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6.Etappe
Freitag, den 30.05.2008 Von Pamplona nach Uterga.

 Heute um 05.45 Uhr aufstehen, waschen und packen, wie jeden Morgen.

Um 06.oo Uhr wird offiziell geweckt und das Licht geht an. Um 07.3o Uhr gibt es ein einfaches Frühstück. Um 07.15 Uhr, nach einem wiederum herzlichen Abschied, beginnt der Marsch, in Richtung „Puente la Reina“.

Ingrid hat sich Gestern schon, in „Pamplona“ verlaufen und möchte sich deshalb uns anschließen. Es hat in der Nacht noch stark geregnet. Doch heute Morgen sieht es gut aus. Es beginnt ein nicht enden wollender Marsch, durch Pamplona.

Pamplona ist eine große Stadt. Es ist die Hauptstadt der Provinz Navarra. Wir gehen zurück, zur mittelalterlichen Brücke und dann halb links, über die verkehrsreichen Straßen, hinein in den Park, der unterhalb der Stadtmauer angelegt ist. Dann kommen wir auf eine Straße, die ansteigt und uns durch das Stadttor „Portal de Francia“ führt. So erreichen wir die Altstadt von „Pamplona“. Wir laufen durch verschiedene Straßen und kommen dann an der Kathedrale vorbei.

Den gelben Pfeilen folgend, gehen wir durch verschiedene Straßen, über den Rathausvorplatz, durch die Calle de Saturnino und vorbei, an der Pilgerherberge in der Kirche „Santurnino“. Dann geht es weiter, durch die Altstadt, die man dann verlässt und in den Park de Zitadelle gelangt. Wir verlassen nach einiger Zeit den Park und kommen durch den modernen Stadtteil.

Am Stadtrand befindet sich, in der Schule „Amaiur“, eine Sommerherberge.

Am Universitätspark entlang, verlassen wir die Stadt und überqueren den „Rio Elorz“. Nach ca. 2 km gelangen wir, nach einem langen Anstieg, nach „Cizur Menor“. Der Weg dorthin, geht immer an der viel befahrenen Landstrasse entlang. Hier wünschen wir Ingrid „Buen Camino“, da sie schneller als wir gehen kann.

Von hier aus, sieht man in weiter Ferne, auf den Bergen, einen großen Windpark, mit 45 großen Windrädern. Da ich im vergangenen Jahr schon einmal hier war, weiß ich, dass wir in ein paar Stunden da oben sein werden und dass dann, die heutige Etappe aber noch lange nicht vorbei ist.

Wir durchqueren „Cizur Menor“ und folgen nun den gelben Pfeilen, durch die Felder. Es geht noch gut voran. Aber langsam und stetig, steigt der Weg an und wird steiler. Und oben auf dem Kamm, da drehen sich die Windräder und dort müssen wir hin. Au Backe….!
An der Kirche „San Miguel“, am Ortsrand von „Cizur Menur“ ziehen wir vorbei und dem nächsten Ort entgegen, der unterhalb des Windparks liegt.

Wir überqueren mehrere Bäche und gelangen, unterhalb der Neubausiedlung von „Zaraquiegui“, an ein Wegekreuz. Hier starb, vor Jahren einmal, ein Belgier, beim Aufstieg. Unter schattigen Bäumen, hat man dort Bänke aufgestellt, auf denen Pilger sitzen und rasten.Auch unser Ehepaar vom Bodensee sitzt dort. Noch schnell ein paar Fotos gemacht und dann weiter.In der Zeit, in der ich die Fotos mache, zieht eine Gruppe von Pilgern vorbei. Bei dieser Gruppe ist auch die Französin, die sich in „Zubiri“, mit ihrem Mann nicht einigen konnte, wer nun oben und wer nun unten schläft. Ich frage sie, wo denn ihr Paul bleibe. Sie zuckt mit der Schulter und sagt: „Ich weißen nicht. Vielleicht mit Taxi…? Man wird sehen!“ Sie lacht herzlich und geht weiter.

Nun aber weiter, nach „Zaraquiegui“. Von weitem wird schon darauf hingewiesen, dass es in „Zaraquiegui“ eine Toilettenanlage gibt. Als wir näher kommen, sehen wir, dass es sich hier nur um ein einziges Dixi-Klo handelt.

Wir gehen in den Ort, bis zur Kirche, wo wieder Bänke aufgestellt sind und ein Brunnen montiert ist. Hier werden unsere Wasserflaschen neu gefüllt und dann geht es weiter, durch das Dorf und wieder hinaus, auf einen Feldweg, der immer unwegsamer und steiler wird. Der Aufstieg, auf den „Alto Perdon“, beginnt nun erst richtig.
Durch die Regenfälle, der letzten 6 Wochen, ist der Weg schwer und uneben, teilweise abgerutscht und verschlammt. Wenn man zurück schaut, sieht man „Pamplona“ in der Senke liegen.

Wir bedauern, dass wir „Pamplona“ überhaupt verlassen haben. Wenn mich im Einstieg, meine Helga noch immer anmotzte,so schweigt sie jetzt und setzt sich wieder mit Jakob auseinander. Das Wetter ist heute zum ersten Mal, seit wir auf dem „Camino“ sind, gut und richtig schön.

Am Hang, etwas tiefer, sieht man ein Herrengut. Besser gesagt, die Ruine des Herrengut „Guendulain“. Unser Blick geht aber immer wieder nach oben, zum Pass. Dort oben treffen sich: „Der Weg der Sterne“ und „Der Weg der Winde“ - und wir müssen da noch hinüber. Der Weg wird gesäumt, von Buchsbaum, Stechginster und vielen blühenden Blumen. Es ist nicht mehr weit, da steht wieder ein Brunnen am Wegesrand. Hier machen wir noch einmal eine Pause. Ich muss meiner Ollen ein Kompliment machen! Wenn ich denke, wie schwer es ihr gefallen ist, nach Huntto hinauf zu gehen und wie sie jetzt diesen Aufstieg hier gemeistert hat.
Alle Achtung!

