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15. Etappe

Samstag den 16.06.2007 ab Boadilla del Camino.

Gegen 05.oo Uhr werde ich wie immer wach. Ein neuer Tag, der alte Weg, aber eine neue Etappe. Frühstück in der Albergue, dann der Blick zum Wetter, sieht gut aus. Es ist zu mindest trocken.

 

Es ziehen zwar wieder Wolken am Himmel vorbei, sieht aber so aus, als ob der Tag schön wird. Hinter "Boadilla del Camino" erreiche ich nach kurzer Zeit den Kanal von Kastilien, an dessen linker Seite ich bis zu den Schleusen gehe. Hier überquere ich auf einer schmalen Brücke den Kanal und gehe dann auf der Straße nach Formista. Der Jakobsweg geht an der berühmten Kirche "San Martin" vorbei.

Ich gehe weiter zur großen Kreuzung und dann auf die Landstraße P-980. Dann gehe ich am Fluss entlang an der Kapelle "San Miguel" vorbei, nach "Poblacion de Campos". Bevor man den Ort verlässt, muss man sich entscheiden, welche Alternative man geht. Ich gehe über "Villovieco", der Weg verläuft an Feldern entlang, wird von Bäumen gesäumt und ist schnurgerade und das Kilometer lang.

In weiter Ferne sehe ich dann ein weißes Auto kommen. Das Auto kommt mir auf meiner Seite entgegen. Ich sehe, wie der Fahrer den Arm aus dem Fenster hält, aber nicht versucht, mir auszuweichen.So muss ich in die Mitte des Weges gehen und sehe, dass der Fahrer etwas in der Hand hat, was er mir geben will. Er gibt mir ein Bonbon, hält aber an und will einmal meinen Wanderstab in die Hand nehmen.

Danach wünscht er mir "Buen Camino" und fährt weiter. Ich setze meinen Weg fort und lutsche mein eben geschenktes Bonbon. Dann später gehe ich am "Rio Uciesa" entlang, den ich dann später überqueren muss. In "Villarmentero de Campos" kommen beide Wegalternativen wieder zusammen und ich muss ab hier neben der Landstraße P-680 auf einer Sandpiste laufen. Hinter "Villarmentero de Campos" ist eine Pilger-Raststätte.

Hier werde ich Frühstück machen. Ich habe es mir gerade gemütlich gemacht, da geht auch schon das Getöse los. Die Gruppe Spanier, 5 Frauen und 1 Mann, kommt auf den Platz. Als sie mich sehen, geht das große Hallo los. "Hola Guitarman, Caramba" usw.

Da der Wind hier sehr kühl ist, halte ich mich nicht zu lange auf und ziehe weiter. Aber nicht ohne großes "Adios". Obwohl damit zu rechnen ist, dass wir uns heute noch Mal über den Weg laufen. Der Weg verläuft nun wieder parallel zur Straße. Es gibt weder Baum noch Strauch und sonst nur rechts und links, soweit das Auge reicht, Getreidefelder. Ein Glück, dass die Sonne nicht scheint. Auf dem Weg nach "Villalcazar de Sigra", dem nächsten Dorf auf dem Camino, finde ich das gleiche Einwickelpapier, wie das, mit dem mein Bonbon eingewickelt war.

So glaube ich, dass der Fahrer des Autos, der mir das Bonbon gab, auch andere Pilger bedient hat.Vielleicht ist das seine Art, den Pilgern Hochachtung zu zollen. Von "Villlalcazar de Sigra" geht der Weg weiter an der Straße entlang nach"Carion del Condes".

Es hat mittlerweile schon mal etwas genieselt, aber dann wieder aufgehört. Der Wind ist jetzt wohl sehr kalt. Es geht stetig den Berg hinauf, bis man oben auf der Kuppe, in der Ferne "Carion del Condes" sehen kann. Nun geht es leicht bergab bis ans Ziel dieser Etappe. Vor "Carion del Condes" wird schon groß Werbung gemacht für ein Pilgerhotel. Doch Pilger, die ich kenne, raten mir dazu in der Albergue des Klosters einzukehren. Diese Albergue ist direkt neben der ersten Kirche und wird von Nonnen geleitet.

