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38. Etappe:
von „Santiago de Compostela“ nach „Negreira“ 22km
Freitag, den 10.10.2009

Hier beginnt nun das Stück, des Weges, welches ich noch nicht gegangen bin.

 Pilgerkreuz

Ich habe schon früh die „Albergue Seminario Menor la Asuncion“ verlassen und gehe bereits um 06.3o Uhr an der „Catedral de Santiago de Compostela“ vorbei und über die „Praza do Obradoiro“. Ich lasse das „Hotel Parador“ rechts liegen und gehe links, eine Treppe hinunter, auf die „Rua das Hortas“. Links begrenzt der „Pazo de Raxoi“ den „Praza do Obradoiro“ und daneben befindet sich das „Colegio de San Jeronimo“.
Der Franzmann, der mich, in der vergangenen Nacht, so unsanft geweckt hatte, hatte wahrscheinlich Angst, vor der eigenen Courage, bekommen, denn er passte auf, als ich in den Waschraum ging und kam hinter mir her. Er wollte sich bei mir endschuldigen. Ich machte ihm aber unmissverständlich klar, dass er mir nicht zu nahe kommen sollte. Als er es dann doch tat, hatte er halt etwas Pech und ich, ein kurzes Glücksgefühl.

Ich gehe also die Rua das Hostas hinunter, dann recht/links und dann durch die Rua do Cruzeiro do Gaio, die Rua da Poza de Bar und die Rua San Lorenzo, bis zu einem Park, durch den ich eigentlich rechts herum gehen müsste. Hier verlaufe ich mich dann allerdings, weil ich gerade aus weiter gehe. So wandere ich nun, auf einer Ausfallstraße weiter, durch die Vorstadt. Ich versuche zwar, mich nach rechts, von der Straße weg, zu orientieren und laufe aber glatt in die Irre. Ich gehe dann einen Weg, der mich durch einen Wald führt und dann auf eine Asphaltstraße. Hier geht es nur nach rechts oder nach links. Ich entscheide mich für links und komme so, wieder zurück, zur Ausfallstraße, die in Richtung „Negreira“ führt. Ich laufe nun ein gutes Stück, auf dieser Nationalstraße entlang, bis ich in „Roxos“, von einem Spanier, wieder auf den „Jakobsweg“ eingewiesen werde. Ich erreiche so, auf Umwegen, endlich „Quintans“ und gehe dann, auf einem Waldweg, hinauf auf den „ Alto do Vento“ und erreiche den Weiler „Ventosa“.

Entlang der Straße AC-453, laufe ich nach „Aguapesada“. Bevor ich den Ort, am Ende, nach rechts verlasse, gehe ich etwas weiter, zu einer Bar, mit Tienda und mache dort meine Frühstückspause. In der Tienda kaufe ich noch eine neue eiserne Ration ein und gehe dann weiter. Nachdem ich etwas zurückgegangen bin, biege ich links ab und gehe nun eine Straße entlang, die kurze Zeit später, in einen steilen Waldweg mündet. Dem Weg folgend, komme ich der AC-453 wieder zwei Mal sehr nahe und betrete sie dann beim dritten Mal. Ab jetzt wandere ich auf ihr weiter, immer bergauf, auf den „Alto do Mar de Ovellas“ bis es wieder abwärts geht und ich im Anschuss, durch „Carballo“ und weiter, nach „Trasmonte“ gehe.

Weiter geht der Weg, auf der Straße, über „Reino“ und „Burgueiros“, bis in das historische Dorf „Ponte Maceira“, eines der schönsten Dörfer auf dem „Camino“. Noch bevor ich über eine mittelalterliche Brücke gehe, komme ich an der rechts, vor der Brücke liegenden Bar vorbei und dann geht es über die Brücke.

