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20. Etappe:

Donnerstag den21.06.2007 ab Leon.

Heute beginnt die Etappe mit einem langen Weg, im Zickzack, durch die Altstadt. Er führt uns an vielen Sehenswürdigkeiten und Monumentalbauten des Mittelalters vorbei.

Von der Albergue geht es zunächst hinauf, zur Kathedrale. Dann den im Straßenbelag eingelassenen Jakobsmuscheln nach, zur "Basilika San Isidoro". Jetzt einige Treppenstufen abwärts zur Straße, dann rechts an der Stadtmauer entlang, dann links und rechts durch die Stadt zum Kloster und "Parador San Marcos".

Dahinter dann über den Fluss "Bernesga" endlich aus der Stadt hinaus. Heute war ich schon früh auf und daher zeitig auf dem Camino. Das Wetter ist noch gut und ich verspüre keine Schmerzen mehr. Mein rechtes Knie ist zwar bepflastert, aber es macht mir keine großen Schwierigkeiten. So ziehe ich nun durch die Vororte von "Leon" und fühle mich wohl. Um 07.15 Uhr passiert es dann! Ein heftiger Stolperer! Fragen Sie mich nicht, Wieso? Der Rucksack besorgt von hinten den Rest und "Peregrino Willi" liegt schon wieder am Boden, im Dreck.

Blitzartig geht mir der Gedanke durch den Kopf: "Jetzt ist es aus, jetzt musst du aufgeben"! Doch am Boden angekommen, kann ich noch alles gut bewegen. Also aufstehen, Wanderstab aufnehmen und weiter geht es. Ich habe erhebliche Hautabschürfungen am linken Bein, im Bereich des Knies, sonst geht es aber. Noch eine 1/2 Std. humpeln, dann geht es wieder ohne Probleme.

Der Weg führt mich über eine Bahntrasse auf eine 200 m lange Fußgängerbrücke und danach steigt die Straße wieder stark an. Links geht es dann steil hoch und der Weg führt mich in ein Wohngebiet, welches danach in ein Industriegebiet übergeht. Dann bin ich wieder auf der N-120, auf der ich nach "La Virgen del Camino" gehe. Am Ortsende, wo das Heiligtum der "Virgen del Camino" ist, gabelt sich der Weg und man kann unter zwei Alternativen wählen, wie man weiter geht. Ich gehe den rechten

Weg weiter, immer an der N-120 entlang. Am Autobahnkreuz gehe ich in einem weiten Linksbogen auf einer Piste. Hier laufe ich zum ersten Mal in die Irre, da der Richtungspfeil nicht richtig zu zuordnen ist. Es sind aber nur etwa 200 m, dann habe ich es bemerkt. Also zurück, auf dem richtigen Weg. Unter der Autobahn, durch einen Tunnel.

Hinter dem Tunnel laufe ich schon wieder falsch. Anstatt rechts, gehe ich links herum und dann anstatt an der N-120 entlang, laufe ich parallel zur Autobahn. Da hier keine Richtung-Pfeile mehr kommen, tue ich mich mit einem anderen Pilger zusammen, der auch falsch gelaufen ist. Wir fassen den Entschluss: "Wir fragen am besten mal die Einheimischen".

Wir erfahren, dass der Jakobsweg ca. 200 m weiter rechts verläuft, aber in die gleiche Richtung. Also 200 m nach rechts rüber und wir sind wieder richtig. Nun sehen wir endlich auch wieder andere Pilger auf dem Weg. Seit "Leon"haben wir die "Meseta" hinter uns.

Das Gelände wird wieder hügeliger und wir bewegen uns wieder aufs Gebirge zu. Die "Berge von Leon". Auch sieht man hier wieder Störche, auf allem, was etwas höher steht. Sogar auf Hochspannungsmasten haben sie sich eingenistet. Als ich den nächsten Ort erreicht habe, regnet es. Da noch keine Bar in "Valverde de la Virgen" geöffnet hat, ziehe ich mich in einem Wartehäuschen des Nahverkehrs um. Es ist kalt und der eisige Wind wird noch kühler durch den Regen. Also die langen Beine an die Hose machen. Ich melde mich zu Hause und dann geht es weiter. Nach schon 1,5 Km ist "San Miguel del Camino" erreicht. Der Regen hat zwar wieder aufgehört, es ist aber immer noch sehr kalt. Danach geht es immer weiter auf dem Pilgerweg, an der sehr stark befahrenen N-120 entlang.

