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9.Etappe:
Montag, den 02.06.2008 Von Estella/Ayegui nach Los Arcos

 

06.oo Uhr das Licht geht an.

Die Nacht ist vorbei. Alles wie gehabt, dann um 07.00 Uhr Frühstück. Danach von Peto verabschieden. Noch ein Foto machen und ein letzter Blick zurück nach „Estella“. ( die Schöne ) wird sie auch genannt. Dann beginnt die heutige Etappe. Von der Sporthalle geht der Weg gleich wieder aufwärts und wir sind nach 10 Minuten schon außer Atem.

Am Ende von „Ayegui“ geht es dann, zur Abwechslung, wieder steil nach unten. Gute Gelegenheit die Jacken auszuziehen, die wir zur Vorsicht angezogen hatten, die uns aber jetzt schon stören und den Schweiß auf die Stirn treiben. Also Rucksack noch einmal runter, Jacke aus und dann weiter abwärts, die Straße überqueren und über Feldwege weiter, in Richtung „Irache“. Nach kurzer Zeit erreicht man das Weingut „Bodegas Irache“. Hier wurde, auf der Stirnwand des Gebäudes, ein Weinbrunnen für die Pilger angelegt.

Diese Wein- und Wasserquelle soll die Pilger zu einer Pause anregen um dabei einen Schluck Wein zu genießen, der aus dem Brunnen fließt. Man kann an dem Brunnen, aus dem linken Hahn, Wein pumpen. Aus dem rechten Hahn bekommt man Quellwasser. Leider ist es auch hier so, wie überall.

Es gibt Leute, die es einfach übertreiben und sich die Wasserflasche, sprich 1 Liter Wein, voll zapfen. Die nachfolgenden Pilgerkollegen bekommen dann irgendwann nichts mehr, da das Fass für den Tag leer ist. Vor mir hing sogar einer mit dem Mund unter dem Weinhahn und lies den Wein direkt in den Mund laufen. Dabei war ihm auch Wein über seinen Stoppelbart gelaufen. Er fand das so lustig, dass er sich so fotografieren lies. Es ist eigentlich schade, dass eine so schöne Sache so missbraucht wird. Hier werden natürlich viele Fotos gemacht.Wir gehen weiter und passieren das Kloster „Irache“. Dann führt uns der Weg durch die große Hotelanlage „Irache“ mit Golfplatz und Campingplatz.

Der Weg geht dann weiter aus diesem Komplex heraus, auf einen Waldweg, der zu einer Piste wird und uns dann, nach einem steilen Abstieg auf eine breite Piste führt, die später wieder steil nach oben geht und uns nach „Azqueta“ bringt.

Hier machen wir wieder eine Pause. Hier in „Azqueta“ habe ich im vergangenen Jahr die ersten Postkarten in einen Briefkasten gesteckt. Der Briefkasten lag nun auf der Erde. Trotzdem sind alle Postkarten angekommen. Der Weg geht nun weiter, in Richtung „Villamayor de Monjardin“. Wir verlassen „Azqueta“. Doch bevor wir den Ort verlassen, werden wir noch von einem älteren Ehepaar fotografiert. Wozu weis ich nicht, doch sie tauchten irgendwann wieder auf und fotografierten wieder die Pilger und trugen etwas in eine Liste ein.
Wir wandern durch Weinberge und Felder. Der Regen hat hier stellenweise die Böschung abrutschen lassen. Unterwegs treffen wir zwei junge Frauen, die mich bitten, sie mit ihrer Camera zu fotografieren. Im Gegenzug machen sie das gleiche mit uns. Diese Amerikanerinnen werden wir noch öfter treffen.

Und nun fängt es auch schon wieder an zu regnen. Zum Glück ist der alte Maurenbrunnen ( Fuentes de los Maros ) nicht mehr weit und wir können uns dort unterstellen und wieder dieses verhasste Regenzeug anziehen.
Dann ziehen wir wieder weiter, an Weingärten vorbei, nach „Villa Mayor de Monjardin“. Es regnet in Strömen. Wenn das nicht aufhört, bleiben wir hier und gehen nicht mehr weiter. Wir steigen zum Dorf hinauf, bis zum Sportzentrum. Hier ist eine kleine Bar, die auch geöffnet ist. Hier essen wir etwas und warten darauf, dass das Wetter besser wird. Neben der Bar betreiben holländische Leute eine Albergue. Ich gehe und sehe mir diese an. Sie ist zwar sauber, aber sehr beengt. Also nichts für uns.
So warten wir darauf, dass es aufhört zu regnen. Dann ist plötzlich die Sonne wieder da und wir ziehen los. Von hier aus, sind es noch ca. 12 km bis „Los Arcos“. Nachdem wir
„Villa Mayor de Monjardin“ verlassen haben und durch die Weingärten hinab gestiegen sind, gelangen wir auf eine breite Piste. An der letzten Wasserstelle müssen die Wasserflaschen neu gefüllt werden, denn auf diesen 12 km gibt es keine weitere Wasserstelle mehr.

