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Die 17. Etappe:
von „Santo Domingo de la Calzada“ nach „Belorado“ 22 km
Freitag, den 19.09.2008

 

 Um 04.3o Uhr werde ich wach. Viel zu früh! Ich bleibe aber noch bis 05.45 Uhr liegen. Dann wird es unruhig im Pilgerlager.

Es wird Zeit aufzustehen, bevor die nur 3 Waschbecken blockiert sind und man sich anstellen muss, um sich zu waschen. Da ich schon am Abend zuvor, meinen Rucksack soweit vorgepackt hatte,

so dass ich nur noch die heute Morgen benötigten Utensilien und den Schlafsack verstauen musste, war ich schnell fertig und verlies um 06.3o Uhr die „Albergue Confradia del Santo“.

Es war noch stockdunkel. Die Kathedrale, sowie die Calle Mayor

(schon über 1.000 Jahre führt die Calle Mayor, als eine echte „sirga peregrinal“, schnurgerade durch die Altstadt. Von einem Ende der Stadt, bis zum anderen Ende“)

und das Paradorhotel, (ehemaliges Pilgerhospital) sind beleuchtet und werden angestrahlt. Sie verbreiten so eine festliche und romantische Atmosphäre. Ich gehe nach rechts, zwischen Kathedrale und Glockenturm hindurch, der auf der anderen Seite des Platzes steht.

Weiter geht es am Paradorhotel vorbei, die „Sirga peregrinal“ hinunter und zur Stadt hinaus.

Bald überquere ich die Brücke über „Rio Oja“ und gehe weiter auf der N-120. Die Brücke über den „Rio Oja“ wurde von hl. Domingo im 11. Jahrhundert als Pilgerbrücke erbaut.

Auch diese Brücke wird von vielen schönen Straßenlaternen erleuchtet und rundet das romantische Bild wohltuend ab.

Wie das Wetter werden wird, ist noch schlecht auszumachen. Sind es Wolken oder Hochnebel? Es ist wie schon gesagt, noch stockdunkel, als ich die Stadt hinter mich lasse und auf der N-120 gut vorwärts komme.

Ab und zu lässt sich auch der Mond sehen, wenn die Wolken etwas aufreißen. Er erleuchtet kurz den Weg, dann ist es wieder dunkel um mich herum. Von Zeit zu Zeit kommt mir ein Auto entgegen. Manche Fahrer grüßen freundlich. Andere wiederum lassen einfach das Fernlicht an und blenden so stark, dass ich auf dieser schmalen Straße stehen bleiben muss. So wandere ich durch eine hügelige Landschaft und sehe rechts und links der Straße nur abgeerntete Getreidefelder. Wenn ich mich umsehe, sehe ich, in der Ferne hinter mir, noch den angestrahlten Glockenturm, von „Santo Domingo de la Calzada“ bis mich der Weg über eine Bodenwelle führt und ich dann dahinter verschwinde.

In der Dunkelheit übersehe ich leider „das Kreuz des Mutigen (Cruz de los Valientes)“. Es fängt langsam an zu dämmern. Im Osten färbt sich bereits der Horizont rot und es wird langsam heller. Dann geht es links ab, in Richtung „Granon“.

Der Weg führt mich weiter durch eine hügelige Landschaft, welche rechts und links durch Stoppelfelder gesäumt wird. Mittlerweile ist es hell. Plötzlich taucht ca. 200 m vor mir, ein Rudel Wildschweine auf, das auf die andere Straßenseite wechselt. Zwei laufen direkt hinüber, in ein Kartoffelfeld.

Das dritte Schwein bleibt mitten auf der Straße stehen und schaut in meine Richtung. Im ersten Moment bleibe auch ich stehen, denn ich habe (genauso wie es die Schweine hoffentlich auch vor mir haben) Respekt vor ihnen.

Dann will ich meinen Fotoapparat nehmen, um ein paar Fotos zu machen. Durch diese Bewegung aufgeschreckt, gibt das Wildschwein einen Warnton an seine Mitschweine ab. Die Köpfe der Tiere fliegen zu mir herum und dann geht es mit affenartiger Geschwindigkeit ab, durchs Kartoffelfeld.

