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39. Etappe:
von „Negreira“ nach „Olveiroa“ 34 km
Samstag, den 11.10.2009

 der Sonnenaufgang

Um 07.oo Uhr verlasse ich die „Albergue Peregrinos Negreira“ und gehe, die paar Meter, zurück, bis zum Weiler „Iglesia“. Hier gehe ich durch das Dorf und an der „Iglesia“ vorbei. Dann geht es gleich wieder, aus dem Dorf hinaus.

Es ist noch dunkel und so kommt es, dass ich auf der Asphaltstraße, die einen Rechts-Knick macht, einfach weiter laufe, wo ich eigentlich hätte nach links, in den Wald hinein gehen müssen. Es geht noch ein gutes Stück, den Berg hinunter und dann stehe ich, auf einer Landstraße, auf der ich nach rechts, aber auch nach links gehen könnte. Es fehlen aber die gelben Pfeile und dadurch weiß ich, dass ich falsch bin. Also wieder zurück. - Den steilen Berg wieder hinauf und dann, an der Spitzkehre, rechts in den Wald hinein. Dann sind auch die Pfeile wieder da und ich bin wieder richtig. 

Ich bin nun auf einem schönen Waldweg, der im Dunkeln sehr geheimnisvoll aussieht. Nach etwa 1 km gehe ich auf eine Piste und dann komme ich auf die Landstraße CP-5603, die mich in den Weiler „Zas“ bringt. Ich gehe durch das Dorf und gehe mal rechts, mal links, auf verschiedenen Wegen und dann wieder nach links, auf einen Waldweg. Diesem Waldweg folgend, komme ich nach einem ½ km zum Dorf „Aro“. Ich gehe aber gleich wieder rechts, auf eine Piste und dann in einen weiteren Waldweg, dem ich nach unten folge. Dann überquere ich eine Pistenkreuzung und ab jetzt geht es steil in den Wald hinauf. Ich wandere bis zu einer Straße, die ich überquere und dann weiter, diesem Waldweg, steil hinauf folge.

Ich folge immer den gelben Pfeilen, mal rechts, mal links. Ich überquere wieder eine Straße und folge immer weiter, bergauf dem Waldpfad. Nachdem ich mehrmals die Richtung und die Pfade gewechselt habe, gelange ich in das Dorf „Rapote“. Ich wandere durch das Dorf und gehe einen sehr holprigen Weg, nun aber wieder berauf. Nun geht es wieder rechts und links, auf steinigen Waldpfaden, nach „A Pena“. Weiter den Wegmarkierungen, durch den Wald folgend, erreiche ich dann, gegen 10.oo Uhr, nach ca. 13 km, das Dorf „Vilaserio“.

Sobald ich aus dem Wald heraus komme und die Landstraße betrete, wende ich mich zur einzigen Bar, weit und breit und mache hier Frühstück. Nachdem ich hier mein Frühstück genossen habe, gehe ich weiter und wende mich dann nach links. Ich wandere nun auf der Landstraße CP-5603 entlang und komme zu einer Notunterkunft, die in einer alten Schule untergebracht ist. Bis hier, ist gestern, der junge Mann gegangen, der zusammen mit mir, als Erster, in der „Albergue Peregrinos Negreira“ angekommen ist.

Da die „Albergues“ und Unterkünfte immer offen sind, auch wenn Niemand da ist, gehe ich hinein, um mir das Teil mal an zusehen. Es ist wohl die schlechteste und unsauberste Unterkunft, die ich auf dem ganzen Weg gesehen habe. Die Toilettenanlage zwingt einen regelrecht, sich lieber nach draußen, in die Natur, zu begeben. Zum Schlafen gibt es keine Betten, sondern nur Matratzen, die sehr verdreckt, an der Wand lehnen. Die Türen, zu den Nassräumen, sind zerstört und defekt. Es handelt sich hier um ein altes Schulgebäude, mit 2 Klassenräumen. Ein Raum im OG. Ein Klassenraum im EG. Nur der Stempel, für das Credencial muß sehr schön sein. Da aber Niemand da war, konnte ich Diesen leider nicht bekommen.

So zog ich angewidert, von dieser Behausung, weiter und erreiche „Caronado“. Am Dorfbrunnen gehe ich nach links weiter. Ich befinde mich jetzt hier, auf einem Hochplateau, der Region „Xallas“, in der Korbflechter beheimatet sind. Diese Gegend ist auch bekannt, für Strohhüte, die hier hergestellt werden. Auf Wirtschaftswegen erreiche ich die nächsten Orte „As Maronas“ und „Santa Marina“. In „Santa Marina“ begegnet mir der Franzose, der gestern, mit mir zusammen, am Tisch saß und einen gesunden Appetit entwickelte.

Es beginnt jetzt, das immer wiederkehrende Spiel, auf dem Camino. Er überholt mich, ich überhole ihn. Wir sprechen dann kurz zusammen, ohne dass Einer den Anderen versteht, wünschen uns „Buen Camino - Peregrino“ und jeder läuft, in seinem Rhythmus, weiter. Spätestens am Abend, in der Herberge, sieht man sich sowieso wieder.

