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23. Etappe:
Sonntag den 24.06.2007 ab Foncebadon.

 

05.oo Uhr aufstehen. Nach dem Frühstück Abmarsch nach Ponferrada.

 Es ist ein schöner Morgen, das Wetter scheint gut zu werden. Aber es ist hier oben, auf über 1.440 m Höhe noch sehr kalt.
Also lange Hose und Strickjacke anziehen. Um 06.3o Uhr bin ich auf dem Camino unter

wegs. Der Weg führt mich zum eisernen Kreuz „Cruz de Ferro“ und zur „Ermita de Santiago“. Um 07.15 Uhr habe ich den Steinhügel, auf dem das Kreuz steht erreicht. Wenn man in „Foncebadon“ abgeht und dann um den nächsten Berg herum kommt, sieht man das „Cruz de Ferro“ schon. Am Hügel werde ich auch meinen Stein los, den ich von zu Hause mitgebracht habe.

Mein Stein Nach dem ich ein paar Fotos gemacht habe, gehe ich weiter. Es geht zuerst mal bergab, dann aber wieder bergauf. Dann bin ich am nächsten Dorf, das praktisch nicht mehr existiert. „Manjarin“. Hier sehe ich nur Ruinen und große Haufen von Bruchsteinen, die einmal Wohnhäuser waren. Tomas, der
betreibt hier eine Albergue mit den primitivsten Mitteln.

Ohne fließend Wasser, ohne Elektrizität. Er ist um 1990 dort hängen geblieben, um in der Tradition der „Tempelritter“ diese einfache Herberge zu betreiben. Gewaschen, wird sich am Brunnen und für die Notdurft gibt es ein Plumpsklo. Leider habe ich es verpasst, bis dort weiter zu gehen, denn ich traf heute, auf dem Weg eine junge Frau, mit der ich schon einen Teil einer Etappe gegangen war. Sie hatte hier übernachtet.

Da in der Nacht vom 23. auf den 24. des Monats die Sonnenwende war, will sagen Sommeranfang, hatte Tomas dort mit den Pilgern entsprechende Rituale vollzogen. Pech gehabt! Nach dem ich in „Manjarin“ ein paar Fotos gemacht hatte, zog ich weiter meines Weges. Es wird langsam aber sicher warm und es ist eine schwierige Etappe.

Es geht mehrmals den Berg rauf und dann wieder runter. Unterwegs stehen noch vereinzelte Kreuze eines alten zerfallenen Friedhofs, dann kommt man wieder an irgendwelchen Ruinen vorbei. Bald geht es wieder nach oben. Nun ist es schon richtig heiß und drückend. Ich laufe ganz oben, zwischen niedrigen Büschen, auf dem Jakobsweg und schwitze. Viele Fliegen schwirren mir um den Kopf herum. Angezogen, durch den Schweißgeruch. Vor mir und hinter mir laufen noch andere Pilger, die das gleiche Problem haben wie ich.

Man sieht, wie sie mit den Händen die Fliegen abwehren. Ich laufe auf die junge Frau auf, die mir das Erlebte von der Nacht in „Manjarin“ bei Tomas erzählt. Sie hat trotz der Hitze ihre Jacke um den Kopf gewickelt um sich vor den Fliegen zu schützen. Es macht einen fertig, wenn man dann kein Ende sieht.

Voraus sieht man den weiteren Verlauf des Weges und wie er sich durch die Berge schlängelt. Weit und breit, kein Dorf in Sicht. Dann komme ich an einer „Tretmine“ ( Kot ) vorbei, die ein Hund dort abgelegt hat. Hunderte von Fliegen sitzen darauf, so Schöne, grün und blau schimmernd. Als ich an dem Haufen vorbei bin, habe ich die alle um meinen Kopf herum fliegen.

Da hilft nur, immer wieder mit den Händen um den Kopf herum schlagen. Dann geht es wieder einmal hinunter, über einen Bach und wieder hinauf. Dann endlich, ich sehe ganz unten „El Acebo“ auftauchen. Was mich dann aber spontan einen Schritt schneller gehen läßt ist, dass ich zwar noch klein wie in einer Puppenstube, die roten Gartenstühle einer Bar sehe. Es geht ganz steil nach unten, dann ist „El Acebo“ erreicht und ich setze mich in den Schatten und mache hier eine ausgiebige Rast.

Zwei Australier sitzen auch schon da und dann kommt oh Schreck! Richtig, mein „Besserwisser“. Erst die Sch…..Fliegen und nun auch der noch! Bis hier sind es mal gut 10 Km und schon 10.oo Uhr durch. Es ist sehr schwer heute. Ich dehne die Rast so lange wie möglich aus, in der Hoffnung dass der Besserwisser aufsteht und vor mir „El
der scheint auf mich zu warten. Als ich dann aufstehe, steht er auch auf und schließt sich mir wieder an. Wie bekomme ich diesen lästigen, unangenehmen Kerl wieder weg?

Der Weg vom Dorfplatz geht links runter zum Camino, ich gehe einfach gerade aus. Er geht etwas vor mir und merkt erst nach ca. 20 m dass ich nicht nachkomme. Dann will er mir erklären, daß der Jakobsweg hier lang geht, ich sage ihm, daß ich mir die Kirche noch ansehen will.

