.

Sidebar


Startseite

7.Etappe:
Samstag, den 31.05.2008 Mandys Geburtstag. Etappe von Uterga nach Cirauqui.

 Heute stehen wir erst gegen 07.oo Uhr auf. Es hat wieder die ganze Nacht geregnet und es regnet immer noch. Der Tag fängt schon gut an.

Da das Restaurant noch nicht offen hat, brechen wir um 07.5o Uhr, nachdem es auch aufgehört hat, zu regnen, in Richtung „Cirauqui“, unserem heutigen Etappenziel auf.

Wir verlassen „Uterga“ über die Landstraße und bedauern, dass wir diesen schönen Ort verlassen müssen. Der Weg geht zunächst ein Stück über die Landstraße, bis wir dann nach links, auf Feldwegen, weiter geleitet werden.

Nun überqueren wir noch einen Bach, der bedingt durch den Dauerregen der Nacht, sehr viel lehmiges Wasser mit sich führt. Dann geht es nach rechts, auf einen Pfad, am Bach entlang.

Nun beginnt wieder diese unsichere Fortbewegung, auf lehmigem, rutschigem und morastigem Untergrund. Der Schlamm läuft uns in die Schuhe. Stellenweise ist nur schwer auszumachen und kaum zu unterscheiden, wo der Bach läuft und wo sich der Weg befindet.Der alte Weg durch das Dorf „Muruzabal“ ist gesperrt. Wir müssen links abbiegen und zunächst um das Dorf herum laufen, bis wir dann doch nach rechts ins Dorf hinein gehen können.

Auf dem Weg, um das Dorf, sehen wir am Wiesenrand viele Blumen blühen, die man bei uns in Deutschland teuer kaufen muss. Es blühen die schönsten Orchideen am Wegesrand. Im Dorf gibt es zwar eine Bar. Die ist aber so früh noch nicht geöffnet. So bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Wasserflaschen, am Brunnen, neu zu füllen und weiter zu gehen.

Auf die Bänke, im Dorf, kann man sich nicht niederlassen, da sie nass sind. Es macht aber auch wenig Sinn zu rasten, denn es ziehen bedrohlich dicke Regenwolken über uns hinweg, die jeden Moment ihre Last entladen können. Vor dem Ortsende befindet sich ein großes Wandgemälde, auf einem Haus, auf der rechten Seite der Straße. Es weist auf eine sehenswerte Kirche hin, die einen Umweg von 3 km erfordert. Man müsste hier nach links abbiegen, um zur „Kirche Eunate“ zu gelangen. Da Helga aber nicht unbedingt dort hin will, gehen wir auf dem direkten Weg weiter, aus dem Dorf hinaus. Dann geht es rechts ab, auf Feldwegen, hinab ins Tal, um dann erneut einen kurzen steilen Aufstieg nach „Obanos“ hinauf zu bewältigen.

Unsere Schuhe, die im Dorf „Mruzabal“ wieder sauber geworden waren, sind im Nu wieder voller Dreck und Schlamm, da dieser Abstieg aufgeweicht und schlammig ist. Nachdem wir den Bach „Terje“ wieder überquert haben, geht es eine steile Rampe hoch, nach „Obanos“. Dieser steile Anstieg ist sehr schön und aufwendig gestaltet. Am Straßenrand stehen schöne Lampen. Dann sind im Straßenbelag aus schönen Steinplatten und Natursteinen, Jakobsmuscheln aus Bronze in den Boden eingelassen. Bevor wir nach rechts ins Dorf einbiegen, passieren wir noch einen schön angelegten Pilgerbrunnen.

Hier füllen wir unsere Wasserflaschen wieder auf. Das ganze Dorf „Obanos“ ist auf die gleiche, schöne Weise neu gestaltet. Es ist ein wunderschöner Ort, der uns schon reizen könnte, für immer dorthin zu ziehen und dort zu wohnen.

In„Obanos“ vereinigen sich die zwei wichtigsten Jakobswege. Der „Aragonische“ - und der „Navarrische -Weg“ werden zum „Camino Francis“. Den Namen als Ort der Vereinigung hat allerdings „Puente la Reina“. Wir gehen in „Obanos“, den Muscheln im Straßenbelag folgend, über die große Plaza, an der Albergue und der Kirche vorbei und aus dem Dorf hinaus. Nun geht es wieder über Feldwege abwärts. Wir überqueren die Landstraße N-111 und laufen nun, an Gärten vorbei, bis „Puente la Reina“.