Nun geht es durch hügeliges Gelände, an Olivenhainen, Weingärten und Feldern vorbei. Hier bekommen wir jetzt einen kleinen Vorgeschmack von dem, was wir in der Meseta antreffen werden. Unser Weg führt uns über einige Steilhänge. Irgendwo, mitten in den Feldern, treffen wir wieder dieses Ehepaar, was uns in „Azqueta“ fotografiert hat.

Monument am Weg

Sie wiederholen diese Prozedur wieder. Wir kommen an Ruinen vorbei und sehen dann vor uns die längliche Anhöhe von „Cogotics de la Raicilla“. Hier steigen wir über einen Bergrücken an. Beim Abstieg sehen wir dann „Los Arcos“ vor uns liegen. Bevor wir auf den Bergrücken (Portillo de las Cabras) zu gelaufen sind, haben wir noch eine Pause gemacht. Dabei konnten wir beobachten, wie im gegenüber liegenden Tal, eine Regenwand aufzog. Da wir fürchten mussten, dass diese uns auch erreicht, zogen wir weiter. Auf den letzten 1,5 km hatte sie uns dann doch erreicht und so begann es wieder zu regnen. Es ist wie verhext. Immer kurz vor dem Ziel, werden wir nass gemacht. So mussten wir auf den letzten paar Metern wieder unsere Regenponchos anziehen. Helga ist wieder fertig und es wird Zeit, dass wir in die „Albergue Austria“ kommen. Dann sind wir da und haben unsere Betten bekommen. Natürlich ist wieder alles zu eng. Es sind zu viele Betten im Raum. Ich höre schon gar nicht mehr hin. Aber wenn meine Olle geduscht hat und etwas erfrischt ist, dann hat sie direkt bessere Laune.

Und so ist es dann auch. In der Zeit, wo sie duscht, mache ich schon die Betten, das heißt, ich rolle unsere Schlafsäcke aus und mache die Schuhe schon sauber, so dass alles etwas freundlicher aussieht, dann ist meine Helga auch schon besser gelaunt.
Heute haben wie die 2. reguläre Etappe laut Wanderführer zurückgelegt. Während ich für unser Abendessen sorge und zum Einkaufen gehe, kann Helga sich ausruhen. Danach wird es aber Zeit, etwas für das leibliche Wohl zu tun. Die Albergue ist seit dem vergangenen Jahr umfangreich renoviert worden. Die Duschen sind erneuert und die Schlafräume wurden mit Rigips-Platten ausgekleidet und angestrichen. Der Innenhof wurde weiter überdacht und durch eine Glastüranlage ergänzt. Hier setzten wir uns hin und essen zu Abend. Danach gehen wir in die Stadt und sehen uns die schönen alten Bauten an. Auch hier scheppert die Glocke vom Kirchturm. Man sieht von unten, dass der Rand der Glocke durchgerissen ist. Wir gehen um 19.oo Uhr in die Abendmesse, mit anschließender Pilgersegnung.

Messe müssen wir Pilger in der Mitte, vor den Altar zusammen kommen und bekommen dann den Pilgersegen. Im Anschluss daran verteilt der Pfarrer Bilder des Hl. Jakob an die Pilger. Auf der Rückseite des Bildes ist das Pilgergebet, in den verschiedenen Sprachen, abgedruckt. So fragt er jeden einzelnen Pilger nach seiner Herkunft. Eine Pilgerin ist dabei, sie wohnt auch in der „Albergue Austria“. Sie sitzt im Rollstuhl und ist darin aus Wien, ganz alleine, schon bis hier gefahren. Es sind also schon über 2.000 km die sie im Rollstuhl zurückgelegt hat. Diese Leistung wird natürlich als erstes, von dem Pfarrer hervor gehoben. Er macht dann in einer sehr gut gelaunten und fröhlichen Art weiter und verteilt die Bilder an uns. Dies war ein schönes Erlebnis und zeigt, dass eine Pilgerreise auch fröhlich begangen werden kann. Nachdem wir die Kirche verlassen haben, die wie fast alle Kirchen, in welchen wir hier bis jetzt waren, sehr prunkvoll ausgestattet ist, schlendern wir noch durch „Los Arcos“. Dann geht dieser schwere, aber erfolgreiche Tag zu Ende. Wie überall, so auch hier, um 22.oo Uhr geht das Licht aus und es wird ruhig im Haus. Helga hat sich sehr gut gehalten. Aber sie meckert zu viel. So ist sie halt.