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15.Etappe:
Sonntag, den 08.06.2008 Von Azofra nach Santo Domingo de la Calzada.

Es war eine ruhige Nacht, in unserer Zweibettkammer und so waren wir bester Laune, als um 06.oo Uhr die Pilger langsam begannen, sich auf den „Camino“ zu begeben.

Heute gehen wir nach „Santo Domingo de la Calzada“, ca. 17 km. Wir lassen uns Zeit und machen unser Gepäck transportfähig. Dann verlassen wir, um 07.3o Uhr diese schöne „Gemeinde Albergue“, die von Freiwilligen der Jakobsweggesellschaft geführt wird.

Die „Albergue“ liegt am Ortsende von „Azofra“, so haben wie nach kurzer Zeit den Ort bereits verlassen.

Schon bald geht der Weg, rechts von der Landstraße ab, auf einen aufgewühlten Feldweg, der erst nach einiger Zeit, langsam wieder eben wird. Wir kommen wieder der N-120 sehr nahe. Ich sehe von hier aus die 1. Tankstelle, an der wir im vorigen Jahr hofften, eine Kaffee zu bekommen. Doch sie war am Sonntag zu. Wir kommen nun, auf unserem Weg, an einem alten „Wegekreuz“ (Cruz de los Peregrinos) aus dem 16. Jh. vorbei. Dieses Kreuz wurde in vergangener Zeit auch als Pranger benutzt.

Es markierte den Pilgerweg. An der Pistenkreuzung kann man sich nun entscheiden, ob man nach rechts, zum Pilgerrastplatz geht, der ca. 1 km vom Weg entfernt ist. Man sieht von hier aus die Kuppel einer Steinhütte. Oder man geht den direkten Weg weiter.
Nun geht es, auf einer breiten Sandpiste, einen langen, nicht enden wollenden Anstieg hoch.

Hier ist auch die 2. Tankstelle zu sehen, an der ich im vergangenen Jahr eine längere Pause einlegen musste, da mir mein rechtes Bein den Dienst versagte. Oben angekommen, sieht man einen Golfplatz und dahinter, wie aus dem Boden gestampft, ein Golfhotel.

Es folgt ein riesiges Neubaugebiet, mit kasernenähnlichen Appartementhäusern. Rechts davon sieht man das alte Dorf „Cirinuela“. Es wird von den Neubauten fast erdrückt. Der Weg führt uns nun an diesem Golfplatz vorbei. Durch eine Hotelanlage gelangen wir ins alte Dorf „Ciruena“. Hier versuchen wir, eine Bar zu finden.

Leider Fehlanzeige. Auf einer Bank, vor einem Haus, lassen wir uns nieder.
Bei Helga stellt sich, seit geraumer Zeit, ein altes Leiden ein, von dem wir beide glaubten, dass es ausgeheilt sei. Seit ein paar Tagen schwillt ihr der linke Fuß an.

Da dies aber scheinbar keine Schmerzen verursacht, gingen wir davon aus, dass es durch die anstrengenden Märsche kommt. Am nächsten Tag war die Schwellung dann weg. Doch heute hat sie Schmerzen im linken großen Zeh. Hier schrillen bei uns die Alarmglocken. Wenn sich das wieder einstellt, müssen wir abbrechen, denn damit hat sie Jahre gekämpft, bis es ausgeheilt war. So müssen wir hier also erst einmal eine längere Pause einlegen. Es ist aber auch wie verhext.

Immer etwas Neues und nie was Gutes. Durch die Kälte, die hier herrscht, ist die Pausenzeit begrenzt, denn man kühlt sofort aus. Nachdem die Schmerzen etwas nachlassen, gehen wir langsam weiter.

Wir wandern jetzt wieder durch hügeliges Gelände, mit beachtlichen Höhenunterschieden. Auf der Höhe des „Alto de Matacon“ haben wir einen weiten Blick, über die nun vor uns liegende Tiefebene und die Ausläufer der „Sierrade la Demanda“ im Süden und der „Sierra de Cantabria“ im Norden.

Direkt vor uns, in der Ferne, liegt „Santo Domingo de la Calzada“ unser Etappenziel. Helga beisst auf die Zähne und hält durch, so gut es geht. Wir steigen hinunter und erreichen das Industriegebiet und die Vorstadt von „Santo Domingo de la Calzada“. Wir gehen dann links, auf die stadteinwärts führende N-120, bis wir zur Altstadt kommen und auf der Calle Mayor in die Altstadt gehen.

Und man glaubt es nicht! Es fängt schon wieder an zu regnen. Nachdem wir, auf der Calle Mayor, die Albergue, im Kloster der Zisterzienser, passiert haben, ( Hier habe ich 2007 übernachtet ) gehen wir noch bis kurz vor die Kathedrale. Hier ist rechts die „Albergue Casa del Santo“. Diese Herberge wird von der Bruderschaft des hl. Jacobus, im Haus der „Confradia del Santo“ betrieben. Es ist die traditionsreichste „Albergue“ des ganzen „Jakobsweges“.


Hier bekommen wir Zimmer 18 und Zimmer 19 zugewiesen. Meinen Protest winkt der Hospitalero ab und rät uns, erst einmal alles anschauen zu gehen.

