.

Sidebar


Startseite

4.Etappe
Mittwoch, den 28.05.2008 von Bizkarreta nach Zubiri.

Aufstehen, um 07.oo Uhr. Die Nacht war ruhig und meine Olle ist gut erholt. Der Schlaf hat ihr gut getan. Mir geht es, wie immer, ganz gut.In diesem Jahr bin ich besser drauf, als im Vorjahr. Um 07.3o Uhr gibt es Frühstück.

Die Hospitalera ist zu spät und kommt erst kurz nach ½ 8 Uhr. Unsere Wäsche, die sie gestern noch gewaschen hat, muss noch durch den Trockner. Zwischenzeitlich können wir dann frühstücken.Ein Pilgerehepaar aus Kanada verlässt wegen der Verspätung der Hospitalera, unter Protest, ohne Frühstück, das Haus. Nachdem wir dann unsere Rucksäcke gepackt haben, geht es weiter, auf dem „Camino“.

Zuerst durch den Ort und dann, kommt wieder so ein heftiger Anstieg. Das Wetter hat sich wieder verschlechtert. Es sieht nach Regen aus. Bisher hat es jeden Tag mal geregnet und es ist verdammt kalt. Auf der gleichen Betonpiste, wie am Tag zuvor, gehen wir weiter nach „Linzoain“. Hinter „Linzoain“ geht es einen steinigen und holprigen Weg hinauf, der dann in einen breiten Waldweg mündet und bis zur Passhöhe „Alto de Erro“ auf 801 m führt. Hier habe ich im vergangenen Jahr Udo und Detlef kennen gelernt und zum ersten Mal mit den Beiden gesprochen. Detlef hatte es sich gemütlich gemacht und Udo wollte weiter.
Wir gehen auch weiter in Richtung „Zubiri“. Am Wegesrand liegen längliche Felssteine. Sie sollen angeblich der Schrittlänge des Helden Roland entsprechen. Darum werden sie „Pasos de Roldan“ genannt. Bald kommen wir an einen Pilgerrastplatz. Hier machen wir eine Pause. Dabei läuft eine junge Familie ein. Wir haben sie am Abend, im Hotel kennen gelernt. Ihnen gehört ein Dackel, den Helga, zum Abschied, vor der Hoteltür kraulte. Diese Familie geht diese Etappen bis hier und dann wieder zurück zum Hotel. Sie haben ein kleines Mädchen von ca. 4 Jahren und ein Baby dabei, das vom Vater auf dem Rücken getragen wird.

So sind sie, zusammen mit ihrem Hund, auf dem Camino unterwegs.

Nachdem wir uns etwas ausgeruht haben, gehen wir auf diesem Waldweg weiter. Er ist noch sehr breit und gut zu gehen. Dann erreichen wir die „Venta del Porto“, eine ehemalige Pilgerherberge, die heute als Kuhstall genutzt wird. Gerade hier fängt es wieder einmal an zu regnen. So haben wir Glück und stellen uns im Kuhstall unter, in dem zurzeit keine Kühe untergebracht sind. Danach geht es auf Waldwegen, steil nach unten, in Richtung „Zubiri“. Wir machen noch einmal eine Pause um etwas zu essen. An dieser Stelle habe ich, im vergangenen Jahr, auch eine Pause gemacht. Lange können wie aber nicht bleiben, denn die dicken Wolken ziehen über uns hinweg und können jeden Moment wieder Regen abladen.

Auf diesem Weg, der steil abfällt und weich und rutschig ist, kann der Regen gefährlich sein. Meine Olle ist auch wieder am Limit angelangt. Man sieht ihr förmlich an, dass sie denkt: „Was mache ich hier überhaupt? Wer ist überhaupt dieser Jakob? Den kenne ich gar nicht! Was soll ich bloß hier? Bin ich eigentlich bekloppt?“ - Oder so ähnlich.  Wir müssen jetzt über Felsplatten gehen. Daraus sind Stufen anlegt worden, um das Gefälle begehen zu können. Dann gibt es wieder Geröllfelder und Wege, die überflutet sind, über die wir aber gehen müssen. Das Gefälle wird immer stärker und man muss hier äußerst konzentriert sein, damit nichts geschieht. Dann sehen wir, rechts im Tal, „Zubiri“. Das Ziel ist also fast erreicht. Noch ein Stück steilen Hang hinunter und die ersten Häuser von „Zubiri“ werden passiert. Dann kommt die Brücke, über den
„Rio Arga“ in Sicht. Diese mittelalterliche Brücke, wird auch die Tollwutbrücke genannt. Die Sage erzählt: „Dass in vergangenen Zeiten, die Tiere, die von der Tollwut befallen waren, 3 x unter der Brücke hindurch geführt wurden und dann von der Tollwut geheilt waren“.Deshalb wird sie auch, „Puente de la rabia“ (also Tollwutbrücke) genannt. Wie sollte es auch anders sein, heißt „Zubiri“ übersetzt, „Ort an der Brücke“. Vor der Brücke rastet eine Pilgergruppe im Schatten eines Baumes. Sie haben uns hinter der Passhöhe „Alto de Erro“ überholt. Zu der Gruppe gehört ein Pilger, dem die rechte Hand und ein Stück des Unterarmes fehlt. Er hat sich, um den „Camino“ mitgehen zu können, einen Wagen gebaut, den er hinter sich herzieht. Er hat eine Fahnenstange daran angebracht, die sich dreht und an der hat er die Jakobsmuschel, zu der Fahne befestigt. Dieses Fahrzeug liegt mitten auf der Straße und wir müssen darum herum gehen, um nach „Zubiri“ zu kommen. Es ziehen dicke Wolken vorbei, wenn die Sonne durchkommt, ist es gleich wieder drückend heiß. Direkt hinter der Brücke, auf der rechten Seite, ist die private „Albergue Zaldiko“. Hier wollen wir einkehren. Doch noch ist sie geschlossen. Darum gehen wir bis zum Kirchplatz, um uns hier, am Brunnen, der leckeres Wasser hat, zu erfrischen. Das Wasser ist im Allgemeinen sehr stark gechlort und schmeckt auch dementsprechend. Dann rufe ich die Nummer an, die am Fenster der „Albergue Zaldiko“ steht. Eine ältere Frau öffnet uns dann die Tür und wir können erst einmal unsere Rucksäcke absetzten.

