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Unser Anfang auf dem gemeinsamen Jakobsweg:
Helga und Willi im Jahre 2008.

Hier berichte ich über den „Jakobsweg“, den ich im Jahre 2008 mit Helga von „Saint Jean Pied de Port“, bis „Santo Domingo“ gegangen bin.

Vom 24.05.2008 bis zum 10.06.2008 incl. An- und Abreise. Da ich nach meiner Rückkehr im Juli 2007, von meiner Zeit und dem Erlebten auf dem „Jakobsweg“ erzählt habe. Bei unseren langen Spaziergängen, die wir seit einigen Jahren machen, auch immer berichtet habe und dann gesagt habe: „Ich möchte den Weg im nächsten Jahr noch einmal gehen“, entschloss sich Helga, nach langem überlegen, im Januar 2008 dazu, mit mir auf den „Jakobsweg“ zu gehen. Ich habe Sie zu keiner Zeit dazu überredet. Denn das kann und sollte man auch nicht tun.

Die Entscheidung diesen Weg zu gehen, muss jeder für sich selbst treffen. Man muss sich mental damit auseinandersetzen und wissen, dass dies kein Sonntagsspaziergang ist, dass man sich auf einen Pilgerweg begibt, der weit möglichst im Urzustand belassen ist. Dies bedeutet, dass der Weg streckenweise noch so ist, wie vor 100ten von Jahren. So geht der „Jakobsweg“ über jeden Berg, der hier in der Landschaft steht. Die Straßen dagegen, führen oft um die Berge herum. Doch der „Jakobsweg“ geht immer über den Berg. Auf der Aufstiegseite kämpft man sich auf lehmigen Pfaden mühsam den Berg hinauf und auf der anderen Seite geht es oft im geraden Weg, über Geröll, den Berg steil hinunter.

Wenn man beim Aufstieg alle Kräfte mobilisiert hat, um mit seinem Gepäck hoch zu kommen, so drückt nun der Rucksack mit aller Gewalt von hinten und man muss beim Abstieg volle Konzentration auf den Weg richten, damit man nicht im Geröll zu Fall kommt. Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass man bei der Ausrüstung darauf achtet, dass man den Rucksack so leicht wie möglich packt. Das bedeutet, dass man nur das Allernötigste und wirklich nur das Allernötigste, mit auf diese lange „Pilgerreise“ nimmt.

Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass man von allem maximal 3 Teile mitnimmt. Dies bezieht sich auf die Unterwäsche und Strümpfe sowie Hemden oder T-Shirts. Eine Garnitur die man trägt, das heißt: 1 Unterhose, 1 Paar Wandersocken, 1 T-Shirt. Das gleiche noch 1x im Rucksack, zum wechseln und 1x gewaschen auf dem Rucksack, zum trocknen. Dann 1 Zipp-Hose, damit man die Hosenbeine wenn es warm ist abnehmen kann. Dann eine lange oder ¾ lange oder kurze Hose, für die Zeit am Nachmittag, wenn man Besichtigungen macht und Freizeit genießt.
Es reicht aber auch nur die Zipp-Hose, wenn man auf das Gewicht achtet. 1 Paar Wanderschuhe, die gut eingelaufen sind. Das ist das beste Mittel gegen Blasen. Dazu, nicht unbedingt erforderlich, 1 Paar Treckingsandalen. Diese, um am Nachmittag die Füße zu entlasten und vielleicht zum tragen, wenn man doch Blasen hat und um die Füße zu schonen. 1 Paar Badelatschen sind unerlässlich, da in den Duschen auch Leute mit Fußproblemen duschen und dabei schnell, wenn man selbst eine Verletzung hat, Krankheiten übertragen werden können.

Also Latschen sind ein Muss. Wenn man aufs Gewischt sieht sollte man sie weglassen. 1 warmen Pullover oder Jacke, denn es kann besonders in den Pyrenäen sehr kühl und kalt werden. 1 Regencape, ob nun ein Poncho oder ein Mantel, das muss man selbst wissen. Ich habe einen Poncho genommen, er ist leichter und hat sich bewährt. Der Rucksack muss einen Schutzüberzug haben, damit der Inhalt nicht nass wird. Ein im Sportgeschäft angepassten Rucksack natürlich. Hier muss die Passgenauigkeit gewährleistet sein, denn dieses Teil werden Sie irgendwann hassen, wenn es nicht passt. Kosmetik und Waschzeug nur in kleinen Einheiten, denn gerade diese Teile sind schwer. Bürste oder Kamm, Schuhputzzeug, bei gutem Schuhzeug, reicht aber auch nur das Wasser vor Ort. Ein Tagebuch, Schreibzeug, Fotoapparat, Telefon und was Sie sonst noch auf eine solche Wanderschaft mitnehmen. Äußerst wichtig ist eine Wasserflasche, denn Sie müssen das Wasser, was Sie ausschwitzen dem Körper wieder zuführen, das ist sehr wichtig. Bei Allem was Sie mitnehmen, achten Sie auf das Gewicht, denn Sie werden es über 800 Km tragen müssen.

