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29. Etappe:
von „Santa Catalina de Somoza“ nach „El Acebo“ 29 km
Mittwoch, den 01.10.2009


Um 07.oo Uhr gehe ich von der Herberge los. Es ist noch dunkel und kalt, während ich durch die Straßen von „Santa Catalina de Somoza“ gehe und die Stadt verlasse. Ich wandere in Sichtweite zur Landstraße. Der Weg verläuft hier etwas erhöht, durch die hügelige Landschaft.

Von Zeit zu Zeit kommt mal ein Auto gefahren, davon ein Polizeifahrzeug. Sonst ist alles ruhig hier. Um 08.oo Uhr bin ich in „El Ganso“. Hier führt mich der Weg an einer Western - Bar vorbei, die aber noch nicht geöffnet ist. Es ist ja auch noch dunkel. Hinter „El Ganso“ verläuft der Weg, teilweise direkt, über die Landstraße, aber meistens, auf einer parallel zur Landstraße verlaufenden Piste.

Seit ich „Santa Catalina de Somoza“ hinter mir habe, liegt jetzt die „Sierra del Teleno“ vor mir, durch die ich nun wandere. Vor mir erheben sich die „Montes de Leon“, auf die ich jetzt zulaufe und dabei stetig hinaufsteige.

Von weitem sehe ich, da es inzwischen schon hell geworden ist, bereits „Rabanal del Camino“ näher kommen. Was ich dann um 09.3o Uhr auch erreicht habe. Direkt links, am Ortseingang, ist eine Bar. Hier ist der richtige Platz, zum frühstücken. Eine Gruppe Engländer, - (Es handelt sich hier um Ehepaare, die schon seit „Leon“ meinen Weg des Öfteren kreuzen.) - sitzt auch schon hier und sie genießen ihren Cafe con Leche.

Hinter „Rabanal del Camino“ wird es anstrengend. Hier beginnt der heftige Anstieg, in die „Montes de Leon“ ( die Berge von Leon ) in Richtung „Foncebadon“. Hinter „Rabanal del Camino“, am Pilgerbrunnen, fülle ich noch einmal meine Wasserflasche voll und gehe weiter.

Links, am Wegesrand, steht wieder eine Gedenktafel, für einen Pilger, der hier verstorben ist. Es sind mir, auf diesem Weg, schon einige derartige Gedenkstätten für Pilger aufgefallen, die es nicht geschafft haben. Jedes Mal besinnt man sich darauf, dass dies durchaus auch einem selbst geschehen kann.

Der Weg geht meistens abseits der Landstraße entlang. Immer zu geht es stetig den Berg hinauf, dabei komme ich nochmals an einem Pilgerbrunnen vorbei. Es sind 5,5 km Aufstieg, die ich nach etwa 1,5 Std. geschafft habe. 

Um 11.3o Uhr bin ich in „Foncebadon“, in einem Dorf, welsches schon einmal, von allen Bewohnern verlassen worden war und jetzt wieder aufgebaut werden soll. In „Foncebadon“ fand schon einmal, vor einigen 100 Jahren, ein Kirchenkonzil statt. Das macht deutlich, wie wichtig dieses Dorf einmal war.

Ich gehe in das Dorf, in dem ich die Landstraße überquere. Rechts und links liegen nur große Steinhaufen. Dies waren einmal Häuser. Mitten im Dorf, ist ein großes Restaurant, mit Pilgerherberge, „Convento de Foncebadon“ mit einem dazu gehörenden Rundbau, mit Strohdach, in dem ein Restaurant untergebracht ist.

Etwas höher, befindet sich, auf der linken Seite der Straße, die „Albergue Monte Irago“ mit einer kleinen Tienda, in der ich mir etwas Obst und 2 Dosen Cola gekauft habe. Vor dieser Herberge stehen einige Bänke, die zur Rast einladen. Hier habe ich dann auch eine Pause eingelegt.

Eine Pilgerin setzt sich zu mir und wir kommen ins Gespräch. Sie ist gebürtige Deutsche und auch mit einem Deutschen verheiratet. Die beiden wohnen allerdings in Schweden, wohin sie ausgewandert sind. Sie ist alleine unterwegs. Ihr Mann ist bei den Kindern geblieben.

Nach dem ich wieder fit war, zog ich weiter, durch dieses Dorf, was eigentlich zurzeit gar keines mehr ist. Im Jahr 2000 hatte hier niemand mehr gewohnt. Langsam kehrt jetzt aber wieder Leben in dieses Dorf zurück. Nun komme ich an der Kirche vorbei, natürlich auch nicht viel mehr, als nur eine Ruine.

In der Kirche befindet sich die „Albergue parroquial Domus Dei“. Diese wurde bereits wieder, mit Hilfe einer österreichischen Bruderschaft, aufgebaut. Ich habe hier, im vergangenen Jahr, mal eine Nacht gewohnt. Wenn zu viel Andrang herrscht, werden hier, als Ausweichquartier, Matten in den Kirchenraum gelegt und die Pilger können hier schlafen.

