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5.Etappe
Donnerstag, den 29.05.2008 Von Zubiri nach Pamplona.

Es hat die ganze Nacht geregnet. Ein Gewitter hat sich mit Sturzbächen entladen.

Nachdem wir trotzdem gut geschlafen haben und Helga auch gut erholt aussieht, beginnt für mich der Tag um 05.15 Uhr. Helga steht ¼ Stunde später auf. Waschen, packen, kleines Frühstück und dann beginnt um 06.15 Uhr der Marsch nach Pamplona.

Das Wetter ist gut und verspricht schön zu werden. Der Weg führt uns zunächst wieder zurück, über die Tollwutbrücke. Dann links hoch und aus „Zubiri“ hinaus. Hinter der Brücke, über den „Rio Arga“ geht es gleich nach rechts und einen kurzen steilen Anstieg hoch.

Dann auf einem schönen Pfad, weiter in Richtung „Larrasoana“.Wo wir eigentlich schon gestern hin wollten.

Da aber gestern ein Gewitter über uns lauerte, sind wir ja nicht weiter, als bis „Zubiri“ gegangen.Der Weg schlängelt sich nun oberhalb von „Zubiri“ durch Wiesen, in Richtung Magnesiumwerk, welsches wir von hieraus schon sehen. Durch den Regen, der in dieser Nacht, bis in die frühen Morgenstunden herunter gekommen ist, sind die Wege entsprechend schlecht. Große Pfützen sind auf dem Weg, durch die wir hindurch waten müssen. Die Blätter auf den Bäumen und den Sträuchern sind triefend nass. Man stößt unweigerlich daran und wird dadurch klatsch nass, als ob es noch regnet. Wir gehen nun oberhalb, an der Magnesiumfabrik vorbei, bis zur Straße. Auf der Straße geht es dann wieder steil nach oben und dann geht es rechts, in eine Mondlandschaft, die diese Magnesiumfabrik hinterlassen hat. Es sieht wirklich aus, als sei man auf dem Mond gelandet.

Danach führt uns eine steile, primitive Treppe, tief hinunter, über dieses verwüstete Land, bis zu einem Wasserfall. Ab hier wurde der Jakobsweg mit Betonsteinen gepflastert. Über diesen Weg erreichen wir das Dorf „Ilaratz“ und weiter, auf einer schmalen asphaltierten Straße, erreichen wir bald, bergauf das Dorf „Ezkirotz“.

Es geht dann weiter, über einem Wanderweg, bis zum Abzweig vor der Brücke nach „Larrasoana“.Wir kommen von oben herab und gehen dann links hinauf, nach „Akerreta“. Hier gibt es ein Hotel, in dem es aber, für die vorbeiziehenden Pilger, kein Frühstück gibt. Die Pilger sitzen draußen, auf den Betonstufen und verzehren ihre mitgebrachten Baguette. Am Brunnen wird sich noch einmal erfrischt und dann geht es weiter, in Richtung „Pamplona“, dem Tagesziel entgegen.

Der nächste Ort, durch den wir gehen, ist „Zuriain“, den wir nach 50 m, über eine Brücke, wieder verlassen und auf die N-135 gelangen. Nach etwa 2,2 km erreichen wir, auf einer Landstraße, das Dörfchen „Irotz“. Hier leben nur noch wenige Menschen. Wir machen an einem verfallenen Haus, vor dem Sitzgelegenheiten sind, Bänke wäre zuviel gesagt, Rast. Da die Rucksäcke auf den Schultern drücken, tut es gut, sie für eine Weile herunter zu nehmen. Nun haben wir ein Problem. Helga müsste mal für kleine Mädchen. Sie sucht eine geeignete Stelle, findet aber keine. Da kommt der Hausherr, vor dessen Haus wir es uns bequem gemacht haben, nach Hause. Im Haus randalieren, seit wir vor dem Haus sitzen, zwei Hunde. An der Stimme erkennbar, können es nicht allzu große Bestien sein. Ich frage den Hausherren, ob Helga seine Toilette benutzen kann.

Er bittet Helga freundlich in sein Haus und bietet ihr seine Toilette an. Dann kommt er, mit seinen zwei Hunden, heraus. Die Hunde freuen sich, gestreichelt zu werden. Nachdem Helga das Haus wieder verlassen hat und draußen wieder auf der Bank sitzt, holt er eine Flasche Wein und Pappbecher aus dem Haus und bietet uns Wein an. Zwischenzeitlich hat sich ein Ehepaar zu uns gesellt, das wir in „Bizkarreta“ in der Casa Rurale: „La Posada Nueva“, in der wir übernachtet haben, kennen gelernt hatten. Sie waren uns aufgefallen, weil sie sich über das Essen beschwerten und am Morgen künstlich aufregten, weil die Hospitalera zu spät kam und das Frühstück nicht wie angekündigt, um 07.3o Uhr auf dem Tisch stand. Sie hatten dann lieber unter Protest und ohne Frühstück, das Haus verlassen.


