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29.Etappe:
Freitag den 30.06.2007 Ab Gonzar

 

 Seit dem ich die Grenze nach „Galicien“ passiert habe,

ist auf den Meilensteinen am Weg, die noch zurück zulegende Strecke, in Km angegeben. So hat man das Gefühl, man könne den Rest, von unter100 Km, einfach durch gehen.

In „Gonzar“ gehe ich morgens schon ganz früh weg, da es dort immer noch kein Wasser gibt. Ich bin heute schon vor 06.oo Uhr auf dem Camino. Es geht von der Landstraße ab, auf einem Waldweg und dann komme ich nach „Castromaior“. Hier am Pilgerbrunnen, wird die Wasserflasche gefüllt. Dann wird sich notdürftig, aber mit viel Wasser gewaschen. Das ist dann sehr erfrischend, da es am Morgen noch sehr kühl ist. Dann geht es weiter zum nächsten Dorf „Hospital da Cruz“, das ich am Meilenstein „80 Km bis Santiago de Compostela“ passiere. Ich gehe durch das Dorf und folge der Straße, die bergab geht.

Auf einem Steg wird dann die Landstraße überquert. Am Ende des Dorfes „Ventas de Naron“ mache ich eine Rast, auf einem schönen Pilger-Rastplatz mit Brunnen. Hier ist der „typische Dorf-Geruch“ nicht mehr so ausgeprägt, oder ich habe mich schon daran gewöhnt. Hier habe ich leider noch kein Netz, zum telefonieren und der kalte Wind, läßt mich auch nicht lange rasten. So gehe ich also weiter.

Es geht wieder den Berg hinunter, durch die Orte „Prebisa“, „Os Lameiros“ und „Ligonde“. Auf dem weiteren Weg, gehe ich über den „Rio Ligonde“ nach „Eirexe“. Unterwegs habe ich die Amerikanerinnen überholt. Sie waren wieder mit viel „Tamtam“ unterwegs. Sie hatten sich mit anderen Pilgern zusammen gefunden und bildeten nun eine fröhliche Gruppe. Es sind eben alles junge Leute, die Spaß haben wollen. Es macht mir auch immer Spaß, ihnen zu begegnen.

In „Eirexe“ habe ich dann Netzempfang und kann zu Hause anrufen. Da die Sonne jetzt schon scheint, ist es sehr warm und ich montiere die langen Beine von der Hose ab und ziehe auch die Strickjacke, die schon naß ist, vom Schweiß, aus. Der Weg führt mich weiter durch kleine Bergdörfer. Es geht abwärts, durch „Portos“, über den „Rio Portos“, nach „Lestedo“. Dann weiter nach „Valos“ und „Mamurria“.

Unter Eukalyptusbäumen wandere ich weiter nach „Brea“ und dann erreiche ich „Lamelas“. Neben der Straße, geht es auf dem Jakobsweg wieder aufwärts, auf den „Alto do Rosrio“. Dann geht es wieder abwärts in das Tal von „Palas de Rei“. Hier hat sich der Nebel noch nicht verzogen und es wird wieder sehr kühl. Am „Km 66,5“ vor „Palas de Rei“ ist ein schöner Rastplatz für die Pilger eingerichtet.

Doch durch den Nebel ist es zu kalt, um hier zu rasten und ich gehe weiter, in die Stadt hinein. Es ist 11.oo Uhr. Hier muß ich jetzt einkaufen, denn in „Casanova“, wo ich übernachten will, gibt es keine Möglichkeit dazu. Zum Abendessen und für Morgen zum Frühstück, benötige ich Nachschub. Dann geht es weiter. Auf dem Rastplatz, hinter „Palas de Rei“, ziehe ich mich wieder wärmer an, denn es ist sehr frisch geworden.

Es braucht eine Weile bis man „Palas de Rei“ und den Vorort verlassen hat. Ich steige zur N-547 hinunter, die ich jetzt überqueren muss, und folge der Landstraße, bis vor den nächsten Ort. Nun verlasse ich dann diese Straße und gehe auf einem Feldweg nach „San Xulian“. Durch den Ort gehe ich hindurch und erreiche nach kurzer Zeit meinen Zielort „Casanova“.

