsame Abendgebet bei schönem Wetter im Garten.

Die Wanderschuhe müssen im Garten ausgezogen werden und bleiben dort stehen. Dann führt er uns, (es waren noch andere Pilger angekommen) in den Aufenthaltsraum. Hier werden dann die Anmeldeformalitäten erledigt und der Stempel ins Credencial gestempelt. Danach bekommt man sein Bett zugeteilt, das Haus so wie die Hausordnung erklärt. Monsieur Jacques hat Sandalen an und am rechten Fuß ist der dicke Zeh durch die Socke gegangen. Will sagen, er hat ein großes Loch im Strumpf. Er führt sein Haus sehr autoritär und schließt die Außentüre, vom Vorgarten auf die Straße, hinter Jedem ab.

Man muss, wenn man raus will, klingeln. Er hat einen Piepser in der Tasche, darüber ist er immer zu erreichen. Man kommt sich irgendwie eingesperrt und kontrolliert vor.Nach den täglichen Verrichtungen, bin ich in die Stadt, zur Kathedrale gegangen, es ist eine Großstadt und die Kathedrale ist unglaublich groß. Es gibt hier so viele alte Gebäude undSehenswürdigkeiten,man müsste mehrere Tage hierbleiben, um alles zu sehen. An der Kathedrale treffe ich Udo und Detlef, die wieder im Hotel wohnen. Sie fahren Morgen nach Hause.

Der Urlaub ist zu Ende. Irgendwann treffen wir auch Christine wieder, die ein paar Tage verschütt war. So sehen wir uns gemeinsam die Kathedrale von innen an und nehmen dann, bei einem Glas Wein, Abschied. Detlef war von Logronno aus direkt nach Burgos gefahren und hat hier auf Udo gewartet. Er erzählte uns, er habe an der Kathedrale auf einer Bank gesessen und folgendes beobachtet:
"Auf einer Bank, in seiner Nähe saß ein Ehepaar. Sie hatten es sich gerade so richtig gemütlich gemacht und schauten sich das Treiben auf dem Vorplatz an. Da kommen zwei Pilger in voller Montur, mit ihrem Rucksack auf dem Rücken. Sie setzen sich auf die nächste Bank, setzen ihre Rucksäcke ab und machen es sich gemütlich. Es ist stark sichtbar, dass sie durch die Hitze gelaufen sind. Nun weht aber ein leichtes Lüftchen über den Vorplatz und wie der Teufel es will, aus der Richtung der neu angekommenen Pilger. Nun, wie das so ist, steigt ein feines Lüftchen von den Pilgern auf und wird hinüber zu den zwei Leuten, auf der anderen Bank, geweht.

Detlef sieht, wie sie augenblicklich die Nase rümpfen, aufspringen und den Duftkreis der Pilger fluchtartig verlassen." Nach dem wir etwas gegessen haben und die Flasche Wein leer ist, nehmen wir Abschied voneinander. Udo und Detlef fahren jetzt nach Hause und Christine und ich bleiben weiter auf dem Camino. Hier endet für viele, in diesem Jahr, der Camino, da auch der Urlaub endet. Im nächsten Jahr werden viele dann hier wieder beginnen und einige Etappen laufen, so lange der Urlaub ausreicht. So Udo und Detlef auch. Ich muss noch etwas einkaufen und gehe dann zur Albergue "Emaus"zurück. Nun kommt es! Ich muss klingeln, um rein zu kommen. Hospitalero Jacques öffnet und straft mich sofort mit einem strengen Blick. Seine Frau kommt noch dazu und ich muss Rede und Antwort stehen, warum ich nicht am gemeinsamen Abendessen teilgenommen habe.

Da wir aber in der Kathedrale, in der Pilgermesse waren, besänftigte das etwas die Gemüter. Um 21.oo Uhr war dann Abendgebet im Garten, an dem ich dann auch teilnehmen musste.

Der Hospitalero lief immer noch mit seinen dunklen Socken herum und der dicke Zeh, am rechten Fuß, ragte immer noch heraus, in den Himmel. Nach dem das Abendgebet gehalten war, blieb noch Zeit das Tagebuch zu schreiben, zu Hause anrufen und dann ging auch schon das Licht aus, zur Nachtruhe. Es war 22.oo Uhr. Ab morgen laufen wir in der "Meseta", die Kornkammer Spaniens. Hier gibt es riesengroße Getreidefelder und lange Wege ohne Schatten. Es ist das am meisten gefürchtete Gebiet, durch das der Camino geht. Wegen der sengenden Sonne und der langen Wege ohne schattenspendende Bäume und Büsche. Doch auch da müssen wir durch.