.

Sidebar


Startseite

24. Etappe:
von „Teradillos de los Templarius“ nach „El Burgo Ranero“ 30,5 km
Freitag, den 26.09.2008

Frühmorgens Abmarsch


Heute Nacht hat es stark gestürmt. Doch bis zum Morgen hat sich der Sturm schon wieder etwas abgeschwächt. Es ist aber immer noch stark windig. Um 06.45 Uhr verlasse ich die „Albergue Jacques de Molay“ von „Terradillos de los Templarius“ und nehme meinen Weg wieder auf.

Es ist sehr kühl, an diesem Morgen, aber das richtige Wetter zum marschieren. Mein linker Fuß und das rechte Schienbein schmerzen sehr. Ich brauche ca. 2 Std. um mich einzulaufen und bis die Schmerzen etwas erträglich werden. Auch meine Unterlippe ist geschwollen, so dass ich gestern, beim Pilgermenue, kaum in der Lage war, aus dem Glas, den Wein zutrinken. Hinzu kommt noch, dass ich mich etwas erkältet habe.

Ich habe so langsam meine Schwiegereltern, im Himmel, im Verdacht. Es kann ja sein, dass sie von da oben glauben, ich würde Helga verlassen. Jetzt versuchen sie, mich am Weitergehen zu hindern, in dem sie mir alle möglichen Wehwehchen verpassen.

Ich habe heute, auf meinem Weg, versucht ihnen zu erklären, dass ich mich zwar mit jedem Schritt, den ich mache, von Helga entferne, aber dass ich auch, mit jedem Schritt ihr wieder näher komme. Ich habe ihnen gesagt, dass ich ja selber froh bin, wenn ich wieder zu Hause, bei ihr bin. Also Opa Josef und Oma Gretchen, lasst mich in Ruhe meinen Weg gehen, ihr könnt mich damit nicht aufhalten. Ihr solltet doch eigentlich am Besten wissen.
Helga und ich gehören zusammen und bleiben das auch!

In ca. 45 Min. habe ich den nächsten Ort „Moratinos“ erreicht. Im vergangenen Jahr war, hinter „Maratinos“, von privaten Leuten, eine Verpflegungsstation eingerichtet worden, an der man sich bedienen konnte. Es gab Kaffee, Milch, Fruchtsaft. Obst, Schokoriegel, Mars und andere Snacks. Alles auf Spendenbasis. Diese Station ist heute leider nicht da.

So gehe ich, ohne Kaffee weiter, in Richtung „ Sahagun“. Der Weg geht auch hier, immer an der N-120 entlang. Dann weiter, durch „San Nicolas“, bis vor eine Brücke, über den „Rio Valderaduey“, 

die ich jetzt überquere und wo ich dann rechts am „Rio Valderaduey“ entlang weiter gehe, bis zu einer weiteren schönen, mittelalterlichen Brücke, wieder über den „Rio Valderaduey“, unmittelbar an der „Virgen del Puente“.

Hier führt mich der Weg dann zurück zur N-120, die ich nun mal wieder überqueren muss und jetzt ins Industriegebiet von „Sahagun“ hineingehe, um etwas später nach „Sahagun“ – Centrum zu gelangen.
Um 09.4o Uhr bin ich in „Sahagun“ angekommen. Jetzt aber in die nächste Bar und Frühstückspause. Ich überquere eine Brücke, gehe dabei über die Eisenbahnschienen und etwas später dann nach rechts, an der „Albergue Viatoris, Travesia del Arco“ vorbei. Diese „Albergue“ ist im orientalischen Stil erbaut. Sie ist zumindest von außen, sehr schön errichtet.

Die Bars sind jedoch leider noch alle zu. Bei der Suche, nach einer offenen Bar, komme ich an der „Albergue de Peregrinos de Cluny“, in der „Iglesia de la Trinidat“ vorbei. Hier ist auch die Touristeninformation untergebracht. In einer Nebenstraße ist dann endlich eine Bar geöffnet. Leider war aber in dieser Bar totaler Stromausfall und somit kein heißes Wasser für den Cafe con Leche vorhanden. Also wieder ohne Frühstück weiter. Doch dann stehe ich doch vor einer weiteren Bar, die auch schon offen ist und ich bekomme meinen ½ m Bocadillo und den heißen Cafe con Leche.

