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24. Etappe:
Montag den 25.07.2007 ab Ponferrada

Columbrianos

 05.3o Uhr raus aus dem Bett.

Nach dem alles erledigt ist, frühstücken. Die Baguettes, die ich Gestern gekauft habe, schmecken gut. Es regnet zwar, doch um 06.3o Uhr ist Abmarsch. Gut verpacktin der Regenkleidung, geht es bei leichtem Nieselregen, ab auf den Camino.

Es ist immer das Gleiche, wenn ich eine Stadt verlassen muss. Der Jakobsweg führt mich immer zuerst durch die Altstadt und an allen wichtigen Baudenkmälern vorbei. Dann geht es auf langen Wegen durch die Stadtrandbezirke, ehe ich wieder auf freier Strecke bin. So natürlich auch heute. Ich habe das hier nur noch mal erwähnt, aus dem Grund, weil wir hier Probleme hatten den richtigen Weg zu finden.

Ich gehe zusammen mit einer Frau, die ichgestern getroffen habe und die irgendwie etwas am Ende war und dann doch noch spät in die Albergue gekommen wardurch die Stadt. Hier müssen wir viele Treppenstufen, hinter der Burg hinuntersteigen, den „Rio Sil“ überqueren und dann rechts am Fluß entlang gehen.

Dann kommt ein großer Kreisverkehr und jetzt sind wir am Ende. Wir wissen nicht mehr weiter. Wir vergleichen unsere Wanderführer. Meine Begleiterin hat einen Plan vom Fremdenverkehrsamt dabei, doch der hilft uns auch nicht weiter. Nach rechts schauend, sehen wir Pilger laufen, die schon bis in die Nähe der „Rio Sil - Brücke“ gewandert sind. Das ist aber ganz falsch. Zum Glück kommt ein Einheimischer des Weges und zeigt uns den richtigen Weg.

Nun entfernen wir uns auf dem Pilgerweg, der auf dem Bürgersteig der Straße in Richtung „Culumbrianos“ führt. Dann kommen auch alle anderen zurück, die falsch gelaufen sind. Die Pilgerin, die mit meiner Begleitung den Weg bisher gegangen ist, holt uns ein. Es ist eine Farbige, die aber schon lange in Deutschland lebt. Da wo die Straße endet, geht der Jakobsweg noch ein Stück weiter.

Es geht durch einen Torbogen in einen Park, an Tennisplätzen vorbei, teilweise über Feldwege, an einem Friedhof und einer Kirche vorbei. Nach 500 m überquere ich eine Schnellstraße und gehe dann nach „Columbrianos“ hinein. Nach weiteren 500 m die ich den Ort durchlaufe, habe ich endlich die Vororte von „Ponferrada“ verlassen.

Der Regen hat jetzt schon längere Zeit aufgehört, es ziehen aber noch dicke und bedrohlich wirkende Wolken vorbei. Nach kurzer Zeit erreiche ich das Dorf „Fuentesnuevas“ und kurz darauf das Dorf „Camponaraya“. Hier wird zuerst eingekauft. Ich brauche Brot, Dauerwurst und Äpfel.

Der Ort ist nicht besonders schön und so ziehe ich weiter und suche nach einem schönen Platz, wo ich mein Frühstück halten kann. Die Pilgerschar, die sich durch die unklaren Wegmarkierungen in „Ponferrada“ gebildet hatte, hat sich wieder auseinander gelaufen. Jeder geht hier seinen eigenen Schritt. Ich bin wieder alleine auf dem Weg und das ist mir am liebsten. Es reicht, wenn man sich abends in der Albergue trifft und zusammensitzt. Nach dem ich den Ort auf einer langen Hauptstraße verlassen habe, komme ich an einen schönen Grillplatz.

Da aber dort gerade von Gemeindearbeitern Säuberungsarbeiten durchgeführt werden, gehe ich geradeaus weiter in die Weinberge. Nach ca. 400 m überquere ich auf einer Brücke die Autobahn und wandere weiter, um dann nach weiteren 2 Km eine Landstraße zu überqueren.

