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32. Etappe:
von „Vega de Valcarce“ nach „Fanfria“ 24,5 km
Samstag, den 04.10.2008

 Ruitelan am Morgen

Um 07.oo Uhr verlasse ich die „Albergue municipale Vega de Valcarce“ und mache mich auf den Weg. Heute gilt es, die letzte große Hürde zu übersteigen. Dies ist der Weg, hinauf nach „O Cebreiro“. Der letzte, gefürchtete Anstieg. Dann hat man das schwerste Stück des Weges hinter sich.

Um 07.3o Uhr wandere ich zunächst weiterhin, auf der Landstraße N-VI durch „Ruitelan“ und 15 Min. später bin ich bereits in „Herrerias“. Es ist noch dunkel und sehr kalt. Auch ist es nicht gerade ungefährlich, hier alleine, auf der Landstraße herum zulaufen. Es geht leider nicht anders.

Am Hotel von „Las Herrerias“, geht der Weg nach links, von der Landstraße ab und ich komme in das Dorf „Las Herrerias“. Im Anschluss folgt „Hospital“. Ich laufe bei gespenstischem Licht, am Bach entlang, dann wieder weiter, auf der Landstraße, bis zum Abzweig, auf einen Bergpfad, in Richtung „La Faba“.

Der Pfad führt mich zuerst 600 m hinunter, um den „Rio Mazaco“ zu überschreiten. Dann beginnt der erste, steile Anstieg, auf teilweise sehr schwerem Untergrund, hinauf nach „LaFaba“, der sich über 1 km hinzieht.

Die „Iglesia de San Andres“ in „La Faba“, wurde von der deutschen Gesellschaft Ultreya restauriert. Um 09.oo Uhr habe ich „La Faba“ erreicht und ziehe gleich weiter, nach „La Laguna“. Es ist das letzte Dorf der Province Leon. Hier steht am Ortsanfang, ein hier noch oft anzutreffendes Rundhaus. Eine so genannte Pollanza, mit Strohdach.

Dann geht es wieder weiter, den Berg hinauf. Es geht an Wiesen und Feldern vorbei, bis zur Provinc-Grenze nach Galizien. Nur noch ein kleines Stück des Weges und ich erreiche, um 11.oo Uhr, „O Cebreiro“. Der Anstieg, von „La Vega de Valcarce“ nach O Cebreiro“, ist bei den Pilgern sehr gefürchtet. - Warum? - Ich weiß es nicht!

Wer die Pyrenäen überstiegen hat, die Berge der Oca, die Hochebenen der Meseta, die Berge von Leon und das Gebirge von Kastilien bezwungen hat, der braucht sich eigentlich vor diesem Aufstieg nicht mehr zu fürchten.

Da klares Wetter war, als ich hier aufgestiegen bin und nicht der sonst hier übliche Nebel herrschte, hatte ich ein phantastisches Panorama und konnte weit zurück, ins Tal schauen, aus dem ich hierher hoch gekommen war. Ich glaubte, sogar den Gipfel ausmachen zu können, über den ich vor 4 Tagen, an der Radarstation vorbei, nach „El Acebo“ gegangen bin.Das Dorf „O Cebreiro“, dass hier genau auf dem Grad, dieses Berges, erbaut ist und ein regelrechtes Museumsdorf ist, ist das wohl schönste Bergdorf, auf dem ganzen „Camino“. Hier gibt es keine Ruinen, wie sonst überall üblich.

Alles ist in einem sehr gepflegten und sauberen Zustand. Die „Iglesia Maria la Real“ ist die älteste, noch erhaltene Kirche, am „Camino“. Es gibt hier noch „Pallozas“. Dies sind Ovalbauten mit Strohdach. Sie sind keltischen Ursprungs und eines der Häuser, ist zur Besichtigung geöffnet.

Hier treffe ich ein Ehepaar aus Dresden. Sie verbringen hier, auf dem „Jakobsweg“, ihren Urlaub. Sie wandern zwar die Etappen, gehen aber überwiegend, zum Schlafen, in Hotels oder Pensionen. Sie hat lange, rote Haare und trägt einen breitrandigen Hut, der mich irgendwie an Hoss Carthraid, aus der Fernsehserie „Bonanza“ erinnert. Sie sieht darin auch etwas, wie eine Indiofrau aus. Er trägt den gleichen Hut, hat aber nicht so die Wirkung, wie bei ihr. Wir werden uns noch des Öfteren begegnen. Nachdem ich hier, die längst überfällige Frühstückspause gemacht habe, die Kirche besucht und mir das Dorf etwas angesehen habe, ziehe ich weiter.

