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18. Etappe:
von „Belorado“ nach „San Juan de Ortega“
und weiter nach „Ages“ 28,6 km
Samstag, den 20.09.2008

 

Ich verlasse die „Albergue a-santo“ um 07.oo Uhr und gehe meinen Weg.

Heute hätte ich schon um 06.oo Uhr abgehen können, denn der Mond scheint und spendet soviel Licht, dass ich problemlos die gelben Pfeile sehen kann. Es ist wolkenlos, aber es ist noch sehr kühl, so früh am Morgen. Nach 500 m komme ich an der „Iglesia Santa Maria“ und einer anderen „Albergue“ vorbei, in der auch schon Aufbruchstimmung herrscht, denn die Rucksäcke stehen vor der Türe. Gleich dahinter überquere ich, nach links, die Brücke über den „RioTiron“.

Danach geht es rechts, die „Calle Hipolito Lopez“, an der „Albergue Cuatro Cantones“ vorbei, bis zum Stadtrand. Es geht auf der Straße weiter. Wieder über eine Brücke, über den „Rio Tiron“. Hier wurde für die Pilger eine stabile Holzbrücke neben die Steinbrücke gelegt, über die ich nun gehe.

Und weiter führt mich der Weg, in Richtung „Tosantos“. Von dort geht es durch das Dorf „Vilambista“ welsches fast ganz verlassen ist.

An der Kirche vorbei, komme ich an einen Brunnen. Auch hier steht, wie an vielen Brunnen, „no portable“ ( kein Trinkwasser ). Das steht in diesem Jahr leider an vielen Pilgerbrunnen.

Über einen Feldweg erreiche ich dann wieder die N-120 und gehe dann, nach kurzer Zeit links ab, in das Dorf „Espinosa del Camino“. Das Dorf durchquere ich auf der Dorfstrasse. Dann geht es auf einer Piste weiter. Wie schon so oft, wandere ich wieder durch abgeerntete Felder. Hier komme ich an der „Ruinas Monastero S. Felix“ vorbei. ( Die Reste einer Klosterkirche ) Nach ca. 2,5 km treffe ich dann wieder auf die N-120, an der ich rechts längs laufe, nach „Villafranca Montes de Oca“.

Direkt am Ortsanfang, etwas zurück gelegen von der N-120, ist eine Bar. Auf die steuere ich zu. Es wird Zeit, Frühstück zu halten. Da schönes Wetter ist, kann ich dabei sogar draußen sitzen. Schnell sind alle Tische und Stühle besetzt. Heute habe ich echte Probleme, so richtig in Gang zukommen. Darum mache ich hier, nach bereits 12 km zurück gelegter Strecke, der heutigen Etappe, eine etwas längere Pause.

Nach gut 40 Min. fühle ich mich wieder fit und gehe weiter. Der Weg führt jetzt rechts, an der Kirche „Iglesia de Santiago“ vorbei und dann steil hoch, zum Dorf hinaus. Danach geht es nach links, auf einen schmalen und auch sehr steilen Bergpfad. Bald wird es dann etwas flacher. Auf einem etwas breiteren Weg komme ich dann hinauf, in die „Montes de Oca“.

Nach gut ½ Std. erreicht man einen Rastplatz, auf 1080 m Höhe. ( area de descanso ) Auch hier hängt das Schild am Brunnen „aqua no portable“. Weil das nun leider immer öfter vorkommt, ist es wichtig, immer an den Brunnen, an denen das Schild „no portable„ nicht vorhanden ist, also das Wasser ohne Bedenken getrunken werden kann, die Trinkflasche immer wieder zu füllen.

Das ist wichtig, damit Sie immer das Wasser, was der Körper bei diesen anstrengenden Aufstiegen ausschwitzt, wieder hinzu trinken können und müssen. Das ist sehr wichtig.