Ich setze nun ruhig meinen Weg fort und sehe auf einmal, wie das Wildschweinrudel, jetzt aber in einer Entfernung von ca. 600 m, wieder auf die andere Straßenseite wechselt und in einer Strohmiete, von riesigem Ausmaß, verschwindet. Vor der Strohmiete ist ein Schlammloch zu erkennen in dem sich die Wildschweine dann suhlen.

Es geht weiter durch die Felder„Granon“ erreiche. Direkt gegenüber der Kirche befindet sich eine kleine Bar, mit Tienda. Hier hatte ich bereits im Jahre 2007 schon Mal meine Frühstückspause gemacht. Vor der Kirche sitz ein junger Mann und fertigt „Pau-Kreuze“ aus Holz an.

Er saß Gestern im Vorraum der „Albergue“ in „Santo Domingo“ und handelte dort mit seinen Kreuzen. Bis hier waren es bisher nur ca. 7 km, ich rufe zu Hause an und mache meine Frühstückspause mit Cafe con Leche und 1 Bocadilla. Dann geht es weiter, durch das hügelige Land, in Richtung „Redicilla el Camino“. Nach ca. einer ½ Std. passiere ich die Grenze der Province zu „Castilien“. Ich verlasse nun die „Rioja“ und bin 20 Min. später in „Redicilla del Camino“. Ab hier verläuft der „Camino“ parallel zur N-120. Weiter geht es nach „Castildelgado“. Es geht längs der N-120 weiter, bis es links abgeht, ins Dorf „Viloria de Rioja“. Hier wurde im 11. Jahrhundert der „hl. Domingo“ geboren. Ich durchwandere „Viloria de Rioja“ und gelange nach kurzer Zeit wieder auf die N-120. Es geht rauf und runter, in Richtung „Callemayor del Rio“. Das ist ein kleines Dorf ohne Bar, aber mit Pilgerbrunnen. Der hat nur einen Schönheitsfehler, das Wasser ist „no portable!“ - (nicht trinkbar).

Schon eine geraume Weile schmerzen mir die Füße. Ich habe die falschen Socken mit. Sie bilden unter dem Fußballen eine Wulst und diese drückt und schmerzt. Es wird Zeit, dass ich nach „Belorado“ komme und mir neue Socken kaufe. Aber erst Mal geht es weiter durch die Hügellandschaft. Im Grunde genommen geht es aber stetig nur bergauf.

Dann ist schon von weitem die „Albergue a-santiago“ am Ortseingang von „Belorado“ zu sehen. Das erste Etappenziel ist um 12.3o Uhr erreicht. Ich nehme mir hier ein Einzelzimmer in der Albergue. Jetzt schnell die Schuhe aus und duschen. Dann Wäsche waschen, die Füße mit Voltaren-Salbe bearbeiten und ausruhen.

Gegen 15.3o Uhr gehe ich in die Stadt. Die Füße fühlen sich gut an und schmerzen nicht mehr. In der Calle Hipolito Lopez Bernal, sehe ich das Pferd einer jungen Frau stehen, die schon in „Santo Domingo“ in der „Albergue Confradia de Santo“ mit ihrem Pferd übernachtete. Sie reitet über den Camino Francis. Auf meinem weiteren Weg, werde ich sie noch mehrmals sehen.

Nun muss ich aber Socken kaufen, Abendessen einkaufen und zurück zur Albergue. Vorher möchte ich noch einen Blick in die Kirche, an der Plaza Mayor „Iglesia de San Pedro“ werfen, denn sie ist offen und man kann sie besichtigen. Hier kann ich auch ein paar Kerzen anzünden, was nicht immer möglich ist.

Viele Kirchen sind geschlossen und an Stelle der Kerzen, stehen in der Regel Automaten in den Kirchen. In die kann man Geld einwerfen und dann gehen kleine elektrische Lämpchen an. Nicht besonders schön, denn sie heben extrem den Kommers in den Fordergrund.

Zum Abendessen habe ich mich nach draußen, vor die Albergue gesetzt, denn die Sonne scheint mittlerweile auch. Nur weht ein etwas kühler Wind um die Ecke. Also Jacke anziehen.

Es war heute die erste Etappe, mit einer Länge von 22 km. Das Wetter war gut, mir geht es gut und der Rucksack stört mich überhaupt nicht. Ich fühle mich sehr gut. So kann es weitergehen! Jetzt ist es 21.3o Uhr, ich bin mit meinem Tagebuch fertig, packe noch schnell meinen Rucksack für morgen vor und dann ist der heutige Tag zu Ende.