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14.Etappe:
Samstag, den 07.06.2008 Von Ventosa nach Azofra.

Nach einer sehr schlechten Nacht, die sehr geräuschvoll war, erklingt um 06.oo Uhr sakrale Musik.

Wecken mit Musik! Das erleben wir nicht jeden Tag. Nun müssen die Rucksäcke, nach dem Waschen, fertig verpackt und abholbereit gemacht werden. Dazu wird ein vorbereitetes Kuvert, des Taxiunternehmers, an den Rucksack gehängt, auf dem die Zieladresse steht. 7,00 € müssen für die Fracht im Kuvert sein. Das ist alles! Wir stellen unsere Rucksäcke dort ab, wo sie abgeholt werden. Um 07.3o Uhr ziehen wir, nur mit unserem Handgepäck belastet und zum ersten Mal ohne Rucksack, los.

Meine Olle hat richtig Spaß. Endlich, ohne diesen verdammten Rucksack, durch Gottes freie Natur, zu wandern. Das Wetter spielt auch mit. Zumindest regnet es nicht. Noch nicht! Wir wandern erst durch das ganze Dorf und dann hinaus, auf einen guten Weg. Der Weg geht durch Weingärten und Buschbestand, bis wir wieder auf den regulären Jakobsweg gelangen, von dem wir abgewichen waren, um nach „Ventosa“ zu gelangen.

Der Weg wird uns jetzt zunächst nach „Najera“ führen. Nachdem die Wege wieder vereint sind, geht es wieder steil nach oben. Nach 300 m ist der „Altode San Anton“ erreicht. Beim Aufstieg kommt man, laut Wanderführer, an einer Wasserstelle vorbei, die etwas versteckt liegen soll. Sie ist wirklich so gut versteckt, denn wir finden sie heute nicht.

Im vergangenen Jahr, habe ich schon Ausschau nach ihr gehalten und auch nicht gefunden. Beim weiteren Anstieg passieren wir einige 100 Steinmännchen, die die Pilger dort aufgehäuft haben. Diese werden uns, auf dem „Camino“, immer wieder begegnen. Auf dem „Alto San Anton“ angelangt, ist in der Ferne schon bald „Najera“, vor der roten Felsenwand, zu erkennen.

Es ist aber noch ein gutes Stück bis dort. Wir wandern weiter, durch Weingärten, an der N-120 entlang, bis an ein Kieswerk, welches wir links liegen lassen, um dann, auf einer kleinen Brücke, den „Rio Yalde“, der auch Hochwasser hat, zu überqueren. Wir unterqueren die Schnellstraße und gehen um einen neuen, schön angelegten Pilgerrastplatz herum, um dann, auf direktem Feldweg, in den Vorort von „Najera“ hinein zu laufen.

Dabei wandern wir am „Rolandsitz“ (Poyo de Roldan) vorbei. Nun wandern wir quer durch die Neustadt von „Najera“, zur Brücke über den „Rio Najerilla“, die wir überqueren, um in die Altstadt zu gelangen. Den gelben Pfeilen folgend, gehen wir, gleich hinter der Brücke, eine Treppe hinunter. In der ersten Bar rechts, kehren wir zum Frühstück ein. Helga fühlt sich, Gott sei Dank, prima.

Ohne ihren verhassten Rucksack, geht es ihr besser. Nachdem wir gut und ausgiebig gefrühstückt haben, nehmen wir unsere Wanderung wieder auf. Wir folgen den gelben Pfeilen, am Kloster „Santa Maria la Real“ vorbei. An der „Albergue Pza de Santiago“ machen wir noch einmal kurz halt. Hier habe ich im vorigen Jahr übernachtet. Ein paar Fotos machen, dann geht es weiter.

Der Weg führt uns in unmittelbarer Nähe einer Kirche vorbei, auf der die Störche dabei sind, ihre Nester zu bauen. Dann geht der Weg steil hinauf, in einen Pinienwald, um dann gleich wieder, durch Weinberge, abwärts zu gehen. Dann gehen wir nach rechts, auf eine Asphaltstrasse.

Hier sieht man ein altes Kanalsystem, zur Felderbewässerung. In der Ferne verläuft die N-120. Auf der bin ich, im vergangenen Jahr, mit Udo gelaufen. Da es hier stark regnete und uns damals der Weg über die Landstraße besser erschien, als hier durch die Felder zu laufen.
Wir gehen hier jetzt durch hügeliges Gelände, das rechts und links von Weinbauern bewirtschaftet wird. Gegen 12.45 Uhr erreichen wir „Azofra“, unser Tagesziel. Es war, ohne Rucksack, natürlich angenehmer zu gehen.

Doch 5oo m vor „Azofra“ beginnt es wieder zu regnen. Immer kurz vor dem Ziel, werden wir noch einmal nass gemacht. Doch es hört gleich wieder auf, so dass wir doch einigermaßen trocken zur „Albergue“ gelangen. Es ist eine schöne Anlage, in der es einen schönen, großen Innenhof gibt. Leider ist es zu kalt, um sich lange darin aufzuhalten.

Einen großen Aufenthaltsraum gibt es, mit TV und Internet. Aber das Beste hier: - Es gibt kleine, aber schöne Doppelkabinen. Zimmer wäre zu viel gesagt. Aber schön. Nachdem wir uns eingerichtet haben, gehe ich ins Dorf, zum einkaufen, denn in der „Albergue“ gibt es nichts. Man muss sich schon selbst versorgen. Ich versuchte gleich zu klären, wie das hier, am nächsten Tag, mit dem Rucksacktransport nach „Santo Domingo de la Calzada“ gehändelt wird.

Albergue Zimmerflucht

Der Hospitalero hatte aber scheinbar keine Ahnung, obwohl er unter der Theke, die Kuverts des Taxiunternehmers, stehen hatte. Ich bat eine Pilgerin, die englisch sprach, mir doch bitte zu helfen. Es dauerte geschlagene 15 Minuten, bis der Hospitalero verstanden hatte, um was es ging. Zum Glück kam eine junge Frau dazu, die ebenfalls, wie wir, in „Ventosa“ das Gepäck aufgegeben hatte. Sie hat dann freundlicherweise den Taxiunternehmer angerufen und für den nächsten Tag alles klar gemacht. In „Ventosa“ hatte die Hospitalera alles für uns erledigt. Da brauchten wir uns nur darum zu kümmern, dass unsere Rucksäcke richtig gepackt waren. Alles andere hatte sie für uns erledigt. Das nenne ich Service!
Während wir im Aufenthaltsraum zu Abend essen, wirbt ein Winzer für seinen Wein und lädt die Pilger zur Besichtigung des Winzerbetriebes, mit Weinprobe, ein. Um 19.oo Uhr soll es losgehen. Helga und ich, wir haben aber kein Interesse. Jedoch eine ganze Reihe von Pilgern geht dorthin. Nun weiß man ja, wie das bei solchen Weinproben zugeht. Dem entsprechend laut wurde es dann im Haus, als sie wieder zurückkamen. Doch es wurde einfach eine große Zwischentür, zwischen dem Schlaftrakt und dem Aufenthaltsraum, geschlossen und so war es dann relativ ruhig im Haus. Wir verbrachten eine ruhige und erholsame Nacht, in der „Gemeinde Albergue Azofra“. Ich freue mich, dass es Helga heute gut geht und dass wir ohne Rucksack jetzt doch gut weiter kommen