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20. Etappe:
von Tardajos nach Castrojeriz 29 km

Montag, den 22.09.2008

 

Heute Morgen lasse ich mir Zeit.

Denn beim ersten Blick, aus dem Fenster, sehe ich Blitze und Wetterleuchten über der Meseta und denke: „Da ich dort heute hinein gehe, dass wenn es dort ein Gewitter geben sollte, dann bevor ich dort hin komme“.

Gegen 07.oo Uhr hat sich das Gewitter nach „Burgos“ hin verlagert, denn dort blitzt es jetzt. So ziehe ich los. Wolken und Mondschein lösen sich in kurzer Reihenfolge ab. Nach einer ½ Std. habe ich das nächste Dorf „Rabe de las Calzadas“ erreicht. Ich gehe durch das Dorf. Rechts über die schöne Plaza, dann an der Kirche vorbei und der schönen „Albergue Virgen de la Guia“. Der Weg geht an der Kapelle „Nuestra Senora del Monasterio“ vorbei wieder zum Dorf hinaus, in die Berge. Es geht stetig bergauf, vorbei an Stoppelfeldern, durch eine hügelige Landschaft, bis auf die Höhe des „Matamolus“ auf 950 m. Danach geht es wieder steil bergab, in das Tal des „Rio Hormazuelas“. Ich überquere den Fluss und eine Landstraße, um dann in das Dorf „Hornillos del Camino“ hineinzuwandern.

Hier gibt es eine Tienda, die Einzige bis „Castrojeriz “Hier muss es aber warm sein, um hier zu übernachten, da die Sanitären Anlagen die Natur stellt, so auch das fließende Wasser, aus der Quelle. Ich hole mir hier nur einen Stempel in mein Credencial und dann ziehe ich um 12.15 Uhr weiter.

Es hat mittlerweile etwas geregnet, hat aber wieder aufgehört..Hier sollte man seine Verpflegung ergänzen, wenn man nicht bis Nun geht der Weg, über diese Landstraße, bis zum „Convento San Anton“, den man schon von weitem sieht. Die Landstraße führt durch einen Torbogen des Konvent. Unter dem Torbogen kann man rechts noch 2 Öffnungen sehen, durch die früher die Pilger mit Essen versorgt wurden. Im früheren Kloster, behandelte man hier an Lepra erkrankte Pilger. Es ist heute noch ein schöner beeindruckender Komplex, in dem im Innenhof eine rustikale „Albergue“ eingerichtet ist. Hier habe ich mir auch einen Stempel geholt und eine Pause eingelegt. Hier traf ich eine junge Hospitalera, die über den Jakobsweg ihre Doktorarbeit schreibt. Die „Albergue San Anton“ ist im Innenraum der Klosterkirche untergebracht. Es gibt kein warmes Wasser, keinen Strom und der Schlafteil ist nur mit einer Plane nach Außen abgehängt. Es ist sehr rustikal hier und auch nur bei warmem Wetter zu bewohnen, denn es kann jetzt nachts schon sehr kalt werden.

Darum ist die „Albergue“ ab Oktober geschlossen und öffnet erst im Mai wieder das Tor. Gegen 16.oo Uhr ziehe ich weiter. „Castrojeriz“ ist von hier aus schon zu sehen, ist aber noch 3,8 km bis Ortsanfang entfernt. Von dort aus ist es dann noch mal 1,5 km bis zur „Albergue San Esteban“, die ich um 17.15 Uhr erreicht habe und nur eine Matratze zugewiesen bekomme, die heute mein Nachtlager sein muss.

Auf dem Weg vom „Convento San Anton“ nach „Castrojeriz“, auf der Landstraße, sieht man, dass die Landschaft immer öder und farbloser wird. Rechts vor „Castrojeriz“, das sich schön an den Berg schmiegt, steht die Stiftskirche „Santa Maria del Manzano“, die natürlich auch nicht zu besichtigen war. Sie war verschlossen. Hoch über ihr thront die Burg.„Catrojeriz“ gehen will und im nächsten Dorf „Hontanas“ einkehren möchte. An der Tienda ist ein Schild angebracht, auf dem angezeigt wird, dass es noch 469 km bis „Santiago de Compostela“ sind. In der Tienda mache ich meine Frühstückspause, - wie immer, mit Bocadillo und Cafe con Leche. Draußen ist es zu kalt, so mache ich meine Pause in der Tienda. Hier bekomme ich auch einen Stempel in mein Credencial gestempelt. Danach geht es weiter, durch das Dorf und am Ortsende rechts ab, in die Hügel, in Richtung „Hontanas“. So weit das Auge reicht, nur abgeerntete Felder. Alles grau in grau. Das Wetter ist auch nicht berauschend. Es kann jeden Moment anfangen, zu regnen.

