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13.Etappe
Freitag, den 06.06.2008 von Navarrete nach Ventosa.

Nach einer guten und erholsamen Nacht, fühlt Helga sich wohl und erfrischt.

So verlassen wir mit Bedauern unser schönes Zimmer. Wer weiß, wo wir heute landen. Um 08.oo Uhr sind wir wieder auf dem „Camino“. Von der Albergue geht es nach links und gleich steil hoch, bis zur Calle Mayor, in die wir links einbiegen.

Friedhof von Navarrete. Portal der Ruine Pilgerhospital San Juan de Acre vor Navarret An dieser Ecke steht ein Briefkasten, in den ich die nächsten 10 Grußkarten einwerfe, die wir gestern noch geschrieben haben. Dann geht es weiter. Wir gehen bis zur N-120, auf der wir weiter gehen und den Friedhof passieren. Das Hauptportal und die 2 Seitenportale sind vom ehemaligen Pilgerhospital, an dessen Ruine wir Gestern vorbei gekommen sind. Nach gut 400 m gehen wir links, auf einen Weg, der mit der N-120 parallel verläuft. Auf diesem Stück, hat Helga wieder Krach, mit ihrem Rucksack. Die 7,5 km, die wir heute bis „Ventosa“ zurücklegen, machen ihr sehr zu schaffen. An der Abzweigung, nach „Ventosa“, bei km 5,9, machen wir Pause.

Sie will ihren Rucksack gar nicht ablegen, bis ich ungehalten werde und sie mit Nachdruck mahne, das Ding abzusetzen.

Sie begründet ihre Ablehnung damit, dass sie ihn ja wieder aufsetzen muss. Jetzt ziehen auch noch dicke, schwarze Wolken über uns daher. Wir entscheiden uns dafür, nach „Ventosa“ zu gehen und erst mal dort zu bleiben. So gehen wir vom „Jakobsweg“ ab und nach „Ventosa“. Die Albergue hat noch geschlossen. Noch ne ½ Stunde. Doch es fängt schon wieder an, zu regnen. Wir haben Glück. Nachdem wir uns erst mal im Wartehäuschen, an der Bushaltestelle unterstellen konnten und dann weiter gehen, wird die „Albergue San „Saturnino“ beliefert. Die Hospitalera gibt uns zwar zu verstehen, dass die „Albergue“ noch zu ist, aber dass wir unsere Rucksäcke wenigstens schon im Haus abstellen können.

So sind wir davon schon mal befreit. Jetzt müssen wir noch 2 Stunden überbrücken, bis um 13.oo Uhr die „Albergue“ dann öffnet. Ohne Gepäck geht es besser. So sehen wir uns den Ort an und gehen in die Bar und machen dort Frühstück. Und es regnet unaufhörlich. Ein älterer Herr spricht Helga an. Es ist ein Einheimischer. Er sagt ihr, dass das Wetter, für diese Jahreszeit, viel zu kalt ist. Nachdem wir mehrere Kaffee con Leche und Colas getrunken haben, auf die der Wirt uns schon Mengenrabatt gibt, wird es Zeit, zur Albergue zu gehen. Ein Luxemburger geht mit uns, zur „Albergue“ und wir bekommen dort unsere Betten. Eine Amerikanerin, die schon im Zimmer liegt, hat an einer Ferse keine Haut mehr. Seltsamerweise aber keine Schmerzen. Nachdem wir nun unsere Betten haben, beginnt der sich immer wieder wiederholende Ritus, des Tages. Wie schon beschrieben.

Da aber im Haus Waschmaschinen und Trockner sind, wird große Wäsche gehalten. Die Sonne drückt sich jetzt auch durch die Wolken und so klingt dieser Tag noch ganz gut aus. Morgen werden wir die Rucksäcke mit dem Taxi weiter schicken und einmal versuchen, ob es so besser geht. Wir werden versuchen, nach „Santiago de Compostela“ zu kommen. Dazu werden wir:

1. Jeden Tag, das Gepäck mit dem Taxi fahren lassen.
2. Sollte es einmal nicht möglich sein, das Gepäck mit dem Taxi vorzuschicken, werden wir diese Etappe mit dem Bus fahren.
3. Wir werden Etappen, die zu schwer sind, mit dem Bus fahren.
4. Wir werden von Tag zu Tag entscheiden, wie wir die vor uns liegende Etappe angehen wollen.

Ich muss jetzt diese Kompromisse machen. Alles andere wäre verantwortungslos und gefährdet die Gesundheit meiner Ollen. Das wäre die Sache nicht wert.
Während wir hier oben in der Sonne sitzen und darauf warten, dass die Wäsche trocken wird, haben wir uns, auf diese Vorgehensweise verständigt. - So soll es dann sein!
Unsere Hospitalera ist eine Österreicherin, die diese „Albergue“, die ganz neu ist, zur Einführung, für einen Freund leitet. Es ist eine wirklich schöne Anlage, mit schönem Innenhof, extra Waschhaus, Küche, Aufenthaltsraum und schönen Schlafräumen. Eine der schönsten „Albergues“ am „Camino“. Die Hospitalera führt ihr Haus energisch, bis alle wissen, wo es lang geht und dann ist sie sehr umgänglich und hilfsbereit. Im Haus gibt es eine kleine Tienda, die zu bestimmten Zeiten geöffnet hat.

So dass man auch etwas einkaufen kann. Im Ort selbst, gibt es keine Möglichkeit dazu. So konnte ich hier, unsere eiserne Ration wieder auffüllen und zum Abendessen einkaufen. Pünktlich um 22.oo Uhr verlöscht das Licht und dann beginnt die Nacht der Waldarbeiter. Die Amerikanerin legt als erste los. Dann gibt die Frau, die im oberen Bett liegt, seltsame Geräusche von sich und stöhnt erbärmlich vor sich hin. Auf der Straße bellt dauernd ein Hund. Dann beginnt plötzlich und völlig ohne Grund, der Luxemburger damit, den ganzen Staatsforst abzuholzen. Zwischendurch schreit eine Pilgerin, etwas im Schlaf, dazwischen. Es zittern förmlich die Betten, wenn der Luxemburger los legt. Jetzt wird es Helga aber zu bunt. Sie holt Toilettenpapier. Dieses stecken wir uns in die Ohren. Danach geht’s und wir schlafen endlich ein. Nun stimme auch noch ich, in dieses Schnarchkonzert, mit ein.

Na dann gute Nacht!