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17.Etappe
Montag den 18.06.2007 ab Ledigos

Heute wie immer, um 05.oo Uhr aufstehen. Die Morgenarbeiten erledigen, dann frühstücken und Abmarsch um 06.3o Uhr. Das Wetter ist gut, aber schon etwas kalt seit einigen Tagen.

Das ist schade, denn man kann nicht mehr wie vorher irgendwo an einem Pilgerrastplatz eine längere Pause machen. Durch den Rucksack schwitzt man auf dem Rücken sehr stark und der Wind kühlt einen sehr stark ab, so dass es einem gleich kalt wird. Heute haben wir weißblauen Himmel. Der Weg ist abgetrocknet und man kommt gut vom Platz.

Hier gibt es einige Biotope am Weg und es ist schön, die Frösche Quaken zu hören. Zur Zeit ist das Gelände eben und ohne größere Steigungen und wird langsam wieder abwechslungsreicher. Es macht richtig Freude, auf dem Camino zu wandern. Hinter "Teradillos de los Templarios" war eine
Verpflegungsstation von privaten Leuten am Weg aufgebaut. Es gab Kaffee, Milch, Tee, Obst, Müsliriegel usw. Sie verlangten dafür nur eine Spende. Es stand dafür eine Spendenbox bereit. Sie vertrauen einfach den Pilgern.

Der nächste Ort ist "Moratinos". In den Dörfern fällt auf, dass die Menschen hier nicht mit Reichtümern gesegnet sind. Allgemein fällt auf, dass nicht wie in Deutschland, die Straßenränder zugeparkt sind. Im Gegenteil, es gibt in den ländlichen Gebieten kaum Autos. Auf meinen Bildern sieht man daher nur selten mal ein Auto am Straßenrand stehen. In den großen Städten sieht es dann aber so aus, wie bei uns. Von "Moratinos" aus, geht der Weg wieder durch Felder nach "San Nicolas del Real Camino". Hier überquert man den "Rio Sequillo".

Danach geht der Weg in Straßennähe nach "Sahgun". Vor "Sahagun" überquert man den "Rio Valderaduey", unmittelbar an der Ermita: "Virgen del Puente" auf einer mittelalterlichen Steinbrücke. "Sahagun" wird erst dann schön, wenn man über die Eisenbahnbrücke in die Stadt hinein geht. Da befindet sich dann gleich rechts die Kirche "Iglesia de Trinidad". Hier ist die große Albergue und das Tourismusbüro untergebracht.

In der Stadt selbst kommt man zur Plaza Major, die sehr schön angelegt ist. Da die Plaza mitten in der Stadt ist, war man auf den Bänken, in der Sonne, dem Wind nicht so ausgesetzt. So habe ich hier meine Mittagspause verbracht. Über die Hauptstraße, am Torbogen von "San Benito" vorbei, verlässt man die Stadt, nach dem man über die Brücke "Puente del Canto" den "Rio Cea" überquert hat. Nun führt der Weg parallel an der Straße N-120 entlang.

Auf der rechten Seite geht man an der Kapelle Ermita: "San Roque" vorbei bis zu einer Weggabelung, an der man wieder entscheiden muss, welchen Weg man gehen will. Ich gehe links in Richtung "Bercianos del Real Camino", wo mein heutiges Tagesziel ist. Es ist ein schöner Weg, der von Bäumen gesäumt ist, mit Rastplätzen für Pilger. Nachdem ich die Ermita: "de Perales" passiert habe und über den "Rio Arroyo del Coso" gegangen bin, habe ich "Bercianos del Real Camino" erreicht.Gegen 13.45 Uhr habe ich die Pfarr-Herberge "Virgen de Perales" erreicht.

Diese Albergue wird von zwei deutschen Frauen, als Hospitaleras, betreut und geleitet. Bei der Ankunft, bekommt man zuerst ein Glas Obstsaft zur Erfrischung gereicht. Es staut sich etwas bei der Anmeldung, weil laufend neue Pilger ankommen. Der 81 jährige Neuseeländer ist auch dabei. Ich sehe ein Ehepaar aus Italien, welches ich schon einmal in "Santo Domingo de la Calzada" gesehen habe. Sonst aber alles neue, noch unbekannte Leute. Die Albergue ist ein alter zweigeschossiger Lehmbau, der aber wunderschön, zumindest von Innen im alten Stil
restauriert wurde.

Nach dem ich meinen Stempel und mein Bett habe und ich gerade dabei bin, meinen Schlafsack auszurollen, steht die Hospitalera schon neben mir.

Sie habe bei der Anmeldung gesehen, dass ich eine Gitarre dabei hätte, was zunächst einmal sehr ungewöhnlich sei und ihr gut gefalle. Am Abend, um 21.45 Uhr wäre in der Kapelle, im Haus das gemeinsame Abendgebet. Sie würde sich sehr freuen, wenn ich mit meiner Gitarre einen Beitrag dazu leisten würde. Sie habe schon an zwei Lieder gedacht. Ich sagte Ihr: "Wenn sie schon an zwei Lieder gedacht hätte, dann sollte es auch so sein. Damit war ich im Ablauf des Abendgebetes mit zwei Liedern, meiner / ihrer Wahl eingebunden. Ich muß sagen, dass mir diese Art der Auftritte so langsam anfing zu gefallen. Wie ich dann im Nachhinein von den Teilnehmern hörte, ihnen auch.

Aber zunächst einmal mussten wieder die täglichen Arbeiten verrichtet werden. Nach dem alles erledigt war, wurden Leute gesucht, die den Salat, die Zwiebel und das Obst für den Obstsalat schneiden mussten.

Um 19.oo Uhr war gemeinsames Abendessen. Es gab Pasta, von echten Italienern gekocht, Salat von zwei Pilgern vom Bodensee und mir geschnitten und Obstsalat, ebenfalls von uns geschnitten. Es war schon eine lustige Runde von ca. 60 Leuten, aller Nationen. Nach dem Essen war noch genug Zeit, sich das Dorf anzusehen. Die übliche Bauweise war auch dort Lehm bzw. die meisten Häuser waren vor langer Zeit aus Lehm gebaut. Leider ist auch hier, wie in fast allen Dörfern der Verfall nicht aufzuhalten. In der Tapasbar noch schnell einen Kaffee con Leche getrunken und dann zurück zur Albergue zum Abendgebet.Nach der Andacht dann folgendes:

Die Hospitaleras nehmen es dort nicht so genau mit der Sperrstunde ab 22.oo Uhr. Sie meinten, in der Hitze könnten die Pilger ruhig bis 23.oo Uhr draußen bleiben. Dann setzte sich vor dem Haus, eine Pilgerin zu mir und bedankte sich.

Sie habe mich schon in "Carrion de los Condes" bei den Nonnen meine Musik gehört und das habe ihr dort schon gut gefallen. Wo ich als nächstes einkehren würde, wollte sie von mir wissen. Ich versuchte Helga anzurufen, doch es war immer besetzt. Um 23.oo Uhr ging dann das Licht in der Albergue aus und ein rundum schöner Tag war zu Ende. Es hatte heute wirklich alles gepasst.

Das Wetter war gut, der Weg nicht schwer und diese Albergue mit der netten Betreuung durch die Hospitaleras kann man nur empfehlen.
Ein wirklich schöner Tag auf dem Camino.