Bei der Anmeldung werde ich von den Nonnen gleich verpflichtet, beim allabendlichen Meeting in der Eingangshalle, mit meiner Gitarre mit zu machen. Ein Weigern kam erst gar nicht in Frage. Ich bekam dann in dieser schönen Albergue mein Bett zugeteilt. Auch hier schlafen die Pilger bunt gemischt. Männlein und Weiblein, alle in einem Raum.

Wohl gemerkt in einer Klosteranlage, in der sogar die Nonnen die Betten verteilen. Gegen 13.oo Uhr hatte ich dann mein Bett und konnte die notwendigen Arbeiten verrichten. Dabei ist wohl die Körperpflege das Wichtigste. Die Fußpflege ist dabei als erstes ein Muss. Meine Wunden heilen gut ab, nur mein Knie nässt weiter, aber es schmerzt nicht und das ist gut so. Nach einer 1/2 Std. Ruhe, die Stadt ansehen, Postkarten schreiben und abschicken. Jetzt einkaufen und schauen, wo gibt es Pilgermenue?

Dann wird es schon Zeit um zurück in die Albergue zu gehen, denn um 18.3o Uhr beginnt das Meeting. Als ich in die Albergue komme, ist es schon etwas spät. Alle sind schon versammelt. Die Schwestern sitzen schon dort. Eine spielt die Gitarre, eine schlagt eine Trommel und die dritte bedient ein Rhythmus-Ei.

Liedvordrucke für die Pilger sind verteilt und die Sache ist schon in vollem Gang. Mein Gedanke:" Gut dann brauchst Du ja nicht mit zu machen", löst sich gleich in Nichts auf, denn die Oberin deutet mir, dass ich meine Gitarre holen soll. Was die Nonnen dort bieten ist ganz toll. Dann meldet sich spontan ein Schwede, den ich zum ersten Mal in Puente la Reina gesehen hatte und singt
"a.Kapella" einen Gospelsong. Danach legen die Nonnen wieder los. Da bahnt sich ein alter Mann einen Weg die Treppe herrunter, stellt sich in die Mitte und singt ebenfalls ein Lied.

Es stellt sich heraus, dass er schon 81 Jahre alt ist und aus Neuseeland kommt.Danach fordert die Oberin mich auf, meinen Beitrag zu leisten. Da alle einen Bezug zu ihren Vorträgen herstellten, bezog ich mich darauf, nicht nur "Deutscher" zu sein, sondern auch "Rheinländer" bin und sang dort ein Mundartlied zur Gitarre. Eine italienische Familie war auch dort anwesend mit ihrem Sohn. Die Schwester fragte den Jungen nach seinem Alter. Er war 6 Jahre alt. So war an diesem Tag, der jüngste Pilger in der Albergue 6 und der älteste Pilger 81 Jahre alt.

Es war eine schöne harmonische Veranstaltung, die nach einer Std. beendet war. Danach wurde es Zeit, in die Stadt zu kommen, zum Essen. Denn das Pilgermenue, wird immer in der Gemeinschaft serviert und eingenommen.Danach noch etwas durch die Stadt schlendern, in der Albergue Tagebuch schreiben, Rucksack packen und für den nächsten Tag alles fertig machen. Dann ist es schon wieder Zeit, das Licht geht aus, es ist 22.oo Uhr und Nachtruhe angesagt.

Ratsam ist es, sofern es kirchliche Einrichtungen gibt, die Albergues betreiben, diese auf zu suchen und dort zu übernachten. Denn 1. werden diese Albergues in der Regel auf Spendenbasis betrieben. 2. Man bemüht sich in diesen Albergues um die Pilger, indem man sie irgendwie zusammen bringt und wie hier unterhält. Diese schöne Erfahrung habe ich auf dem Camino gemacht.