Auf der Straße geht es weiter, nach „Geima“ und „Bon Xesus“ und schließlich nach „Vilar de Castro“. Hier, auf diesem Stück, geht die Straße in eine Senke hinein und dann nach links hoch. Auf dieser Strecke überholt mich dieses ungleiche Paar. Die beiden, welche gestern noch so spät kamen. Auch hier sagen beide, die einen größeren Abstand von einander hatten, nur knapp die Tageszeit, als sie vorbeigehen. Ich sehe sie dann, auf diesem langen Weg, den ich vor mir, weit einsehen kann, in der Ferne dann verschwinden.

Hinter „Vilar de Castro“ macht die Straße einen Rechtsknick und geht weiter, durch Wald und Wiesen. An diesem Rechtsknick ist ein Rastplatz, für Pilger, angelegt und hier lege ich auch eine Pause ein. Ich gehe dann weiter, nach links, in eine kleine Straße und steige über einen kleinen Pass. Es ist der Pass von „Bon Xesus“. Von hier aus sieht man bereits den „Fervenza Stausee“. Den Berg hinunter, gelange ich dann nach „Lago“.

Ich bleibe weiter auf der Hauptstraße und gehe, am Fuß des Berges, nach links und wandere nun nach „Abeleiroas“. Weiter führt mich der Weg, nach „Cozon“, an dem ich links vorbei gehe, nach „Mallon“. Im Dorf gehe ich mal rechts, mal links und verlasse das Dorf wieder, auf einer kleinen Asphaltstraße. Bei den nächsten Häusern, gehe ich nach rechts. Ich folge der Straße, bis es nach rechts und dann wieder nach links geht und erreiche alsbald, nachdem ich die Brücke, über den „Rio Xallas“ überquert habe, das Dorf „Ponte Olveira“. Hier bin gleichzeitig, in der Großgemeinde „Dumbria“.

In der Dorfmitte gehe ich dann nach links, einen kleinen Hügel hinauf, hinter dem sich das Dorf „Olveiroa“ versteckt. Ich wandere auf der CP-3404 ca. 1,5 km bergauf und bin am Zielort, der heutigen Etappe, angelangt. Ich gehe nach rechts, in das Dorf hinein und wandere über eine schöne, neue Straße, die aus massiven Bruchsteinen gebaut wurde, welche aus der hiesigen Gegend stammen und die mit schönen Laternen ausgestattet ist. Es ist ein wirklich schönes, altes Dorf, am Ende dieser neuen Straße, das ich jetzt betrete. Rechts hoch, geht es zur „Albergue Santo de Ol Veiroa“. Es handelt sich hier um sehr schön restaurierte, alte Bauernhäuser, die sich gegenüber stehen.

Ich bekomme in der „Albergue“ mein Bett. Der Junge, vom Vortag, der bis in die erwähnte Notunterkunft gepilgert war, ist natürlich schon da, da er heute ja nur 20 km zurück zulegen hatte. Er erzählte mir, von den Missständen, in dieser Herberge und bereute schon, dass er noch dorthin gegangen war. Er hatte, mit 6 weiteren Pilgern, diese Anlage bewohnt und war dann froh, als er hier angekommen war und sich nun ordentlich duschen und waschen konnte.

Am Nachmittag treffen wir uns, in der Bar, am Ortsende. Es ist eine fröhliche Runde versammelt und wir harren aus, bis zum späten Abend, denn hier gibt es auch Pilgermenü. Ich bin natürlich der Älteste in der Runde. Die meisten könnten meine Enkel sein. Da ich kein Englisch spreche und die jungen Leute, die aus verschiedenen Ländern kommen, sich in Englisch unterhalten, bin ich auch hier zum Teil, nur auf das Beobachten beschränkt. Natürlich sprechen die Deutschen unter ihnen, auch deutsch und ziehen mich dadurch, mit in ihr Gespräch. Das Beobachten macht aber auch Spaß.

Mit am Tisch, sitzt ein Pilger, etwa in meinem Alter. Er ist aus Düsseldorf. Er macht irgendwie einen seltsamen Eindruck. Er erzählt, dass er den Küstenweg gegangen ist. Ich habe den Wanderführer vom „Camino del Norte“ gelesen (das ist der Küstenweg) und darin steht, dass der Weg auch direkt am Meer vorbei führt. Er behauptet aber, das sei nicht so. Man sehe das Meer kaum. Sein Verhalten, an den folgenden Tagen, lässt einen starken Zweifel an seinen Aussagen aufkommen.

Dann kommt die „liebenswerte“ Madam die Straße herunter, die gestern in der „Albergue Peregrinos Negreira“, für 2 Betten, den Aufstand provozierte. Sie trägt ein langes Kleid und sieht damit so richtig fehl am Platze aus. Alle grinsen sich nur gegenseitig an. Dann fallen ein paar leise Bemerkungen. Sie hat das offenbar mitbekommen und geht dann, zusammen mit ihrer Freundin, mit hoch rotem Kopf, in die Bar und pflanzt sich dort an die Theke.

Ihr Auftritt, am gestrigen Abend, wirkt noch nach. Niemand beachtet sie und man lässt sie links liegen, was unter den Pilgern eigentlich nicht üblich ist, da wir alle eine große verschworene Gemeinschaft sind. Sie hat halt den Bogen erheblich überspannt.

Nach dem Abendessen wird es Zeit, in die „Albergue Santo de Ol Veiroa“ zu kommen. Ich muß noch meine gewaschene Wäsche abhängen und verstauen. Dann geht schon das Licht aus. Eine lange Etappe war das heute, aber schön.