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35. Etappe:
von „Gonzar“ nach „Casanova“ 23km
Dienstag, den 07.10.2008

 Gonzar Bar

Was ist das denn? Das haben wir im Mai / Juni genug gehabt! Das brauche ich nicht! - Was? Es regnet in Strömen und es sieht nicht so aus, als ob es schnell wieder aufhören wird.

Ich lasse mir also Zeit, heute Morgen. Im Regen gehe ich nicht, dann bleibe ich lieber hier, setze mich nebenan in die Bar, bis die „Albergue“, im Dorf wieder öffnet und gehe dann dort hin. Ein holländisches Ehepaar, denkt genauso wie ich und wir verlassen als letzte die Herberge. Der Bar-Inhaber öffnet um 08.oo Uhr die Bar und wir können direkt, die paar Schritte, hinüber gehen. Zuerst bestelle ich mir ein ordentliches Frühstück.

Danach trinke ich noch einige Tassen Cafe con Leche - und es regnet weiter, in Strömen.

Gegen 10.oo Uhr kommen die ersten Pilger, die heute Morgen, in „Portomarin“ abgegangen sind. Die Bar und auch der Zeltvorbau, sind im Nu rappelvoll.

Alle sind nass, von Oben bis Unten. Das deutsche Ehepaar, welsches ich in „Sarria“ wieder getroffen hatte, kommt auch rein. Sie wettert und schimpft, wie so´n Rohrspatz und ärgert sich, dass ich trocken bin und sie klatschnass. Ich trinke noch in Ruhe 2 Tassen Kaffee. Gegen 11.oo Uhr lässt der Regen tatsächlich nach.

Darauf habe ich gewartet. Ich schnalle mir meinen Rucksack auf und wandere los. Das Regen-Cape kann ich schon nach kurzer Zeit ausziehen. Dann kommt auch noch die Sonne raus. Ich gehe weiter, auf dem Wanderweg, neben der Landstraße C-535 entlang, der sich dann etwas von der Straße absetzt. Nach ca. 850 m erreiche ich eine kleine Straße, auf der ich das Dorf „Castromaior“ durchquere. Dabei komme ich auch an der Casa Rurale vorbei, in der wohl die Dresdener abgestiegen sind.

Die werde ich wohl nicht mehr sehen, denn ich bin heute zu spät dran. Hinter „Castromaior“ geht es steil den Berg hinauf, bis zur C-535. An dieser Straße gehe ich dann wieder rechts und links, parallel entlang. Es geht immer bergauf, bis ich die Landstraße überquere und nach links, in einen Feldweg einbiege, der mich nach „Hospital da Cruz“ bringt.

Kurz hinter „Castromaior“, treffe ich, oben an der Landstraße C-535, einen Deutschen, den ich in der „Albergue Ave Fenix“, wo Christina Hospitalera ist, kennen lernte. Er erkundigte sich, bei Christina, wie die Busse nach „O Cebreiro“ fahren. Er hatte den „Camino“ für ein paar Tage unterbrochen und war nach Hause gefahren, um sein Schienbein, welsches ihm auch Probleme machte, auszukurieren.

Er war angeblich in „Cacabelos“ wieder eingestiegen. Das Schienbein schmerzte ihn aber immer noch, so dass er, bis „O Cebreiro“ mit dem Bus fahren wollte, um von dort weiter zu wandern. Ich treffe ihn nun hier oben an, in Begleitung. Eine Holländerin ist seine Begleitung. Ich sehe sie, in der „Albergue municipale Hospital da Cruz“, in „Hospital da Cruz“ verschwinden. Es ist gerade mal 11.3o Uhr.

Der Weg geht dann über eine Brücke weiter, nach „Ventas de Naron“. Danach geht es über kleine Straßen weiter, nach „Previsa“ und dann durch „Os Lameiros“, nach „Ligonde“. In „Ligonde“ sehe ich Lisa noch einmal.

Sie kommt gerade aus einer Tienda, in der sie eingekauft hat. Sie erzählt mir, dass sie von „Samos“ enttäuscht ist. Nicht vom dortigen Kloster, sondern von dem Mönch, der sie da herum geführt hat.

Sie ist etwas K.O., wie sie sagt und bleibt in der neuen „Albergue municipale Ligonde“. Das ist nun unwiderruflich das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben. Ich wünsche ihr alles Gute, „buen Camino“ und ziehe weiter, auf meinem Weg, zum Grab des hl. Jakobs.

Das nächste Dorf, durch das ich laufe, ist „Airexe“. Ich laufe hier, durch die Serra Ligonde. Man ist hier dazu übergegangen, mit Hinweistafeln, die Pilger auf Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten hin zuweisen. Ich gehe aber weiter, auf den schmalen Straßen, immer bergab und durch die Dörfer. Das nächste ist „As Cruces“ und weiter geht es nach „Portos Vilar de Domas“.

Dann folgt „Valos“. Ich komme durch „Remolcon Mamurria“ und nach „Ave Nostra Lamelas“. Weiter geht es, über den „Alto Do Rosario“ und nach
„O Rosario“.