So war es dann auch bei uns, dass ich meiner Frau immer wieder sagen musste: „Denk an das Gewicht, Du musst das alles tragen.“ Aber wer kennt nicht die Frauen! Anstatt nun T-Shirts mit Kurzarm, mussten es Träger T-Shirts sein. Als dann der Tragegurt vom Rucksack auf die Schulter drückte und das Muster vom Gurt am Abend auf der Haut zu sehen war, wusste Sie warum es mit Kurzarm besser gewesen wäre.
Hier eine kleine Geschichte wie die Frauen sind. Ich war in Birkesdorf mit meiner Enkelin Mandy in der Festhalle, beim Vortrag von Hartmut Pönitz über den „Jakobsweg“ Ich hatte Hartmut im vergangenen Jahr auf dem „Jakobsweg“ kennen gelernt, als er für seinen Vortrag „Auf dem Jakobsweg“ Recherchen machte.

Er hatte mich auch für seinen Vortrag mit meiner Gitarre fotografiert. Neben mir saß eine Frau und lauschte gebannt dem Vortrag von Hartmut Pönitz, wir kamen ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass Sie plane auf dem „Jakobsweg“ zu gehen. Nachdem ich Ihr gesagt hatte, dass ich Pönitz kenne und Ihn auf dem „Jakobsweg“ getroffen habe, den Weg bis „Santiago de Compostela“ gegangen bin, stellte sie mir eine für Sie sehr wichtige Frage. Sie fragte: „Was zieht man denn in Santiago an? Man hat doch dann auch abgenommen und die Sachen, die man mit hatte, passen doch dann nicht mehr. Wenn man dann zum Flughafen fährt und nach Hause fliegt, muss man doch vernünftig gekleidet sein.“ Es kommen jeden Tag, im Sommer, ein paar hundert Pilger in „Santiago de Compostela“ an und Sie tragen das, was Sie mitgebracht haben und sehen alle glücklich aus und strahlen einen Glanz aus, der faszinierend ist. Die Kleidung spielt dabei überhaupt keine Rolle, denn jeder weiß, wo sie herkommen und was sie geleistet haben. Nur „Das“ zählt.
In die Pilgermesse, die jeden Tag um 12.oo Uhr für die Pilger gefeiert wird, die in den letzten 24 Stunden angekommen sind, kommen die Pilger zum Teil direkt vom Jakobsweg mit ihren Rucksäcken in die Kirche.

Egal ob nun im Sonnenschein, oder im Regen und dann zwangsläufig voller Dreck und Schlamm. Da schaut keiner auf die Kleidung, jeder ist froh und glücklich das Ziel, die Grabeskirche des hl. Jakobus, die Kathedrale in „Santiago de Compostela“ erreicht zu haben. 
Aber so sind die Frauen und meine ist nicht anders. So habe ich es dann nach langen Diskussionen aufgegeben, Sie zu warnen und darauf hinzuweisen, dass Sie das alles tragen muss. Nach dem Motto: „Wer schön sein will muss leiden.“ Dass ich dann aber auf dem Weg, mit Ihr litt, wenn ich sah, wie schwer Sie sich tat, konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen. Nach oft langen Diskussionen und langen Trainingsmärschen, durch die umliegenden Felder bei uns in der Umgebung, rückte unsere Abreise immer näher. Die Rucksäcke waren gepackt, mit allem, was wir brauchten. Helgas Wanderstöcke und mein Wanderstock vom Vorjahr standen bereit. Es konnte los gehen. Trotz meiner intensiven Erzählungen und den Berichten vom „Jakobsweg“, trotz meiner Webseite im Internet und trotz des Buches, was Sandra, (meine Tochter) mir zu Weihnachten, von den ersten 10 Etappen, von meiner Webseite angefertigt hatte, muss ich davon ausgehen, dass meine Helga mit ganz falschen Vorstellungen und Voraussetzungen mit mir auf den „Jakobsweg“ gegangen ist. Sie hat den Weg mit all seinen Eigenheiten völlig unterschätzt. Dies stellte sich aber erst heraus, als wir unterwegs waren. Aus Liebe zu mir und voller Vertrauen, machte sie sich mit mir auf diesen Pilgerweg.

