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26. Etappe:
von „Puente Villarente“ nach „La Virgen del Camino“. 21 km
Sonntag, den 28.09.2008

 

Arcahueja Pilgerbrunnen
Heute Morgen habe ich wieder etwas Startschwierigkeiten. Es gibt erst um 07.oo Uhr Frühstück, in der „Albergue San Palayo“. Da es aber sehr selten, schon frühmorgens, Frühstück in den Herbergen gibt, nutze ich hier die Gelegenheit dazu. So komme ich heute erst um 07.3o Uhr weg. Mir ist es aber heute egal, denn ich habe nur 21 km geplant und vor mir, bis „La Virgen del Camino“. So ziehe ich durch das Dorf. Dann hinaus aus dem Ort und gelange hinter „Puente Villarente“ wieder auf Feldwege, die mich etwas von der N-120 wegführen.

Bald geht es den Berg hinauf, nach „Arcahueja“. Am Ortsanfang ist eine schöne Pilgerstation, mit Brunnen angelegt. Im Brunnenstein wurde eingemeißelt:„Santiago 307 km.“ Hinter dem Brunnen, führt mich der Weg steil nach oben, ins Zentrum von „Arcahueja“.

Ich gehe gerade wieder aus zum Dorf hinaus und erreiche dann „Valdelafuente“ und nach ca. 2,5 km geht es nach links weiter, wieder auf die N-120. Am bald folgenden Kreisverkehr, gehe ich rechts, auf einen Pfad, der mich nach rechts hoch, um den Kreisverkehr herum führt und wieder zurück, zur N-120 bringt.

An einem Zaun, der den Pfad um den Kreisverkehr begrenzt, haben die Pilger, in den Maschendraht, Kreuze gesteckt. Das ist hier genauso Sitte, wie das Aufeinanderlegen von Steinen. ( Steinmännchen ) Hier, an dieser Stelle, müssen wir Pilger aufpassen. Es gibt hier keine Pilgerbrücke, über die wir die stark befahrene Straße überqueren können.

Wir müssen aber hier auf die andere Seite wechseln, da wir sonst nicht mehr hinüber kommen. So muss man genau auf die Pfeile achten. Die Pfeile weisen uns den Weg, über die Straße, bis zum Mittelstreifen.

Danach muss man zwischen den Leitplanken durchgehen. Jetzt ein Stück nach rechts gehen und dann die Gegenspur überqueren. Dann muss man ein Stück hinter der Leitplanke, durch einen Graben gehen, bis uns der Weg nach links, davon weg und über eine Fußgängerbrücke, vor die „Caja Espana“ führt.

Wir sehen jetzt „Leon“ rechts liegen. Hier komme ich zunächst in einen Vorort von „Leon“. Nach „Puente Castro“. Von hier aus ist auch die „Kathedrale von Leon“ gut zu sehen. Hier steuere ich auch die erste Bar an, die nun am Weg liegt. Meine Beine brauchen wieder eine Pause und ich eine Cola.

Die Blase ist noch unter meinem Fuß. Ich spüre sie zwar noch, aber es tut kaum noch weh. Nur mein rechtes Schienbein schmerzt. Es schwillt immer noch sehr stark an und macht mir zu schaffen. Meine Unterlippe ist wieder normal und die Erkältung ist auch abgeklungen. Was mir aber noch sehr weh tut, ist mein kleiner Finger, der linken Hand.

Ich schleppe hier meine Gitarre mit durch die Gegend und kann kaum darauf spielen, da der Finger dick angeschwollen ist und dunkel rot und blau, angelaufen ist. Wenn das nicht besser wird, muss ich etwas unternehmen.

Nachdem ich nun gefrühstückt habe, gehe ich weiter, in die Altstadt von „Leon“. Bis zur „Kathedrale“ brauche ich von hieraus noch gut 1 Std. Um 10.3o Uhr ist noch alles ruhig, in der Stadt und um die Kathedrale herum. Ich muss eine Verlängerung für mein Credencial haben. Ich frage mich durch, bis ich weiß, wo ich mein Credencial verlängern lassen kann. In der „Albergue de las Cabajalas“, im Benediktinerkloster, in der ich im vergangenen Jahr gewohnt habe, bekomme ich was ich brauche. Die Klosterherberge, in der die Benediktinerinnen auch Hotelzimmer vermieten, liegt am Plaza del Grano, (Plaza Santa Maria del Camino).

Die Plaza ist wie eine Arena geschmückt und in der Bar, auf der anderen Seite, spielt eine Musikkapelle. Ein junger Pilger, den ich später noch in Finisterre treffe, ganz am Ende meiner Pilgerreise, erzählt mir, dass er an dem Sonntag, dort in der Bar, bis spät in die Nacht hinein, gefeiert und viel Wein getrunken habe. Nachdem

ich aber mein Credencial verlängert habe, gehe ich zurück in die Stadt. Dort ist der Teufel los. In „Leon“ ist Erntedankfest.