Es ist ein ähnliches Bauwerk, wie die Brücke in „Hospital de Orbgo“. Sie ist ca. 150 m lang und führt über den „Rio Tambre“. Ich gehe, hinter der Brücke, nach rechts, aus dem Dorf hinaus und noch ein Stück am „Rio Tambre“ entlang, nach „Barca“ und erreiche dann den Vorort „A Chancela“ und nach weiteren 3,5 km, mein heutiges Etappenziel, „Negreira“.

Um zur städtischen Herberge zu kommen, durchquere ich, der Länge nach, den Ort und gehe rechts, an einem großen Supermarkt vorbei. Hier wäre noch die Möglichkeit einzukaufen, denn in der Herberge, am Ort, gibt es nur einen Getränkeautomaten.

Dann geht der Weg nach links und ich entferne mich von der Hauptstraße. Ich laufe an einem alten Bauwerk vorbei und durch ein historisches Stadt-Tor. Kurz darauf überquere ich den Rio Barcala“ und verlasse nun die Stadt „Negreira“. Es geht nach links, steil den Berg hoch. An der Einmündung, wo rechts der „Camino“ weitergeht, gehe ich noch etwas weiter geradeaus und weiter den Berg hoch und erreiche nach ca. 260 m die „Albergue de Peregrinos“ von „Negreira“.

Es ist noch früh, erst 13.3o Uhr. Die Hospitalera ist noch nicht da. Das Haus ist aber offen und so gehe ich hinein und ins Obergeschoss. Hier suche ich mir ein Bett aus. Ich bin heute der Zweite. Ein junger Bursche, den ich beim Aufstieg, zum „Alto do Mar de Ovellas“ kennen lernte, ist auch schon da. Er will aber nicht bleiben, sondern lieber noch eine Station weiter gehen. Die nächste Herberge ist „Vilaserio“, eine Notherberge, die man eigentlich wirklich nur im Notfall aufsucht. Sie ist noch 13 km entfernt. Er hält sich auch nicht mehr lange auf und zieht weiter. Er wird mir sicher morgen erzählen, wie es dort war.

Nachdem ich mein Bett bezogen habe und auch mein Schlafsack ausgerollt ist, gehe ich nach unten. Die Hospitalera ist inzwischen auch da und ich melde mich an. Die „Albergue Peregrinos Negreira“ ist ein schöner Neubau und mit allem ausgestattet, was ein müder Pilgersmann so braucht. Draußen, auf der Wiese, um die Anlage herum, stehen mehrere Zelte, mit Matratzen.

Nachdem ich auch hier meine täglichen Arbeiten erledigt habe, gehe ich zum Ortsteil „Iglesia“, der etwas oberhalb liegt. Hier schaue ich mir die Kirche und die dazu gehörenden Bauten an. Es ist sehr warm heute und ich setze mich dort etwas in die Sonne. Als ich zurückkomme, in die „Albergue Peregrinos Negreira“, ist hier der Teufel los. Die Empfangshalle, die gleichzeitig auch Aufenthaltsraum, mit angeschlossener Küche ist, ist voller Pilger.

In den städtischen Herbergen, sind die Hospitaleros/ras, nur immer zu gewissen Stunden im Haus. Es ist hier so üblich, wenn nun keiner da ist, trägt man sich selbst ins Buch ein, damit ist auch die Reihenfolge gewährleistet und es steht dann fest, wie jeder angekommen ist. Der Reihe nach, werden dann die Betten verteilt. Damit war von Vorne herein geklärt, wer die Betten bekommt und wer dann draußen im Zelt schlafen muss. So saßen die Pilger im Vorraum und warteten auf die Hospitalera. Diejenigen, die früh genug angekommen waren, bevor alle 20 Betten, die das Haus eben nur hat, belegt waren, hatten ihr Bett und ihren Rucksack bereits verstaut. Die, die danach kamen, mussten sich eben notgedrungen in die Zelte verkriechen.

Die meisten hatten sich damit auch schon abgefunden, nur eine Frau nicht die mit ihrer Freundin unterwegs war. Sie war wohl schon einmal, im vergangenen Jahr, hier gewesen und wusste, dass es hier auch ein so genanntes Krankenzimmer gab. Dieses ist in den städtischen Herbergen Standard.