Über die Quelle „Fuente de la Teja“ erzählt die Sage:
„Der Teufel habe einigen Pilgern zu trinken angeboten, wenn sie Gott, die Heilige Jungfrau Maria oder den Heiligen Jakob verleugneten. Die Pilger lehnten aber entschieden dieses Angebot ab.“Nachdem wir hier etwas geruht haben und einen kräftigen Schluck Wasser, aus dieser Quelle getrunken haben, gehen wir die letzten paar Meter weiter, bis auf den
„Pass de Perdon“.

Hier hat man einen schönen Ausblick. Auf der einen Seite über „Pamplona“ hinaus und auf der anderen Seite über das Tal, in das wir dann hinunter gehen werden. Auf der Passhöhe wurde ein Gedenkstein errichtet, der an die Kapelle und das Pilgerhospital „Nuestra Senora del Perdon“ erinnert, welsches dort einmal gestanden hat. Jakobsfreunde aus Navarra, haben dort oben ein Monument errichtet, welsches eine Pilgerkarawane darstellt. Es sind Figuren aus Stahlplatten geschnitten.

Nach einer längeren Pause, in der prallen Sonne, aber bei kühlendem Wind, geht es nun steil den Berg hinunter. Der Weg gleicht eher einem ausgetrockneten Bachbett, als einem Trampelpfad. Hier ist wieder volle Konzentration gefordert. Nur mit dem zusätzlichen Problem, dass wir vom Anstieg total ausgepowert sind. So ziehen wir langsam den Berg hinunter. Unsere Beine werden immer schwerer und zittern vor Anstrengung. Wir machen öfter Pause, sonst geht es gar nicht mehr. Wir waren um 12.oo Uhr auf dem „Alto de Perdon“.

Gegen 12.45 Uhr begannen wir mit dem Abstieg, in das Tal des „Valdizarbe“. Bei Helga stellen sich starke Schmerzen im Oberschenkel ein und sie knickt immer wieder mit dem Bein weg. So etwas hat mich im vergangenen Jahr auch zu Fall gebracht. Gegen 14.oo Uhr passiert es. Sie stürzt! - Nun ist sie mit ihren Nerven ganz am Ende. Außer kleineren Verletzungen und ein Paar Schrammen hat sie zum Glück nichts abbekommen. Andere Pilger und ich haben ihr aufgeholfen. Als diese dann weiter gegangen waren, brach sie in Tränen aus und wollte nur noch nach Hause. Wie sie später sagte, war es die Scham wegen des Sturzes, weswegen sie geweint hat. Wir sind dann aber langsam weiter gezogen. Der Weg wurde nun auch flacher und es ging besser. Wir überqueren den Bach „Terje“ und gelangen an eine Marienstatue. Von hier aus sehen wir schon „Uterga“ vor uns. Zuerst wurde aber auch hier eine Rast gemacht und dann ging es weiter nach „Uterga“. Nach dem Sturz von Helga, war klar dass wir hier übernachten werden. Wir bekommen ein schönes Doppelzimmer, in der „Bar und Albergue: Camino del Perdon“.

Nun können wir uns erstmals richtig von dem Sturz erholen. Schade ist eigentlich, dass man immer K.O. ist, wenn man am Etappenziel ankommt und sich erst einmal regenerieren muss. Die Regenerationsfase, ist bei mir relativ kurz. Helga hat da schon mehr Zeit nötig.
Nachdem wir nun alle, jeden Tag wiederkehrenden, Arbeiten erledigt haben und wieder erfrischt sind, setzen wir uns, vor der Albergue, in die Sonne, die endlich einmal richtig Wärme verbreitet.
Hier hatte ich, im vergangenen Jahr, auch eine lange Rast gemacht. Allerdings ging ich dann noch weiter bis „Puente la Reina“. Wir waren, im vergangenen Jahr, mit einem großen Pulk Pilger, ebenfalls bei großer Hitze, den Berg herunter gekommen und saßen alle hier im Schatten und erholten uns von der Anstrengung. Überall lagen Rucksäcke herum. Es sah aus, wie bei einem Biwak, im Gebirge. Heute war hier gar nichts los. Wir waren auch etwas spät dran. Sie waren wohl alle schon weiter gezogen.
Was soll’s? Als ich mich nach meiner Pilgertour, im vergangenen Jahr entschloss, diesen Weg noch einmal zu gehen, sagte ich mir: „Ich glaube, ich bin zu schnell gegangen. Viele Sehenswürdigkeiten habe ich nicht gesehen. Beim nächsten Mal werde ich mir mehr Zeit lassen und mir all die schönen Dinge noch ansehen.“ Dafür war jetzt die richtige Zeit


.Hier haben wir dann auch die ersten Ansichtskarten geschrieben. Um 20.oo Uhr gab es das Pilgermenue. Die Albergue war mittlerweile bis auf das letzte Bett belegt. Zum Essen wurden alle wieder in einem großen Raum versammelt.
Schau an, wer sitzt da? Sonja und Rainer, unsere neuen Bekannten aus der Albergue „Casa Paderborn“. Nach dem Essen war es Zeit, ins Bett zu gehen, denn dieser Weg hatte uns doch sehr geschlaucht.
So endet dieser Tag um 21,00 Uhr.