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33.Etappe:

Heut ist die Pilgermesse um 12,00 Uhr mit Pilgersegnung in

Santiago de Compostela

 

Heute ist nach „32 Tagen“, der erste Tag, an dem es „keinen langen Marsch“ gibt und „keine Etappe“ vor mir liegt.

Ich war zwar wie jeden Morgen, gegen 05.oo Uhr, wach und habe mich dann noch ein Mal umgedreht und weiter gepennt.Doch um 07.oo Uhr konnte ich nicht mehr liegen und bin dann doch aufgestanden.

Es war ein seltsames Gefühl, jetzt nicht mehr weiter zu müssen. Irgendwie war man im luftleeren Raum. Ich habe dann Kaffeewasser aufgesetzt, und den Tisch gedeckt, für 4 Personen. Leider hatte ich am Vortag keine Eier eingekauft, sonst hätte ich noch „Frühstückseier“ gekocht. Mittlerweile war „Lukas“ auch schon auf, aber erst dann, als ich mit unseren zwei „Mitpilgern“ schon gefrühstückt hatte. Er setzte seinen „morgendlichen Rhythmus“ vom „Camino“ fort. In den „Albergues“ wurde er hin und wieder, von der „Putzfrau“ aus seinem Bett gejagt. 

Um 09.3o Uhr zogen wir dann los. „Was für eine Wohltat, ohne Rucksack in die Stadt, zur Kathedrale“. Um 12.oo Uhr begann dann für uns die „Pilgermesse mit Segnung der Pilger“, welche in den letzten 24 Std. noch „Neu“ in die Stadt gekommen waren. Vorher habe ich noch diverse „Geschenke“, für meine Familie und gute Bekannte, eingekauft. Diese mussten mit in die „Pilgermesse“,um beim „Pilgersegen“ auch gesegnet zu werden.

Um 11.3o Uhr gehen wir in die „Kathedrale“, zur „Pilgermesse“. Viele Pilger sitzen schon dort und es kommen immer noch mehr. Der Pilgerstrom reißt nicht ab. Es regnet draußen und Pilger, die direkt vom „Jakobsweg“ kommen, kommen im Regenzeug, nass, verdreckt und abgekämpft, mit ihren Rucksäcken, in die „Kathedrale“. Überall rutschen die Pilger auf den Bänken zusammen, so dass die „Ankömmlinge“ Platz zum sitzen haben und die Beine ausstrecken können.

Hier sehe ich viele Pilger wieder, die ich in diesen „4 Wochen auf dem Camino“, irgendwo gesehen und gesprochen habe. Mit jedem Pilger, ob Männlein oder Weiblein, freut man sich mit, dass auch er es geschafft hat. Da ist der Pilger, der mit der Figur „Hildegard von Bingen“ auf dem Weg war. Er trägt seine, vom „Opa“ geschnitzte Holzplastik offen in die Kirche. Da sind die „Zwei Amerikanerinnen“, das Italienische – Ehepaar“. Da kommt die Familie, „Eltern mit Sohn“, die ich am Flughafen traf. Wo der Vater, das gesamte Gepäck trug. Da kommt das Ehepaar aus Brasilien herein, die ich in „Burgos“ in der „Albergue - Emaus“ kennen lernte.

„Pat“ kommt den Mittelgang entlang. Die kleine „Französin“, die ich zu letzt an der „brasilianischen Albergue“ gesehen habe, usw. Es ist schön, alle hier wieder zusehen. Bei der „Anmeldung im Meldebüro“, wurde der Startpunkt notiert. Ich bin mit „ca. 150 Pilgern“ in „Saint Jean Pied de Port“ in Frankreich gestartet. Von diesen „150 gestarteten Pilgern“, waren an diesem Tag „10 Pilger“ angekommen. Dafür sind andere, irgendwo am Weg, eingestiegen.

