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30.Etappe:
Samstag den 01.07.2007 Ab Casanova

 

 Nach den morgendlichen Routinearbeiten, muss ich meine Strickjacke vom Wäscheständer nehmen, den ich gestern Abend noch in den Hauseingang gestellt hatte.

Die Jacke ist noch triefend nass. Also hinein, in einen Plastikbeutel und dann in den Rucksack.

Das Teil ist schwer, es kommt zum Gewicht hinzu. Um 06.oo Uhr ist Abmarsch. Es hat geregnet und dicke Wolken bedecken den Morgenhimmel. Es sieht überhaupt nicht gut aus. Ab und zu schaut der Vollmond durch die Wolken und so komme ich doch ganz gut weiter. Der nächste Ort, der auf einer Ebene liegt ist „Porto de Bois“, dann geht es abwärts, über den „Rio Villar“, danach geht es über eine Landstraße in die Provinz „A Coruna“ hinein.

Dann gelange ich in das Dorf „Leboreiro“. Ich gehe durch das Dorf, dann über eine Brücke und in unmittelbarer Nähe der M-547 bis zu einem Waldweg.Jetzt abwärts, wieder eine Brücke überquerend nach „Furelos“. Ich gehe auf einem Waldweg in Richtung „Melide“. Dann durch ein Industriegebiet mit dem Weg entsprechenden Denkmälern und Gedenktafeln, bis ich über einen Waldweg kommend auf der „Magdalenen Brücke“ den „Rio Furelos“ überquere.

Direkt am Rio, hinter der Brücke, ist eine schöne Albergue, im Viertel „Barrio de San Pedro“. Hier gehe ich dann weiter auf der Hauptstraße in die Stadt hinein. In „Melide“ begann es leicht zu regnen. Die beste Gelegenheit, in einer Bar Frühstück zu machen. Der obligatorische „Kaffee con Leche“ und dazu, ein Paar Hörnchen. Die Bar füllt sich mit Pilgern, da kommt auch „Pat“. Sie setzt sich, zu mir an den Tisch und bestellt ein Frühstück. Dabei muss sie wohl einen Fehler gemacht haben! Als das Frühstück kommt, ist der Vierer-Tisch, an dem wir zwei sitzen, zu klein um das alles aufzunehmen, was sie bestellt hat.

Dazu gehören: Bratwürste, Kartoffelsalat, Brühwürste, gekochte Eier, ein Salatteller, Fritten und div. Kleinigkeiten. Ein Glück,dass ich meine Hörnchen schon verzehrt habe. So brauche ich nur meine Kaffeetasse in der Hand zu halten, damit „Pat“ genug Platz hat, für ihr Frühstück.

Nach dem ich fertig bin und aufbrechen will, fängt es wieder an zu regnen. Also wieder hinsetzen, Kaffee bestellen und warten. Zwischenzeitlich, den Rucksack auspacken und Regenzeug anziehen. Den Rucksack neu packen. Dann hat es soweit nachgelassen zu regnen, so dass ich aufbrechen kann. Und „Pat“ sitzt immer noch an ihrem Frühstück und sucht Pilger, die ihr helfen die Teller leer zu machen. Ich verlasse „Melide“ auf der N-547, durch das Viertel „Barrio de Santa Maria“. Ich gehe über den „Rio Lazaro“ in Richtung „Carballal“. Dann wandere ich auf einem Waldpfad, unter Eichen, Eukalyptusbäumen
und Pinien dahin.

Überquere bald den „Rio Barreiros“ und bin schon in „Raido“. Es geht auf dem Waldweg weiter nach „Paravispo“. Dann geht es über den „Rio Valverde“ und weiter bergab, nach „A Peroxa“. Auf einem dieser Waldabschnitte, boten Leute Kirschen an. Sie standen unbewacht irgendwo auf einem Tisch. Den Kaufpreis musste man in einem dazu gestellten Behälter hinterlegen. Der nächste Ort ist dann „Boente“, hinter dem ich durch einen Tunnel, unter der N-547, hindurch gehe und dann an den „Rio Boente“, hinunter gehe. Hier geht es weiter nach „Castaneda“ hinauf. Dann weiter nach „Pedrido“. Anschließend geht es hinunter nach „Rio“ und über den „Rio Ribeiral“. An Gärten vorbei, durch Wiesen und Felder, komme ich nach „Dorona“. Hier gehe ich unter Bäumen, über einen Hügel und dann wieder abwärts, nach „Ribadiso“, wenn man über den „Rio Iso“ gegangen ist. Wenn man sich vom Ufer des „Rio Iso“ entfernt, geht man durch „Ribadiso de Baixo“ und dann durch „Ribadiso de Riba“.Durch einenerneuten

Tunnel, unterquere ich die N-547 und komme direkt nach „Ribadiso de Carretera“ hinein. Dann geht ein langer Weg, an der N-547 entlang, bis „Azua“. Am Ortseingang, von „Azua“, beginnt es zu regnen. Bisher ist es gut gegangen.