Hier oben pfeift der Wind aus allen Ecken. Obwohl die Sonne scheint, ist es hier eisig kalt. Heute Morgen, waren in „Vega de Valcarce“ sogar die Autos eingefroren, so dass die Fahrer die Scheiben enteisen mussten.

Ich ziehe bald zum Dorf hinaus und kann nun ins nächste Tal hineinsehen. Der Weg geht an der „Albergue municipale O Cebreiro“ vorbei, die ganz neu erbaut ist. Es geht etwas nach links und dann weiter, auf Feldwegen, den Berg hinauf, bis auf die Höhe von1.378 m. Der Weg führt mich nun, durch einen Wald, bis zu einem Querweg, dem ich dann nach rechts folge.

Oben auf der Höhe, habe ich Lisa wieder getroffen, die eine neue Mitpilgerin gefunden hatte. Der weitere Weg, führt uns dann, in einem weiten Rechtsbogen, nach „Linares“ hinunter.Wir gehen an den wenigen Häusern von „Linares“ vorbei.

Die Kirche wird gerade renoviert. Anschließend überqueren wir die Landstraße und wandern neben dieser Straße, auf einem Feldweg, zwischen Büschen und Bäumen, hinaus zur Passhöhe „San Roque“, auf 1.270 m. Hier steht ein markantes Pilgermonument, das auf vielen Postkarten und Buchseiten anzutreffen ist. Ich habe Glück, es ist klare Sicht und ich kann gute Fotos machen. Das Ehepaar aus Drähsden, ist auch hier oben anzutreffen. Es geht jetzt auf einem, von der Landstraße erhöhten, Wanderweg parallel zur Straße weiter. Langsam abfallend, nach „Hospital de Condesa“. Ein typisches Bauerndorf. Ab jetzt wird uns der Kuhdung, auf den Straßen der Dörfer, mit seinem würzigen, etwas gewöhnungsbedürftigen, Geruch begleiten. Auch hier wird gerade die Kirche renoviert.

Nachdem ich das Dorf durchquert habe, gehe ich neben der LU-634 weiter, bis eine kleine Straße nach rechts abzweigt. Auf dieser gehe ich weiter, bis zu einem Feldweg, der mich nach links und nach „Padornelo“ führt. Am Ortsende gehe ich wieder links, auf einen Feldweg, der mich zuerst seicht, aber dann sehr steil, nach oben führt, auf den höchsten Pass in Galicien, den „Alto do Pojo“.

Nun habe ich die letzte, schwere Steigung, bis „Santiago de Compostela“ erreicht. Hier befindet sich ein Restaurant, in dem schon einige Fahrradpilger rasten. Hier mache ich auch meine letzte Rast für heute. Von hier sind es nur noch ca. 6,5 Km, die meisten parallel an der LU-634 entlang und immer abwärts zu gehen.

Das letzte Stück geht über einen Feldweg, nach „Fonfria“. Direkt am Ortsanfang, befindet sich die „Albergue A Reboleira“, in der ich einkehre. Es ist eine sehr schöne und großzügig angelegte Anlage, mit Bar und Restaurant, in einer „Pallonza“, einem sehr großen, landestypischen Ovalbau, mit Strohdach, der auf der anderen Seite der Straße steht und in dem es, am Abend, das Pilgermenue gibt.

Da ich schon vor 15.oo Uhr hier bin, muß ich noch etwas warten, bis die Hospitalera kommt. Es ist ein deutsches Mädchen, was hier sein Praktikum macht. Ich suche mir mein Bett aus und verrichte meine täglichen Arbeiten. Dann kommt auch Lisa.

Sie nimmt sich das Bett über mir. Ich glaube, sie sieht in mir einen lieben Opa, der sie beschützen kann.

Das Publikum hat langsam aber sicher gewechselt. Es sind zum größten Teil neue Leute hier, die ich bisher noch nicht gesehen habe. Um 19.3o Uhr gibt es Pilgermenue. Danach bleibt nicht mehr viel Zeit. Dann ist Ruhe im Schiff und Licht aus. 22.oo Uhr, das Licht verlöscht und es kehrt Ruhe ein, in der Pilger-Karawane. Aber nur bis morgenfrüh. Dann zieht sie weiter, nach „Santiago de Compostela“.