Viele gehen über Jahre diesen Weg, da der Urlaub für alle begrenzt ist. Doch es saß eine große Pilgerfamilie, von ca. 500 bis 600 Pilgern in der Kirche, um zum „Abschluss der Pilgerreise“, diese „Pilgermesse“, gemeinsam zu feiern. Leider geht es in der „Kathedrale“ zu, wie auf einem Jahrmarkt. Es kommen auch viele „Bustouristen“ herein und fotografieren einfach, ohne Rücksicht. Genau über der Fundstelle, des „Grabes des hl. Jakobs“, wurde der Altar errichtet.

So ist dort, über dem Altar, die „Figur des hl. Jakobs“ angebracht, zu der man hinter dem Altar hochsteigt und vorbei geht. Es ist üblich, diese Figur anzufassen. Viele umarmen diese Figur. Wenn man nun unten, im Kirchenraum, sitzt und die hl. Messe mitfeiert, sieht man oben, über dem Altar, immer wieder Hände und Arme, die sich um diese Figur legen. Es sieht irgendwie komisch aus und stört bei der Messfeier.

Vor ca. 20 Jahren, habe ich einmal im Fernsehen gesehen, wie ein riesengroßes „Weihrauchfass“, durch die „Kathedrale“ geschwenkt wird. Das hat mich damals schwer beeindruckt und ich wollte das einmal selbst miterleben.Das große „Weihrauchfass“ hängt zwar ständig im „Chorraum“ und sieht beeindruckend aus. Es wird aber nur, zu bestimmten Festen, in Gang gesetzt. Dazu sind 10 bis 12 starke Männer nötig, um es in „Schwingung“ zu versetzen. Dann pendelt es, über 60 m, hin und her, durch den „Mittelgang“, der „Kathedrale“. Es ist alles sehr beeindruckend, was man dort sieht.Nach der Pilgermesse schauen wir uns die Kathedrale von innen an. An einem „Seitenaltar“, zu ehren der „Mutter Gottes“, zünde ich für meine „Familie, Kinder, Enkelkinder und einige Bekannte“,

Kerzen an, die ich draußen gekauft habe. In Spanien ist es üblich, Geld in einen Automaten zu stecken. Dann gehen entsprechend der Einstellung, Lämpchen an, die nach einiger Zeit wieder verlöschen. Man trifft es selten so an, wie es bei uns Sitte ist, dass man Kerzen entzünden kann. Hier war es möglich und die Kerzen konnte ich im Vorraum, der Kirche, erstehen. Während der Messe, lässt man dann das Erlebte, der vergangenen Wochen, an sich vorbei ziehen und macht sich seine „Gedanken“. Es hat Stellen auf dem Weg gegeben, wo man kilometerweit alleine unterwegs war. Man hatte Zeit und Muße, über sich und alles nachzudenken. Dabei wurde mir klar und auch dieser Weg bestätigte es immer wieder, dass wenn ich auf mich selbst angewiesen bin, ich keine Probleme habe und mein „ZIEL“ erreiche. Dies zeigt mir auch, meine intakte Familie, in der alles stimmt und klappt.

Sobald ich mich aber auf andere verlassen musste, wie in der Vergangenheit, wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes, verlassen und verraten. Kaum einer hielt sein, mir gegebenes Versprechen. Das wichtigste im Leben, ist die Familie, die Kinder und die Enkelkinder! Wenn man dazu noch einen echten Freund hat, kann man sich glücklich schätzen! Genug davon! Wir haben uns dann, ausgiebig die Stadt angesehen. Danach haben wir uns dort, wo wir gestern Abend zusammen gesessen hatten, auch heute wieder niedergelassen, zu Abend gegessen und dann ein Paar Flaschen Wein geleert.

Wir wollen morgen, mit dem Bus, ans „Kap Finisterre“ fahren. Außerdem gibt es, auch heute, keine Ausnahmen. Um 22.oo Uhr geht das Licht aus