Sie kommen jetzt, bei dieser Gelegenheit, mit in den Genuss des Weines, den ich allerdings mit Vorsicht genieße. Zurzeit brennt die Sonne wieder auf uns herab und dann zuviel Wein, das könnte nicht gut sein. Der Nachbar von Gegenüber, der in einem großen Haus wohnt, zeigt uns, wie die Schwalben in seinem Vorraum, ein und ausfliegen und dort ihre Nester gebaut haben.Hier bewahrheitet sich wieder einmal die Gastfreundschaft der Spanier und das besonders gute Verhältnis, welches sie mit den Jakobspilgern pflegen.

Von dem Wenigen, was sie haben, geben sie gerne noch etwas ab. Denn seinem Haus nach zu urteilen, ist er bestimmt nicht mit Reichtümern gesegnet. Dann wird es Zeit, weiter zu gehen. Es folgt eine herzliche Verabschiedung, von diesem einfachen, freundlichen Mann. Dann geht es weite Nachdem wir das Dorf verlassen haben, kommen wir bald an eine romantische Brücke, die wir auf einer Betonpiste, die abwärts geht, erreichen. Dann geht es links, auf einem schmalen Pfad, unterhalb der N-135, nach „Zabaldica“. Auf diesem Weg, der oberhalb eines großen Freizeitplatzes, am „Rio Arga“ entlang führt, steht ein Kreuz, welsches daran erinnert, dass dort eine Frau aus „Verona, in Italien“, verstorben ist.

Der Pfad, über den wir jetzt gehen müssen, ist so schlecht und aufgeweicht, dass man aufpassen muss, um nicht zu stürzen. Wir durchwandern „Zabaldica“ und gehen ab dem Ortsende an der N-135 entlang, bis zu einem Parkplatz, vor dem wir dann die N-135 wieder einmal überqueren müssen. Hier sieht man die Bus-Taxis stehen, die Pilger abholen, oder bringen, die dann von hier aus weitergehen.Vor dem Parkplatz geht es, über einen steilen Anstieg, auf einem schwierigen Pfad, steil hoch. Den Hang des Berges „Narval“ hinauf. Hier wurde endlich Mal, der original Weg gesperrt, da er unpassierbar wurde,weil er stellenweise weggebrochen und abgerutscht ist.
Mit dem Aufstieg entfernen wir uns auch gleich von vom „Rio Arga“ und verlassen das Flusstal.

Nachdem wir den Hang überwunden haben, geht der Weg auf einer schönen Trasse weiter, an der „Ermita de Santa Marina“ in „Arleta“ vorbei, wohin man absteigen muss. Das Dorf verlassen wir und passieren eine alte Siedlung „Burin“, die im 14. Jahrhundert verlassen wurde. Wir steigen weiter hinab, bis wir durch eine Unterführung, unter der Schnellstraße, auf die andere Seite geführt werden, um dort am Berg „Marivalles“ auf einer breiten Piste entlang zu wandern. Dann, nach einem ½ km, erreichen wir eine alte Brücke, die uns über den „Rio Ulzama“ führt und zur „Basilika der Dreifaltigkeit von Arre“ geleitet.

Gleich hinter der Brücke, befindet sich das Kloster „Trinidat de Arre“, in dem es auch eine Albergue gibt. Der Fluss führt sehr viel Wasser und stürzt hier unter der mittelalterlichen Brücke hindurch. Direkt hinter der Brücke sind Ruhebänke aufgestellt, auf die wir uns niederlassen. Bedingt durch die aufgeweichten Wege, dem Matsch und den großen Pfützen, forderte der Weg bisher von uns alle Kräfte.Meine Olle hadert wieder, mit sich und der Welt und führt wohl im Innern ein ernstes Gespräch, mit sich selbst und dem hl. Jakob. Es könnte etwa so lauten:
„Warum tu ich mir das hier an? - Wer ist denn bloß dieser Jakob? - Außerdem - was will der Rucksack nur von mir? Ich mag den sowieso nicht leiden. Am liebsten würde ich den hier einfach hinschmeißen und liegen lassen. Zuhause ist es jetzt schön warm. Gut - im Moment ist es hier auch warm. Aber wenn wir eine Pause machen, wird es einem sowieso direkt wieder kalt, von diesem verdammten, kalten Wind. - Also, ob der Jakob das auch für mich tun würde? - Ich glaube es nicht.“


