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25.Etappe:
Dienstag der 26.06.2007 Ab Villafranca del Bierzo.

Heute scheint die vor uns liegende Etappe allen großen Respekt einzuflößen. Denn es geht morgens nur langsam voran.

Um 05.3o Uhr aufstehen, waschen, packen und dann sitzen sie alle übernormal lange beim Frühstück. Alle haben eine gewisse Scheu vor dem, was uns heute abverlangt wird. Ich ziehe gegen 06.45 Uhr los. Das Wetter ist schön, aber immer dieser kalte Wind.

Lange Hose und Strickjacke an und dann los. Der Weg geht an der „Santiago-Kirche“ vorbei, ein Stück um de Burg herum, dann rechts ab und einen langen Abstieg hinunter, in die Stadt hinein und dann hinaus, über den „Rio Burbia“. Der Weg führt mich dann zu einer Brücke über die alte Straße, zu der neuen Straße N-VI, auf der ich nach einigen Km das Dorf „Perje“ erreiche, durch welches ich hindurch laufe um wieder auf die N-VI zu gelangen.

Der Camino verläuft hier neben der N-VI und dem „Rio Nalcarce“ und immer in der Nähe der Autobahn A6, die dann hin und wieder die N-VI hoch oben überquert. Nach einigen Km erreiche ich dann „Trabadelos“.

Auch diesen Ort durchlaufe ich auf 1.600 m Höhe, um wieder auf die N-VI zu gelangen. Es geht weiter, aber immer leicht ansteigend, nach „Las Herrerias“ und dann nach „Portela“. Hinter Portelas suche ich mir ein schönes Plätzchen zum ausruhen und frühstücken. Da holt mich ein Pilger aus Leipzig ein, mit dem ich gestern Abend zusammen gesessen habe. Er sieht schon sehr mitgenommen aus und will, bevor es nach „O Cebreiro“ hinauf geht, im nächsten Dorf, in „Ambasmestas“, noch einmal übernachten.

Ich gehe jedoch weiter. Auf dieser Straße treffe ich die kleine Französin wieder, die schon von Beginn an dabei ist und die eigentlich immer morgens mit mir zusammen aufbricht. Ob wir nun in der gleichen Albergue eingekehrt sind, oder nicht. Meistens treffen wir uns am Morgen irgendwo. Da sie sehr schnell ist, bleibt es immer bei einem freundlichen „Buen Camino“ und jeder zieht seines Weges.

Hier auf dieser Strecke, gehen wir ein Stück gemeinsam. Sie ist mit einer Brasilianerin in der Albergue der Brasilianer verabredet. Diese befindet sich kurz vor „Vega de Valcare“ an dieser N-VI. Bis dort gehen wir zusammen und dann gehe ich wieder meinen Weg alleine weiter. Es geht immer weiter bergauf, an der N-VI und dem „Rio Valcarce“ entlang, nach „Ruitlan“ und dann weiter nach „La Herrerias“.

Hier lege ich noch einmal eine längere Pause ein, denn ab hier beginnt der Aufstieg nach „O Cebreiro“ und der ist nicht ohne! Es müssen 700 Höhenmeter auf 7,5 Km Wegstrecke überwunden werden. Bis hier habe ich schon 20,5 Km der Tagesetappe zurückgelegt. Nach dem ich mich gestärkt habe, die Wasserflasche gefüllt ist und ich mit Grausen an den vor mir liegenden Berg denke,auf dessen Paß mein Etappenziel liegt, beginne ich den Aufstieg in Richtung „La Faba“.

Es geht nun sehr steil den Berg hoch. Nach einigen Km geht der Pilgerweg links von der asphaltierten Straße ab und dann wieder abwärts um den „Rio Valcarce“, der mich schon den ganzen Tag begleitet hat, zu überqueren. Den Fahrradpilgern wird dringend davon abgeraten, diesen Weg zu benutzen, da er zu mühselig ist.Sie sollten die asphaltierte Straße weiter benutzen. Ich denke mir: „Was für die Radfahrer gut ist, kann für „Peregrino Willi“ nicht schlecht sein“.

