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21. Etappe:
von Catrojeriz nach Fromista 25 km
Dienstag, den 23.09.2008

05.3o Uhr, ich bin schon lange wach.
Meine Füße machen mir Sorgen.

Die bange Frage: „Bekomme ich meine Schuhe an?“Meine Füße schmerzen nicht mehr, so dass sie mich nicht mehr behindern.

Doch das rechte Schienbein schwillt jetzt wieder an und schmerzt sehr. Ich komme auf meinem Weg an einem Rastplatz, an der Quelle „Fuente El Piojo“ vorbei. Hier steht ein Spanier, mit seinem Fahrzeug und bietet, auf Spendenbasis, Frühstück an. Ich genehmige mir hier einenAber dann kommt es und ich staune nicht schlecht. Es besteht aus einem ½ Meter Baguette, aber doppelt so dick wie ein handelsübliches.

Und wie das Ding belegt ist! - Jede Menge Käse und Schinken. 

Wer soll das alles essen? Kommen noch ein Paar? 

Nach einer guten ½ Std. ist es gegessen und ich ziehe, nun gut gestärkt, weiter.Die „Messeta“ hat uns ganz aufgesogen. Ich bewege mich jetzt durch eine ziemlich trostlose Landschaft, aus der alle Farbe verschwunden ist.

ja sogar die Häuser, die hier zum großen Teil aus Lehm gebaut sind, alles hat die gleiche, braun – gelbe, schmutzige Farbe. Es sieht zeitweise aus, wie in einer Wüste.Vereinzelt blühen kleine Blumen und sonst nichts. Sogar die Disteln, die hier bis zu 2 m hoch wachsen, sind verdorrt. Cafe con Leche.´Danach erreiche ich auf meinem Weg, vor einer mittelalterlichen Brücke, über den „Rio Pisuerga“, die „Ermita San Nicolas“. Diese alte Kirche wurde von Italienern zu einer „Albergue“ umgebaut. Sie wird von der „Jakobsbruderschaft von Perugia“, von Freiwilligen, nach einer sehr alten Tradition geführt.

Von hier sehe ich in das Tal des „Rio Pisuerga“ hinein. Im Norden sieht man „Cordillera Catabria“. Hier beginnt nun ein steiler Abstieg, der dann später etwas flacher wird. Im Rücken habe ich den „Alto de Mostelares“, den ich gerade verlasse und vor mir liegt jetzt das Tal des „Rio Pisuerga“ komme und „Palencia“. Gestern sah ich noch ein paar Frauen, die das gleiche Problem hatten, wie ich. Sie humpelten, genauso wie ich. Der Fluss bildet die natürliche Grenze zwischen den Provinzen „Burgos“, von wo ich durch den Supermarkt. Ich stehe jetzt auf, denn ich kann doch nicht mehr schlafen. Unter stöhnen und höllischen Schmerzen ziehe ich meine Wanderschuhe an. Um 06.3o Uhr Abmarsch. Es ist die Hölle, geht aber seltsamer Weise mit jedem Schritt besser.

Ich wandere auf der „Sirga peregrinale“ aus „Castrojeriz“ hinaus, überquere dann die Landstraße und gehe, auf einer breiten Piste, auf den nächsten Berg zu. Ich bin früh weg und es ist noch dunkel. Darum benutze ich meine Taschenlampe, um mich nicht zu verlaufen. Ich humpele hier noch alleine auf den Tafelberg zu. Bald geht es steil nach oben, auf die Hochebene des Tafelbergs.

Langsam kann ich schon wieder fester auftreten. Die Schmerzen lassen langsam nach. In der Hälfte des Aufstiegs, auf den Berg, sehe ich, weit hinter mir, die Taschenlampen der Nachfolger, die dem Berg zuströmen. Um 08.oo Uhr ist es fast hell und ich habe die Höhe erreicht.Nun geht es noch ca. 500 m über die Hochebene, bis an den Rad dieses Plateaus.„Vor dem Abendessen, welches gemeinsam eingenommen wird, nehmen sie an den Pilgern die Fußwaschung vor und waschen den Pilger einen Fuß.“Ich wandere nun über eine Brücke und gehe dann rechts, am „Rio Pisuerga“ entlang. Bald danach, gelange ich nach „Itero de la Vega“. Hier mache ich eine richtige Frühstückspause. Ich bestelle mir 1 Bocadilla und 1 Cafe con Leche. Der Cafe con Leche kommt sofort, das Bocadillo dauert etwas länger.

