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27.Etappe:
Donnerstag den 28.06.2007 ab Triacastela

 

Das Endziel, „Santiago de Compostela” ist schon zum Greifen nah.

Man merkt es den Pilgern an. Jeder will, so schnell wie möglich, dort sein. Nach dem ich etwas gefrühstückt habe, breche um 06.oo Uhr auf. Die Franzosen liegen noch flach.

Zunächst geht es in „Triacastela“ abwärts, zur Landstraße LU-634, die ich überquere und auf einer Nebenstraße weitergehe. An der Wegegabelung, die dann kommt, gehe ich rechts eine Betonrampe hoch, bis zum Dorf „Balsa“, dann links über eine Brücke und dann rechts, auf einem Waldweg weiter hoch. Es geht steil hoch, in Richtung „San Xil“, das ich nach insgesamt ca. 4 Km erreiche. Dann geht es noch mal ca. 2 Km weiter,

 

Diese Wege nennt man Corredoiras und haben schon zur Römerzeit als Weg gedient.bis zum „Pass von Riocabo auf 896 m“. Bevor ich diesen Anstieg in „Triacastela“ begonnen habe, konnte ich mich zwischen 2 Alternativen entscheiden.

Ich habe mit meinem Weg zwar die schwerere Wahl von beiden getroffen, aber die Kürzere gewählt. Ich bin allein auf weiter Flur und wurde auch noch nicht von Mitpilgern überholt. So gehe ich davon aus, dass die Meisten den zwar längeren, aber leichteren Weg gewählt haben. Ich wandere also weiter auf einsamen Pfaden in Richtung „Montan“, und gleich dahinter kommt dann auch schon „Fontearcuda“. Hinter „Lousada“ überquere ich den „Rio de Navares de Barrelas“ auf einer alten Steinbrücke nach „Petin“. Da es jetzt stetig abwärts geht, komme ich gut vom Fleck. Hier kann ich schon weit im Hintergrund „Sarria“ sehen. Es ist aber noch ein weiter Weg bis dorthin. Die nächste Station ist „Calvor“, hier kommen die Wege wieder zusammen. Der Nebel hat sich aufgelöst und die Sonne scheint vom klaren Himmel. Meine Versuche, hier in den Bergen nach Hause anzurufen, scheitern immer daran, dass ich hier kein Netz bekomme.

Seit ich „O Cebreira“ verlassen habe und durch die Dörfer in „Galicien“ ziehe, steigt mir schon, wenn ich noch ca. 200 m vom nächsten Dorf entfernt bin, der Duft, der die Hinterlassenschaften dieser Rindviecher in die Nase. Unmöglich hier in einem Dorf in einer Bar Frühstückspause zu machen. Ich wandere also weiter auf dem Pilgerweg und passiere dabei “Aguiada“, “San Mamede“, “San Petro do Camino“; und komme nach “Vido“ einem Vorort von „Sarria“. Hier ist am Straßenrand ein schöner Pilgerrastplatz angelegt. Der richtige Platz, um Frühstück zu machen. Ich bin in Stadtnähe, hier bekomme ich auch Netzempfang, um anzurufen. Da taucht auch „Jose“ auf, denn hier vereinigt sich auch noch ein dritter Weg mit meinem. Kurz nach „Jose“ tauchen auch die zwei Brüder auf und es wird wieder etwas belebter auf dem Camino. Nach dem ich meine Pause gehalten habe,gehe ich nach „Sarria“ hinein. Es ist gerade erst 11.oo Uhr. Das ist zu früh um hier schon Station zu machen.

Ich sehe mir die Stadt an und mache noch einmal eine Pause, da tauchen die zwei Amerikanerinnen auf.

 
 
 
 

Sie haben sich mittlerweile Wanderstöcke besorgt, die aber wenigstens 50 cm länger sind, als sie groß sind. Es sind zwei lustige Vögel, die den Camino so richtig genießen. Man hört sie meistens schon lange, bevor man sie sieht. Die Eine von Beiden hat Fußproblemeund kommt nicht so richtig weiter. Das tut ihrem Humor aber keinen Abbruch. Ich werde heute noch bis „Barbadelo“ gehen. Ich gehe in „Sarria“ eine Treppe hinauf zur Altstadt und dann weiter an der Kirche vorbei, rechts zum Magdalenen-Kloster. Vorher, an einem Aussichtspunkt, an dem auch das Pilgerkreuz steht, treffe ich wieder „Jose“. Er hat Probleme mit den Füßen. Nach einer kurzen Pause und ein paar Fotos ziehe ich weiter. Am Magdalenen-Kloster, geht es links sehr steil bergab,weiter am Friedhof vorbei zur Landstraße. Damit hat man „Sarria“ verlassen. Nach dem ich rechts über die Landstraße gelaufen bin, muss ich dann nach ca. 300 m links abgehen auf einen Feldweg. Der Weg geht über einen

Damm und dann an den Bahngleisen entlang,die ich überqueren muss. Später, nach dem ich eine Brücke über den „Rio Regt“ überquert habe, geht es ganz steil einen Hohlweg hoch. Dieser Weg ist gesäumt von 400 Jahre alten, dicken Bäumen. Ich erreiche oben dann das Dorf „Vilei“ und habe schon einen schönen Ausblick auf „Barbadelo“. Ich habe das Etappenziel für heute um 12.3o Uhr erreicht.

