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37. Etappe:
von „Santa Irene“ nach „Santiago de Compostela“ 20 km
Donnerstag, den 09.10.2008

 Gedenkstätte eines Pilgers

Nur noch 20 km, also ein Katzensprung, ist es von hier, bis „Santiago de Compostela“ !

Bereits um 07.15 Uhr breche ich auf und gehe neben der Landstraße, auf einem Feldweg, in die noch richtig tief-schwarze Nacht. Ich habe geglaubt, ich könne ohne Taschenlampe laufen, bis es dann hell wird. - Das geht so aber nicht!

Ab hier, wo ich jetzt stehe, geht der Weg in einen Wald hinein. Dann fällt noch nicht mal mehr das Licht, von den vorbei fahrenden Autos, auf der N-547, auf diesen Weg. So muß ich notgedrungen, den Rucksack absetzen und die Taschenlampe auspacken. Danach geht es besser. Der Weg ist hier leicht abfallend und bringt mich auch wieder an die N-547, die hier überquert werden muß.

Das ist die bisher gefährlichste Stelle, des „Jakobsweges“, denn die Autos kommen hier, mit einer sehr hohen Geschwindigkeit, aus einer langen Linkskurve, den Berg herauf gebrettert. Hier muß man, die Beine in die Hand nehmen, um über die Straße zu kommen.

Ein paar Tage später, als ich schon in Richtung „Finisterre“ unterwegs war, wurde in den Nachrichten gemeldet, dass hier, an dieser Stelle, eine deutsche Pilgerin zu Tode gekommen sei.

Nach der Überquerung, der N-547, gehe ich zunächst rechts, neben der Landstraße her und nach ca. 200 m, geht die Asphaltstraße, in einen Waldweg über. Hier befindet sich wieder eine Gedenkstätte, für einen Pilger, der kurz vor dem Ziel, sein Leben aushauchte.

Ich gehe aufwärts, nach „A Rua“ und durchquere den Ort, der sehr schön ist. Zumindest bei diesem Licht.

Ich wandere weiter und überquere nun die N-547 wieder. Dann gehe ich gleich nach links, in einen Waldweg hinein, der dann etwas später zur Asphaltstraße wird. Auf dieser Straße muss ich nach rechts gehen, um zur Sporthalle zu kommen und dort, an der Kreuzung, nach rechts und kurz danach wieder nach links.

So komme ich wieder auf einen Waldweg und kurze Zeit später nach „San Anton“. Ich gehe durch das Dorf, um dann dahinter, wieder nach links, in den Wald hinein zu schwenken.

Hier treffe ich zwei Frauen, die laut im Wechselgebet vertieft sind und dabei stetig weiter wandern. Aus dem Wald heraus, gehe ich dann, einem Feldweg folgend, nach rechts, auf eine Straße, um dann bei „Amenal“ mal wieder die N-547 zu überqueren.

Nun geht es, auf einen Waldweg, berauf. Der „Camino“ führt mich zunächst steil den Berg hinauf, auf einen mittlerweile ausgewaschenen und breit angelegten Weg, der zum Ausbau des Flughafens benötigt wird. Den Flughafen muss ich nun weitläufig umrunden.

Man hört zunächst nur den Lärm, vom Flughafen, sieht aber noch nichts davon. Oben angekommen, auf dem Plateau, sieht man dann, wie die Maschinen starten und landen. Aber nur, wenn sie schon abgehoben haben, oder noch im Landeanflug sind. Hier geht nun der Weg, um die Start- und Landebahnen herum, bis zu einem Kreisverkehr, an einer Zubringerstraße.

Hier gehe ich wieder nach links, in einen Wanderweg, der parallel zur Landstraße verläuft. Am Beginn steht ein Pilger-Monument, aus Stein, mit Muschel, Wanderstock und Kallebasse. Ab hier sind es nur noch 14 km bis zur „Kathedrale“ in „Santiago de Compostela“.

Nach 15 Min. erreiche ich den Weiler „San Paio“. In der Bar, die direkt am Weg liegt, mache ich meine Pause, bei Bocadillo und Cafe con Leche. Es sitzen 2 Pilgerinnen hier, die bei der 100 km Markierung eingestiegen sind. Eine von beiden, ist so sehr verletzt, dass sie nicht mehr weiter gehen kann. Da fließen heiße Tränen, so kurz vor dem Ziel.

Ich gehe bald weiter. Es geht jetzt, auf einer kleinen Asphaltstraße, ca. 2 km weiter, bis „Labacola“ und über den „Rio Labacolla“. Dann geht es wieder hinauf, nach „Villamayor“. In der privaten „Albergue“, mache ich noch mal eine Pause. Nur für eine Cola und dann geht es weiter. Ich wandere durch „Villamayor“ und weiter, den Berg hinauf, an „San Marcos“ vorbei. Vor „San Marcos“ ist links schon der Hügel zu sehen, mit dem Papstmonument.

Der „Monte Gozo“ ist erreicht.

Ich gehe durch den Ort „Monte de Gozo“, bis zur Kreuzung. Hier gehe ich gerade aus weiter, leicht bergauf. Rechts und links nur zerfallene Häuser, dann kommt nach ca. 1 km „Marcos del Monte del Gozo“. Hier hole ich mir zuerst meinen Stempel, ins Credencial.

Dann rufe ich meine Helga an und gehe wieder mit ihr, die Treppe hoch, zum Papstdenkmal, auf dem Papsthügel.

