.

Sidebar


Startseite

19. Eatappe:
Mittwoch den 20.06.2007 ab Religo

Ca. 05.oo Uhr, ich bin schon eine Weile wach und kann durch das Fenster den Himmel
sehen.

Es sieht ganz gut aus, da draußen. Scheint ein schöner Tag zu werden.Um 06.15 Uhr bin ich wieder auf dem Camino unterwegs. Meine Allergie, an den Beinen, verblasst langsam.

Ich hatte mir das bestimmt auf der ersten Etappe, in der "Meseta" von "Burgos" nach "Hontanas" geholt. Da ich in der kurzen Hose unterwegs war und der Regen, durch den starken Wind, so hart gegen die Beine schlug, dass sie sich entzündeten. Das war aber nun auch schon erledigt und ich kam heute wieder gut vorwärts. Es geht auf einem guten Pilgerweg, zwischen Feldern, über mehrere Bäche und dann an einem großen Pilgerbrunnen vorbei nach "Mansilla de Las Mulas". Bis hier sind gestern einige Pilgerkameraden durch gegangen und bis auf die Haut nass geworden. Hinter der Stadt überquere ich den "Rio Elsa" und wandere dann, parallel neben der N-601, am Friedhof vorbei,bis "Villamoros de Mansilla".

Dann geht es weiter in Richtung "Villarente". Vor "Villarente" ist ein schöner Pilger-Rastplatz angelegt. Hier mache ich jetzt meine erste Rast. Da kommt auch schon mit viel "Ole" und "Tamtam", die spanische Pilgergruppe und gesellt sich zu mir.

Da sie mich nicht verstehen und ich sie auch nicht, wird mit Händen und Füßen gearbeitet und die Verständigung klappt gut. Mittlerweile ist es so warm geworden, dass ich die Hosenbeine wieder verkürzen kann und auch die Strickjacke ausziehe. Kurz hinter diesem Rastplatz, überquere ich auf einer 300 m langen Brücke, mit 20 Bögen, den "Rio Porma" und gehe ein Stück über die N-601.

Das ist nicht ganz ungefährlich, hier durch "Puente de Villarente", da viele LKW`s mit hoher Geschwindigkeit angedonnert kommen. Einen günstigen Moment abpassend, überquere ich diese Straße und gehe dann auf einer Piste weiter, die einen guten Abstand zur N-601 hält. Man geht an kleineren Orten und Industriegebieten vorbei und dann immer ansteigend weiter, nach "Arcahueja".

Bevor ich "Arcahueja" erreiche, passiere ich einen aufwendig gebauten Pilgerbrunnen. Hier kann ich eine gute Zeit verweilen. Dann erreiche ich nach gut 1 Km "Valdelafuente". Von hier führt mich der Weg wieder zur N-601, die ich dort wieder überqueren muss, da das später unmöglich ist. Der Weg geht unmittelbar an der N-601 vorbei und bringt mich auf den "Alto del Portille". Von hier sehe ich dann schon "Leon" vor mir liegen.

Ich muss jetzt die Autobahn auf einem Steg überqueren und komme so in den Vorort "Puente del Castro". Nun beginnt der langeWeg durch ein Industriegebiet und die Vororte von "Leon". Die heutige Etappe war für mich nicht sehr attraktiv, da sie meistens an der N-601 entlang lief und durch das "Gewusel" der Straßen vor "Leon" noch mehr Verwirrung brachte. Dafür war aber das Wetter gut. Wenn man den "Rio Torio" bei "Puentedel Castro", über die Brücke überquert hat, sind es nur noch 2 - 3 Km zur Kloster-Herberge in der Nähe der Kathedrale.

Ich muss jetzt meine Tochter "Sandra" anrufen und ihr sagen, dass ich vor dieser Kathedrale stehe. Sie weist mich dann ein, wo ich mich hinstellen soll. Zu Hause sitzen Helga, Sandra, Mandy und Alexa vor dem PC. um mich über die Webcamera, die in "Leon" vor der Kathedrale installiert ist, zu sehen.

Helga war schon früh, auf ihrem Fahrrad, von zu Hause, weg gefahren um pünktlich bei unserer Tochter zu sein. Sie wollte ja nichts verpassen. So begrüßte und bejubelte mich, als ich anrief, gleich mit einem großes "Hallo", meiner lieben Familie. Dann wurde ich eingewiesen und war dann im Endeffekt nur als kleiner, heller, springender Punkt oder auch "hüpfendes Komma", auszumachen.