Alle Mitpilger, die mittlerweile aufgelaufen sind, sind ebenfalls auf der Suche, nach einer Cafe-Bar und laufen fast vorbei. So ist die Bude innerhalb von nur 10 Min. rappelvoll.

Nach 1 Std. ist die Bar wieder leer und auch ich mache mich wieder auf den Weg. Diese Pause war sehr erholsam für meine Füße und weiter geht es durch die Stadt. In der Stadt selbst, kommt man zur Plaza Major (Hauptstrasse), die sehr schön angelegt ist. Über diese Hauptstraße, am Torbogen von „San Benito“ vorbei, verlässt man dann auch die Stadt, nach dem man über die Brücke „Puente del Canto“ den „Rio Cea“ überquert hat. Nun führt der Weg wieder parallel, an der Straße N-120 entlang. Auf der rechten Seite geht man an der Kapelle Ermita: „San Roque“ vorbei, bis zu einer Weggabelung, an der man wieder entscheiden muss, welchen Weg man weiter gehen will. Ich gehe nach links, in Richtung „Bercianos del Real Camino“. Es ist ein schöner Weg, der von Bäumen gesäumt ist, die Schatten spenden und mit Rastplätzen für Pilger.

Willi, den ich schon in „Santo Domingo“ kennen lernte, wählt die Alternative und geht den Weg nach rechts. Wenn er nicht ständig hinter einer Dänin herläuft, wird er erst in „Religos“ wieder mit uns zusammen treffen. Möglich, dass es eine Unstimmigkeit gegeben hat, denn die Dänin geht mit mir, geradeaus weiter. Nachdem ich die Ermita: „de Perales“ passiert habe und über den „Rio Arroyo del Coso“ gegangen bin, habe ich „Bercianos del Real Camino“ erreicht. Gegen 13.3o Uhr habe ich die Pfarr-Herberge „Virgen de Perales“ erreicht. Diese Albergue wurde im Jahre 2007 von zwei deutschen Frauen, als Hospitaleras betreut und geleitet. Ich wollte ihnen nur „guten Tag“ wüschen und dann weiter gehen, nach „El Burgo Ranero“ das heute mein Zielort ist.

Die „Albergue“ wird von einer spanischen Hospitalera geführt. Ich mache eine kurze Pause. Elfriede, die mich in der Meseta überholt hatte, steht oben am Fenster und sieht mich kommen. Sie ruft durch das Haus: „Willi kommt“. Fast alle, die zu dem Zeitpunkt in der „Albergue“ waren,

hatte ich dorthin geschickt, weil es ein schöner Lehmbau ist und gut betreut wird. Elfriede hatte aber nicht mitbekommen, dass ich dann noch weiter gezogen bin. Hinter „Leon“ trafen wir uns aber, in der der „Albergue“ wieder. Jetzt ging dann natürlich die Fragerei los: „Wo ich geblieben wäre. Man hätte schon auf mich und meine Gitarre gewartet. Na ja, - ich habe mir meinen Stempel ins Credencial stempeln lassen, die Hosenbeine abgezippt, denn es war schon schön warm geworden und dann bin ich weiter auf meinem Weg.

Noch 7 km dann bin ich am heutigen Ziel. Um 16.oo Uhr habe ich die „Albergue El Burgo Ranero“ erreicht. Ein schöner, zweigeschossiger Bau, aus Lehmziegel, im Stil der Tierra de Campos. Hier bekomme ein Bett.

Wir haben noch schönes Wetter. Es weht nur ein eisiger Wind über die Meseta. In unmittelbarer Nähe ist noch eine priv. Herberge, die auch schon voll ist. Hier treffe ich viele Pilger wieder, die mir unterwegs schon einmal begegnet sind. Es ist überhaupt festzustellen, dass in diesem Jahr, viele Frauen einzeln oder in Gruppen unterwegs sind. Dann sind auch eine ganze Anzahl Ehepaare auf dem Weg. Als Mann alleine, bin ich schon Mangelware.

Ich bin froh, wenn wir „Leon“ erreicht haben, denn die „Meseta“, durch die wir jetzt schon tagelang wandern, seit wir „Burgos“ verlassen haben, sieht überall gleich aus. Alles nur in Lehmfarben.Heute habe ich noch 2 Störche gesehen. Sonst sind bereits alle Nester leer und die Störche schon weg. Hier ist eine kleine Tienda, in der ich mir etwas zum Abendessen kaufe. Dann folgt noch das allabendliche Tagebuch schreiben und auch dieser Tag geht zu Ende