Hin und wieder fällt schon mal ein Tropfen Regen. Es geht stetig aufwärts, bis auf ein Plateau, von dem ich dann hinuntersteige, in das Tal des „Rio San Bol“. Hier steht etwas, abseits des Weges, im Tal, bei einer Quelle. Eine kleine Notunterkunft, die nicht besonders gut, im Wanderführer, wegkommt. In 2007 bin ich auf dem Hauptweg weiter gegangen. Jetzt möchte ich mir die „Albergue“ von „San Bol“ ansehen.

Ich mache einen kleinen Umweg und dann sehe ich die „Albergue“. Es ist eine kleine, aber schön gelegene „Albergue“, mit einer großen Zeltwiese daran. Sogar mit Schwimmbad und Quelle. Am Gebäude wurde von Außen mit Anbauten begonnen. Wahrscheinlich entstehen hier die unbedingt erforderlichen Toiletten. Es gibt dort keinen elektrischen Strom. Der Schlafraum ist klein, mit nur wenigen Doppelstockbetten, aber schön. Es geht weiter, über die Hügel und stetig aufwärts auf ein Hochplateau. Hier ist wieder, so weit das Auge reicht, nichts anderes zusehen, als abgeerntete Stoppelfelder. Zwischendurch schon mal ein Steinhaufen. Doch sonst alles grau in grau.

In den Pyrenäen waren die Dörfer, wegen der Sicherheit, oben auf die Hügel gebaut. Hier in der Meseta stehen die Dörfer in den Senken, wegen des kalten Windes, schmiegen sie sich hier in den Talsenken, an die Hänge. So sieht man die Dörfer erst, wenn man kurz davor ist. Plötzlich taucht dann auch „Hontanas“, an der Kante des Hochplateaus, auf.

Es geht steil hinab, in die lange Dorfstrasse. An der Kirche ist eine Bar. Hier mache ich eine lange Pause, denn ich muss noch ein paar km laufen, bis „Castrojeriz“. Langsam trudeln auch die Mitpilger ein, die in „Tardajos“ in der „Albergue“ waren. Das Wetter ist auch noch gut geworden und die Sonne scheint. Ich kann draußen, in der Sonne sitzen. Um 14.15 Uhr setze ich meinen Weg auf der Dorfstrasse fort. Überquere die Landstraße und gehe auf Feldwegen, an Mauerresten und Ruinen vorbei, bis ich wieder auf die Landstraße komme. Mit dem „Convento San Anton“ und dem Pilgerdorf „Catrojeriz“ ist das „Tau-Kreuz“ verbunden.

Es wurde von den Mönchen als Erkennungszeichen getragen und wurde mit der Zeit zum „Cruz del Peregrino“ ( Kreuz der Pilger ). „Catrojeriz“ ist eines der längsten Dörfer am „Camino“. Ich gehe auf der „sirga peregrinale“, den Pfeilen folgend, bis zum „Plaza Mayor“, an deren Ende rechts die neue „Albergue San Esteban“ in den Resten der Kirche „San Esteban“ eingerichtet wurde. Im Dorf gibt es die „Iglesia de Santo Domingo“ und am Ortsende befindet sich die „Iglesia de San Juan“. Etwas außerhalb, auf der anderen Straßenseite, befindet sich der „Convento de Santa Clara“. Ich bin froh, als ich die „Albergue San Esteban“ in „Catrojeriz erreicht habe und weiß, wo ich schlafen kann. Denn ich habe gewaltige Probleme, mit meinen Füßen. Die Blase unter dem linken Fußballen ist so groß, dass das größte Blasenpflaster nicht ausreicht, um sie abzudecken. Ich klebe also 2 Pflaster darüber. Am mittleren Zeh, des gleichen Fußes, habe ich eine blutende Verletzung. Am rechten Fuß habe ich eine Blase, am kleinen Zeh.Dazu kommt noch, dass mein rechtes Schienbein angeschwollen ist und schmerzt.

Dann ärgert mich der kleine Finger, an der linken Hand. Er ist bis zur Hälfte blau rot angelaufen und das Nagelbett sieht nicht gut aus. Dann spüre ich auch meinen Wolf von gestern noch. Alles in Allem geht es mir also nicht so besonders. Es hilft aber alles nichts, ich muss noch mal ins Dorf, um etwas zum Abendessen einzukaufen. Jetzt heißt es, auf die Zähne beißen und weiter geht es. Meine Wäsche, die ich vorher gewaschen habe, wird nicht mehr trocken, denn es hat angefangen zu regnen. Nachdem ich auf der Terrasse, mangels Aufenthaltsraum, im Regen gegessen habe, wird es auch schon Zeit, in den Schlafsack zu kriechen. Es ist 22.oo Uhr, das Licht geht aus.

Heute war ein schwerer Tag für mich.Ich habe mit Problemen zu kämpfen, die ich bisher nicht kannte. Ich habe heute 29 km, mit meinen wunden Füßen zurückgelegt. Das hätte ich heute Morgen nicht für möglich gehalten.

…Geht doch !