Er geht weiter und ich um die Kirche herum, die abgeschlossen war und folge ihm dann in entsprechendem Sicherheitsabstand. Es geht wieder auf dem Jakobsweg weiter, nach „Riego de Ambros“ und von dort nach „Molinaseca“

Auf der Straße nach „Molinaseca“, die man stückweise benutzen muss, treffe ich die Französin wieder, die mir von Beginn an, immer mal über den Weg läuft. Wir gehen ein Stück zusammen, dann wünsche ich ihr „Buen Camino“ und sie zieht weiter, da sie schneller ist. Dann laufe ich in „Molinaseca“ hinein. Am „Rio Meruelo“ lasse ich mich nieder und ine Rast. Hier werden die letzten Vorräte an Naturalien noch verzehrt und etwas gefaulenzt.

Ich muss nur noch 8 Km bis „Ponferrada“ laufen. Dann wird es Zeit, sich auf den Weg zu machen, um das letzte Stück noch abzulaufen. Ich gehe durch „Molinaseca“ am „Hospital San Rroque“ vorbei, auf dem Bürgersteig, an der LE-142 . Rechts von mir fließt der „Rio Meruelo“ und die Straße wird von Weingärten und Wallnußbäumen gesäumt. Ich gehe der wegweisenden Muschel nach, um dann steil abfallend ins Dorf „Campo“ zu gelangen. Von dort gehe ich dann wieder an der Landstraße entlang, bis „Ponferrada“.

Hier muss ich den „Rio Boeza“ überqueren und dann in die Stadt hinein gehen. Dann stehe ich plötzlich und unvermittelt vor dieser unglaublichen „Templer Burg“ in „Ponferrada“. Dieses „monumentale Bauwerk“ ist absolut sehenswert. Eine riesige und wunderschöne Wehranlage. Dann gehe ich rechts hinunter zur Pfarr-Albergue.

Auch eine sehr schöne, neue und moderne Anlage mit integrierter Pfarrkirche. Hier ist im Innenhof ein Meilenstein, der besagt dass es bis „Santiago de Compostela“ noch genau 202,5 km sind. Hier bekommen die Pilger auch ein Glas Fruchtsaft zur Begrüßung und Erfrischung gereicht.

Ich bekomme mein Bett in einem 6 - Bettzimmer zugeteilt. Dann erscheint wer? Genau, mein Besserwisser. Ich habe so langsam den Verdacht, dass er mich verfolgt. Ich störe mich nicht an ihm und lasse ihn links liegen. Irgendwann wird er wohl verstanden haben, dass ich lieber ungebunden und frei laufen will.

Duschen, Sanitäreinrichtungen, alles vom Besten und sehr großzügig ausgelegt. Nach dem die alltäglichen Arbeiten erledigt sind, gehe ich in die Stadt. Die Templer-Burg ist riesig groß und beherrscht das ganze Panorama. Ich gehe den Weg zurück, den ich gekommen bin, an der Burg vorbei. Es geht immer abwärts, dann über die Brücke des „Rio Sil“ und dann unterhalb, am „Rio Sil“ und der Burg entlang.

Sie liegt jetzt hoch oben und ist in ihrer ganzen Ausdehnung zu sehen. Am Ende gehe ich wieder über eine Brücke über den „Rio Sil“ und dann wieder über viele Treppen und steilen Rampen, hoch in die Altstadt von „Ponferrada“. Wenn sie meinen Bericht aufmerksam verfolgt haben, werden sie feststellen, dass ich trotz der oft langen und schweren Tagesetappen, die ich zurück gelegt habe, noch zusätzlich durch die Stadt laufe und wie hier noch große Höhenunterschiede überwinde und mich dabei wohl fühle.

Durch das Training der langen Strecke, die ich schon zurückgelegt habe, bin ich topfit und fühle mich durchtrainiert. Nach dem ich mir die Stadt angesehen, mein Abendessen und für Morgen zum Frühstück eingekauft habe, wird es Zeit zurück zugehen. Um 19.3o Uhr ist die Pilgermesse mit anschließender Pilgersegnung. Nach der Messe mußten wir Pilger uns im Mittelteil der Kirche versammeln und bekamen dort den Pilgersegen. Dazu stellte sich der Pastor unmittelbar vor uns und spendete uns den Segen. Im Anschluß daran, sang er uns das Pilgerlied als Ständchen a. Kapella. Dann ertönte direkt hinter mir, ein etwas schief angesetzter Gesang. Und wer war das? Richtig, mein Besserwisser! Er fühlte sich animiert, sein Scherflein zum Gelingen dazu zu tun. Der Pfarrer schaute etwas indigniert, aber nahm es mit Gelassenheit hin.

Er ertrug den schiefen Gesang genauso tapfer, mit einem milden Lächeln, wie wir Pilger bis zum Ende. Er hat es halt nur gut gemeint! Es war innerhalb der Mauern dieser Herberge schön warm, da der Wind draußen blieb. So konnte man im Innenhof zu Abend essen und dann dort den Tag ausklingen lassen. Wie sollte es anders sein, 22.oo Uhr Licht aus.