Trotzdem war die Freude zu Hause groß,denn alle hatten mich gesehen. Danach suchte ich dann die Kloster-Albergue auf und fragte nach einem Bett. Dann kam es wieder! Der Hospitalero sah meine Gitarre und verpflichtete mich, wie er sagte, am Abend für "seine Pilger" Musik zu machen. Doch zuerst brauche ich mein Bett. Je näher wir "Santiago de Compostela" kommen, je mehr Pilger werden es. Im Kloster war der Andrang so groß, es mussten schon zwei Personen die Aufnahme der Pilger erledigen.

Einer schrieb die Pilger ein und der zweite Hospitalero verteilte die Betten. Es ist eine große Anlage, aber diesmal sauber getrennt für Männlein und Weiblein. Sehr sauber und schön und immer eine gute Luft im großen Schlafsaal für ca. 60 Stck. Pilger. Nun wieder die üblichen Arbeiten erledigen, Füße hoch legen und schlafen. Nach einer Stunde Schlaf gehe ich wieder zur Kathedrale und das gleiche Spiel mit der "Webcam" läuft erneut ab.

Dann muss ich mal wieder Verpflegung einkaufen. Hier in "Leon" treffe und sehe ich eine Menge Pilger,die ich nun schon kenne wieder, welche ich aber schon einige Zeit nicht mehr ausmachen konnte. Es kommt wohl daher, dass es jetzt viele Albergues auf dem Caminogibt und die Pilger sich mehr verteilen. Nur in den Großstädten kommen dann alle oft wieder zusammen. Nach dem ich zurück in der Albergue bin, löse ich dann mein Versprechen ein. Ich nehme meine Gitarre und setze mich in den Innenhof der Albergue und spiele darauf. Ein Holländer setzt sich gleich mit seiner Mundharmonika dazu.

Die spanische Pilgergruppe, ist auch gleich zur Stelle und auch die Frau, die immer das größte Spiel machte, wenn sie mir und meiner Musik begegnete, beteiligt sich an unserem Liederabend. Dann kommt der Schwede auch noch dazu und wir musizieren und singen in fröhlicherRunde im Hof der Albergue.Der Hospitalero reibt sich die Hände und meint dazu: "So habe ich mir das gedacht"!

Nach einer Stunde erscheint eine Nonne, beendet unser Konzert um 21.45 Uhr und scheucht uns alle in dieKirche, zur Abendandacht. Dazu mussten wir zuerst in einem Vorraum die Lieder und Kompleten üben, die dann in der Andacht gesungen werden. Dabei traf ich dann auch die Zwei vom Bodensee wieder. In dem Kloster unterhalten die Nonnen auch ein Hotel, in dem die Zwei abgestiegen waren. Sie fuhren am nächsten Tag nach Hause.

Sie erzählten mir, dass sie am Tag zuvor, auf dem Weg nach "Mansilla" im Regen nass bis auf die Haut geworden sind. Nach dem wir nun die Liedrufe und Gesänge geübt hatten, durften wir in die Kirche. Hier sah ich zum ersten Mal einen Pilger, der auch aus der Nähe des Bodensees stammte.Wie er mir später erzählte, war er schon von zu Hause aus,zu Fuß unterwegs und hatte angeblich in 3 Monaten schon 2.300 Km hinter sich gebracht. Ob das alles so stimmte? Ich weiß es nicht! Denn aus den Erzählungen heraus, hörte man, dass er mit seinem Kumpel,der sich wohl abgesetzt hatte, streckenweise mit dem Schiff und dann mit dem Bus gefahren war.

Nun fiel es mir auf, dass er sich in der Kirche wichtig tat und für ihn fremde Leute belehren wollte. Da ich in meinem Leben einige solcher Leute kennen gelernt habe und verabscheue und ich mich deshalb, aus gutem Grund, davon fernhalte, nach dem Motto: "Gebranntes Kind scheut das Feuer", war es mir nicht recht, dass er sich, aus welchem Grund auch immer, an meine Fersen heftete. Ich ging meinen Weg lieber alleine. Nach der Andacht, wurde uns noch der Pilgersegen gespendet und dann war der Tag zu Ende. Um 23.oo Uhr ging das Licht aus. "Leon" ist eine Großstadt mit vielen Monumentalbauten, die alle zu besichtigen man viel mehr Zeit haben muss.

Die Kathedrale mit ihren Nebengebäuden ist schon ein großer, sehenswerter Gebäudekomplex. An allen anderen Sehenswürdigkeiten werden wir Morgen auf dem dann folgenden Pilgerweg vorbei geführt. Der heutige Tag, war wieder sehr schön und es machte Freude den Weg zu gehen, wenn auch das Stück Weg durch die Vororte von "Leon" nicht so besonders war. Doch ansonsten war es wieder eine klasse Etappe.