Als sie in die Herberge kam und sah was hier los war, sagte sie: „Wir sind eindeutig, heute Morgen, zu spät weggekommen“. Dann begann sie alle zu nerven. Sie erklärte, sie brauche unbedingt 2 Betten und es ginge doch nicht, dass sie, mit ihrer Freundin, im Zelt übernachten müsse. Ohne Rücksicht zu nehmen, auf alle, die dort waren und geduldig auf die Hospitalera warteten. Um 20.oo Uhr, nahm die genervte

Hospitalera die letzte Einteilung vor.

Plötzlich hatte die nervende Dame schon mal 1 Bett. Sie jammerte dort herum, in einer Lautstärke, die alleine schon eine Unverschämtheit war. Sie könne doch auch ein Bett im Krankenzimmer haben, usw. Rücksichtslos verlangte sie, noch bevor sie das erste Bett hatte, im Krankenzimmer 2 Betten zu bekommen.

Sie wäre normal, so ziemlich als Letzte an der Reihe gewesen, denn da waren noch einige vor ihr dran. Das Krankenzimmer hatte nur 4 Betten. Langer Rede, kurzer Sinn! - Sie nötigte einen jungen Mann so lange, bis dieser sich bereit erklärte, im Zelt zu übernachten. Auch hier wären normal zuerst die Anderen dran gewesen, da es grundsätzlich der Reihe nach geht.

Die Hospitaleros / ras lassen sich hier normalerweise auch nicht beeinflussen und vergeben entsprechend die Betten. Erst wenn bis 20.oo Uhr wirklich keine Kranken eingetroffen sind, vergeben sie erst die Betten, im Krankenzimmer. Aber dann an die, die als nächstes dran sind.

Nun hatte die Dame ihre 2 Betten, doch die standen auseinander und auch noch in verschiedenen Zimmern. Das ging natürlich nicht! Nun versuchte sie, alle dazu zu bewegen, die Betten zu tauschen, um 2 Betten nebeneinander zu bekommen.

Da konnte ich mich nicht zurückhalten, als ich sah, wie die Pilger, die noch kein Bett bzw. keinen Schlafplatz hatten, geduldig auf die Einweisung warteten und diese unangenehme Frau immer noch nicht zufrieden war. Ich stellte sie zur Rede und wies sie darauf hin, dass ich nun zum 2. Mal auf dem „Camino“ unterwegs sei und so etwas Unverschämtes noch nicht erlebt hätte. Daraufhin benahm sie sich, als hätte sie überhaupt nichts gemacht.

Im Gegenteil, als hätte man ihr, die Betten regelrecht aufgezwungen. Danach konnte sie aber nirgendwo und bei keinem mehr landen. Sie und ihre Freundin mussten in getrennten Räumen schlafen. Hier kamen noch sehr spät, ein Mann und eine junge Frau herein. Ich schätze, dass er um die 35 Jahre alt war und sie etwas über die 20 Jahre alt. Ich hatte die beiden, auf dem Weg hierher, schon mehrmals gesehen.

Das heißt, wir waren schon öfter, aneinander vorbei gelaufen. Er machte auf mich einen etwas unnahbaren Eind

ruck. – Wieso? - Weiß ich nicht. Sie hielten sich auch nicht an Anderen auf, sondern verzogen sich, sofort in ihr Zelt.

Dann saß mir, am Abend, ein Franzose gegenüber. Er hatte einen gesunden Appetit. Er hatte Suppen und alles Mögliche an anderen Sachen bei sich. Er verstand mich nicht und ich ihn auch nicht. Aber er erzählte mir, alles Mögliche und es störte ihn auch nicht, dass ich ihn nicht verstand.

 

Ich schrieb also mein Tagebuch und um 22.oo Uhr, das kennen Sie schon, ging das Licht aus. Ein schöner Tag, mit heißer Sonne, war zu Ende.