Sie sitzt schweigend neben mir, auf der Bank und ihre Blicke gehen sehnsüchtig zum Kloster hin. Sie hat gesehen, dass dort eine „Albergue“ ist. Doch wir wollen, bzw. ich will, noch nach „Pamplona“. Wir haben schon die Vorstadt von „Pamplona“ erreicht. Der Ort „Trinidat de Arre“ gehört schon zu „Pamplona“. So machen wir also hier, am „Rio Ulzama“, ausgiebig Pause und schauen den Fluten zu, die den Fluss hinab stürzen. Nachdem wir uns erholt haben, geht es nun durch die Vororte von „Pamplona“, immer den gelben Pfeilen folgend.
Ohne Übergang geht es jetzt, von einem Ort, in den Anderen hinein. Zuerst erreichen wir „Villava“, dann gehen wir weiter und gelangen ohne Übergang in den Stadtteil „Burlada“. Hier passiert es dann, mitten auf der Straße sind gelbe Pfeile gemalt. Wir folgen ihnen und laufen in die Irre. Zum Glück hilft uns eine freundliche Spanierin und geht mit uns zurück zum Jakobsweg. Sie denkt aber nicht daran, dass wir schon über 20 km, über Berg und Tal, durch Dreck und Matsch und teilweise durch heiße Luft, mit unserem Gepäck, gelaufen sind. Sie geht einen schnellen Schritt, so dass ich mich anstrengen muss, ihr zu folgen. Meine arme Helga, versucht natürlich auch Schritt zu halten und verausgabt sich völlig. Als wir dann endlich wieder auf dem Jakobsweg sind und noch ca. 1,5 km zurücklegen müssen, ist sie am Ende ihrer Kräfte. Auf der nächsten Bank, die zum Glück am Straßenrand steht, wird gerastet.

Danach geht es durch eine ärmliche Wohngegend „Pamplonas“, immer der Straße nach. Endlich führt uns der Weg zum Fluss und die mittelalterliche „Magdalena-Brücke“ ist erreicht. Wir gehen auf die andere Seite.Hoch über uns, ist die Altstadt von „Pamplona“ zu sehen. Wir gehen hinter der Brücke nach rechts und haben nun unser Etappenziel vor Augen und erreicht. Die „Albergue Paderborn“ ist vor uns. Wir sind trotz dass wir viele Pausen gemacht haben, noch relativ früh hier und bekommen unsere Betten, in einem Zimmer mit 9 anderen Personen. Das Ehepaar vom Bodensee läuft auch gerade ein. Ein Franzose ist schon da. Ingrid, eine Pilgerin, die sich uns anschließt, ist da. Später kommen Sonja und Rainer und belegen die Betten uns gegenüber.

Es ist ein sympathisches Paar, welches uns noch auf so mancher Etappe begegnen und stückweise begleiten wird. Wichtig ist aber erst mal, da die Herberge nur über wenige Duschen verfügt und diese gleichermaßen für Männlein und Weiblein zur Verfügung stehen, dass Helga vor allen Dingen direkt duschen kann, bevor es zu eng wird.
Dann ist Ruhe angesagt. Ich gehe nach „Pamplona“ hinein, einkaufen, für das Abendessen und Postkarten, für unsere Familie und unsere Bekannten. Pamplona ist bekannt durch die Stierläufe (Encierros) zum San Ferminfest, die vom 06. bis 14. Juli allmorgendlich stattfinden und durch den Roman von Ernest Hemingway weltberühmt wurden.Ihm zu Ehren, wurde vor der Arena eine Büste aufgestellt, an der man vorbei kommt, wenn man von der Albergue links hoch, in die Stadt geht. Denn direkt an der Straße steht die Arena in Pamplona.

Nachdem ich meine Einkäufe erledigt - und mir die Stadt noch etwas angesehen hatte und zur „Albergue Paderborn“ zurückkehrte, lief Helga auch schon wieder herum. Sie hatte sich gut erholt und unterhielt sich intensiv, mit dem Franzosen. Mit Händen und Füssen klappte es gut.
Nachdem ich unsere Schuhe sauber gemacht hatte, das war etwas, was ich schon in der Lehre von meinem Lehrmeister beigebracht bekommen habe.
Er sagte: „Merke Dir enes! Die Schuhe, die Fingernägel und der Kragen, müssen immer sauber sein. Alles andere ist egal! Merke Dir das, fürs Leben!“ 
Daran habe ich mich immer gehalten und so gab es für mich immer nur eines, die Schuhe jeden Tag sauber machen, so dass wir jeden Morgen in sauberen Schuhen die Herbergen verließen. Nachdem ich das also erledigt hatte, habe ich auch 1 Std. geschlafen.
Danach haben wir zu Abend gegessen und dann erschienen Sonja und Rainer auf der Bildfläche. Helga hat damit überhaupt keine Probleme und so quatschte sie die beiden einfach an und daraus wurde dann eine schöne Bekanntschaft für den weiteren Weg. Um 22.oo Uhr geht auch in der „Albergue Paderborn“ das Licht aus und es ist „Ruhe im Schiff“.
Diese Albergue wird vom „Freundeskreis der Jakobspilger Paderborn e.V.“ geleitet. Der Empfang war sehr herzlich. Man bekommt als erstes ein Glas zur Erfrischung angeboten und auch der weitere Umgang mit den Pilgern, ist sehr familiär. 


Heute haben wir zum ersten Mal eine ganze Etappe, laut Wanderführer zurückgelegt. Obwohl meine Olle es oftmals schwer hatte und mich wahrscheinlich am liebsten in den Fluss geworfen hätte, hat sie durchgehalten und die 23 km mit Bravur überstanden. Es war ein harter Tag und wie sollte es anders sein, nachdem es den ganzen Tag trocken war, kam am Abend der Regen wieder. Nun aber zuerst einmal schlafen. Morgen ist ein neuer Tag und der alte Weg.