Ich werde von mehreren Fahrradpilgern überholt. Dann erreiche ich „Cacabelos“. Hier komme ich an einem schönen Rastplatz für Pilger vorbei. Er liegt genau gegenüber vom Schwimmbad. Rucksack runter und jetzt wird Frühstückspause gemacht. Es ist 10.oo Uhr und ich habe schon 16 Km der Tagesetappe hinter mir. Das Wetter ist mittlerweile gut, aber der verdammte, kalte Wind läßt mich nicht lange ruhen. Es wird mir kalt im Rücken und ich ziehe weiter. Zwischenzeitlich sind einige Pilger an mir vorbei gezogen. Ich befinde mich hier in den Bergen von Leon.

Der Weg führt mich durch die schöne Altstadt von „Cacabelos“. Vor der Brücke über den „Rio Cua“, ist eine alte Weinpresse als Denkmal aufgebaut. Ich verlasse die Stadt und der Weg steigt wieder an und verläuft auf der Landstraße. Nach 2 Km durchlaufe ich „Pieros“. Nach weiteren 2,5 Km Landstraße geht der Weg von der Straße weg, durch Weinberge und Obstgärten. Nach der Pause in „Cacabelos“ habe ich ein Tief. Es geht schlecht weiter. In den Weinbergen überholen mich die zwei Australier, die ich in „El Acebo“ in der Bar getroffen habe.

Da ich K.O. bin, ziehe ich langsam meines Weges und ich sehe sie schon bald über den nächsten Berg hinweg wandern. Irgendwann habe ich mich aber erholt und komme wieder gut weiter. Schon nach kurzer Zeit hole sie wieder ein. Sie stehen mit vollem Gepäck unter einem Kirschbaum und laben sich an den saftigen gelben Kirschen, die hier in den Weinbergen, direkt am Weg wachsen.

Bis hier war es unmöglich, sich an einem Kirschbaum zu bedienen, weil immer irgendwo, irgendwer in der Nähe war. Hier konnte dann auch ich nicht widerstehen und wurde auf dem Jakobsweg zum Kirschendieb. Ich habe mir gedacht, das ist nur Mundraub, in der nächsten Kirche zündest du dafür eine Kerze an und diese Sünde wird dir sicherlich dann vergeben.

Also ich auch unter den Kirschbaum und die Kirschen waren so saftig und süß, sie wären schon fast eine Todsünde wert gewesen. Nach dem wir uns hier erfrischt hatten, zogen wir weiter. Aus dem Berg kommend erreiche ich dann endlich „Villafranca del Bierzo“. In der ersten Albergue, noch vor der berühmten „Santiago-Kirche“ bekomme ich mein Bett. Eine schöne großräumige Gemeinde-Albergue. Zur Stadt hinein geht es wieder sehr steil hinunter und zur Pfarrkirche muss man wieder sehr hoch hinaufsteigen.

Von hier hat man jedoch einen schönen Ausblick über die Stadt, die Burg und die „Santiago-Kirche“. In der „Santiago-Kirche“ bekamen früher die Pilger, die auf dem Weg schwer erkrankt waren, schon einen „Vollkommenen Ablass“ ohne „Santiago de Compostela“ je erreicht zu haben. Darum nennt sie sich „Die kleine Santiago Kirche“. Hier wird deutlich, dass man wieder im Gebirge ist, denn man muss nur steile Rampen rauf- und runterlaufen. Es ist eine schöne Stadt, die eine große Plaza hat auf der die Leute flanieren. Hier treffe ich viele Pilger, die ich bereits vom Camino her kenne. Neben der „Santiago-Kirche“ ist eine alte Pilgerherberge, die von „Jago“ geführt wird. Sie soll sehr interessant sein. Da „Jago“ viele Anekdoten vom Camino kennt, unterhält er damit seine „Peregrinos“. Also sehr zu empfehlen. Meine Albergue ist kaum belegt, so dass ich ein Einzelzimmer mit 12 weiteren, leeren Betten habe. Abends spiele ich noch etwas auf der Gitarre und wir singen gemeinsam noch ein paar Lieder und dann geht wieder das Licht aus und die Nacht beginnt.