Die ganze Altstadt, um die „Kathedrale de Leon“ herum und auch die Nebenstraßen, zum Rathaus, sind mit Menschen verstopft. Hier bewegt sich z. Zt. die Ernte – Dankprozession, mit hunderten von Fahnenträgern, die auf dem Rathausvorplatz, Aufstellung nehmen. Die Fahnen haben eine gewaltige Größe, von ca. 5m x 5m. Es kommen Musikzüge, Trachtenvereine, kirchliche Gruppen und Würdenträger. Männer mit ordensgeschmückter Brust. Also alles, was hier Rang und Namen hat, ist in dieser Prozession vertreten. Ein schön geschmückter Ochsenkarren, mit 4 stattlichen Ochsen davor und beladen, mit den Erzeugnissen der Natur, zieht auch mit.

Die Prozession ist schier endlos und zieht ca. 1,5 Std. an mir vorbei. Fahne an Fahne. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Nach etwa 2 Std. lichtete sich das Publikum etwas, so dass ich mich wieder an den Wegmarkierungen, ob nun gelbe Pfeile, oder Bronzemuscheln, im Straßenbelag orientieren konnte und dann meinen Weg fortsetzen kann. Mein heutiges Ziel ist „Virgen del Camino“, noch ca. 8 km. Die Muscheln, im Straßenpflaster, führen mich, von der „Kathedrale de Leon“ aus, auf verschiedenen Straßen, rechts und links, an der „Basilika Isidoro“ vorbei. Danach geht es eine Treppe hinunter. Jetzt nach rechts, an der alten Stadtmauer vorbei, dann nach links, in die Calle Renueva.

Dann geht es in die Avenida Suero de Quinones und weiter, am ehemaligen Hospital und Kloster „De San Marcos“, in dem heute das Nobelhotel *Parador* untergebracht ist. Die staatliche *Parador* - Hotelkette betreibt in allen, ehemaligen großen Hospitals, am „Jakobsweg“, ihre Häuser. Gleichzeitig ist in diesem Monumentalbau, von 100m Länge, das Museum untergebracht. An diesem Gebäude geht also der weitere Weg vorbei. Später geht es weiter, über den „Rio Bernesga“ und dann lässt man die Altstadt hinter sich. So gehe ich automatisch, an allen denkwürdigen Bauten und großen Monumenten der Stadt „Leon“ vorbei. Es geht danach auf div. Straßen stadtauswärts, in Richtung „Trabajo del Camino“ weiter.

Dabei steigt man auf eine lange Fußgängerbrücke, um die Schienenanlage der Bahn zu überqueren. Es geht dann weiter, durch ein Wohngebiet, welches kurze Zeit später in ein Industriegebiet mündet, durch das ich leider gehen muss, um endlich die Stadt „Leon“ zu verlassen.

Auf der bekannten N-120 wandere ich wieder weiter und erreiche dann, um 14.3o Uhr „La Virgen del Camino“. In der „Albergue D. Antonio y Donna Cinia“, die noch nicht in allen Reiseführern verzeichnet ist, bekomme ich für heute mein Bett. Die „Albergue“ befindet sich am Ende der Ortschaft, links in einem großen Backsteingebäude. Sie ist sehr weitläufig und ausgestattet mit einem großen Aufenthaltsraum, großer Sanitäranlage und schönen, sauberen und gepflegten Schlafräumen. Hier treffe ich Elfriede wieder, die ich bereits auf der langen Teiletappe, hinter „Carrion de los Condes“ kennen gelernt hatte. Sie ist wohl in meinem Alter und sehr sportlich. Sie ist alleine unterwegs. Ihr Mann, ein Kiesgrubenbetreiber, der schon an die 80 Jahre alt ist, hat für das Pilgern nichts übrig. Elfriede wird für dieses Jahr die Pilgerreise, schon in „Astorga“, beenden und will im nächsten Jahr wiederkommen, um dann von „Astorga“ aus weiter zugehen, bis „Santiago de Compostela“.

Hier, in „La Virgen del Camino“, traf ich auch das Ehepaar aus Südtirol wieder, die ich in „Villarente“ kennen gelernt hatte. Sie löcherten mich direkt wieder und wollten wissen, wie es am Besten weitergeht. Ich erklärte Ihnen:

„Hier gibt es zum Original Weg eine Alternative. Da ich, im vergangenen Jahr, den Original Weg, entlang der N-120 gegangen bin, kann ich davon nur abraten. Ich empfehle Ihnen, den Weg über „Villa de Mazarife“ zu gehen.“ Was dann auch Alle, am anderen Tag, mit Begeisterung gemacht haben.

Nachdem ich meine üblichen Arbeiten verrichtet hatte, habe ich versucht, irgendwo etwas zum essen zu bekommen. Hier waren aber alle Geschäfte zu, was sehr selten ist, am „Jakobsweg“. Auch in den Lokalen, gab es erst ab 20.oo Uhr etwas. Das ist mir zu spät. So ernähre ich mich heute, aus dem Automaten, in der Herberge. Dann streife ich noch etwas durch die Gegend. Die „Virgen del Camino“ - (Jungfrau des Weges) wird hier sehr verehrt. Die dazugehörige Betonkirche „Santurio Virgen del Camino“, passt jedoch nicht so ganz in diese Region und ist sehr umstritten. Um 22.oo Uhr geht wie immer das Licht aus.