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3.Etappe :
Dienstag, den 27.05.2008 von Roncesvalles nach Bizkarreta/Gerendiain.

Nachdem gestern Abend um 22.oo Uhr das Licht ausging, begann eine Völkerwanderung zur Toilette.

 Mit dem Moment, als es dunkel wurde, war eine Unruhe im Schlafsaal, dass Helga einfach nicht einschlafen konnte. Wir hatten unsere Betten ganz vorne, in der Halle und alle, die zur Toilette mussten und das waren plötzlich ganz viele, mussten alle bei uns vorbei. Mir macht so etwas nichts aus, aber die, "Olle" hatte damit ein großes Problem.

Obwohl sie total müde war, störte sie das so, dass sie keinen Schlaf fand. Dann begannen auch schon die ersten damit, den Wald abzusägen. Manche träumten schlecht und sprachen, oder schrieen, mitten in der Nacht. Bei 100 Leuten in einem Raum, lassen sich jedoch solche Geräusche nicht vermeiden. Als ich dann, mitten in der Nacht, einmal wach wurde, saß Helga im Bett und war ziemlich sauer. Gegen 07.oo am Morgen Uhr stehen wir auf. Nachdem wir uns fertig gemacht haben, verlassen das Refugium gegen 08.oo Uhr und gehen in Richtung „Zubiri“ auf den Pilgerweg. Am Ortsausgang von „Roncesvalles“ gibt ein Straßenschild die Entfernung bis „Santiago de Compostela“ mit 790 km an

Auf einem schönen Fußweg, neben der Straße N-135, geht der Weg in Richtung „Burguete“.Nach 200 m steht am Straßenrand ein Pilgerkreuz, aus dem Mittelalter. Das bedeutet, dass da, wo jetzt die Straße N-135 verläuft, früher der Jakobsweg war.

Hier wurde damals, vor vielen Jahren, genau wie in vielen anderen Orten, der Einfachheit halber, die Straße auf den Pilgerweg verlegt. Später dann, wurde der Pilgerweg, neben der Straße neu angelegt. Nach knapp 2 km ist „Burguete“ erreicht. Unmittelbar neben der Kirche ist eine Bar, die schon geöffnet hat und wir können hier frühstücken. Da Helga die Nacht nicht geschlafen hat, werden wir heute nicht allzu weit gehen und frühzeitig eine Herberge aufsuchen.

Nach dem Frühstück mit Tortilla und Kaffee Con Leche geht es weiter. Im nächsten Dorf wollen wir einkaufen. Wir stellen fest, dass es den kleinen Supermarkt, in „Espinal“ nicht mehr gibt. Mitten im Dorf, geht der Weg links ab und nun beginnt wieder der Aufstieg.

Zuerst geht es nur langsam hoch. Aber dann, wie gehabt, wieder sehr steil hoch. Doch diese Steigung macht uns nicht viel aus. Was hier das Problem ist, ist der aufgeweichte, lehmige Boden. Dann geht es über eine asphaltierte Straße, die auch langsam ansteigt. Die Straße geht später in einen Feldweg über und es wird noch steiler. Dann biegt der Weg rechts ab, auf einen schmalen Trampelpfad der auch steil hinauf führt. Doch bald sind wir oben angelangt und der Weg führt nun gerade, ohne Steigung, rechts durch den Wald.

Hier ist der Weg kaum noch zu erkennen, so matschig und ausgetreten ist er.Im vergangenen Jahr, sind wir Pilger ein Stück gerade aus weiter, am Rand eines Feldes vorbei gegangen, weil eben auch 2007 der richtige Weg unpassierbar war. Diese Möglichkeit gab es aber in diesem Jahr nicht, denn der Bauer hatte vorsorglich diesen Weg geradeaus abgesperrt. Die Pilger hatten ihm wohl zu große Schäden am Feld verursacht.

Also mussten wir hier durch den Dreck und den Schlamm laufen. Hier war jetzt wieder höchste Konzentration erforderlich, damit wir nicht samt Gepäck in den Dreck fielen.Natürlich ging jetzt hinter mir, das mir schon bekannte Geschimpfe los: „So etwas gibt es in Deutschland nicht! Das wäre da verboten! Überhaupt, das sind doch keine Wege!“ Und so weiter - Und so weiter. Dagegen konnte ich mich nur schützen, in dem ich etwas mehr Abstand zwischen mir und ihr herstellte. Nach einer langen Rutschpartie, erreichten wir dann den „Alto de Mezkiritz“ (922 m) und die Straße
N-135, die wir nun überqueren mussten. Von hier oben hatten wir eine schöne Aussicht über die Berge. Hier oben steht eine Skulptur der „Nuestra Senora de Roncesvalles.“ Wir gehen an der Figur vorbei und kommen durch einen Buchenwald. Die Bäume sind hier so dicht, dass die Sonne kaum durch scheinen kann.