Ab hier entfernt sich der Weg etwas von der Landstraße, an der ich seit einiger Zeit entlang gelaufen bin und ich komme, von oben herunter, nach „Palas de Rei“. Als erstes gelange ich in eine große Freizeitanlage, an deren Anfang eine große „Albergue“ eingerichtet ist. Sie bekommt keine gute Kritik, da sie ohne Konzept und planerisches Können erbaut wurde. Es geht dann auf einem gepflasterten Weg weiter, an den Sportstätten entlang, hinunter zur Stadt.

Ich gehe auf der Calle do Cruzzeiro in die Stadt um dann weiter, auf der Calle de la Iglesia hinab zu steigen. Der Weg geht an der Kirche vorbei und steige dann, auf der Treppe der Kirche, noch weiter hinunter. Ich gehe etwas nach rechts und treffe dort meine Freunde aus Dresden.

Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Es ist noch keine Bar offen und so ziehe ich mit den Dresdenern weiter. Vor der Kirche überqueren wir die Hauptstraße und gehen in die Travisia de la Iglesia hinein und auf vielen Treppen, weiter die Straße hinab.

Wir gelangen unten, auf die Avenida de Compostela, auf der auch gleich links, die „Albergue municipale Palas de Rei“ folgt. Den gelben Pfeilen folgend, verlassen wir die Stadt und gelangen außerhalb, auf die N-547, der wir in den Vorort „Caraballal“ folgen.

Am Ortseingang, gehen wir rechts ab, auf einen Feldweg. Ich wünsche den Dresdenern zum letzten Mal: buen Camino und sie ziehen weiter. Ich lege nochmals eine Pause ein.

Etwas später passiere den Ort „Alacua“ und komme nach „San Xullan“, ein schönes Dorf, das ich durchquere und gleich weiter gehe, zum Weiler „A Grana“. Vor diesem Ort überquere ich wieder die Landstraße und gehe dann weiter, auf einem Feldweg, nach „Casanova“, meinem heutigen Zielort, den ich nach 23 km, obwohl ich am Morgen, in „Gonzar“ so spät weggekommen bin, um 16.3o Uhr erreiche.

In der „Albergue municipale Casanova“ kehre ich ein und bekomme dort mein Bett für die Nacht. Da ich ja sehr spät hier einlaufe, ist im ersten Schlafraum, nur noch das obere Bett eines Stockbettes frei.

Da ich aber schon im vergangenen Jahr hier war, wusste ich, dass es noch einen zweiten Schlafraum gibt. So nahm ich einfach ein paar Kleidungsstücke, die dort herum lagen und verteilte sie, über das leere Bett. Ich gehe dann zur Hospitalera und sage ihr, es sei kein Bett mehr frei. Das musste sie sich natürlich ansehen, denn ihre Strichliste stimmte dann nicht mehr. Sie sah sich den gefüllten Schlafraum an und fand die Bestätigung dessen, was ich gesagt hatte. Sie holte also den Schlüssel und schloss den Schlafraum 2 auf.

Ich konnte mir jetzt sogar noch ein Bett aussuchen. Bei der Anmeldung fragte ich, ob es hier ein Pilgermenue gibt, oder ob es sonst etwas zu essen gibt. Sie sagte mir, dass es um 19.oo Uhr Pilgermenue gäbe. Da ich aber nicht sicher war, alles richtig verstanden zu haben, setzte ich mich schon gegen 18.oo Uhr in den Aufenthaltsraum und schrieb mein Tagebuch.

Ich frage mich dabei aber die ganze Zeit, wo wird denn hier dass Pilgermenue serviert? Es rührte sich nichts. Punkt 18.3o Uhr fuhr ein Auto vor und wir wurden abgeholt, zum Pilgermenue.

Im Schlafraum 1 lagen 4 Mallorciner, 3 Männer, 1 Frau. Sie waren mir schon in „Gonzar“, in der „Albergue municipale Gonzar“ aufgefallen, da die Frau, die dazu gehörte, die älteren Herren umsorgte. Ich hatte sie für eine Ehefrau, oder die Tochter, eines dieser Herren gehalten.

Sie hatten also auch Menue bestellt und so wurden wir, zu 5 Personen, zu einem neu erbauten Hotel gebracht. Hier war die „Albergue A Bolboreta“, wie das dort normal ist, integriert. Die 4 Mallorciner nahmen mich in die Mitte.

Mein rechter Nachbar, war lange in Deutschland gewesen und sprach gut deutsch. Er erzählte mir, dass sie alle von der Insel kommen, aber verwandtschaftlich nichts miteinander zu tun haben. Sie haben sich erst hier kennen gelernt, haben dann eine gemeinsame Kasse gebildet und ziehen nun, gemeinsam auf dem „Camino“. Es war eine lustige Runde.

Wir bekamen für 7,50 € ein gutes Menue und wurden dann, nachdem wir ein paar Flaschen Wein getrunken hatten, wieder zurück, zur „Albergue municipale Casanova“ gefahren. Der Schlafraum 2 war jetzt auch, voll belegt, als ich zurückkam. Es waren alles Hundert-Kilometer-Marschierer, die auf Grund ihrer verletzten Füße, nicht so schnell weiter gekommen sind. Als ich erzählte, wo ich gewesen sei, versuchten sie, auch noch Essen zu bekommen. Ging aber leider nicht, es war schon zu spät. Wie immer, ging um 22.oo Uhr das Licht aus und es war schnell Ruhe im Zimmer.