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34. Etappe:
von „Sarria“ nach „Gonzar“ 30 km
Montag, den 06.10.2008

 

Um 07.oo Uhr verlasse ich die Herberge und gehe nach links, die Rua Mayor hinauf. Dabei passiere ich noch mehrere Herbergen. Es geht weiter, am Amtsgericht vorbei, am Templo del Salvador und an einer Kirche vorbei.

Vor der mittelalterlichen Burg, von der nur noch der Turm steht, geht es dann rechts vorbei.

Am Pilgerkreuz gehe ich links hoch und dann auf das Convento de la Magdalena zu. Hier geht der Weg nach links, den steilen Berg hinunter und dann am Friedhof vorbei. Bald komme ich zur Landstraße, auf der ich mich nach rechts wende und dann links, am Ponte Aspere, gehe ich über eine mittelalterliche Brücke, die „Puente Aspera“, über den „Rio Celerro“.

Ich gehe auf einem Feldweg weiter, bis zu den Bahngleisen, wo ich mich nach links wende und an den Schienen (Sancti Michaelis) vorbei gehe, bis ich sie, bei der neu erbauten, hohen Brücke, überquere. Dabei passiere ich den Weiler „As Peredes“ und wandere jetzt auf einem schönen Waldweg, steil hinauf, an etwa 100 Jahre alten Bäumen vorbei, auf eine Hochebene. Bald gehe ich durch das Dorf „Vilei“ und wandere dann weiter, durch die Felder, nach „Barbadelo“.

Dem Jakobsweg folgend, komme ich auch an der „Jakobskirche“ vorbei und dann sehe ich, am Ortsende, die „Albergue municipale Barbadelo“. Wenn man in diese Herberge geht, sollte man wissen, dass es hier zwar eine Küche gibt, aber ohne jegliches Geschirr und Besteck.

Es gibt keine Töpfe und keine Pfannen im Haus. Da es im Dorf auch nichts einzukaufen gibt, bedeutet das: Man muss sich, wenn man Hunger hat und nichts in seinem Rucksack dabei hat, an einem umgebauten Campingwagen, KIOSK verpflegen, der rechts, ca. 100 m nach oben versetzt steht. Hier gibt es Bacadillos, kleine Gerichte, Gebäck und Getränke.

Dieser Verkaufsstand gehört dem Ehemann der Hospitalera, der „Albergue municipale Barbadelo“. Dieses Geschäftsdenken grenzt schon an Nötigung. Ganz früher nannte man so etwas Wegelagerei.

Es gibt aber noch die Möglichkeit, wenn es die Kraft erlaubt, rechts an der Herberge vorbei und weiter den Berg hinauf zugehen, bis zu einer schönen „Albergue A Casa de Carmen“, mit Bar, Restaurant und am Abend Pilgermenue. Ich spreche hier aus persönlicher Erfahrung, aus dem vergangenen Jahr.

Also folge ich dem Weg und gehe links, an der „Albergue municipale Barbadelo“ vorbei und weiter auf der Asphaltstraße, leicht bergan, bis ich nach links, auf eine Piste abbiege und das Dorf „Rente“, 850 m weiter dann auch „Mercado“ durchwandere.

Nach ca. 1 km komme ich an einem Pilgerbrunnen vorbei. Dann biege ich rechts, in einen Feldweg ein und überquere, über eine schöne Brücke, einen Bach. Danach überquere ich noch die C-535 bei einem Restaurant.

Seit der Provinzgrenze, nach Galicien, hat sich vieles verändert. Die großen Monumentalbauten und Sehenswürdigkeiten gibt es hier nur allerhöchstens in den großen Städten.

Es gibt aber viele kleine Orte, die auch Weiler genannt werden. Sie haben kaum noch Ortsschilder. Um sich zu orientieren, habe ich die Wegmarkierungssteine fotografiert, auf denen jetzt, seit „Leon“, die Entfernung nach „Santiago de Compostela“, in km angegeben ist.

Es gibt hier überwiegend Hohlwege, die rechts und links, von uralten Bäumen gesäumt sind. In den Hohlwegen läuft man viel auf den „Corredoiras“. Uralte Handels- und Pilgerwege, auf die schon die alten Römer ihre sandalenbestückten Füße gesetzt haben. Es handelt sich bei den Corredoiras um Felsgestein, das den Untergrund, oder besser gesagt den Bodenbelag der Hohlwege bildet.

Ich komme durch das Dorf „Leiman“. Der nächste Ort ist „Cortinas“ und dann folgt „Brea“. Ab hier sind es nur noch 100,5 km bis “Santiago de Compostela“.

Das bedeutet, dass ab hier, jeder Wanderer, der diese 100 km, an Hand seines Credencials nachweist und auch beweisen kann, zu Fuß gegangen zu sein, in „Santiago de Compostela“ die Compostela (Pilgerurkunde) bekommt.

Wer sich in Spanien um eine Arbeitsstelle bewirbt und die Compostela in seinen Bewerbungsunterlagen hat, hat schon mehr Aussichten den Job zu bekommen, als derjenige, der sie nicht vorweisen kann.