Von hier aus kommen wir, innerhalb einer ½ Std. zum höchsten Punkt, auf 1162 m. Höhe. Wieder mal habe ich eine Antenne, auf einem Berg erreicht, die ich schon vor Std. aus der Ferne gesehen hatte. Etwas weiter, erreiche ich das Denkmal der erschossenen Republikaner, des Befreiungskrieges von 1936.

Die Inschrift auf dem Denkmal lautet:
„Nicht der Tod war unnötig, sondern ihre Erschießung.

Mögen sie in Frieden ruhen“.

Hier, auf dieser Feuerschneise, hat man einen Rastplatz für Pilger angelegt. Meine Gedanken, mich hier für ein paar Minuten hinzusetzen, um meine schweren Beine auszuruhen, verwarf ich, da es hier gleich steil abwärts geht, in eine tiefe Schlucht, über einen Bach, den ich auf einer alten Holzbrücke überquere. Er ist jetzt, wie einige andere Bäche auch, ausgetrocknet.

Dahinter geht es wieder steil bergauf und oben angekommen, wollte ich dann eine Rast einlegen. Das war ein Fehler. Es ist 11.25 Uhr, ich gehe also abwärts, über den ausgetrockneten Bach und wieder hinauf. Um 12.15 Uhr habe ich die Hochebene erreicht, auf der ich nun in Richtung „San Juan e Ortega“ wandere.

Plötzlich finde ich mich auf dem Boden wieder. Ich hätte es wissen müssen. Im vergangenen Jahr ist es mir schon mal passiert, dass ich meine Kräfte überschätzt habe und nicht auf die Signale aus meinen Körper geachtet habe. Wenn man merkt, dass man die Füße nicht mehr so richtig heben kann, oder die Beine schwer werden, muss man eine Pause einlegen. Es rächt sich sonst bitter, denn dann liegt man plötzlich im Dreck.

Als es passierte, standen gleich ein paar Mit-Pilger bei mir, um mir zu helfen. Da nichts Großes geschehen war, zog ich dann, nachdem ich meine Klamotten gesäubert hatte, weiter und erreichte gegen 13.3o Uhr „San Juan de Ortegea“.

Auf dem Vorplatz der „Albergue“ von „San Juan de Ortega“ herrscht ein großes Gewimmel. Er ist voll belegt von Pilgern, die darauf warten, dass die „Albergue“ geöffnet wird. Tatsächlich erscheint dann auch ein junges Hospitalero - Ehepaar und öffnet die „Albergue“. Als wir im Mai, in „Pamplona“, in der „Albergue Paderborn“ waren, sagte uns der Hospitalero, dass er heute die Mitteilung erhalten habe, dass die „Albergue“ in „ San Juan de Ortega“ geschlossen sei.

Der Pfarrer von „San Juan de Ortega“, - „Don Jose Maria Alonso“ führte mit seiner Schwester die „Albergue in einem alten Kloster“. Er handelte wirklich im Sinne Ortegas, der in den Oca Bergen Brücken und Straßen baute. Der schon als Schüler Domingos, einer der großen Förderer des Jakobsweges war. So baute er auch die „Iglesia de San Nicolas“ und das dazu gehörende Kloster. Hier betreute er die Jakobspilger. In seinem Sinne betreute nun „Don Jose Maria Alonso“ seinerseits die Pilger persönlich, wie ich es bereits im Juni 2007 selbst feststellen konnte. Ende Februar 2008 verstarb „Don Jose Maria Alonso.“ weit über 80jährig.

Der ganze Gebäudekomplex ist stark verfallen, wird aber z.Z. umfangreich, wie so vieles am Jakobsweg, saniert. In seiner Kirche ereignet sich 2-mal im Jahr zur Tages und Nachtgleiche das Lichtwunder „Milagro de la Luz“.

Es gilt als eine architektonische Meisterleistung. Zum entsprechenden Zeitpunkt fällt ein Sonnenstrahl, für ein paar Minuten, auf das Kapitell links vom Altar, das die Weihnachtsgeschichte, von der Verkündigung bis zu den hl. Dreikönigen darstellt.