Sie gibt uns zu verstehen, dass die „Hospitalera Maria“ alles Weitere mit uns regelt. Diese sagte mir dann später am Telefon, dass sie in Pamplona sei, aber jetzt auf dem Rückweg nach „Zubiri“ sei.

Danach geht alles sehr schnell. Wir bekommen unsere Betten. Da wir noch die einzigen Gäste sind, können wir ausgiebig duschen, unsere Sachen waschen und uns pflegen. Dann füllt sich unsere „Albergue Zaldiko“ sehr schnel. Es ist eine kleine, aber feine Anlage. Wir sind in einem langen, schmalen Raum, mit 4 Doppelstockbetten untergebracht. Uns gegenüber, quartiert sich ein französisches Ehepaar ein. Er scheint ein bisschen trottelig zu sein. Sie streiten sich, wer oben und wer unten schläft. Es sieht so aus, dass sie sich nicht einig werden können. Er verlässt dann den Raum und nun packt sie ihren Kram auf das obere Bett. In dem Stockbett vor uns, zieht ein Ehepaar aus dem Schwarzwald ein. Auf der anderen Seite, hat ein langer 1,96 m Mann, ebenfalls ein Franzose, sein Zeug auch im oberen Bett abgelegt. Er ist nun dabei, seine Füße zu verarzten. Er hat sich an der rechten Verse eine große Blase gelaufen.
Nachdem wir uns etwas erholt hatten, sind wir ins Dorf, zum Einkaufen gegangen. Dabei habe ich Helga das Haus gezeigt, in dem ich im vergangenen Jahr, bei Elke und Hartmut, im Zimmer, auf dem Boden geschlafen habe. Wir haben uns auch das Gelände des „Refugiums“ (Städtische Albergue) angesehen. Als wir in unsere „Albergue Zaldiko“ zurückkommen, sind unsere Hospitalera Maria und eine Pilgerin dabei, dem Franzosen eine Nadel mit Faden, durch seine Blase, an der Verse zu ziehen. Wir lassen uns belehren, dass dies richtig ist. Mit der Nadel wird die Blase aufgestochen, damit das Wasser heraus laufen kann.

Dann wird der Faden durchgezogen und in der Blase belassen. Das gewährleistet, dass die Löcher nicht zu gehen und das Wasser weiter, am Faden entlang, aus der Blase läuft. Wenn ich an diese Prozedur zurück denke, bekomme ich jetzt noch eine Gänsehaut. Es ist nicht zu glauben, aber diese Praktik haben wir auf dem weiteren Weg noch mehrmals gesehen. Zum Glück hatten wir mit Blasen, an den Füßen, nichts zu tun. Am späten Nachmittag, liegt dann unser Franzmann draußen vor der „Albergue“, auf der Bank und macht für heute keinen Schritt mehr. Ein Gewitter zieht über uns und wird wohl in der Nacht herunter kommen. Der Franzose, der sich mit seiner Madame nicht einig wurde, läuft in der Albergue herum und sucht seine Frau. Er hat eine Flasche Wein in der Hand, die schon zur Hälfte geleert ist.

Dann steht die Flasche im Aufenthaltsraum, auf dem Tisch, mit einem Zettel darunter. Eine Nachricht für seine Frau und er ist wieder weg. Als die Madame kommt, zeigen wir ihr den Zettel. Sie nimmt ihn, schaut drauf und lacht. Dann nimmt sie die Flasche Wein mit dem Zettel, schmeißt beide in den Mülleimer und geht.

Nachdem wir etwas gegessen haben, gehen wir zu Bett. Der lange Franzose liegt schon in seinem Bett. Er hat seinen Rucksack und alles, was er ausgepackt hat, mit in seinem Bett liegen. Er hat kaum Platz für sich. Alle Anderen liegen auch schon flach. Nur unser französisches Ehepaar nicht. Man hört sie aus dem Aufenthaltsraum hell lachen. Sie amüsiert sich dort, mit anderen Pilgern. Dann kommt er! Er hat wohl etwas zuviel des guten Weines genossen. Er eckt überall an, bis er im Bett liegt. Dann taucht sie auf und verzieht sich, ohne auch nur ein Wort mit ihm zu wechseln, in ihr Bett. Es ist 22.oo Uhr, das Licht geht aus und die Nacht beginnt