Das Gelände ist hügelig und es geht rauf und runter. Die einzige Abwechslung ist, wenn die LKW-Fahrer hupen und grüßen. Nach dem ich mehrere Bäche und Flüsse überquert habe, komme ich dann nach "Villadangos del Paramo". Zwischenzeitlich, hat mich der Besserwisser von Gestern eingeholt und gesellt sich zu mir. Hier laufen wir, weil er ständig labert, an der Albergue vorbei, durch den ganzen Ort, bis ans Ende hinunter.

Es ging wieder steil bergab. Unten angekommen wurde mir das zu bunt und ich sagte: " Ich gehe wieder zurück, hier stimmt etwas nicht"! Er wollte weiter gehen, besann sich aber eines Besseren und ging mit mir zurück. "Da hat man sich auf eine erfrischende Dusche gefreut und dann klappt das wegen des dummen Gequatsche noch nicht! Deswegen muss ich noch eine Stunde warten, bzw. zurück wandern"! Im Ort habe ich mich dann durchgefragt und dann fängt es kurz vor der Albergue auch noch an zu regnen.

Die Albergue befindet sich direkt am Ortsanfang, wir hätten nur auf der N-120 etwas zurückgehen müssen. Es ist das alte Schulgebäude, großartig renoviert und großzügig eingerichtet. Kurz und gut, einfach klasse.Wir kommen aber noch trocken in die Albergue und ich bekomme endlich mein Bett und kann zuerst mal unter die Dusche. Die Albergue füllt sich jetzt sehr schnell, aber überwiegend mit Pilgern, die ich noch nicht gesehen habe. Doch das italienische Ehepaar ist auch da.

Der Besserwisser sucht sich ein Bett in dem Teil der Albergue, in dem dreifache Etagenbetten stehen. Ich nehme lieber ein Einzelbett. (So habe ich wenigstens meine Ruhe!) Bei den kurzen Begegnungen, die ich mit ihm hatte, lies er mir und auch Anderen gegenüber, zu gerne heraus hängen, dass er schon "das Dreifache" an Kilometer gelaufen ist, als wir. Er wusste alles besser und versuchte Gott und alle Menschen zu belehren. Solche Leute sind nicht mein Fall, die meide ich. Am späten Abend kam einer in die Albergue, der hatte wohl schon etwas über den Durst getrunken. Es war ein junger Mann mit langen zotteligen Haaren. Er trat mit viel Getöse auf, und erzählte seine Anekdoten. Es war aber ein lustiger Bursche. Unter anderem hatte er eine Figur dabei, die sein Großvater geschnitzt hatte. Sie stellte "Hildegard von Bingen" dar und war ca. 50 cm groß und aus Holz. Diese schleppte er von Anfang an mit und wollte sie nach "Santiago de Compostela" bringen. Ich habe ihn dann in "Santiago de Compostella" wieder gesehen, als er zur Pilgermesse in die Kathedrale kam. Mit seiner "Hildegard von Bingen". Typen gibt es auf dem Camino, man glaubt es kaum.

Das wird so manch einer auch von mir gesagt haben, der mich mit meiner Gitarre auf dem Rucksack ziehen sah. "Ja Typen gibt es"! Das gute hier in der Albergue war, dass jeder gleich ein Bett bekam, ob nun Fußgänger oder Radfahrer. So traf ich dort ein Ehepaar aus München, die mit dem Fahrrad auf dem Camino unterweg waren. Denen erging es wohl genauso wie mir. Wir saßen abends am Tisch und mein ungewollter Mitpilger zog wieder seine Show ab und berichtigte jeden usw. Sie verdrehten irgendwann die Augen, standen vom Tisch auf und gingen. Nun ja, es hat sich Niemand selber gemacht. Nach dem ich meine Notizen in meinem Tagebuch gemacht hatte, zu Hause meinen Bericht abgeliefert hatte und der Rucksack, soweit es ging, wieder gepackt war, war auch dieser Tag beendet. Trotz einiger Widrigkeiten, war es doch noch ein schöner Tag. Ich war meinem Ziel schon sehr nahe gekommen.