Auf dem Weg höre ich dann plötzlich den mir bekannten „Doppelstock-Einschlag“ und weiß, jetzt kommt „Lukas“. Ich erzähle ihm, dass ich mit der gleichen Maschine, wie auch er, von „Labacolla“, am 05.07.2007 nach Hause fliege. Lukas, war auch son lässiger Typ. Er ist auch ein Langschläfer und wenn er dann kommt, in seiner kurzen Hose, dann denkt man: „Der hat immer noch seine Schlafanzugshose an“!

Er hat seinen Rucksack, so leicht wie nur eben möglich gepackt. So hat er eben nur diese Hose. Noch eine Lange, wenn es ganz kalt wird und sonst nicht mehr viel weiter. Nun will er weiter gehen bis „Melide“. In „Casanova“, an der Albergue macht er erst einmal Rast. Er sitzt schon vor dem Refugium, als ich gegen 12.oo Uhr eintreffe. Um 13.oo Uhr ist aber erst Einlaß. Ich erledige schon einige Routinearbeiten, bis ich mein Bett bekomme.

Die Sonne scheint mittlerweile auch und es ist sehr heiß, da ein Gewitter in der Luft hängt. „Lukas“ beschließt, sich mir anzuschließen und nicht weiter zu ziehen. Ich habe mir „die letzten 60 Km“ so eingeteilt, daß ich morgen bis „Arzoa“ wandere, am nächsten Tag bis „Labacolla“ und am Dienstag von „Labacolla“ die letzte Etappe von nur noch „10 Km“ gehe, um frisch und ausgeruht nach „Santiago de Compostela“ hinein zu gehen. Lukas findet das gut und schließt sich an.

Heute ist ganz große Wäsche angesagt, denn meine Strickjacke ist total verschwitzt. Mein Anorak ist verdreckt und meine Hose für die Freizeit, hat es auch bitter nötig. Alles muss in die Waschmaschine. Gar nicht auszudenken, wenn ich am Donnerstag aus dem Zug aussteige und habe dreckige Klamotten an. Dann dreht Helga sich um und schaut in eine andere Richtung.

Das geht nun gar nicht! Die Hospitalera stellt mir die Waschmaschine ein. Die Maschine schleudert aber nicht. Was nun? Ich wringe alles, so gut es geht, aus. Dann auf die Leine. Die Sonne scheint, aber es ziehen auch dicke Wolken vorbei. Zum Abend sind dann alle Sachen, bis auf die Strickjacke, trocken. Die Strickjacke tropft am nächsten Morgen immer noch. Nach dem ich alles weggepackt habe und nun alles, für die Heimreise, schön sauber ist, schreibe ich mein Tagebuch.

Danach Abendessen, hier kann man sich wieder selbst Kaffee kochen und auch, was man sonst noch möchte. Dann ein kurzer Weg durch das Dorf „Casanova“. Dann kann man ins Bett gehen. Die Herberge ist voll. Alle sind wieder da, die zwei Polinnen und ein Russe, der schon seit „Ponferrada“ mit auf dem Weg ist. Die zwei Amerikanerinnen sind vorbei gezogen mit ihrem Anhang.

Die zwei französischen Brüder sind auch weiter nach „Melide“ gelaufen. „Jose“ habe ich seit gestern nicht mehr gesehen. Auch „Pat“ ist da und das Haus ist voller Bekannte. Gestern Abend konnte ich nicht so richtig einschlafen. Es ging mir durch den Kopf, dass nun das Ziel meiner Pilgerreise in greifbare Nähe gerückt ist und ich tatsächlich, über 700 Km, über Berg und Tal gewandert bin und es jetzt fast geschafft habe. Ganz begreifen, kann ich das jetzt noch immer nicht. Ich hoffe, dass ich diese Nacht gut schlafe, denn morgen geht es weiter. Nachtruhe wie immer um 22.oo Uhr