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16.Etappe:
Montag, den 09.06.2008 Von Santo Domingo de la Calzada nach Belorado.

Schon vor 06.oo Uhr macht ein Pilger, ohne Rücksicht auf die anderen Pilger zu nehmen, die gerne noch etwas länger schlafen wollen, das Licht an.

Da ich schon länger wach bin, sehe ich, wie er sich vorsichtig an die Tür schleicht, dort den Lichtschalter betätigt und dann in Windeseile verschwindet.

Nun ist das Licht an und die Pilger erheben sich, nach einander von ihren Betten und machen sich marschfertig. Wir lassen uns aber wie immer Zeit und bleiben solange liegen, bis das Gro bereits auf dem Weg ist. Wir haben ja Zeit genug. Der Bus fährt erst um 09.15 Uhr.

Als wir gestern um die Altstadt gelaufen sind, haben wir auch schon die Busstation gesehen, von der unser Bus nach „Belorado“ abfährt. Es sind höchsten 5 Minuten Weg von hier. Also haben wir Zeit genug. Gegen 07.oo Uhr stehe ich auf, gehe zur Toilette und zum waschen. Zuerst schaue ich aber mal aus dem Fenster und stelle fest, dass es wieder in Strömen regnet. Ich sage das Helga und gehe dann zum waschen. Als ich nach einer ¼ Stunde zurück komme, sitzt meine Olle auf dem Bett, schaut mich traurig an und sagt: „Es regnet schon wieder und es ist kalt. Ich habe keine Lust mehr!“ Und dann sagte sie den einzig richtigen und erlösenden Satz:

„Ich möchte nach Hause!“

Im ersten Moment dachte ich daran, dass wir die schlimmsten und schwersten Etappen, des „Jakobsweges“, schon hinter uns haben. Doch dann siegte die Vernunft und ich war erleichtert, dass es zu Ende war.

Seit der Schwäche von Helga, hinter „Logronno“ und vor „Navarrete“, bei der ich große Angst bekommen hatte, habe ich im Stillen gehofft, dass sie bald sagt: „Lass uns nach Hause fahren“.

So habe ich auch nicht mehr versucht, sie dazu zu bewegen, diese Sache noch einmal zu überdenken, sondern habe sofort zugestimmt und war sehr erleichtert.

Nun begann unsere Heimreise.

Wir wollten erst mal nach „Burgos“ fahren und dann sehen, wie wir zu irgendeinem Flugplatz kommen, von dem wir abfliegen konnten. Im Fremdenverkehrsamt können wir keine Auskunft bekommen, da dort noch geschlossen war. So haben wir erst mal eine Bar gesucht, die offen ist und wo wir dann Frühstücken konnten. In unmittelbarer Nähe der Busstation konnten wir dann Frühstücken und eine freundliche Polizeibeamtin sagte uns, wann der Bus nach „Burgos“ fährt. So haben wir uns dann in die Busstation begeben, die aus einem großen, rundherum geschlossenen Glaspavillon besteht. Als wir dorthin kommen, sind schon ca. 10 andere Pilger dort, die zitternd darauf warten, dass der Bus kommt. Verschiedene wollen nach „Logronno“ zurück, um von dort aus weiter nach Hause zu fahren. Die Anderen wollen, wie wir, nach „Burgos“. Aber alle wollen nur dass Eine! - Sie wollen nach Hause.

Dann kommt einer, der sieht uns alle schon etwas von oben herab an. Er fragt, in einem arroganten Ton, ob hier der Bus nach „Belorado“ abfährt. Dann erzählt er, man könne sich auf den Fahrplan nicht verlassen, da hier in der „Provinz Rioja“ Feiertag sei.

Fragen, die wir ihm stellten, da er Englisch sprach und verstand, was einige Pilger sagten, beantwortete er nur unwirsch und gab uns zu verstehen, dass er nicht gestört werden wolle.
Alles an diesem Herrn war irgendwie arrogant und abweisend.

Dann kam der Bus. Auf dem Bus stand als Reiseziel „Bilbao“. Nachdem ich mich beim Fahrer erkundigt hatte ob der Bus wirklich nach „Bilbao“ fährt, sind wir natürlich eingestiegen. Von „Bilbao“ nach „Biarriz“ könnte bestimmt kein Problem sein, wenn wir erst einmal in „Bilbao“ wären. Unsere Tochter Sandra, die wir morgens um 08.oo Uhr von unserem Vorhaben unterrichtet hatten, hatte im Internet festgestellt, dass am nächsten Tag eine Maschine von „Biarriz“ nach „Frankfurt Hahn“ abfliegt.