Ich muss fast durch durch den ganzen Ort laufen, bis zur Albergue „Casa Taranzona“. Dabei komme ich an der Pizzeria vorbei, in der ich heute Abend mit „Manfred aus Bayern“ verabredet bin. Die Albergue ist nicht weit davon entfernt. Hier müssen wir Pilger eine ½ Std. im Regen stehen, denn um 13.oo Uhr öffnet diese erst. Wir sind jetzt alle nass bis auf die Haut. Da taucht „Lukas“ auf. Was ist los? Er hat mich ja gar nicht überholt. Kurz nach 13.oo Uhr habe ich mein Bett und kann mich frisch machen. Es hört jetzt wieder auf zu regnen. Die Sonne kommt raus. Gut so, meine Jacke muss trocknen! Also in die Sonne damit. Dann kommen die Amerikanerinnen in die Albergue, aber nicht ohne das bekannte Getöse. Sie zwingen mich dazu, zuerst etwas auf meiner Gitarre zu spielen und zu singen, ehe ich mich in die Stadt verdrücken kann. Eine von den Beiden, hat wirklich schlimme Füße, dass sie einem schon leid tun kann.

Sie läßt sich aber nicht unterkriegen, oder die gute Laune verderben. In der Stadt kaufe ich noch 10 Jakobs-Muscheln ein, denn ich brauche noch welche und möchte diese auch mit zur Pilgersegnung nehmen. Ich gehe also in das Geschäft. Ein älterer Herr bedient mich. Die Muscheln kosten pro. Stck 2,20 €. Er hält mir aber nur 12,00 € ab. Draußen denke ich: „Da stimmt doch was nicht“!

Gehe aber weiter und schaue mir die Auslagen in den Geschäften an. Nachher, gehe ich auf der anderen Seite zurück und plötzlich steht der Verkäufer hinter mir. Er beginnt mir nun zu erklären, was ihm passiert ist. Dabei verrechnet er sich schon wieder, aber jetzt zu seinen Gunsten. Es war Sonntag und ich denke: „Wenn ich jetzt stur bleibe und ihm das fehlende Geld nicht gebe, hat er unter Umständen stundenlang umsonst in seinem Laden gesessen und muss noch Geld dazu tun“. So nahm ich ihm den Kuli und seinen Rechenblock aus der Hand, rechnete ihm die Differenzaus und gab ihm das Geld.

Ich sah, wie erleichtert er war, weil ich ihm das fehlende Geld gegeben hatte. Er ging zurück in seinen Laden und lies direkt die Rolläden runter. So glaubte ich, eine gute Tat getan zu haben. In „Santiago de Compostela“, kosteten die gleichen Jakobs-Muscheln nur 0,85 €. Da hab ich mich richtig geärgert, denn dann sind 2,20 € schon Wucher. So geht es einem, wenn er ehrlich ist. Nach dem ich zurück in die Albergue kam, war hier der Teufel los. Hier stoßen alle Wege nach „Santiago de Compostela“ zusammen. Die Bude war rappelvoll. Manfred aus Bayern, lief schon durch die Räume und suchte seine Leute zusammen, um Pizza essen zu gehen. Es war eine ganze Pilgergruppe, angehender Priester, im Haus. Hier traf ich einen, der über den „Camino del Norte“ gekommen war. Dieser Weg geht direkt am Atlantik vorbei. So viele Pilger an einem Platz, hatte er noch nicht erlebt. Er erzählte, dass er auf dem „Camino del Norte“, meistens alleine in der Albergue war und mit den Hospitaleros oft essen gegangen war. Hier war alles restlos belegt. Da es sich bei diesen Herbergen meistens um alte Häuser handelt, die aus dicken Bruchsteinwänden bestehen, war trotz der vielen Menschen, die in den Schlafsäalen lagen, die Luft gut.

Gegen 19.oo Uhr trafen wir uns in der Pizzeria. Manfred hatte nicht übertrieben, denn die Pizzen waren wirklich sehr gut. Dann kam der Wein auf den Tisch. Jeder gab schon mal eine Flasche aus. Manfred, Pat, Lukas und meine Wenigkeit war dabei. Dann gesellten sich noch 3 Leute dazu, die ich nicht kannte, aber Manfred. Es war eine lustige Runde. Lukas, war des Weintrinkens noch ungeübt. Er begann schon frühzeitig zu lallen. Manfred, der von geringem Wuchs war und in der Ecke saß, sprang immer auf, wenn er etwas sagen wollte. Für Pat, die sich zurück hielt, mußte Manfred dann immer wieder sein „Bayrisch“ übersetzen, was ihm von Mal zu Mal immer schwerer fiel. Ein Glück für Lukas und uns Alle war es, dass um 22.oo Uhr die Pforte schließt. So zogen wir zur Albergue, kurz davor ist noch eine Bar. Es war erst 21.3o Uhr, das war für den „Bayowaren“ zu früh. Er kehrte noch mal ein. Um 22.oo geht das Licht aus, meine Jacke ist immer noch nicht trocken. Wieder in den Plastiksack damit und in den Rucksack. Alles fertig machen für die vermeintlich „vorletzte“ Etappe und dann ist Nachtruhe. 22.oo Uhr, das Licht geht aus.