Also bleibe ich auf der Straße. Dadurch muss ich aber einen Umweg in Kauf nehmen, von einigen Km. In „Laguna de Castillia“ treffen dann wieder beide Wege zusammen. Es ist heute sehr heiß und alle sind irgendwie geschafft.In der Bar in „Laguna de Castillia“ sind alle Plätze besetzt und heute wird der Kaffee con Leche verschmäht und nur Cola und eiskalte Limonade getrunken.

Dann geht es weiter, das Schlimmste ist geschafft. Oberhalb von „Laguna de Castilla“ passiert man den neuen Pilgerbrunnen und geht dann, als Fußpilger links ab auf einen Pilgerweg, auf dem man dann nach ca.1 1/2 Km die Grenze nach „Galicien“ überschreitet und zwar in die Provinz „Lugo“.Ab diesem schönen Grenzstein sind es noch 151 km bis „Santiago de Compostela“ und nur noch 1000 m bis zum heutigen Etappenziel „O Cebreiro“.

Es ist der erste Ort in Galicien. Er vermittelt einen großartigen Eindruck, da der Ort und seine Häuser so schön und gepflegt sind. Die folgenden Dörfer können jedoch damit nicht mithalten. In „O Cebreiro“ gibtes Rundbauten aus Naturstein mit schönen Strohdächern. Ich gehe durch das Dorf und an der Kirche vorbei. Dann nach links, den Richtungspfeilen nach, zur Gemeinde-Albergue, die gerade total renoviert wird. Rechts hat man jetzt einen grandiosen Ausblick über das Tal, in welches der Jakobsweg mich ab morgen führen wird.

Das Dorf liegt genau auf der Passhöhe, so dass man auf der anderen Seite in den „Bierzo“ hinunter sehen kann. Auch dieser Ausblick ist grandios. Die Albergue besteht in der Zeit der Renovierung aus Wohn-Containern, die jedoch sehr schön sind und auch sauber.Nur die Sanitäreinrichtungen sind katastrophal. Die Toiletten sind typisch französisch. Hier muss man aufpassen, dass man seine Kleidung in den Händen behält und sich nicht auf die Füße sch....... tritt! Aber das unangenehmste war, dass der Sanitärcontainer nur über ca. 20 Treppenstufen und einer Entfernung von 50 m zu erreichen war.

Das war besonders in der Nacht, als dichter Nebel alles einhüllte, sehr unangenehm und kalt. Doch die neue Albergue stand kurz vor der Fertigstellung und diese ist dann super modern,wie der ganze Ort. In „O Cebreiro“ gibt es gute Restaurants, in denen man gut essen konnte. Auch einen kleinen Laden gibt es, in dem man einkaufen kann. Aber der kalte Wind, der schon seit einiger Zeit unser ständiger Begleiter ist, ist hier oben auf dem Grad sehr ausgeprägt.

Da es hier keinen Aufenthaltsraum gibt, muss ich morgen mein Tagebuch schreiben,denn es steht auch noch nicht mal ein Tisch zu Verfügung. Der Schwede, der schon in Leon mit dabei war, läuft auch ein. Er ist nicht mehr alleine, sondern hat eine junge Frau mit ihrem 5 jährigen Sohn dabei. Sie sehen aus, wie eine richtig nette, kleine Familie. Mutter und Sohn sind auch Schweden.Na ja, warum nicht? Heute ist mir kalt. Um 21.3o Uhr liege ich im Bett.

Einschönes Naturschauspiel. Wo Gestern noch das Tal zusehen war, ist Heute alles in Watte gepackt. Es ist frühmorgens gegen 06,30 Uhr von der Albergue herunter fotografiert.