Die Vegetation besteht hier aus Buchsbaum, Haselnusssträuchern, Eichen und Rotdorn. Dieser Weg ist jedoch so schlecht und schwer zu gehen, dass man manches Mal daran denkt, auf die Landstraße auszuweichen.

Wir kommen an Stellen vorbei, da steht dann mitten auf dem Weg ein Baum. Der Weg um diesen Baum herum ist so stark ausgetreten, dass die Wurzeln freiliegen. Da es aber über Wochen geregnet hat, ist alles matschig und rutschig. Weil es hier zusätzlich noch stark abwärts geht, ist es sehr gefährlich hier zu gehen.
Ich muss meiner Ollen Recht geben. In Deutschland würden solche Wege gesperrt. Aber wir sind auf einem Pilgerweg und das ist er nun. Es ist sehr anstrengend, diesen Weg zu gehen, da er abschüssig und aufgeweicht ist. Wir kommen danach an Stellen, an denen der Weg über Felsen geht und dies ebenfalls steil abfallend. Man hatte immer Angst, auszurutschen und den Hang hinunter zu fallen. Wir kommen an der Stelle vorbei, an der ich im vergangenen Jahr, hinter Elke und Hartmut her gelaufen bin, weil es wie eine Abkürzung aussah.Diesmal sind wir den regulären Weg gegangen und der war um ein mehrfaches schlechter, als die schlechte Abkürzung vom Vorjahr. Nachdem wir nun den Hang, über die Felsplatten, verlassen haben, gelangen wir auf einen Weg, der Wasser führt und der nur aus Geröll und dicken Steinen besteht. Man kommt sich vor, als ob man in Österreich, durch einen Bergbach läuft.

Und meine Olle erklärt mir schon wieder, dass dies überhaupt kein Weg sei und dass dies eigentlich eine Unverschämtheit ist. Dann haben wir wieder die Straße N-135 erreicht und überqueren diese zum x-ten Mal. Nun gehen wir wieder auf einem Waldweg. Dieser mündet dann, in einen mit Betonplatten ausgelegten Weg. Wir steigen nun, auf dieser Betonpiste, nach „Bizkarreta“ hinauf. Das Wetter hat bisher gehalten, aber es weht ein kalter Wind.Hier in „Bizkarreta“ soll für heute Schluss sein.Helga hat keinerlei Kondition. Woher auch, nach all dem, was sie gesundheitlich hinter sich hat. Da ich mit ihr in „Santiago de Compostela“ ankommen will, muss diese Kondition erst einmal aufgebaut werden. Darum ist bereits nach 11 km, unser Etappenziel für heute erreicht. Am Ortseingang von „Bizkarreta“ stoßen wir auf eine Casa Rurale. Ich wähle die Telefonnummer, die hier angeschlagen ist, um ein Zimmer zu bekommen. Leider ist nur das ganze Haus zu mieten und so müssen wir weiter.

Die „Olle“ ist wieder am Boden zerstört und hat Angst, dass wir kein Zimmer bekommen könnten und dann noch bis zum nächsten Ort gehen müssen.Wir gehen durch den Ort und überqueren die N-135. Dann rechts, gleich das erste Haus, ist ein Hotel: „Casa Rurale La Posada Nueva“. Hier bekommen wir ein Zimmer und können uns einmal ausgiebig duschen. Danach die Füße hochlegen und entspannen. Nach dem duschen ist es uns kalt. Es wird kurz die Heizung angestellt und dann wieder abgedreht. Draußen sind die Temperaturen bei 12° C angelangt. Die Sonne scheint zwar, aber es ist zu kalt.

Die Tienda, im Dorf, macht erst um 16.oo Uhr auf. Also kann ich mich auch noch etwas hinlegen. Um 16.oo Uhr gehe ich dann einkaufen.

Unsere Vorräte müssen ersetzt werden. Im Hotel gibt es Pilgermenue und Morgen früh gibt es auch Frühstück. In der Tienda kaufe ich Baguette, Hartwurst, Käse und 2 Äpfel ein. Unser Proviant für morgen und die nächsten Tage. Um 20.oo Uhr gibt es Abendessen (Pilgermenue). Um 21.oo Uhr kriechen wir in die Betten, weil es uns kalt ist und dieser Tag ist zu Ende.

Nachtruhe bis 07.oo Uhr.