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31.Etappe:
Montag den 02.07.2007 Ab Arzoa

 

Wie immer, um 05.oo Uhr aufstehen, waschen, frühstücken und dann um 06.3o Uhr Abmarsch.


Das Wetter ist durchwachsen. Im Freizeitraum drängeln sich die Pilger, um einen Platz zum frühstücken zu erhaschen. Der frühe Vogel fängt den Wurm! Ich bin fertig und haue ab. Geplant ist heute bis „Labacolla“, 27 Km. Ich verlasse auf der Straße, an der die Albergue steht, immer den gelben Pfeilen folgend, „Arzua“. Irgendwie habe ich keine Lust und tue mich etwas schwer.

Vom Wein des Vorabends kann es doch nicht sein. Es war zwar sehr lustig und wir haben viel gelacht, durch Manfred, den Münchner - (im Himmel Aleusius) - auf dem Camino, aber sonst nichts. Es geht abwärts, durch Wiesen und an Gärten vorbei, in einen Wald hinein. Das erste Dorf was ich passiere ist „As Barrosas“.

Danach überquert man den „Rio Raido“ und erreicht die Ortschaft gleichen Namens „Raido“. Wenn man dann „Perguntono“ hinter sich hat, muss man durch einen Tunnel, der unter der Landstraße hindurchführt. Dann erreicht man „Cortobe“ und gleich danach „Pereirina“. Dann stößt man beim abwärts gehen auf den „Rio Ladron“, den man überqueren muss, um nach „Calzada“ zu gelangen.

Hier im Waldstück, überhole ich die Pilgergruppe, der angehenden Priester. Sie gehen in „Reih und Glied“ und beten den Rosenkranz. Es folgen die Orte „Calle“ und „Boavista“. In „Salceda“ berührt man wieder die N-547 und geht unter Bäumen nach „Ras“. Hier bin ich auf der Straße weiter gegangen zu einer Bar, die an der Straße lag, um dort Rast zu machen.

Hier kam dann ein Fahrradpilger. Wir kommen ins Gespräch und ich sage ihm: „Dann bist Du ja schon in 2 Std. in Santiago de Compostela“. Da wusste ich aber noch nicht, dass auch ich heute noch dort ankomme! Nach dem ich gefrühstückt habe, gehe ich die Straße weiter hoch, überquere die N-547 und gelange dann nach „Brea“. Hinter „Rabina“ wechsele ich wieder auf die andere Straßenseite und komme zu einem Rastplatz. Ich bin noch immer sauer.

Es klappt einfach nicht so, wie ich das bisher gewohnt bin. Also wieder eine Rast. Ich setze den Rucksack ab und beschädige dabei meinen Fotoapparat. Die Wasserflasche ist leer, also füllen. Da kommt auch „Manfred aus Bayern“ angestampft. Er tritt sich auch schon fast selbst ins Gesicht, so schlecht ist er drauf. Gestern noch, wollte er in einem Zug durchgehen, nach „Santiago de Compostela“. Jetzt grüßt er nur sehr gequält. Muss wohl ein großer Absacker gewesen sein, den er sich noch vor der Albergue zu Gemüte geführt hat.

Nach dem ich etwas erholt bin, gehe ich weiter. Schon bald komme ich an „Empalme de Santa Irene“ vorbei. Davor an der Albergue, die direkt an der Landstraße liegt, versucht unser „Bayer auf dem Camino“ ein Bett zu bekommen. Alles „Completto“ sagt man ihm und er macht sich, auf bayrisch fluchend, wieder auf den Weg und sucht die nächste Albergue.

Der muss gestern noch schwer versackt sein! Ich gehe gerade aus weiter, langsam bessert sich meine Laune und ich fühle mich richtig fit. Das Wetter ist auch gut. Also weiter westwärts. Der Weg führt mich durch „Rua“, „Pedrouzo“ und „Burgo“. Ich gehe weiter, auf verschiedenen Wegen, Straßen und Pfaden, bis ich „An Anton“ erreiche. Immer auf die Markierungen achtend folge ich dem Jakobsweg nach „Amenal“.

Dann geht der Weg auf einem schön angelegten Weg aufwärts und hinter dem Flugplatz von „Labacolla“ vorbei. Es geht hier sehr steil hoch bis zum Rollfeld, hinter dem ich entlang gehe. Hier überhole ich eine Familie. Ein Junge, geschätzte 5 Jahre, die Mutter eine junge Frau unter 30 Jahre, beide ohne Gepäck. Dann der Mann, mit einem schweren Rucksack.

