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27. Etappe:
von „La Virgen del Camino“ nach „Hospital de Orbigo“ 28 km
Montag, den 29.09.2008


Um 07.oo Uhr verlasse ich, froh gelaunt und guten Mutes, die Herberge. Denn mein linker Fuß ist so weit abgeheilt. Er schmerzt nur noch etwas, wenn ich auf einen Stein trete und genau die Stelle treffe, wo die Blase war. Mein Schienbein, lässt mich allerdings noch nicht so richtig in Ruhe.

Es ist aber, dank meiner Voltaren-Salbe, die ich bisher zur Behandlung angewendet habe, auch besser geworden. Das Einzige, was mich noch sehr behindert, ist der kleine Finger. Morgens weniger, aber am Abend, wenn ich den ganzen Tag gewandert bin und den linken Arm hin und her geschwenkt habe, tut er sehr weh.

Es ist noch dunkel, als ich an diesem Morgen meine Etappe beginne. Nur der Mond scheint hell, auf mich herab. Ich verlasse „La Virgen del Camino“ und gehe links, neben der N-120 entlang. Es ist sehr kalt und ich überlege, bereits seit ein paar Tagen, mir ein paar warme Handschuhe zu kaufen.

Denn morgens, solange es noch dunkel ist, ist es empfindlich kalt. Es beginnt erst warm zu werden, um 08.15 Uhr, wenn die Sonne aufgeht. So ziehe ich jetzt eben die Ärmel, meiner Jacke, über die Hände und gehe weiter, meinen Weg.

An einer Wege - Gabelung, muss ich mich entscheiden, ob ich über „Villadongas del Paramo“ und „San Martin del Camino“, nach „Hospital de Orbigo“ gehen will. Oder ob ich die Alternativroute, über „Villar de Mazarife“, nach „Hospital de Orbige“ wählen will. Ich entscheide mich für die Alternative, über „Villa de Mazarife“.

So richte ich mich nun nach den gelben Pfeilen, auf der Asphaltstraße, die reichlich vorhanden sind und die mich bald nach links wegführen, in Richtung „Villa de Mazarife“.

Ich gehe also links, auf einen Feldweg und entferne mich schnell, von der N-120. Nach etwa 1 km, stoße ich wieder auf eine Asphaltstraße, auf der ich über eine Autobahnbrücke gehe und dann am Dorf „Fresno del Camino“ vorbei komme. Bald erreiche ich dann das Dorf „Oncina de la Valdoncina“ welches ich aber nur durchwandere.

Es ist jetzt kurz vor 08.oo Uhr und es fängt, an zu dämmern. Am Horizont zaubert die noch nicht sichtbare Sonne, ein großartiges Farbenspiel an den Himmel. Ich wandere nun hinauf, auf eine Hochebene und gehe jetzt auf Feldwegen, durch die freie Natur. Die Großregion „Leon“ liegt nun endgültig hinter mir. Langsam steigt die Sonne, am Horizont höher und taucht alles, um mich herum, in ein tolles, blutrotes Licht.

Das Dorf „Chozas de Abajo“ durchwandere ich um 09.1o Uhr. Es ist jetzt hell und die Sonne wärmt schon langsam. Bald wird es wieder so warm sein, dass der Rücken, unter dem Rucksack, nass wird. Um 10.oo Uhr liegt „Villa de Mazarife“ vor mir. In der „Albergue Tio Pepe“, die auch ein Restaurant unterhält, lege ich meine Frühstückspause ein. Dann geht es weiter.

Es ist heute ein schöner Tag und die Sonne brennt. Der kalte Wind, der Meseta, ist hier nicht mehr spürbar. Nachdem sich meine Treckingsandalen, schon vor langer Zeit, als unbrauchbar herausgestellt haben, beginnen sich jetzt, meine neuen, extra für diesen Weg gekauften Wanderschuhe, langsam aufzulösen. Die Nähte platzen auf. In der nächsten, größeren Stadt, muss ich mir einen Zapatero (Schuster) suchen, der die Nähte nachnäht.

(Vorab sei hier vermerkt, dass der Verkäufer, dieses Markenfabrikats, die Schuhe, nach meiner Rückkehr, ohne Probleme zurück genommen hat und mir den Kaufpreis gut geschrieben hat.)

Nun kommt wieder ein Stück Weg, von ca. 6 km, das schnurgerade, zwischen Mais und Zuckerrübenfeldern, ohne Baum und Strauch, auf der Landstraße, überwunden werden muss. Es ist endlos und wenn man schon nicht mehr daran glaubt, ist auch dieses elende Stück Weg überwunden. Kurze Zeit später, überquere die Landstraße und gehe in einen Feldweg, der von Bäumen und Büschen gesäumt wird. Endlich etwas Schatten. Hier setze ich mich, am Wegesrand, etwas ins Gras und trinke mein letztes Wasser, aus der Flasche.