Hier steigen dann die so genannten 100 km - Marschierer ein. Vor kurzem sah ich 4 junge Männer, denen man von weitem schon ansah, dass es Neulinge waren. Sie waren dunkelblau gekleidet und trugen einheitliche Rucksäcke, die sie mit gelben Schutzhüllen eingepackt hatten. Es ist sicher das schönste Wetter, die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel. Sie sind gekleidet, als gingen sie zur Kommunion. Am nächsten Kilometerstein mache ich mit den Neulingen ein paar Fotos.

Dann ziehe ich weiter und erreiche bald die „Albergue Casa Morgade“, direkt an der Landstraße. Hier mache ich die längst fällige Frühstückspause. Dann geht es wieder weiter, auf schwierigem Untergrund.

Denn der Weg führt, über lange Strecken, von diesen Corredoiras, bis es dann auf einem Feldweg, nach „Ferreiros“ weitergeht. Das „Dorf Ferreiros“ muß ich oberhalb umgehen. Dann geht es wieder hinunter und an „Miralos“ vorbei.

Die Wanderung geht nun durch die kleinen Dörfer „Pena“, - „Rozas“, - „Moimentos“, - „Loio“, - „Parrocha“ und „Villacha“. In Villacha haben die Anwohner eine Verpflegungsstation aufgebaut. Hier kann man sich auf Spendenbasis bedienen.Dann geht es, auf Feldwegen und Landstraßen weiter abwärts, bis ich an der Brücke, über den Stausee „Embalse de Belesar“ ankomme, der vom „Rio Mino“ gespeist wird.

Als ich im Jahre 2007, im Juli, den Stausee „Embalse de Belesar“, auf dieser Brücke überquerte, war der See gut gefüllt. Jetzt sieht er aus, wie eine Pfütze.

Er ist fast ausgetrocknet und die Reste, des Dorfes, das damals, nach dem Bau, in ihm unterging, sind jetzt zu sehen.

Ich gehe über die lange Brücke und steige dann die Treppen hoch, um in das Zentrum der Stadt „Portomarin“ zu gelangen. Es ist eine neue Stadt. Sie wurde hier oben, neu erbaut, bevor die alte Stadt, im Stausee „Embalse de Belesar“, versank.

Nur die alten Kirchen „Iglesia San Nicolas“ und „Iglesia San Pedro“ wurden, an ihrem ursprünglichen Platz, der jetzt mitten im Stausee liegt, abgebaut und an einem Platz, in der neuen Stadt, oberhalb des Stausees, wieder Stein für Stein aufgebaut. Leider sind auch diese Kirchen zu.

Ich treffe hier aber eine deutsche Reisegruppe, mit ihrem Pfarrer, die hier als Buspilger unterwegs war. Auch eine Gruppe Radfahrer, die hier rastete, ist aus Deutschland, mit zwei Packanhängern, für Fahrräder,

los gefahren und sie hatten bis hierher schon über 2.000 km zurückgelegt. Leider hatten sie aber, einen Anhänger, durch einen Defekt, verloren. Es machte ihrer guten Laune aber nicht aus.Nachdem ich hier eine ausgiebige Pause gemacht habe, muß ich weiterziehen, denn ich will noch nach „Gonzar“. Dann läuft mir das Ehepaar, aus Dresden, über den Weg. Sie sind froh, mich zu sehen, denn sie suchen den Weg, aus der Stadt hinaus.

Sie schließen sich mir an und wir gehen die Calle Mayor hinunter, überqueren, auf einer Fußgängerbrücke, den Stausee und gehen dann rechts, den Berg hinauf, bis wir links abbiegen und auf einem Waldweg, der sehr holprig ist, auf die Landstraße C-535 stoßen.

Hier gehen wir links und dann rechts und dann wieder links, an der Landstraße entlang, auf einem Parallelweg, neben der Straße, Richtung „Gonzas“. Nach 3,5 km, längs der Landstraße, erreiche ich „Gonzar“. Die Dresdener gehen noch einen Ort weiter, nach „Castromayor“, weil es dort eine Casa Rurale gibt und sie nur in Hotels oder Pensionen übernachten.

Ich gehe in die „Albergue municipale Gonzar“, in der ich bereits im vergangenen Jahr war, als sie gerade neu eröffnet war. Sie war so neu, dass wir damals noch kein heißes Wasser hatten. Nun, heute war alles gut und ich bekam auch ein Bett. Die Bude war schon sehr voll.

In den unteren Betten, der Doppelstockbetten, lagen nur junge Leute.

Alles Frischlinge, die nur 100 km gehen. Mit allen oberen Betten, mussten wir Betagteren vorlieb nehmen. Morgen sieht das alles schon wieder anders aus, denn die neuen Schuhe, die die Hundert-Kilometer-Marschierer dabei haben, drücken und machen das Wandern schwer. Außerdem ziehen wir zur gleichen Zeit los und dann liegen wir „Alten Haasen“ bald vorne. Nachdem ich meine übliche Arbeit verrichtet habe, gehe ich ins Dorf und sehe mir auch mal die private Herberge an, die sehr schön ist.

Unmittelbar neben der „Albergue municipale Gonzar“ ist eine Bar, die gutes Essen anbietet. Hier esse ich zu Abend, schreibe das Tagebuch, rufe zu Hause an und gehe dann ins Bett.

Es ist ja jetzt nicht mehr weit, bis „Santiago de Compostela“.