Dass er schwer war, sah ich daran, wie der arme Mann sich mühte das Teil zu schleppen. Zwischendurch landete schon mal eine Maschine. Dann komme ich nach „San Palo“, dort sitzen einige Leute vor einer Bar. Dann höre ich den markanten Doppelstock-Einsatz von „Lukas“. Er holt mich ein und ab hier gehen wir gemeinsam. Bis „Labacolla“ ist es nicht mehr weit.

In „Labacolla“ angekommen, stellen wir fest, dass es hier keine Albergue gibt. Es gibt zwar ein Hotel, aber da will Lukas nicht hin. Der Werbung folgend, gehen wir weiter, nach „Vilamajor“, es sind nur 1,2 Km. Hier gibt es eine Albergue. Eine sehr schöne Anlage, in der ich gerne geblieben wäre.

Lukas waren aber 35,-- € zu teuer. Er sagt: „Ich gehe weiter“! Ich sage ihm: „Gut, machen wir hier eine Pause und dann gehe ich mit Dir bis zum „Monto do Gozo“, wo es eine große Albergue gibt“. Gesagt getan! So zogen wir nach einer ½ Std. weiter. Wir folgen nun, auf ansteigenden Pfaden und Straßen, unseren Wegweisern, den gelben Pfeilen, zum „Monte do Gozo“. Dann geht es auf den „Monte do Gozo“ hinauf. Am Fuße des Hügels, auf dem das Denkmal steht, habe ich mein Handy genommen und zu Hause angerufen. Ich sagte zu meiner Frau:

„Olle, Du hast mich, auf dem ganzen Weg, bis hier her begleitet, morgens wenn ich anrief, hast Du mir erklärt, wo ich gehen muss und welche Berge ich überwinden musste. Du wusstest immer, wo ich war. Anhand des Wanderführers den Du zu Hause hast, war Dir das möglich. Nun bin ich am Ziel! Jetzt gehst Du die letzten paar Schritte, mit mir auf diesen Berg, von dem aus, ich zum ersten Mal „Santiago de Compostela“ sehe“!

Und Helga und ich, sind dann gemeinsam, auf den „Monto do Gozo“ gestiegen und „Santiago de Compostela“ lag „Uns“ zu Füßen. In diesem Moment, war sie ganz weit weg und wir waren doch ganz nah beisammen.

 

„Lukas“ und ich, wir gehen wieder runter, nach dem wir paar Fotos gemacht haben, zur Kapelle um unseren Stempel ins „Credencial“ zu drücken. Da empfiehlt uns eine Pilgerin, eine Albergue, direkt am Stadtrand. Da es nur noch ein paar Km bis dort sind, ziehen wir los,den Berg runter der Stadt „Santiago de Compostela“ entgegen. In der Zwischenzeit hatte meine Frau, vor Freude an unserem Haus, die Fahne raus gehängt.

Wir bekommen gegen 17.oo Uhr ein Bett in einer großen Albergue und wir können bis Donnerstag, dem Abflugtag, dort bleiben. Trotzdem ich heute sehr lange gebraucht habe, um in die Gänge zu kommen, bin ich ca. 43 Km am Stück gelaufen. Wir haben 2 Etappen an einem Tag erledigt! Doch auch jetzt heißt es, schnell duschen, umziehen, Wäsche waschen und aufhängen, meine Strickjacke aufhängen und dann in die Stadt zur Kathedrale. Direkt daneben ist das Meldebüro. Wir müssen uns dort zurückmelden und bekommen dann die „Compostela“, die Urkunde der Jakobs-Pilger. Bis zur Kathedrale sind es noch einmal 2,5 bis 3 Km. Was macht das schon, nach 43 Km sind das doch Pinuts. Zurück müssen wir ja auch noch. Gesagt getan! An der Kathedrale, muss ich zuerst ein paar Kerzen anzünden. Dann hole ich mir „Meine Compostela“. Zwei Mitpilger, die wir oben auf dem „Monto do Gozo“ getroffen haben, gehen auch mit. Wir schlendern noch etwas durch die Altstadt und gehen dann zurück zur Albergue. In einer Tapasbar direkt an unsere Albergue, trinken wir noch eine Flasche Wein und dann müssen wir ins Bettchen, es ist 22.oo Uhr. Der „größte Tag“ meiner Pilgerreise war zu Ende. Ich bin angekommen! 22.oo Uhr Licht aus!

Ruhe im Schiff!