Nach dieser Pause wandere ich dann weiter, auf diesem Hochplateau und bin froh, als ich nach ca. 45 Min. „Villavante“ erreicht habe. In einer Bar lege ich dann eine weitere Pause ein. Ich sitze hier, habe die Schuhe ausgezogen und denke nichts böses dabei, da geht die Tür auf und die Südtiroler aus Meran kommen, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, in die Bar.

Sie freuen sich, mich zu sehen. Sie sind genauso, wie ich begeistert, von dieser schönen Etappe heute. Natürlich geht gleich die Fragerei, über den weiteren Weg, am nächsten Tag und insbesondere, über die Etappe zum Eisernenkreuz weiter.

Nachdem ich paar Colas getrunken habe, ziehe ich weiter. Es ist nicht mehr weit, bis zum heutigen Etappenziel. Ich gehe über eine Brücke, die mich auf die andere Seite der Schienen bringt und gehe ein Stück links, an den Schienen entlang. Dann geht es wieder durch Felder und etwas nach rechts abbiegend, entferne ich mich nun von der Bahntrasse und wandere auf die neue Autobahn zu.

Hier steige ich eine Rampe hoch und überquere, über eine Brücke, die Autobahn. Ich gehe geradeaus weiter, auf dieser Landstraße und überquere auch die N-120. Dann geht der Weg bis zu einem Wasserturm. Von hier aus, noch ein kurzes Stück, links die Straße runter und dann stehe ich plötzlich vor dieser wunderschönen, mittelalterlichen Brücke, mit ihren 20 Bögen, über den „Rio Orbigo“. Nachdem ich hier paar Fotos gemacht habe, ziehe ich weiter und gehe jetzt über diese Brücke. Ich gehe auf der „Calle Alvarez Vega“ ca. 300 m, bis zur “Albergue Karl Leisner“. Hier ist eine Holländerin die Hospitalera.

Es ist wieder mal so eine spezielle Herberge. An der Außenfassade, von der Straße her, ist sie mit Blumenkästen geschmückt. Ich gehe durch einen Torbogen, dahinter empfängt mich die Holländerin als Hospitalera. Nach der Aufnahme, gehe ich über den mit Blumen reichlich versehenen Innenhof. Dann wieder durch einen Torbogen, in dem es nach rechts in die Küche und nach links in den Aufenthaltsraum abgeht. Dann komme ich in den Garten, an dem rechts die langen, schmalen Schlafräume und Sanitäreinrichtungen untergebracht sind. Alle diese Räume sind direkt, von Außen zu betreten. Duschen, Toiletten, Küche und Schlafräume.

In dieser schönen „Albergue“ bekomme ich mein Bett für diese Nacht. Die Herberge ist sehr rustikal, den die Betten stehen in ehemaligen Ställen, die allerdings sauber und schön umgebaut wurden. Wenn man nachts mal zur Toilette muss, dann ist es sehr kalt hier. Es sind sehr enge und lange Zimmer, in denen die Doppelstockbetten stehen. Elfriede ist auch schon da, als ich ankomme. Wo sie mich überholt hat, weiß ich nicht. Muss wohl irgendwann geschehen sein, als ich Pause machte.

Dann tauchen auch die Tiroler auf. Auch die 2 alten Damen, aus Ungarn, die vor „Villarente“ Brombeeren pflückten, trudeln so langsam wieder ein.

Da Elfriede, wie bereits berichtet, in „Astorga“ die Heimreise antritt, lädt sie mich, an diesem Abend, zum Essen ein. Sie möchte noch so einiges von mir, über meine Erfahrungen, auf dem Jakobsweg wissen. Also treffen wir uns, heute Abend, um 07.oo Uhr.

Am Nachmittag kommt als letzte, die Frau in der Herberge an, die in „Tardajos“ spät abends, schon im Dunkeln, noch angekommen war. Irgendwie tut mir diese Frau etwas leid. Sie macht immer den Eindruck, als bedrücke sie etwas.

Hier treffe ich auch 2 Bayern, von denen der eine das gleiche Problem hat, das ich auch hatte.

Er hat ein schmerzendes Schienbein, welches stark geschwollen ist. Was allerdings, Gott sei Dank, bei mir bereits am abklingen ist. Es ist gerade die Zeit, in der Huber und Beckstein, in Bayern, von ihren Ämtern zurücktreten müssen. Hier geht es nach dem Sprichwort: „Wer den Schaden hat, braucht sich um den Spott nicht zu sorgen.“

Am Nachmittag gehe ich durch den Ort und sehe mir diese unglaubliche „Puente de Orbigo“ an. Abends gehe ich dann mit Elfriede essen, um ihre Fragen zu beantworten. Dabei erzählt sie, dass ihr Mann, mit seinen 76 Jahren, für eine Wanderung auf dem „Camino“, nicht mehr zu haben sei. Danach ist es Zeit, in die „Albergue“ zurück zu kehren, denn um Punkt 22.oo Uhr, geht auch hier das Licht aus. Damit ist dann, nachdem ich Helga alles erzählt habe, auch dieser schöne Wandertag, auf dem „Camino Francis“ zu Ende.