Hier befinden sich, unmittelbar am Ortseingang, das Hotel und die im Hotel befindliche „Albergue Jakue“. Hier habe ich im vergangenen Jahr, in der „Albergue“, die im Keller des Hotels ist, übernachtet. Jetzt wird es aber Zeit, dass wir frühstücken und unsere Mandy anrufen. Unser Schatz hat doch heute Geburtstag. Wie nun meine Helga so ist, machte sie große Augen, als ich ihr sagte: „Wir gehen jetzt ins Hotel und frühstücken dort“.

Sie ging gleich auf Abwehr und zeigte auf unsere dreckigen Schuhe und unsere Hosen waren ja auch nicht mehr so sauber. Jetzt musste ich ihr lang und breit erklären, dass am Jakobsweg die Gastronomie damit vertraut ist, dass wenn schlechtes Wetter ist, die Pilger mit dreckigen Schuhen und Hosen herein kommen und niemand daran Anstoß nimmt. Außerdem befindet sich eine Albergue hier im Haus, im Keller. Als das nun geklärt war, suchten wir uns einen Platz, im Restaurant, zum Frühstücken aus.

Wir setzten unsere Rucksäcke ab und legten auch endlich die Regensachen ab. Hier sah Helga auch zum ersten Mal, wie die Spanier, vor der Theke, mit Servietten und anderem Unrat verfahren. Sie schmeißen einfach alles vor die Theke. In den Tappas-Bars kann man daran erkennen, wo es gute Tappas gibt, oder nicht. Da, wo es sauber ist, ist auch nichts los. Um 10.oo Uhr waren wir hier, vor Ort und haben dann unserer Mandy zum Geburtstag gratuliert. Dann haben wir gut und lange gefrühstückt und nun geht es weiter. Ab hier beginnt die Region des „Camino“, wo sich in den Dörfern auf allem, was erhöht ist, ob Kirchturm oder Ähnliches, Störche niedergelassen haben und ihre Gelege bebrühten. Man hört schon früh am Morgen, wie sie mit ihren Schnäbeln klappern.

Wir gehen die N-111 hinunter und kommen in die Stadt und an der alten Albergue des Priesterseminars vorbei. Die „Kirche des Kreuzes“ steht am Anfang des Ortes. Sie wird „Iglesia del Crucifijo“ genannt, weil dort ein Kreuz in „Y - Form“ hängt. Es soll aus dem Rheinland stammen und wurde im 14. Jh. dort hin gebracht. Es ist eines, von nur 2 Kreuzen in dieser Form, die nur in Spanien hängen.

Wir gehen nun durch die lange Calle Major (Hauptstraße), immer den gelben Pfeilen folgend und kommen zur „Santiago Kirche“. Dann passieren wir die Plaza Mena und gehen weiter zur mittelalterlichen Brücke von „Puente la Reina“. Dieser Brücke verdankt der Ort auch seinen Namen. Kurz vor der Brücke, am Ende der langen Pilgerstraße „(Sirga Peregrinal)“ von Puente la Reina, sehen wir noch, wie zwei Großpuppen Tanzübungen auf der Straße veranstalten.

Wir verlassen dann „Puente la Reina“ über die gleichnamige Brücke, gehen links über die N-111 und dann nach rechts, über eine gute Piste parallel zum „Rio Arga“. Zwischen Klostergebäuden steigen wir dann einen kurzen Anstieg hinauf, um auf noch gutem Weg zwischen Äckern und Weinbergen zu wandern.

Hier sind Spargelstecher dabei, den Spargel zu ernten. Dann geht der Weg rechts ab und steigt wieder steil bergauf. Bevor wir rechts abbiegen, versucht ein Spanier, uns etwas zu sagen. Da wir ihn nicht verstehen, gehen wir weiter. Nach einer gewissen Zeit und einem Stück des immer schlechter werdenden Wegs, glauben wir zu wissen, was der Spanier uns sagen wollte. Er wollte uns sicher vor diesem Weg warnen. Wir waren mitten im Dreck angelangt. Ich wusste vom Vorjahr, dass wir hier durch die Botanik laufen mussten.