Dies findet in der Zeit um den 21. März, gegen 18.oo Uhr und im September um den 22. um 19.oo Uhr statt. Aber nur, wenn die Sonne scheint. Durch den Tod von „Don Jose Maria Alonso“ war tatsächlich die „Albergue“ für kurze Zeit geschlossen. Ich habe mir die Kirche noch einmal angesehen und stellte dabei fest, dass man dabei ist sie wieder schön zu renovieren.

In der Bar, vor der Kirche, mache ich eine längere Pause, um dann weiter zu wandern, nach „Ages“. Gegen 14.3o Uhr wandere ich auf einem schönen, breiten Wanderweg weiter, in Richtung „Ages“ Um 15.15 Uhr habe ich den heutigen Etappenzielort erreicht und bekomme mein Bett in der „Albergue San Rafael“. Nun wieder das alltägliche Programm. Duschen, Wäsche waschen usw. Danach 1 Std. Fußpflege und ruhen.

Es gibt im Haus um 19.3o Uhr Pilgermenue. Am Nachmittag sitze ich vor der „Albergue“ in der Sonne. Der Sohn des Hospitaleros kommt heraus. Ich schätze ihn auf etwa 8 Jahre. Er bringt einen alten Lederball mit heraus, lässt ihn, sobald er draußen ist, fallen und schießt mit voller Wucht auf die gegenüber liegende Hauswand. Leider befindet sich auch ein Fenster in dieser Wand und wie es dann kommen muss, er trifft es und es klirrt.

Hier, in dieser Strasse, sind mehrere „Albergues“ nebeneinander. Auch hier sitzen die Pilger in der Sonne. Nun der kleine Fußballer bekommt zuerst einen roten Kopf, schaut sich dann verschämt um, nimmt seinen Ball vom Boden auf, dreht sich langsam um und geht zurück ins Haus. Und ward nicht mehr gesehen.

Ich hatte, wie jeden Tag, zu Hause angerufen und Helga von meinem Missgeschick erzählt, als ich meine Pause in „San Juan de Ortega“, in der Bar machte. Zur Vorsicht hatte ich aber nur die halbe Wahrheit erzählt. Ich hatte ihr verschwiegen, dass ich mir bei dem Sturz, über dem Auge, eine blutende Wunde und ein blaues Auge geholt hatte. Auch dass meine Brille total verbogen war. Da ich sie ja kenne, gab sie mir einen Haufen guter Ratschläge mit auf den Weg. Ein Glück, dass sie nur die Hälfte wusste. Sie hätte mich sonst, auch wenn es nichts bewirkt hätte, zurück beordert. Bei meinem Anruf am Abend, hatte sie bereits alles, brühwarm, meinen Töchtern und meinen Enkelkindern erzählt. Sie konnte es einfach nicht für sich behalten.

Na – ja, sie macht sich halt Sorgen

Meine linke Hand verkrampft sich auch wieder, so dass ich nichts Kleines anfassen kann. Gitarre spielen geht überhaupt nicht. Ich kenne das Gefühl schon von Früher her. Es kommt vom Rucksack, der offenbar an der Schulter etwas abklemmt. Es dauert noch ein paar Tage, dann geht es wieder.

Während ich hier sitze und das Tagebuch schreibe, reitet die junge Frau, mit ihrem Pferd, die Straße herauf und nimmt hier auch Quartier. Es war alles in allem ein schöner Tag mit viel Sonne, die in dieser Jahreszeit aber nicht mehr gerade so heiß wird.

28 km habe ich zurückgelegt. Nun rufe ich noch mal meine Weiber zu Hause an und dann ist Feierabend. Es ist jetzt 21.4o Uhr.

Morgen ist ein neuer Tag und die Etappe geht über 33 km bis „Tardajos“.