Er ist einer der drei großen Pilgerwege auf dieser Erde und wurde als solcher in das Weltkulturerbe aufgenommen. Er wird über weite Strecken im Urzustand erhalten und bewandert.
Am 24. Mai 2008, morgens um 03.3o Uhr beginnt unsere Pilgerreise. Der Wecker läuft ab, wir müssen aufstehen. Die Rucksäcke stehen gepackt, mit den Wanderstöcken, die in den Bergen sehr wichtig sind, im Wohnzimmer. Kaffee aufsetzen! Manuela (meine Tochter) hat mittlerweile auch den Weg aus dem Bett gefunden. In der Kerpener Strasse
in Düren ist auch schon das Licht an, denn Sandra möchte uns auf dem Bahnsteig zuwinken, wenn der Zug abfährt. Unsere Enkelkinder wollten auch dabei sein. Sandra lässt sie aber weiterschlafen. Das ist auch besser so, für unsere zwei Mädchen. Schnell eine Tasse Kaffee trinken und dann wird es auch schon Zeit. Um
04.45 Uhr fährt unser Zug von Düren nach Köln. Manuela hat bei uns übernachtet und fährt uns zum Bahnhof nach Düren. Unsere Sandra kommt zu unserer besonderen Freude, mit Ihrem Hund Luna auf den Bahnsteig, um uns zu verabschieden. Der Zug fährt pünktlich ab und wir erreichen Köln fahrplanmäßig, so dass wir auch den Bus um 05.3o Uhr von Köln nach Frankfurt Hahn zum Flugplatz erreichen. Man betrachtet uns schon sehr interessiert, mit unserem Gepäck. Meine weiße Gitarre fällt sofort ins Auge. Der Bus braucht ca. 2 Stunden bis zum Flughafen „Frankfurt Hahn“. Da es unterwegs keine Staus gibt, erreichen wir auch hier unser Ziel planmäßig. Wir haben genügend Zeit, denn unser Flug geht um 11.oo Uhr von Hahn nach Biarriz, in Frankreich, an der Atlantikküste. Hier machen wir dann zuerst einmal Frühstückspause, denn der Schalter von Rainair öffnet erst nach 09.oo Uhr, so dass wir Zeit genug haben. Ich stelle hier fest, dass die Preise sehr bemerkenswert sind. Für eine Dose Cola zahlt man hier 3,10 €, 1 Baguette kostet belegt 4,50 €, also für Familien mit Kinder wohl ein echtes Problem.

Nachdem unser Gepäck aufgegeben ist und wir unsere Bordkarten haben, bleiben uns noch gut 1 1/2 Std. bis zum Start. Auf dem Flugplatz gibt es viel zu sehen, so dass diese Zeit schnell vergeht. Für einen geringen Aufpreis, haben wir die Möglichkeit, als erste an Bord gehen zu können. So können wir uns unsere Plätze aussuchen. Dann füllt sich die Maschine schnell. Eine Gruppe junger Leute kommt an Bord, die in Tierkostümen stecken. Wieso sie diese Kostüme tragen wissen wir nicht. Es sieht aber lustig aus. Die Maschine startet pünktlich, bei schönem Wetter. Die Sonne scheint und es ist klare Sicht, so dass wir unsere Erde gut von Oben betrachten können. Paris ist gut zu erkennen, als wir darüber hinweg fliegen. Langsam wird es aber etwas wolkiger. Es sind aber noch weiße Wolken und die Sicht bleibt bei weiß-blauem Himmel klar und gut. Um 12.oo Uhr landen wir in Biarriz, bei noch schönem Wetter. Der Pilot setzt die Maschine zwar hart auf, aber ohne Probleme. Der Bus nach Bayonne zum Bahnhof (Gare) fährt um 13.3o Uhr ab Biarriz Air Port. Bushaltestelle direkt am Flughafengebäude. Hier steht eine ganze Reihe anderer Pilger, die auch nach„Saint Jean Pied de Port“ wollen.

Wir stehen gerade dort und haben unser Gepäck vor uns stehen, als ein Taxi angefahren kommt. Eine junge Frau entsteigt dem Taxi. Sie sieht unsere Rucksäcke und meine Gitarre darauf, fragt mich gleich, ob Sie uns mit unserem Gepäck fotografieren darf. Natürlich darf Sie. Dazu holt Sie aus Ihrer Tasche eine Camera heraus, mit einem riesigen Objektiv und macht ein Bild von uns. Um 13.3o Uhr kommt unser Bus, der uns nach Bayonne bringt. Hier ist zu bemerken, dass diese Busfahrt 1,20 € pro Person kostete und damit erheblich billiger ist, als in Deutschland, für die gleiche Strecke. Wir stehen ganz hinten im Bus, mit unserem Gepäck. Wir können nur mit den Beinen unser Gepäck einklemmen und müssen uns festhalten, denn der Busfahrer scheint eine Verabredung mit einer schönen Frau zu haben.

Anders ist sein rasanter Fahrstil nicht zu erklären, denn er rast mit uns, durch Biarriz und andere Orte, in Richtung Bayonne. Auf halber Strecke nimmt er seine Ablösung auf. Ab da wird die Fahrt bis Bayonne etwas ruhiger. Und die Sonne scheint immer noch, als wir den Fluss Adour überqueren und vor dem Bahnhof in Biarriz anhalten und aussteigen können.