Ich hatte eine ganz neue Ausgabe meines Wanderführers und diese sagte mir, dass es eine Umgehung des Pfades gibt, den ich im vergangenen Jahr gegangen war. Der Weg, der bei Regen verständlicher Weise unpassierbar war, konnte umgangen werden. Das stimmt aber nur zum Teil. Wir mussten uns ein ganz gehöriges Stück über Morast und rutschigem Boden, steil nach oben kämpfen, bevor wir den befestigten Weg erreichen würden. Wenn ich mich umschaute, wo mein bestes Stück war und wie es ihr ging, denn sie schwieg, seit einiger Zeit, wieder beharrlich. Dann sah ich sie, hinter mir, mit weit aufgerissenen Augen, den Weg und den Berg hinauf kommen. Und was ich sah, tat mir in der Seele weh. Irgendwann war dann endlich der befestigte Weg erreicht und wir machten zu erst eine Pause. Das ging aber nur stehenden Fußes und war nicht von langer Dauer Dann gingen wir weiter. Die N-111 verläuft hier parallel zum „Jakobsweg“ und dahinter erhebt sich ein Berg und über der N-111, im Berg, verläuft eine Straße. Von dieser Straße hörten wir Rufe. Als wir ihr etwas näher kamen,

erkannten wir 2 Pilger, die dort ihres Weges gehen. Nachdem wir dann die Höhe erreicht haben, kommen diese 2 Pilger über eine Brücke über die N-111. Und wer ist es? Sonja und Rainer. Sie hatten uns von oben beobachtet,

wie wir uns den Berg hinauf quälten. An meiner Gitarre, auf dem Rucksack, hatten sie uns erkannt. Sie waren den Weg gegangen, der für die Fahrradpilger ausgerichtet ist. Er war zwar etwas länger und auch steiler, aber dafür bei diesen widrigen Wetterbedingungen, der weitaus bessere Weg.
Nunhatte meine Olle wieder Wasser auf der Mühle und ich bekam wieder mein Fett weg. Vor uns kommt nun „Maneru“ in Sicht. Da es schon mal wieder angefangen hatte zu nieseln, noch bevor wir in diese Rutschparty eingestiegen waren, hatten wir unser ungeliebtes Regenzeug noch an. Vor „Maneru“ begann es dann in Strömen zu regnen. Am Ortsschild stellten wir uns noch unter ein Paar Bäumen unter. Doch das war nicht befriedigend. Wir zogen weiter, in der Hoffnung, eine Bar zu finden, in der wir dann Unterschlupf finden konnten. Der Dorfbrunnen ist überdacht. Hier konnten wir uns fürs Erste unterstellen und den Regen abwarten. Als ich im vergangenen Jahr hier durch gegangen bin, wurden gerade die Straßen des ganzen Dorfes erneuert. Das war nun alles fertig und sehr schön. So war auch dieses Schutzdach über dem Dorfbrunnen erstellt worden und kam uns nun zu Gute.
Helga wollte schon hier in „Maneru“ bleiben. Doch da wir ursprünglich bis „Lorca“ gehen wollten, sagte ich ihr, dass wir noch bis „Cirauqui“ gehen werden. Denn wir traten sowieso schon fast auf der Stelle. So würden wir nie nach „Santiago de Compostela“ kommen. Bis „Cirauqui“ waren es nur noch ca. 3 km. So zogen wir also, als der Regen etwas nachgelassen hatte los.
Was wir allerdings auf diesen paar Kilometern antreffen sollten, stellte alles bis hierher gewesene in den Schatten.

Wir gehen also zunächst, den Pfeilen folgend,
durch dieses schöne Dorf und dann hinaus. Dann beginnt es langsam. Der Weg wird schlechter. Wir gehen zwischen Weinbergen, auf unbefestigten Wegen. Langsam wird der Weg regelrecht zum Gebirgsbach. Das Wasser läuft den Weg hinunter und wir müssen da durch, den Weg hinauf. Wir kommen nur noch langsam weiter, weil jeder Schritt jetzt gut überlegt sein muss und mit dem Wanderstock die Wassertiefe abgemessen werden muss. Es ist ein mühsames und schweres Weiterkommen.