Unser arroganter Pilger, war sehr schnell gewesen. Als der Bus kommt, stürmt er sofort raus und deponiert seinen Rucksack, direkt unten, ins Gepäckfach, im Bus. Dann wollte er auch als Erster in den Bus einsteigen. Doch es war leider der falsche Bus und er musste, mit hochrotem Kopf, sein Gepäck unten wieder herausholen.

Anstatt nach „Burgos“, waren wir zwei nun nach „Bilbao“ unterwegs. Ich unterrichtete unsere Tochter davon, dass wir nach „Bilbao“ unterwegs seien. Wenn wir dort angekommen sind und wenn es dann auch klar ist, dass wir heute auch noch nach „Biarriz“ gelangen, wollte ich sie anrufen, damit sie für morgen, für uns zwei Plätze in der Maschine, per Internet buchen soll.

Nach gut 2 Stunden haben wir „Bilbao“ erreicht. In der Busstation erfahre ich, dass wir in 2 Stunden weiterfahren können, nach „Biarriz“. Sandra bucht jetzt unsere Flüge, für den nächsten Tag und wir fahren mit dem Bus nach „Biarriz“, immer an der Atlantikküste entlang. Um 17.oo Uhr haben wir „Biarriz“ erreicht und fahren nun, mit einem Taxi, in ein Hotel, das sich direkt am Flugplatz befindet. Nachdem wir im Restaurant zu Abend gegessen haben, gehen wir heute mit dem guten Gefühl schlafen, am anderen Tag zu Hause zu sein.

Da der Flieger erst gegen 13.oo Uhr abfliegt, haben wir am nächsten Morgen Zeit genug und schlafen sehr lange. Wir fahren dann vom Hotel, mit dem Linienbus, zum Flughafen. Den Weg hätten wir eigentlich auch zu Fuß gehen können. Der Zaun vom Flughafen, begann direkt hinter unserem Hotel. Da aber der Flughafen hinter einem Hügel lag, war uns die Sicht versperrt und wir konnten die Gebäude des Flughafens, vom Hotel aus, nicht sehen. Wären wir am Abend zuvor, auch nur 100 m den Hügel hinauf gegangen, hätten wir gesehen, dass der Flughafen nur ca. 500 m von unserem Hotel entfernt war.

So steigen wir also, mit unserem sperrigen Gepäck, in den Liniebus ein, und müssen nach 5 Minuten wieder aussteigen, da wir schon da sind. Darum grinsten die Mitfahrer wohl, als wir eingestiegen sind.

Da wir ausreichend Zeit hatten, haben wir im Flughafen gefrühstückt. Um 13.oo Uhr startete unser Flieger. Um 15.oo Uhr landeten wir in „Frankfurt-Hahn“. Um 16.15 Uhr fuhr unser Bus, zum Bahnhof in „Köln“. Um 19.oo Uhr fuhr unser Zug nach „Düren“. Sandra und Familie holten uns am Bahnhof ab und so waren wir
am 10.06.2008 gegen 20.oo Uhr Wieder zu Hause!

Zum Abschluss kann ich meiner Helga nur ein ganz dickes Kompliment machen. Sie ist mit mir über die Pyrenäen gewandert. Wir sind ständig durch Regen gelaufen. In den 2 ,5 Wochen haben wir nur einen einzigen Tag erlebt, der vom Wetter her, wirklich schön war. Es war der Tag, an dem wir von „Pamplona“ aus, über den „Alto del Perdon“, nach „Uterga“ gewandert sind. Sonst haben wir streckenweise, auch schon mal schönes Wetter gehabt, aber nur für Stunden und sonnst nur Regen und eine Temperatur von nur 10° C - 12° C.

Sie ist mit mir über Geröll gestolpert, durch Morast gestampft, dass uns der Schlamm in die Schuhe lief. Durch Pfützen und Bäche, mit bis zu 15 cm Tiefe, sind wir gewatet, da das Wasser und der Regen den Jakobsweg zum Gebirgsbach machten.

Abends haben wir unsere nassen Schuhe ausgezogen, um morgens wieder in diese nassen Schuhe einzusteigen. Wir haben Wind und Wetter getrotzt und dabei über 230 km zurückgelegt. Die schwersten Etappen, des ganzen „Camino Francis“, hat Sie mit mir, in den Pyrenäen bezwungen. - Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war schon zum zweiten Mal dort.

Sie hat sich bis zur Erschöpfung durchgekämpft und hat auf die Zähne gebissen, bis es nicht mehr ging. Es wäre unverantwortlich gewesen, aus falschem Ehrgeiz die Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

 

„Hallo Olle, ich bin riesig stolz auf Dich!“