Unser Gepäck ist auch schon da. Nun sehen wir uns, unsere so genannten Zimmer an. Die Betten sind so abgeteilt, das sie dies jeweils ein Zimmer nennen. Wir liegen uns gegenüber.Also alles in bester Ordnung. Es ist eine große Anlage, mit einem großen Innenhof. Hier werden Hühner und Hähne in Käfigen gehalten, die auch in der Kathedrale im Käfig gehalten werden. Dies ist hier Tradition, seit einer Begebenheit, von der eine Sage aus dem Mittelalter erzählt. Mir gefällt es hier gut. Helga natürlich nicht so besonders. Sie hat ja auch schon wieder Schmerzen. Jetzt an ihrem stark geschwollenen Fuß. Das drückt auch auf das Gemüt. Schade eigentlich.


Nachdem wir unsere täglichen Verrichtungen erledigt haben, gehen wir in eine Tappas-Bar, die sich direkt neben unserer „Albergue“ befindet, um etwas essen. Dann gehen wir in die Kathedrale. Links vom Eingang hängt ein Käfig an der Wand, in dem zwei weiße lebende Hühner / Hähne gehalten werden. Die Legende, die „Santo Domingo de la Calzada“ weltberühmt gemacht hat, erzählt folgendes:

Ein Ehepaar befindet sich mit ihrem Sohn auf der Pilgerreise, nach „Santiago de Compostela“ und übernachten in einem Wirtshaus, in „Santo Domingo“. Die Wirtstochter verliebt sich in den Sohn. Doch der erwidert ihre Liebe nicht. Er zieht am nächsten Tag mit seinen Eltern weiter. Das verschmähte Mädchen hat daraufhin einen Silberbecher im Gepäck des Jünglings versteckt. Aus Zorn zeig sie ihn des Diebstahls an. Der Junge wird nun, da man den Becher in seinem Gepäck findet, zum Tode durch erhängen verurteilt.

Die Eltern gehen noch einmal zu ihrem toten Sohn, der nach der Vollstreckung an einem Baum hängt. Sie stellen jedoch überrascht fest, dass er noch lebt. Santo Domingo stützt ihn an den Beinen ab. Überglücklich laufen die Eltern zu dem Richter, der ihren Sohn verurteilt hat, um ihm von diesem Wunder zu berichten. Damit sei die Unschuld ihres Sohnes bewiesen. Der Richter speiste gerade zu Mittag und sagte, dass der Junge bestimmt so lebendig sei, wie die 2 Hühnchen, auf seinem Teller, die er gerade essen wollte. Sogleich flogen die zwei gebratenen Hühnchen davon.

Seit dieser Zeit werden, zur Erinnerung an diese Gottesfügung, in der Kathedrale von „Santo Domingo“, in einem Käfig, ein weißer Hahn und eine weiße Henne gehalten. Es ist die am weitesten verbreitete und bekannteste Legende des „Jakobweges“. Die Kathedrale ist, wie in Spanien üblich, hier auch mit Kunstschätzen, Figuren und Ornamenten überladen Gegenüber der Kathedrale steht das, zusammen mit der Kathedrale erbaute, Pilgerhospital. In diesem ist heute ein Luxushotel, der staatlichen Hotelkette Parador, untergebracht.
Wir verlassen nun die Altstadt und gehen, immer an der Stadtmauer entlang, um die Altstadt herum. Auch hier haben, auf dem alten Gemäuer, einige Störche ihre Nester gebaut, die alle mit Jungtieren bestückt sind.

Wir kommen bald zum großen Pilgerdenkmal. Hier gehen wir weiter, auf der Zubringerstraße zur N-120, die durch „Santo Domingo de la Calzada“ führt und dabei parallel zur Stadtmauer verläuft. Hier essen wir dann, in einer Pizzeria zu Abend, ehe wir zurück, in die Altstadt gehen. Es ist bitter kalt geworden und wir nutzen jeden Sonnenstrahl aus, um uns aufzuwärmen.

Als wir zur Kathedrale zurückkehren, kommt uns, mit viel Getöse, eine Musikkapelle entgegen. Diese versammelt sich später, vor unserer Albergue, auf der Plaza und spielt, bis weit in die Nacht hinein. Jetzt regnet es leider nicht, um die Kapelle zu vertreiben. Helga kriecht, vor Kälte zitternd, schon um 20.oo Uhr, in ihren Schlafsack. Nur darin ist es warm. Ich gehe noch in den Aufenthaltsraum und schreibe an meinem Tagebuch. Da uns der Hospitalero, keine erschöpfende Auskunft, wegen des Gepäcktransportes für morgen, geben konnte, haben wir uns sachkundig gemacht und fahren morgen um 09.15 Uhr mit dem Bus nach „Belorado“. Hier wollen wir dann zwei Tage bleiben, damit Helga sich dort mal richtig erholen und ihre Füße pflegen kann. Danach soll es dann weiter, nach „Burgos“ gehen. Während ich hier sitze und an meinem Tagebuch schreibe, haut die Musikkapelle, unten vor der Haustür, so richtig rein. Es hört sich an, als seien ihre Instrumente aus dem gleichen Blech gemacht, wie die Kirchenglocken in diesem Ort.

Es scheppert, so richtig schön, zwischen den Häuserschluchten. Um 21.45 Uhr beende ich meine Eintragungen und krieche nun auch in meinen Schlafsack. 22.oo Uhr, das Licht geht aus. Nachtruhe!
Wieder ein schwerer Tag, der zu Ende geht. Wir bewegen uns fast nur noch auf der Stelle. Wir kommen kaum weiter. Schade, - aber unabänderlich.