Die Kirche ist aber mit allem Altargeschirr und Gewändern ausgestattet, so dass Pilger, die die Priesterweihe haben, hier auch eine hl. Messe lesen können. Es sind die einzigen Gebäude, die hier zurzeit bereits wieder bewohnt sind. Dann gibt es nur noch einen Rohbau.

Sonst ist alles verfallen und eingestürzt. Um 12.3o Uhr verlasse ich „Foncebadon“ wieder, auf der Hauptstraße. Nach etwa 100 m passiere ich eine Wegegabelung und gehe weiter, auf einem Feldweg, den Berg hinauf. Nur auf diesen Feldwegen, oberhalb der Landstraße, geht es jetzt weiter, bis ich kurze Zeit später,

diese Landstraße wieder berühre, sie dann auch überquere, um danach wieder auf Feldwegen, oberhalb dieser Landstraße, hochzugehen auf eine Passhöhe von 1.504 m Höhe mit dem „Cruz de Ferro“ - (das eiserne Kreuz) . Um 13.1o stehe ich an diesem Kreuz und lege meinen, von zu Hause mit gebrachten Stein ab. Es ist schon seit hunderten von Jahren so Brauch und üblich, das die Pilger, an diesem Kreutz, etwas von zu Hause ablegen.

Von hier aus geht es nun weiter, auf einem Weg, neben der Landstraße, bis zum 3 km weit entfernten Dorf „Manjarin“. Auf der linken Seite, kurz vor „Manjarin“ sieht man noch die Reste eines Friedhofes. Das Dorf „Manjarin“, ist wie „Foncebadon“ zum größten Teil verfallen und besteht nur noch aus Ruinen und Steinhaufen. Thomas, der Hospitalero, betreibt hier im uralten Sinne der Tempelritter, eine Herberge, das „Refugio Manjarin“. Es ist das einzige, unter sehr großen Abstrichen, noch bewohnbare Haus in „Manjarin“. Es gibt, wie zu der Zeit der Tempelritter, kein fließendes Wasser und keinen elektrischen Strom. Auf der anderen Seite einer Straße, ist eine kunstvoll aufgebaute Toilette, sprich Donnerbalken zu sehen.

Hospitalero Thomas, ist als Pilger eines Tages hier angekommen und hängen geblieben.

Er betreibt jetzt, nur auf Spendenbasis, diese primitive Herberge, in der gleichen Art, wie es einst, vor mehreren hundert Jahren, so üblich war. Sie ist sehr speziell, wie die Bilder zeigen. Ich hole mir hier nur einen Stempel. Thomas selbst, ist leider nicht da. Ein Freund drückt mir den Stempel ins Credencial. Wenn es hier nachts nicht so kalt wäre, bliebe ich gerne hier. Ich möchte schon gerne erleben, wie er mit seinen Pilgern hier lebt. So ziehe ich aber nach einer Pause weiter, in Richtung „El Acebo“.

Nachdem ich nun „Mangarin“ auf der Landstraße verlassen habe, gehe ich nach links, auf einen Feldweg, bis zu einer Viehtränke und dann weiter. Nach etwa 1,5 km komme ich wieder zur Landstraße zurück. Danach geht es wieder, auf steinigen Wegen, bis auf eine bestimmte Höhe hinauf.

Bald schon passiere ich eine große Radaranlage, die schon seit langem sichtbar, oben auf dem Berg thront. Es geht bergauf und bergab, immer auf Bergpfaden, die sehr holprig sind. Hier habe ich tolle Ausblicke, bis „Ponferrada“. Der Weg führt mich jetzt, auf immer gleich bleibender Höhe, um diesen Berg herum, bis es dann sehr steil abwärts geht, nach „El Acebo“ hinunter.

Das schönste, von hier oben ist, wenn man zum ersten Mal „El Acebo“ unter sich liegen sieht, und dabei auch die roten Stühle sieht, am Ende des Dorfes. Denn dort, direkt hinter der Kirche, ist eine Bar und dort gibt es, nach der Hitze die hier oben herrscht und den Anstrengungen, einen frischen Cafe con Leche.

Doch zuerst muß ich noch diesen steilen Berg hinab, ins Dorf. Um 16.oo Uhr gehe ich über die Calle Mayor, hinunter und komme zur „Albergue Meson“, mit dieser Bar und einem schönen Innenhof. Hier bekomme ich mein Bett für die Nacht. Es folgen nun noch die täglichen Arbeiten. Am Abend gibt es Pilgermenue. Ganz spät abends, taucht wieder die Frau auf, die immer als letzte kommt. Sie hat Glück und bekommt noch das letzte Bett, im Schlafsaal.

Es sind wieder überwiegend Frauen in dieser „Albergue“. Die Wahl-Schwedin ist da. Auch eine Hamburgerin, die ich bereits in „Carrion de los Condes“ kennen gelernt habe. Die Frau, die immer als letzte ankommt. Alle sind da.

 

 

El Acebo

 

Als ich nach dem Essen in den Schlafraum kam, glaube ich, dass die Frau, die immer als letzte kommt, weinend in ihrem Bett lag. Etwas bedrückt sie. Um 22.oo Uhr ist Ruhe im Haus.