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31. Etappe:
von „Cacabelos“ nach „Vega de Valcarce“ 21 km
Freitag, den 03.10.2008

 Der Weiler Pieros

Heute habe ich nur eine kurze Wegstrecke vor mir. Ich will nur, so weit wie möglich, an „La Faba“ heran, damit ich morgen, bei dem langen und schweren Aufstieg nach „O Cebreiro“ über „La Faba“ schon etwas vorgewandert bin.

Ich brauche nicht, wie in den „Albergues“, bereits um 08.oo Uhr das Haus verlassen und lasse mir heute Morgen viel Zeit. Um 08.3o Uhr verlasse ich aber die Casa Molino und gehe nun weiter, auf dem „Camino Francis“.

Der Weg verläuft an der Kirche „Iglesia de Santa Maria“ vorbei und dann weiter in Richtung „Albergue municipale Santuario de la Quinta Agustia.

Hier überquere ich den „Rio Cua“. Bald passiere ich die Kirche „Santurio de la Quinta Agustia“ und verlasse dann endgültig die Stadt „Cacabelos“. Ab hier wandere ich stetig bergauf und erreiche bald den Weiler „Pieros“, hinter dem der „Camino“ dann rechts abgeht, in die Weinfelder.

Es geht jetzt auf breiten Feldwegen weiter, durch diese Weinfelder, in welchen auch Kirschenbäume stehen, die in der Kirschenzeit, im Mai/Juni, leckere gelb/rote Kirschen tragen. Ich konnte mich in 2007, bei einem unbeobachteten Moment, davon überzeugen und satt essen. Auf dem steinigen Feldweg, durch diese Weinfelder, gelange ich kurze Zeit später, in das Dorf „Valtville de Arriba“.

Auf der Hauptstraße durchwandere ich, in einem langen Linksbogen, das Dorf. Anschließend wandere ich weiter, auf dem Hauptweg, der jetzt wieder ein Feldweg ist. Es geht jetzt weiter hinab, durch die Weinberge und das hügelige Gelände. Im Anstieg, auf den letzten Hügel, vor „Villafranca del Bierzo“, hole ich die Frau ein, die gestern Abend noch, wie immer spät, eintrudelte. Sie war heute schon sehr früh los gezogen.

Nach einem kleinen Schwätzchen, zog ich weiter, nach „Villafranca del Bierzo“. Ich gehe an der ersten „Albergue municipale“ vorbei und gelange zur „Santiago Kirche“. In dieser Kirche bekamen, in früheren Jahren, die Pilger, die durch Krankheit bedingt „Santiago de Compostela“ nicht erreichen konnten, einen vollkommenen Ablass.

Vor der „Iglesia Santiago de Compostela“ hatten deutsche Touristen, mit einem Bus, aus dem Ruhrgebiet, Aufstellung genommen, um Erinnerungsfotos zu schießen. Es gab gleich ein großes Hallo, als man an meinem Rucksack erkannte, an dem ich die deutsche Fahne befestigt hatte, dass ich ein original „deutscher Jakobspilger“ bin.

Ich zog dann weiter, in die direkt an der „Santiagokirche“ eingerichtete „Albergue ave Fenix“ (Albergue de Jato). Es ist eine der bekanntesten Herbergen am „Camino“. Hospitalero Jato führt diese Herberge, zusammen mit seiner Familie und er kennt viele Geschichten und Vorkommnisse, am „Camino“.

Ich gehe also rein, in die „Albergue Ave Fenix“, da die Tür offen war. Es ist 10.45 Uhr. Im Aufenthaltsraum, in dem auch die Bar-Theke steht und auch die Anmeldung vollzogen wird, ist Niemand zu sehen. Hinter mir kommt noch ein deutscher Pilger herein. Dann kommt noch eine deutsche Frau herein, die etwas fragen will. Auf einmal rührt sich etwas, im Haus.

Die Treppe, zu den Schlafräumen, geht außen hoch. Dann kommt Christina, eine Pilgerin, die ich im vergangenen Jahr kennen lernte, die Treppe herunter. Sie hatte vor Monaten, durch Zufall, meine Webseite vom „Camino“, im Internet gesehen und dabei auch sich selbst auf einem dieser Bilder gesehen. Sie bat mich damals um ein paar Bilder, da sie keinen Fotoapparat mit hatte. Ich habe ihr dann meine Bilder, auf CD gebrannt und zugesandt.Dann habe ich allerdings nichts mehr von ihr gehört. Was mich eigentlich gewundert hat.

Ich wollte sie eigentlich, bevor ich wieder auf den „Jakobsweg“ gehe, angemailt haben, um zu erfahren, ob sie diese Bilder überhaupt bekommen hat. Habe es dann aber nicht gemacht.

Sie kommt also jetzt hier die Treppe runter. - Ich schaue, - sie schaut, - dann gab es ein großes Hallo. Sie erzählt mir aber gleich, dass sie die CDs bekommen hat, aber nicht mehr dazu gekommen ist, sie anzusehen, da sie kurz danach wieder auf Reisen gegangen ist.

Wie das nun manchmal so ist, ist sie dann hier bei Jatos als Hospitalera gelandet. Sie hatte vor, nur 2 Wochen zu bleiben, ist aber jetzt schon 3 Monate hier. Wie lange sie noch bleiben wird, wusste sie noch nicht.