Nachdem ich um das Monument herum gegangen bin, sehe ich unten, vor der „Ermita de San Marcos del Monte del Gozo“, meinen Wanderstock stehen. Es ist das erste Mal, dass ich ihn stehen gelassen habe. Da wird es Zeit, hinunter zukommen, sonst ist er weg, - auf Wanderschaft. Das wäre zu schade.

Ich setze mich, für ein paar Minuten, in die Kapelle und lasse mal die Seele baumeln. In Gedanken, an den Weg, den ich mit Helga begonnen hatte und dann, ab „Santo Domingo de la Calzada“, bis hier, alleine gegangen bin.

In meinen Gedanken, war Helga immer mit dabei.

Ich bin heute, zum zweiten Mal, hier oben angekommen und habe die Stadt, von hier aus, als Ziel gesehen. Ich habe mich sehr gefreut, es erneut geschafft zu haben und weiß, dass ich heute noch, in der „Kathedrale“ einkehren werde.

So ziehe ich, nach einer längeren Pause weiter, an der „Ermita de San Marcos del Monte del Gozo“ rechts vorbei, den Berg abwärts, immer die Stadt vor Augen. Nach ca. 350 m, komme ich an der großen „Albergue Monte de Gozo“ vorbei.

Weiter geht es hinab, bis unten links, Figuren und Monumente, vor dem letzten Haus, am Abstieg, sichtbar sind.

Ich gehe weiter geradeaus, die Treppe hinunter, bis zur Hauptstraße, auf der ich zum Kreisverkehr gelange. Nach 0,5 km biege ich links ab und gehe in die Stadt hinein. Ich durchquere eine Grünanlage und wandere weiter, die Straße entlang und den gelben Pfeilen folgend. Ich komme an der „Albergue Residencia de Peregrinos San Lazaro“

vorbei, die auf der Rua do Valino, in einem Häuserblock, unterhalb der Straße, untergebracht ist.

Ich gehe weiter, bis zur Plaza de San Pedro, weiter zur Plaza Porta de erledige do Obradoiro und stehe dann endlich, vor der„Catedral de Santiago de Compostela“

Das Papstdenkmal auf dem Berg der Freude, (Monto do Gozo)

 

Die Pilgermesse ist schon längst vorbei, so gehe ich zu erst ins Pilgerbüro in der Rua do Vilar und hole mir dort

Meine 2. Compostela

Hier bekomme ich auch den Schluss-Stempel des Pilgerweges. Dann melde ich mich zuerst einmal zu Hause, denn Helga ist bei H.-J.Geratz. Sie wollen mich über die Webcam, die in der Rua Vilar, über dem Pilgerbüro, Richtung Brunnen, installiert ist, einfangen und zu Hause sehen.

Nachdem das gelungen ist, gehe ich weiter, zur Massenherberge „Albergue Seminario Menor la Asuncion“.

Es ist ein ehemaliges Priesterseminar und liegt nur ein paar Straßen, von der „Kathedrale“ entfernt, in einer großen Parkanlage, oben auf einem Berg. Ich bekomme mein Bett. Es gibt nur Einzelbetten, das ist schön.

Es folgen die täglichen Arbeiten. Dann gehe ich noch etwas in die Stadt. Ich brauche etwas zum Essen und ich will mir schon mal den Weg, durch die Altstadt ansehen, den ich morgen früh, wenn es noch dunkel ist, gehen muß.

Die Pilgermesse werde ich erst dann mit machen, wenn ich aus „Finisterre“ zurückkomme. Morgen will ich gleich weiter gehen, über „Muxia“, nach „Finisterre“, zum „0 - Punkt“.

Abends, wenn die Gebäude angestrahlt werden, hat man einen schönen Blick, über die Stadt. Nachdem ich mein Tagebuch geschrieben habe und auch den Rucksack wieder soweit, wie möglich, gepackt habe und auch noch einmal mit Helga telefoniert habe, gehe ich ins Bett, denn morgen geht es weiter, auf meinem Weg. Um 22.oo Uhr geht wieder das Licht aus und es ist bald Ruhe im Saal.

Ich werde mitten in der Nacht, durch einen heftigen Schlag, auf die linke Schulter, wach.
Dann sehe ich, wie ein Franzose, der links neben mir lag, sein Bett greift, es ca. 5 m weiter zieht und sich dort niederlässt. Ich gehe einmal davon aus, dass er durch mein Schnarchen geweckt wurde und so erbost war, dass er sogar nach mir geschlagen hat. Daher der Schlag auf die Schulter. Ich kann dies aber nicht beweisen.

Was kann ich jetzt tun, dachte ich? Wenn ich ihn jetzt zur Rede stelle, mache ich alle anderen Pilger, die mit im Saal liegen, (Von denen einige auch laute Geräusche verursachten) wach. Haue ich zurück, dann fliege ich auch, mit dem Franzosen, aus der „Albergue“. So beließ ich es dabei und hoffte, ihn auf dem weiteren Weg, noch einmal zu treffen.

Leider hatte ich auch nicht die Möglichkeit, bei der Direktion etwas zu unternehmen, denn die Herbergen werden in der Regel, von Freiwilligen geführt und diese verlassen, nachdem die Herberge geschlossen ist, das Haus. Am anderen Tag, ist dann vor 8 bis 9 Uhr niemand zu erreichen.

Der Franzose hätte sonst, mit Sicherheit, die Herberge, noch in der Nacht, verlassen müssen. Morgens war ich, da ich wieder weiter zog, schon früh weg und konnte auch keinen erreichen.