Rechts, in Sichtweite verläuft die Landstraße. Dann wird es Sonja zuviel und sie biegt rechts ab und geht über ein Weinfeld, in Richtung Straße. Wir hinterher. Hier betreten wir einen Boden, der so weich ist, dass wir aufpassen müssen, unsere Schuhe nicht zu verlieren, denn sie saugen sich in dem Schlick, aus roter Erde, bei jedem Schritt fest. Das einzig gute daran ist, man sieht, dass man mit jedem Schritt, der rettenden Straße näher kommt. Dann ist das Feld überwunden und von uns zertrampelt. Wir hinterlassen eine Spur im Feld und stehen ca. 500 m vor „Cirauqui“ endlich auf festem Boden, b.z.w. Asphalt. Rainer machte zum Beweis ein paar Fotos von uns. Manfred in Hamburg, der die Fotos sah, schrieb uns dazu: Nun müssen wir erst zusehen, dass die Schuhe etwas sauber werden.


-Dazu gehen wir jetzt freiwillig in die Wasserpfützen, die nicht groß genug sein können. Dann geht es weiter hinauf nach „Cirauqui“. Es ist ein schönes Dorf, welches oben, auf der Kuppe eines Berges gebaut wurde. Aber der Aufstieg in dieses Dorf und weiter zur Albergue liegt noch vor uns. Wir steigen zunächst ca. 300 m steil hinauf, auf einen kleinen Dorfplatz, dann gehen wir über diesen Platz nach links hoch, durch einen Torbogen „Puerto del Arco“ und dann noch weiter steil hoch.


Hier biegt dann der „Jakobsweg“ links ab. Wir gehen weiter hoch und dann nach rechts, zum Hauptplatz, vor der „Iglesia de San Roman“. Auf der anderen Seite der Plaza ist die „Albergue Maralotx“, in der wir unsere Betten für die Nacht bekommen. Es gibt hier wohl keinen qm im Dorf, der wagerecht ist. Es ist eine schöne Herberge, in der es ein Vergnügen sein muss, bei gutem Wetter zu wohnen, denn es gibt hier im O.G. einen schönen, geräumigen Balkon. Bei dem Wetter, in dem wir unterwegs sind, kann man sich dort allerdings nicht aufhalten. Im Keller befinden sich die Küche und der Essraum für das Pilgermenue. Es ist eigentlich alles sehr schön.

Aber Helga gefällt das alles nicht so recht, da sie so etwas nicht kennt. Mich erinnert das Leben, hier auf dem „Camino“, an meine Pfadfinderzeit, wenn wir in Jugendherbergen übernachteten. Die Örtlichkeiten und das System sind ähnlich und darum mir so vertraut. Wir bekommen unsere Betten zugewiesen, müssen aber
-unsere Schuhe natürlich schon vor der Tür ausziehen. Hier ist es wegen des Drecks an den Schuhen. Wenn es heiß ist, müssen die Schuhe auch draußen ausgezogen werden. Dies dann aber wegen des sehr strengen Geruchs. Darum sind in den Albergues allgemein im Vorraum, Regale aufgestellt. So zu sagen, als Käseabteilung. Egal! Also in den Schlafräumen haben die Wanderschuhe auf jeden Fall keinen Zutritt.

-Nachdem wir alles erledigt haben, die Schuhe gegenüber, an der Kirche, im Brunnenbecken gesäubert sind und mit Küchenpapier zum trocknen ausgestopft wurden, legen wir die Beine hoch.
-Was soll man auch anders machen, bei diesem Wetter? Zu dem ist es kalt und nur im Schlafsack kann man sich aufwärmen. Um 19.oo Uhr ist Pilgermesse. Die Albergue ist überfüllt. Einige Pilger müssen sogar auf dem Boden schlafen. Dazu gebe ich meine Isomatte ab. Alle gehen zur Pilgermesse und Pilgersegnung. Danach gibt es das Pilgermenue im Essraum, im Keller. Da aber das Haus im Berg liegt, kann dieser von der Seite, auf ebener Erde, betreten werden. Die Sitzplätze werden zugeteilt und wir sitzen mit 4 Nationen an einem Tisch.
Eine Schweizerin übersetzt hier die Gespräche, die in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch geführt werden. 


Nach dem Abendessen, bleibt nicht mehr viel Zeit und das Licht geht aus. Ein sehr schwerer Tag geht zu Ende. Wenn wenigstens das Wetter mitspielen würde.Nachtruhe um
22.oo Uhr. Jedoch jede ¼ Std. läutet eine Glocke. Das hört sich an, als ob jemand auf einen leeren Eimer haut. Ein Glück dass wir so geschlaucht sind. So können wir trotz des Getöses, was die Glocke verursacht, schlafen. Und es regnet schon wieder.