Das Wetter ist gut, meine Beine kann ich aber mittlerweile wieder vergessen. Nach der Pause geht es, zumindest für eine gewisse Zeit,etwas besser. Hier weht jetzt ein eisiger Wind über die Felder. So wandere ich langsam, aber stetig, auf den „Otero Largo“ - 857 m, von dem ich dann hinab, nach „Boadilla del Camino“ komme.

Am Ortseingang stehen vereinzelte Lehmbauten, die schon halb zerfallen sind. Etwas weiter gibt es eine neue „Albergue“. Hier muss ich eine weitere Pause einlegen. Ich will heute noch nach „Fromista“. Die jungen Hospitaleros, die diese „Albergue“ führen, schauen etwas betreten drein, da die Pilger, in Scharen, an ihrem Haus vorbei ziehen und nicht hinein kommen. Ich sitze hier etwa eine ½ Std., in der kein weiterer Pilger einkehrt, obwohl der eine, von beiden Hospitaleros, den Pilgern freundlich zuwinkt und zur Pause auffordert.

Vielleicht liegt es aber auch an der viel zu lauten Musik, die hier aus den Boxen dröhnt.

So schauen sie mir auch traurig hinterher, als ich weiterziehe.

Im vergangenen Jahr habe ich hier in einer Muster Herberge mit Swimmingpool und wunderschönem Innenhof übernachtet. Ich sehe mir jetzt hier, nur noch einmal die „Gerichts-Säule“ den ( Pranger ) an. Die Kirche „Nuestra Senora de la Asuncion“ ist auch geschlossen. Dann eben nicht! So ziehe ich langsam weiter.Gleich hinter „Boadilla del Camino“ führt mich der Weg auf den alten Treidelweg, längs des Kanals von Kastilien. Hier wurden, in früheren Zeiten, die Lastkähne, in denen das Getreide zum Meere transportiert wurde, von Eseln gezogen.

Es wurden damals bis zu 400 Kähne, am Tag, auf den Kanälen zum Atlantik gezogen. Heute dient er nur noch zur Bewässerung der Felder.

Nach ca. 1 Std., entlang des Kanals, erreiche ich eine alte Schleuse, in der die Kähne 14 m in der Höhe versetzt wurden.

Der Weg geht dann hier, rechts über die Schleusentore weiter, in Richtung „Fromista“. Jetzt ist es nur noch ca. 1 km bis zur städtischen Herberge. Hinter der „Iglesia de San Martin“, die gerade renoviert wurde und die natürlich, - wie sollte es auch anders sein, - auch zu war, befindet sich die „Albergue Municipal Fromista“.

Hier bekomme ich ein Bett, in einer Nische, auf dem Flur, im Ober-Geschoss, in der 2 Doppelstockbetten stehen. EGAL! - Endlich Entlastung für meine Füße und Beine.Ich habe es wieder einmal geschafft.

Nach dem ich meine täglichen Arbeiten verrichtet habe und etwas die Beine hoch lege, gesellt sich Jenny zu mir. Jenny kommt aus Leipzig und hat, gelinde gesagt, ein paar Pfund zuviel. Sie ist aber guten Mutes, auch wenn es schwer ist, wie sie sagt, das Ziel „Santiago de Compostela „ zu erreichen. Trotz meiner wunden Füße, hält es mich nicht lange in der Waagerechten.

So gehe ich in die Stadt, zur „Iglesia San Pedro“, dann gibt es hier noch die „Iglesia de Santa Maria del Castillo“. Diese Kirche wurde aufgegeben. Um 22.oo Uhr geht das Licht aus.

Ich habe auch diese Etappe, von 25 km, geschafft.