Christina erzählte uns eine schöne Geschichte, die sich erst vor ein paar Tagen hier abgespielt hatte. Etwas Seltenes, auf dem „Camino“, ein berittener Pilger, hatte die „Albergue Ave Fenix“ betreten, um hier Station zu machen. Als er dann irgendwann nach draußen ging, um nach seinem Pferd zu sehen.

O Schreck! - Das Pferd ist weg. - geklaut!? - Die Polizei wird eingeschaltet und die Suche, nach dem Pferd, beginnt. Der Pilger blieb unterdessen in Jatos „Albergue“. In der „Albergue Ave Fenix“ ist es üblich, das Abendessen gemeinsam einzunehmen. So saßen die Pilger, abends beim gemeinsamen Abendessen. Unser berittener Pilger, der jetzt aber zwangsweise zum Fußpilger geworden war, da er kein Pferd mehr hatte, saß mitten unter den anderen Pilgern.

Dann geht die Türe auf. Die Polizei kommt herein und gibt bekannt, dass das Pferd bis „Cacabelos“ zurück gelaufen sei. Der Pilger habe es hier, an der „Albergue“ nicht richtig angebunden. Es könne jetzt, in „Cacabelos“ wieder abgeholt werden. Da gab es, in der „Albergue Ave Fenix“, ein großes Gelächter und einen, nun nicht mehr berittenen Pilger, mit einem hoch roten Kopf.

Bei Cafe con Leche und erzählen von alten Geschichten, war schnell 1 Std. verflogen und ich musste dann doch weiter. Noch paar Fotos mit Christina machen und dann geht es weiter. Ich verlasse die Herberge, gehe etwas nach links und laufe gegen die gut erhaltene Burg. 

AUWA !

Nachdem ich mich etwas erholt hatte, gehe ich rechts daran vorbei, dann wieder rechts und steil hinab, ins Stadtzentrum. Über die Calle Salinas und die Calle Agua, bis zu einer kleinen Plaza, an der ich zuerst nach links und dann dem Weg folgend, an der Pilgerfigur, am Brückenkopf entlang, die Brücke über den „Rio Burbia“ überquere. Dann gehe ich auf dem Gehweg, neben der alten N-VI, durch das Tal des „Rio Valcarce“, immer am Rio entlang. Ich komme nach kurzer Zeit nach „Perje“. Vorher überhole ich noch die Frau, die immer als Letzte rein kommt.

In „Perje“ gehe ich in die Bar, trinke nur eine Cola und gehe gleich weiter. Am Ende des Dorfes, wo die Hauptstraße von „Perje“ wieder auf die N-VI trifft, ist ein Wartehäuschen für den Bus. Hier sitzen ein Ehepaar und die Frau, die immer als Letzte kommt, drin. Denn es ist sehr kalt geworden und dass Wetter hat sich verschlechtert. Hier sehe ich sie zum letzten Mal.

Ich habe, im weiteren Verlauf meiner Pilgerreise, noch sehr oft an diese Frau denken müssen. Nachdem, was sie mir von sich und ihrer Familie und aus ihrem schicksalhaften Leben erzählte, hatte das ja auch meine Vermutung bestätigt, dass sie Probleme mit sich herum schleppte. Ich gönne ihr, von ganzem Herzen, wie keinem Anderen auf dem „Jakobsweg“, dass sie das große Ziel ihrer Pilgerreise - „Santiago de Compostela“ erreichen möge. Ich habe niemand anderen getroffen, der mit soviel Hoffnung und Zuversicht, den schweren Pilgerweg nach „Santiago de Compostela“ gegangen ist. Es muß ihr doch vergönnt sein, ihren ganzen Ballast dort abladen zu können.

Ich gehe nun weiter, an der Landstraße N-VI vorbei. Von Zeit zu Zeit überspannen Straßenbrücken, der Autobahn, das Tal. Als nächster Ort folgt „Trabadelo“. Weiter geht es jetzt, zum größten Teil, längs der Landstraße, mit nur kleinen Abweichungen, wo der Weg sich kurz von der N-VI entfernt um dann wieder dorthin zurück zu kehren.

So wandere ich durch „La Portela“ und „Ambasmestas“. Dann komme ich zum nächsten Dorf „Vega de Valcarce“ direkt am „Rio Valcarce“ gelegen, in dem dort auch geschwommen werden darf.

Vor „Vega de Valcarce“ unterhält eine Brasilianische Bruderschaft die „Albergue de Peregrinos do Brasil“. An dieser gehe ich aber vorbei und noch etwas weiter, zur „Albergue municipale Vega de Valcare“, das städtische Refugium. Dieses liegt hoch am Berg, fast unter einer Autobahnbrücke. Es ist keine First Klass Unterkunft, aber sauber. Das ist wichtig. Hier bekomme ich mein Bett. Es gibt auch eine Waschmaschine, mit Trockner im Haus, in der ich meine Klamotten waschen kann.

Hoch über dem Dorf, steht eine hell erleuchtete Burg. Nachdem ich eingekauft habe und auch meinen Tagesbericht jetzt fertig habe, werde ich noch einmal zu Hause anrufen und Helga Bericht erstatten. Dann ist dieser Tag zu Ende. 22.00 Uhr Nachtruhe. Es ist kalt heute Abend. Zum Glück gibt es zusätzliche Decken, sonst hätte ich meine Wandersachen anbehalten müssen.