Um 13.oo Uhr öffnet aber die Albergue erst. Also warten! Vor der Alberge sitzen zwei deutsche Frauen, die KO. sind und ein Mitpilger, mit dem ich mich schon einmal verlaufen hatte. Gegen 13.15 Uhr habe ich dann hier mein Bett.Nun hatte aber auch diese Albergue eine Eigenheit. Wie in fast allen Herbergen am Weg, stand auch eine Küche für die Pilger zur Verfügung. Nur in dieser Küche gab es keine Teller, keine Tassen,einfach Nichts.

Es gab auch keine Kessel, in welchen man hätte Wasser kochen können. Rechts an der Albergue vorbei, etwas den Berg hoch, betrieb der Ehemann der Hospitalera einen Imbiß. So war man dann gezwungen, wenn man einen Kaffee con Leche trinken wollte, diesen dort zu kaufen. Er hatte alles, belegte Brötchen, Tortillas, Tapas usw. Das Einzige, was es vor der Albergue gab, waren Getränke aus dem Cola-Automaten.

Dieser Automat gehörte natürlich......! Sehr geschäftstüchtig! Viele Pilger zogen daher an dieser Albergue vorbei und gingen weiter. Zum ersten Mal sah ich dort auch Pferdepilger, dievorbei ritten. Diese Allbergue war schnell voll. Die zwei Polinnen, Jose, die zwei Franzosen-Brüder, dann eine Frau, die mir schon bei dem Aufstieg nach „O Cebreiro“ begegnet ist. Sie war auch die Straße lang gelaufen.

Nur hatte sie zur Erleichterung noch ihr Gepäck mit einem Taxi hochfahren lassen und trug so nur eine Wasserflasche bei sich. Auch „Lukas“ war dort. Er war mir schon mehrmals auf dem Weg aufgefallen, da er mit zwei Nordic-Walking-Stöcken ging und mich irgendwann am Tag überholte. Dies kündigte sich bei ihm immer durch den markanten Doppelstockeinsatz an. Seit ich in den Camino eingestiegen bin, hat sich die Schar der Pilger schon 3 bis 4 mal gewandelt. Nur Einzelne sind noch seit Beginn an dabei. Dann zog „Pat“, ein.

Eine Engländerin, die schon sehr lange unterwegs war. Dies zeigte sie uns an Hand ihres Credencials, was in England ausgestellt war. Sie wollte noch bis Portugal wandern. Nun, ich teilte mit „Pat“ ein Doppel-Etagenbett.Da wir uns noch nicht kannten und „Pat“ offensichtlich den Umstand, mit mir das Bett zu teilen, etwas befremdlich fand, löste sie das Problem einfach, indem dass sie sich falsch herum ins Bett legte.Wer Schlechtes dabei denkt, dem sei gesagt, dass wir alle unsere Schlafsäcke dabei hatten und grundsätzlich darin eingepackt schliefen.

So wurden sogar in Klöstern und von Nonnen die Betten eingeteilt. Nach dem ich nun alles erledigt hatte, bin ich noch kurz ins Dorf gegangen um es mir anzusehen. Da gab es aber nicht viel zu sehen. Als ich zurück kam und „Pat“ sich an den Umstand gewöhnt hatte, mit mir das Bett teilen zu müssen, sagte sie mir, dass oberhalb ein Restaurant sei, in dem es Pilgermenue gibt. Ich setze mich noch eine ½ Std. vor die Albergue und spielte auf der Gitarre.

Das dauerte dann nicht lange und die Treppe saß voller Pilger die einfach nur zuhörten. Abends trafen sich dann um 19.oo Uhr diverse Pilger zum Menue. Mit dabei war auch „Manfred“ aus Bayern. Alter ca. 65, klein und nicht zu dünn. Er war den Camino schon einmal gegangen und erzählte auf seinem bayrischen Dialekt davon. Mit dem Ergebnis, dass er alles immer wiederholen musste, da einige zwar deutsch sprachen, aber den Dialekt nicht verstanden. So lobte und pries er eine „Pizzeria in Azoa“ an, wo wir in den nächsten Tagen einkehren würden.

Wir trafen die Verabredung, uns mit ihm, dort zu treffen und seine: „Beste Pizza von Welt“ zu essen. Es war hier ein lustiger Abend und wir mussten uns beeilen, um wie immer um 22.oo Uhr in der Albergue zu sein. Es war heute wieder ein sehr schöner Tag auf dem Camino.