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25. Etappe:
von „El Burgo Renero“ nach „Vilarente“ 25 km
Samstag, den 27.09.2008

 

 Ich mache heute im Haus noch Frühstück und ziehe dann gegen 06,45 Uhr los. Seit einigen Tagen komme ich morgens nicht gut weg. Ich erwische mich dabei, dass ich jede Möglichkeit war nehme, den Abmarsch hinaus zu zögern.

Ob es nun an meinen wunden Füßen liegt oder daran, weil ich sowieso das Gefühl habe, über den Jakobsweg zu schlendern und nicht, wie im vergangenen Jahr, von einer Herberge zur Nächsten zu hetzen.

Auch das sichere Gefühl, dass ich es bis „Santiago de Compostela“ schaffe, da ich ja schon zum 2. Mal auf dem Weg bin, trägt sicher mit dazu bei.

Nachdem ich das Dorf, nach wenigen Minuten, verlassen habe, geht der Weg wieder parallel zur N-120. Ich habe das Gefühl, der Weg zieht sich heute in die Länge. Es geht wieder nur durch eintönige Getreidefelder, bis dann endlich „Religos“, nach 13,5 km, auftaucht. Es wird aber auch langsam Zeit, Frühstückspause zu machen.

Dabei mache ich meinen täglichen Anruf, am Morgen, zu Hause. Hierbei bekomme ich dann von meiner Helga, die weitere Wegstrecke erklärt, denn sie hat den Wanderführer wohl auswendig gelernt. Sie begleitet mich, in Gedanken, als wäre sie hier bei mir, auf dem Weg.

Nach der Pause geht es wieder weiter, in Richtung „Mansilla de las Mulas“. Am Publikumsverkehr merke ich, dass die Pilger, die den Alternativ - Weg gegangen sind, jetzt wieder dabei sind. Am Weg hat sich nichts geändert, immer parallel an der N-120 entlang. Ab und zu sehe ich jetzt schon mal Baumgruppen, oder Sträucher. Das zeigt an, dass wir jetzt so langsam die „Meseta“ verlassen. Das Land verändert sich und ich sehe, in der Ferne, die Gebirge von „Kastilien“. Auf halbem Weg nach „Villarente“, ist eine große Brunnenanlage für die Pilger angelegt worden.

Hier fülle ich meine Wasserflasche noch einmal randvoll und weiter geht es, nach „Mansilla de las Mulas“. Am vorgelagerten Industriegebet, wird man von einem kleinen Gnadenbild und einer Gedenkstätte empfangen.

Auf der großen Kreuzung, bevor man in die Altstadt hinein geht, wurde ein schönes Pilgerdenkmal erbaut. Es zeigt eine Pilgergruppe, die sich am Fuß eines Pilgerkreuzes ausruht. Dann geht man hinein, in die Altstadt, an der „Iglesia Parroquial Santa Maria“ vorbei, auf die „Plaza Mayor“ (Hauptstrasse). Hier, in der Sonne, wird wieder eine ausgiebige Pause eingelegt. Bald treffe ich ein älteres Ehepaar wieder, welches ich schon auf dem langen Teilstück, von 16 km, hinter „Carrion de los Condes“ beobachtet habe.

Er ist ca. 1,85 m groß und Sie unter 1,70 m. Doch sie hat das Sagen und dirigiert ihn, wohin sie will. 

Hier auf der Plaza Mayor, ist auch eine Gruppe Radfahrer, aus Argentinien eingetroffen. Nachdem ich in der Tienda meinen Obstvorrat ergänzt habe und mir dazu 2 Dosen Cola gekauft habe, ziehe ich weiter. Am Stadtrand sehe ich noch Reste, einer imposanten Stadtmauer, die noch von den Römern erbaut wurde. Nun geht es wieder an der Landstraße entlang, über den „Rio Esla“, in Richtung „Villarente“.

Es ist aber jetzt die N-601, die auf Grund der Nähe von „Leon“ stärker befahren ist und somit die Idylle des einsamen Wanderns stört. PKW´s und Lkw´s rasen nur so die Straße hinunter.

So erreiche ich aber bald „Villamoros de Mansilla“. Ab hier führt der Weg direkt, auf dem Seitenstreifen, der N-601 entlang. Das ist bisher die unangenehmste Passage des „Jakobsweges“, da die Lkw´s, ohne Rücksicht, sehr nahe und mit hoher Geschwindigkeit, an den Pilgern vorbei donnern.

Noch ca. eine halbe Std. zieht sich der Weg an dieser Straße entlang. Dann erreiche ich einen Pilgerrastplatz, unmittelbar vor der „Puente Villarente“. Hier geht es über eine 300 m lange Brücke, über den „Rio Porma“ nach „Puente Villarente“, am Ende der Brücke, hinein.

Vor der Brücke begrüßt mich eine ältere Frau, die dort Brombeeren pflückte, die am Wegesrand standen, überschwänglich. Es handelte sich hierbei, um eine Pilgerin aus Ungarn, die mit ihrer Freundin unterwegs war. Die Freundin war bereits ein Stück weiter vor und wartete bereits ungeduldig auf sie.

Nach dieser herzlichen Begrüßung, gehe ich nun über diese lange Brücke, an der an der linken Seite, für Fußgänger ein Weg nur durch Geländer abgeteilt ist. An der ersten „Albergue“, rechts neben der Brücke, gehe ich noch vorbei. Sie sieht nicht so gut aus und wird auch im Wanderführer als nicht gut beschrieben.

Lieber gehe ich etwas weiter und dann nach rechts, etwas von der Hauptstraße weg. Jetzt noch nach links, auf einen kurzen Feldweg, hoch bis zur „Albergue San Palayo“. Sie befindet sich in einem alten Bauernhaus und ist sehr schön renoviert. Der Eingang ist Empfang und Aufenthaltsraum in einem. Rechts geht es in die ehemaligen Stallungen, die jetzt zu Schlafsälen umfunktioniert worden sind. In der Eingangshalle ist eine offene Treppe, die nach oben führt, wo ebenfalls noch Schlafräume und private Räume sind.

Gerade zu, geht man hinaus, in einen großen, weitläufigen Innenhof. Alles sehr großzügig und schön sauber angelegt. Abends gibt es hier ein Pilgermenue, das sich auch sehen lassen kann.

Hier fühle ich mich sehr wohl.

Dann kommt das erwähnte Ehepaar. Der Lange und die Kleine. Sie redet und redet und er spielt den Weltbürger. Sie schafft es aber, dass sie im O.G. ein komplettes Zimmer, für sich alleine bekommen, da sie wohl ein Magenproblem hat und es ihr unangenehm ist, damit im Schlafsaal, mit vielen Leuten zusammen, zu schlafen.

Nur abends, beim Pilgermenue, haut sie rein, dass man glauben muss, dass sie einen Kuhmagen hat. Nach dem Pilgermenue, bei dem es auch sehr lustig zuging, da der Wein gut schmeckte, war es dann Zeit, alles für den nächsten Tag zu richten. Um 22.oo Uhr, wie immer, geht auch hier das Licht aus.