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22. Etappe:

Samstag den 23.o6.2007 ab Astorga.

Kurz nach 05.oo Uhr stehe ich wieder auf, waschen und das Übliche. Ab 06.oo Uhr gibt es Frühstück in der Albergue.

Man merkt, dass dies eine Albergue ist, die einem Hotelbetrieb angegliedert ist. Der Hospitalero, ist schon vor 06.oo Uhr auf den Beinen und bereitet das Frühstücksbuffet vor. „Frühstücksbuffet“, was für ein Luxus, das kennt der wahre „Peregrino“ nicht.

Gegen 06.45 Uhr Abmarsch. Das Wetter ist gut, aber dieser kalte Wind. Nun geht es wieder diesen endlosen Weg zur Stadt und den Vororten hinaus. Ewig zieht es sich dahin, bis ich wieder in der Wildnis bin. Der Weg führt mich zuerst an der Kathedrale vorbei, durch diverse Straßen der Stadt, über eine Autobahnbrücke, dann auf einem Pilgerweg an der Straße entlang, nach „Musias de Rechivaldo“. Es fällt auf, dass sich die Landschaft stark verändert. Weit vor mir sehe ich die Berge von Leon, auf die ich mich jetzt stetig zu bewege.

Davor die hügelige Landschaft der „Maragateria“, durch die mich nun der Camino führt, die für die Landwirtschaft unbrauchbar und unfruchtbar ist. Nach so langer Zeit auf dem Camino, habe ich das Gefühl, dass ich mit einer Geschwindigkeit von ca. 6 ½ Km/h laufe.

Meine Kondition ist bombig. Nach 2 ½ Std. habe ich schon fast die Hälfte meiner heutigen Etappe hinter mir. „Santa Catalina de Somoza“ liegt hinter mir und ich mache in „El Ganso“ meine Frühstückspause. Nach dem ich zu Hause angerufen habe, gehe ich weiter nach „Rabanal del Camino“. Am Dorfplatz mache ich noch eine Rast und dann gehe ich an der „Ermita de San Jose“ vorbei, weiter nach „Foncebadon“. Der Weg steigt wieder steil, bis auf 1.400 m an.

Ich gehe dann links in ein total zerfallenes Bergdorf hinein. Niemand würde vermuten, dass hier, in diesem Nest vor sehr langer Zeit einmal ein „Konzil“ stattgefunden hat. „Foncebadon“ war einmal eine wichtige Station auf dem Camino. Ich gehe durch das Dorf, in dem kaum noch Häuser stehen, bis zur Kirche.

In der Kirche ist die Albergue„ Domus Dei“, in der ich heute übernachten will. Der Kirchenraum ist in zwei Bereiche unterteilt. Im größeren Teil ist die Albergue untergebracht. Im jetzt noch verbleibenden Kirchenraum, liegen Matten, die im Notfall ausgelegt werden und dann als Notlager benutzt werden. Es steht auch ein Altar darin, an dem die Messe zelebriert werden kann, sollte mal ein Priester vorbei kommen. Im hinteren Teil der Kirche sind ein Aufenthaltsraum und die Sanitärräume untergebracht.

Die Duschen sind sehr eng. Da dies wieder eine Albergue unter kirchlicher Leitung ist, gibt es am Abend wieder eine Suppe, die von den zwei Hospitaleras die die Albergue führen, gekocht wurde. Es ist eine schöne Anlage, sehr gepflegt. Ich war heute der Erste vor Ort und konnte mir mein Bett aussuchen.

Die meisten, die noch ankommen, bleiben auch im Dorf.Dort sind noch 2 Albergues, sonst gibt es dort aber keine weiteren bewohnten Häuser mehr. Natürlich stach der Hospitalera, bei meiner Anmeldung, meine Gitarre in die Augen und so musste ich auch hier zum Abendgebet in Aktion treten.

Nach dem ich geduscht und meine täglichen Arbeiten erledigt hatte, füllte sich langsam die Albergue und war dann bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier sah ich zwei junge Frauen aus Polen wieder, die ich in „Burgos“ in der Albergue „Emaus“ kennen gelernt hatte. Deren erste Amtshandlung war immer, zuerst in der Küche Nudeln kochen.

Ein Pärchen aus Griechenland zog ein. Zwei junge Amerikanerinnen, die in Spanien als Sprachlehrerinnen tätig waren und den Jakobsweg als Abschluß ihres Wirkens in Spanien gingen, zogen auch ein. Sie sorgten gleich für Stimmung.

Im Dorf war ein Restaurant, in dessen Nebengebäude eine kleine Werkstatt ist, in der Restaurationsarbeiten gemacht werden. Dort gibt es auch eine schöne Bar. In der 2. Albergue in Richtung Kirche, bestand die Möglichkeit Lebensmittel zu kaufen. Sonst gab es in diesem Dorf aber nichts, rein gar nichts, da dort Niemand wohnte. Nach dem gemeinsamen Abendessen, wurde das Tagebuch geschrieben und bis zum Abendgebet etwas auf der Gitarre gespielt. Dann war auch dieser Tag auf dem Camino beendet.

 

 

 

 In diesem verfallenen Bergdorf hat schon einmal ein Kirchenkonziel statt gefunden. Es besteht zur Zeit nur aus Ruinen und Steinhaufen. Hier ist man aber dabei das Dorf wieder zu beleben und Menschen anzu siedeln.